Deutscher Bundestag: Drucksache 13/4554 vom 08.05.1996 Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Texte von Bundestagsdrucksachen kann nicht übernommen werden. Maßgebend ist die Papierform der Drucksachen. Aus technischen Gründen sind Tabel- len nicht formatgerecht und Grafiken gar nicht in den Texten enthal- ten. Teile der Drucksachen (Anlagen), die z. B. im Kopierverfahren hergestellt wurden, fehlen ebenfalls. Unterrichtung durch die Bundesregierung Bundesbericht Forschung 1996 Inhalt Seite Teil I Perspektiven der Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesregierung 5 1. Zukunft möglich machen -- Koordinaten und Ziele der Forschungs- und Technologiepolitik 6 2. Herausforderungen für Forschung und Technologie im 21. Jahrhundert 10 2.1 Globalisierung 10 2.2 Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands im internationalen Wettbewerb 13 2.3 Wandel der Arbeitswelt 18 3. Forschung als Teil der Zukunftspolitik 21 3.1 ,,Unternehmen Forschung" -- Topographie der deutschen Forschungslandschaft 21 3.2 Von der Forschung zur Innovation 28 3.3 Forschung -- Die Zukunftswerkstatt 34 3.4 Forschung braucht Bildung 34 3.5 Frauen in der Forschung 36 4. Leitbilder der zukunftsorientierten Forschungs- und Technologiepolitik 37 4.1 Spitzentechnologie für Produktion und Dienstleistung -- Chancen für mehr Beschäftigung 37 4.2 Nr. 1 in Europa -- Chancen der Biowissenschaften und -technologie für den Standort Deutschland 39 4.3 Wachstum durch Wissen: Zukunft der Informationsgesellschaft 43 4.4 Energie und Umwelt: Nachhaltige Entwicklung dauerhaft sichern 47 4.5 Mobilität -- Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch 49 4.6 Wettbewerbsfähigkeit durch internationale Kooperation 53 Seite Teil II Die Ressourcen für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und im internationalen Vergleich 57 Einführung 58 1. Die Wissenschaftsausgaben 58 2. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung 59 3. Das in Forschung und Entwicklung tätige Personal 65 4. Die Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung 69 5. Zum Anteil der Grundlagenforschung an der Forschungsförderung durch den Bund 81 6. Die Ausgaben der Länder für Wissenschaft, Forschung und Enwicklung 83 7. Gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder 85 8. Die Ressourcen der Hochschulen für Forschung und Entwicklung 88 9. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 90 10. Die Ressourcen für Forschung und Entwicklung im internationalen Vergleich 115 11. Patent- und Lizenzbilanz der Bundesrepublik Deutschland 125 Teil III Schwerpunkte der Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundes 131 Einführung 135 1. Trägerorganisationen; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme 137 2. Großgeräte der Grundlagenforschung 145 3. Meeresforschung und Meerestechnik, Polarforschung 148 4. Weltraumforschung und Weltraumtechnik 154 5. Energieforschung und Energietechnologie 158 6. Umweltforschung; Klimaforschung 167 7. Forschung und Entwicklung im Dienste der Gesundheit 183 8. Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen 191 9. Informationstechnik (einschließlich Fertigungstechnik) 195 10. Biotechnologie 208 11. Materialforschung; physikalische und chemische Technologien 215 12. Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie 222 13. Forschung und Technologie für bodengebundenen Transport und Verkehr (einschließlich Verkehrssicherheit) 225 14. Geowissenschaften und Rohstoffsicherung 230 15. Raumordnung und Städtebau; Bauforschung 233 16. Forschung und Entwicklung im Ernährungsbereich 238 17. Forschung und Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei 239 18. Bildungsforschung 241 19. Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen 246 20. Fachinformation 254 21. Geisteswissenschaften; Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 258 22. Übrige, nicht anderen Bereichen zugeordnete Aktivitäten 266 23. Wehrforschung und -technik 271 Seite Teil IV Forschungs- und Technologiepolitik in den Ländern -- Länderselbstdarstel- lung 275 Einführung 276 1. Baden-Württemberg 276 2. Freistaat Bayern 282 3. Berlin 285 4. Brandenburg 289 5. Freie Hansestadt Bremen 294 6. Freie und Hansestadt Hamburg 297 7. Hessen 300 8. Mecklenburg-Vorpommern 302 9. Niedersachsen 305 10. Nordrhein-Westfalen 309 11. Rheinland-Pfalz 313 12. Saarland 317 13. Freistaat Sachsen 320 14. Sachsen-Anhalt 324 15. Schleswig-Holstein 328 16. Thüringen 332 Teil V Internationale Zusammenarbeit in Forschung und Technologie 337 Abstract 339 1. Europäische Zusammenarbeit 344 1.1 Europäische Union, Europäische Kommission 345 1.2 Zusammenarbeit mit den Ländern Mittel- und Osteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion 350 1.3 Europäische Organisationen und Forschungseinrichtungen 352 2. Weltweite Zusammenarbeit 362 2.1 Zusammenarbeit mit Ländern und Regionen außerhalb Europas 362 2.2 Weltweite Forschungsförderorganisationen und Forschungseinrichtungen 366 Teil VI Förderorganisationen und Forschungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland 393 Einführung 395 1. Förderorganisationen 396 2. Trägerorganisationen 409 2.1 Max-Planck-Gesellschaft 409 2.2 Fraunhofer-Gesellschaft 426 3. Großforschungseinrichtungen 437 4. Einrichtungen der Blauen Liste 457 5. Bundeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben 488 6. Überregionale Informationseinrichtungen und zentrale Fachbibliotheken 511 7. DARA und Projektträger des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) 516 Seite Teil VII Statistik 519 1. Grundlagen der Forschungsstatistik 522 2. Begriffserläuterungen 527 3. Tabellen 530 3.1 Finanzdaten 530 3.2 Personaldaten 590 3.3 Regionaldaten 611 Graphikverzeichnis 633 Abkürzungsverzeichnis 635 Stichwortverzeichnis 651 Anschriftenverzeichnis 675 Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie vom 7. Mai 1996 gemäß Beschluß des Deutschen Bundestages vom 23. Juni 1976 -- Drucksache 7/5389. Teil I Perspektiven der Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesregierung Inhalt Seite 1. Zukunft möglich machen -- Koordinaten und Ziele der Forschungs- und Technologiepolitik 6 2. Herausforderungen für Forschung und Technologie im 21. Jahrhundert 10 2.1 Globalisierung 10 2.2 Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands im internationalen Wettbewerb 13 2.3 Wandel der Arbeitswelt 18 3. Forschung als Teil der Zukunftspolitik 21 3.1 ,,Unternehmen Forschung" -- Topographie der deutschen Forschungslandschaft 21 3.2 Von der Forschung zur Innovation 28 3.3 Forschung -- Die Zukunftswerkstatt 34 3.4 Forschung braucht Bildung 34 3.5 Frauen in der Forschung 36 4 Leitbilder der zukunftsorientierten Forschungs- und Technologiepolitik 37 4.1 Spitzentechnologie für Produktion und Dienstleistungen -- Chancen für mehr Beschäftigung 37 4.2 Nr. 1 in Europa -- Chancen der Biowissenschaften für den Standort Deutschland 39 4.3 Wachstum durch Wissen: Zukunft der Informationsgesellschaft 43 4.4 Energie und Umwelt: Nachhaltige Entwicklung dauerhaft sichern 47 4.5 Mobilität -- Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch 49 4.6 Wettbewerbsfähigkeit durch internationale Kooperation 53 1. Zukunft möglich machen -- Koordinaten und Ziele der Forschungs- und Technologiepolitik ,,Zukunft möglich machen" lautet der kategorische Imperativ des ausklingenden Jahrhunderts. Er ist kein philosophisches Konstrukt, sondern politisches Programm, Antwort auf die dreifache Herausforderung, vor der Deutschland an der Jahrtausendschwelle steht: -- Die innere Einheit Deutschlands muß weiter wachsen. In den neuen Ländern kommt der Aufbauprozeß voran. Sie sind heute eine der dynamischen Wachstumsregionen Europas. Dennoch bleibt eine breite Unterstützung und Flankierung des wirtschaftlichen Strukturwandels notwendig. Je zügiger er greift, um so schneller werden aus Entwicklungschancen Impulse für einen wirtschaftlichen Innovations- und Wachstumsprozeß in ganz Deutschland, um so schneller entstehen zusätzliche Spielräume für die notwendige Rückführung staatlicher Aufgaben und Ausgaben. -- Der weltwirtschaftliche Wandel -- die Wachstumsdynamik technologiestarker ,,Schwellenländer" vor allem im asiatisch- pazifischen Raum und der Reformstaaten in Mittel- und Osteuropa, die Durchlässigkeit und Integration der Märkte, die Globalisierung der Unternehmen (global sourcing) und die wachsende Mobilität von Wissen, Kapital und Produkten -- berührt Deutschland unmittelbar. Neben den Wettbewerb der Unternehmen im Weltmarkt ist der Wettbewerb der Standorte getreten. In ihm muß sich Deutschland behaupten. Die Zahl von über 4 Mio Arbeitslosen erfordert es, die hergebrachten Strukturen in Wirtschaft, Gesellschaft und Staat zu erneuern. Demographische Entwicklung und Veränderungen im Erwerbsverhalten erhöhen den Anpassungsdruck auf die Arbeitsmarktstrukturen und die sozialen Sicherungssysteme. -- Mit den weltpolitischen Veränderungen der 90er Jahre ist Deutschland zugleich eine neue internationale Verantwortung zugefallen. Sie kann immer nur eine gemeinsame europäische Verantwortung sein. Der Ausbau der EU, die Einigung Europas bleiben Dreh- und Angelpunkte deutscher Politik. In diesem Prozeß ist Deutschland als führende Industrienation gefordert, an der Lösung der drängenden globalen Probleme -- rasches Wachstum der Weltbevölkerung, Bedrohung der ökologischen Systeme, Teufelskreis von Armut, Hunger und Krankheit -- mitzuwirken. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gleichermaßen gefordert, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Die Bundesregierung setzt dabei auf ein breites Zukunftsbündnis. Die Gespräche beim Bundeskanzler mit den Spitzenrepräsentanten der Wirtschaft und Gewerkschaften haben hierzu das Fundament gelegt. Das gemeinsame Ziel, bis zum Jahr 2000 über 2 Mio zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen, fordert konkrete Entscheidungen. Mit dem Aktionsprogramm für Investitionen und Arbeitsplätze leistet die Bundesregierung hierzu einen entscheidenden Beitrag. Die Entlastung der Unternehmen und privaten Einkommen durch Rückführung der Steuern und Abgaben sichert nicht nur Beschäftigung, sondern schafft Spielräume für Zukunftsinvestitionen, für neue Wachstums- und damit Beschäftigungsfelder. Wachstum und Beschäftigung von morgen werden nicht mit dem Wissen und den Verfahren von gestern erreicht. Notwendig ist eine neue Entwicklungsdynamik, ist Zukunftsgestaltung mit offenem Visier und Mut zur Veränderung. Sie gründet auf der Kompetenz und Kreativität der Menschen, auf dem Fortschritt wissenschaftlicher Erkenntnisse, auf technologischer Leistungs- und Innovationsfähigkeit. Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie rücken damit ins Zentrum einer Politik, die Zukunft möglich machen will. In einer Zeit, in der sich alle 5 bis 7 Jahre das weltweit verfügbare Wissen verdoppelt, in der an jedem Arbeitstag etwa 5 000 wissenschaftliche Aufsätze weltweit veröffentlicht werden, ist Wissen zum wichtigsten, aber auch vielfältigen und schnellebigen ,,Rohstoff" geworden. Der Übergang vom Industrie- ins Informationszeitalter ist signifikanter Ausdruck dieser Entwicklung, die in der Tat einen Epochenwechsel markiert. ,,Im Unterschied zur herkömmlichen Form des Wissens, die beschrieben wird als disziplinär verfaßt, als akademisch, homogen und in Büchern überliefert, wird die heutige Form des Wissens als kontextverhaftet, als transdisziplinär, als dialogisch und in unterschiedlichen Medien variabel verfügbar charakterisiert" (Wolfgang Frühwald). Gerade auch technisch-wissenschaftliches Wissen muß heute bereits mit Blick auf die Problemlösung und vorgesehene Anwendung gewonnen werden. Innovationen werden eine größere Erfolgschance haben, wenn die potentiellen Anwender die FuE-Arbeiten selbst schon im Hinblick auf das zukünftige Marktpotential mitgestalten können; damit ist auch Interdisziplinarität von Forschung und Entwicklung gefragt. Forschung als Knotenpunkt im interaktiven Wissenssystem moderner Gesellschaften gewinnt so nochmals an Bedeutung. Offenheit, Interaktion und Verarbeitungsfähigkeit der Forschung sind entscheidende Voraussetzungen für die Lern- und damit Entwicklungsfähigkeit moderner Gesellschaften. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die sich heute an die Forschung richten. Zwar kann niemand die Gefährdungen übersehen, die die moderne, von der Wissenschaft getriebene Technologieentwicklung selbst hervorgebracht hat. Aber der Nachweis von Fehlentwicklungen und deren Ursachen wie auch der Hinweis auf mögliche Auswege sind selbst wiederum Ergebnis forschenden Erkennens. Die Zusammenhänge und Bedingungen unserer Existenz zu verstehen und die Folgen unseres Handelns oder Unterlassens offenzulegen, ist vornehmste Aufgabe der Forschung und prägt das Selbstverständnis der Geisteswissenschaften, aber zunehmend auch der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die Bundesregierung unterstreicht nachdrücklich die Bedeutung der Forschung für die Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens. Langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, wirtschaftlicher Strukturwandel durch Innovationen, die verantwortliche Gestaltung der multimedialen Revolution ohne Authentizitätsverlust, geistige Aufgeschlossenheit und intellektuelle Schärfe als Grundlagen kultureller Vitalität, eine neue Balance zwischen Differenzierung und sozialem Zusammenhalt -- zu diesen Aufgaben leistet Forschung einen entscheidenden Beitrag. Forschung zu fördern und ihre Freiheit und ihren Entfaltungsraum zu sichern, ist daher eine der vorrangigen Aufgaben der Politik. Aus diesem Verständnis leiten sich die zentralen forschungspolitischen Ziele der Bundesregierung ab: -- Förderung von Spitzentechnologien als Innovationsmotoren Spitzentechnologien wie die Informationstechnik oder die Biotechnologie besitzen vor allem durch ihren Querschnittscharakter ein hohes Innovationspotential. Wie der jüngste Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands (s. Teil II Kap. 11) deutlich gemacht hat, läuft die deutsche Wirtschaft Gefahr, dieses Potential nur unzureichend zu nutzen. Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist vielfach nicht eng und fruchtbar genug, um zu einer systematischen, wissensbasierten und grundlegenden Innovationsfähigkeit in der Wirtschaft zu führen. Während die deutsche Wirtschaft bei den Produkten im Bereich höherwertiger Technologien zunehmend unter internationalen Wettbewerbsdruck gerät, ist die Basis im Bereich der Spitzentechnologien noch zu schmal -- also genau dort, wo in Zukunft die Märkte mit dem größten Wachstumspotential erwartet werden. Obwohl die deutsche Wissenschaft vielfach internationale Spitzenergebnisse liefert -- beispielsweise in der Molekularbiologie, in der Mikrosystemtechnik oder in der Plasmatechnologie --, läßt deren Umsetzung vielfach auf sich warten. Ein wichtiges Ziel der Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesregierung ist daher die Generierung von Spitzentechnologien und deren schnelle Nutzung in zukunftsträchtigen Anwendungsfeldern, nicht zuletzt im Dienstleistungsbereich. Deutschland muß in stärkerem Maß als bisher zum High-Tech-Land werden, um das Fundament seiner Wirtschaftskraft zu verbreitern. -- Innovationsorientierung der Forschungspolitik Die Frage der Innovationsfähigkeit unseres Gemeinwesens ist zur Schlüsselfrage geworden. Ob wir in Deutschland dauerhaft materiellen Wohlstand, Beschäftigung, soziale und ökologische Sicherheit gewährleisten können, hängt letztlich davon ab, wie die Anpassung an die veränderten Herausforderungen und die Setzung neuer Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft gelingt. Eine Schlüsselfunktion hat dabei eine Forschungs- und Technologiepolitik, die sich nicht auf die Bereitstellung einer effizienten Forschungsinfrastruktur reduziert, sondern die notwendigen Rückkopplungen zwischen Forschung, Entwicklung, Innovation und Diffusion sowie die Integration verschiedener innovationsbeeinflussender Politikbereiche berücksichtigt. Die Forschungs- und Technologiepolitik ist damit gefordert, durch eine intelligente Mischung von klassischer Forschungsförderung, Stimulierung von Austauschprozessen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und Gestaltung innovationsfördernder Rahmenbedingungen einen wichtigen Beitrag zu einem dynamischen Innovations- und Wirtschaftssystem zu leisten. Anpassungsfähigkeit und Offenheit für Wandel bei Unternehmen, Forschungseinrichtungen und den anderen Akteuren bestimmen zunehmend das Ranking der nationalen Innovationssysteme. Die Bundesregierung betrachtet daher die Forschungs- und Technologiepolitik als integralen Bestandteil einer breit angelegten, innovationsfördernden Politik, die auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und die Förderung günstiger Rahmenbedingungen und kooperativer Netzwerke des Innovationssystems abzielt. Mit dem Rat für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler wurde eine Plattform geschaffen, die den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Politik auf zentrale Zukunftsfragen richtet. Die Empfehlungen des Rates wenden sich an alle Beteiligten, in jeweils eigener Verantwortung zur Förderung und Umsetzung von Innovationen beizutragen. In der Marktwirtschaft sind vor allem Unternehmen die entscheidenden Akteure des Innovationsprozesses. Die Innovationskraft der Unternehmen hängt aber wesentlich davon ab, daß nicht nur der wechselseitige Transfer- und Rückkopplungsprozeß zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung in der Industrie funktioniert, sondern daß der Technologiediffusionsprozeß auch einen großen Kreis von Unternehmen erfaßt. In diesem Zusammenhang spielen vor allem kleine und mittlere Unternehmen eine wichtige Rolle, da sie u. a. durch ihre Flexibilität, schnelle Reaktionsfähigkeit und als Technologieanwender bedeutsam zum technischen Wandel beitragen. Die Bundesregierung mißt der Förderung kleinerer und mittlerer Unternehmen daher eine hohe Priorität zu. Ein verbesserter Zugang kleiner und mittlerer Unternehmen zum Risikokapitalmarkt und zu Ergebnissen von Forschung und Entwicklung sowie günstigere Rahmenbedingungen für Aus- und Neugründungen insbesondere technologieorientierter Unternehmen gehören deshalb zu den Schwerpunkten dieses integrierten Politikansatzes. -- Kulturelle Vitalität und Leistungsfähigkeit Die Wissenschaft ist Teil unserer Kultur. Zugleich prägen und gestalten die Wissenschaften sehr nachhaltig die kulturelle Entwicklung Deutschlands. Wissenschaft und Forschung zählen zu den Quellen, aus denen sich das geistige Leben speist. Kultureller Reichtum und geistiges Klima sind nicht zuletzt Reflexe der Wissenschaftsentwicklung. Die Forschungspolitik der Bundesregierung orientiert sich an dieser für die schöpferischen Fähigkeiten unseres Gemeinwesens zentralen Rolle von Wissenschaft und Forschung. Sie unterstreicht die Bedeutung der Geistes- und Sozialwissenschaften und unterstützt ihren Dialog mit den Naturwissenschaften, um ein besseres Verständnis der Komplexität menschlichen Handelns und seiner Grundlagen zu fördern. Viele der durch die moderne Gesellschaftsentwicklung aufgeworfenen zentralen Fragen lassen sich nicht ,,naturwissenschaftlich-technisch" lösen; im Gegenteil: Schnelligkeit und Tiefe der wissenschaftlich- technischen Entwicklung werfen die Frage nach dem wertfundierten Koordinatensystem der Gesellschaft und seiner Orientierungskraft für das persönliche Handeln auf. Wissenschaft, die sich auch der Frage nach ihren ethischen Grundlagen und Grenzen stellt, leistet einen wichtigen Beitrag normativer Fundierung. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist unentbehrlich, Wissenschaft ,,muß sich einmischen", muß sich öffentlich zu Wort melden. Das BMBF wird diesen Dialog verstärkt durch Veranstaltungen und Publikationen zu zentralen Zukunftsfragen fördern und damit einen Beitrag zur stärkeren Akzeptanz neuer Technologien und Entwicklungen in unserer Gesellschaft leisten. -- Vorsorge und Zukunftsgestaltung durch Forschung Die sozialen und kulturellen Veränderungen zählen zu den großen Zukunftsherausforderungen. Demographische Wandlungsprozesse verändern das Gesicht der Gesellschaft. Das Familienleben und die Familienformen haben sich in der Bundesrepublik Deutschland wie auch in anderen westlichen Industrienationen verändert. Tendenzen zur Individualisierung und Pluralisierung von Lebensstilen korrespondieren mit sich wandelnden Wertvorstellungen. Die fortschreitende Erkenntnis über unsere natürlichen und soziokulturellen Lebensgrundlagen, die Analyse und prospektive Bewertung unseres Handelns gehören zu den zentralen Aufgaben von Wissenschaft und Forschung. Sie schaffen die entscheidenden Voraussetzungen, um auf die drängenden Fragen unserer Zeit -- die Beschäftigungskrise, die Gefährdungen der Umwelt, das Aufkommen neuer Krankheiten, die Auflösung sozialer Lebensbezüge mit der Folge wachsender Deprivation -- Antworten zu finden. Auch keine der letztlich globalen Gefährdungen läßt sich ohne wissenschaftlich-technologischen Fortschritt entschärfen. Schon die Wechselwirkung von Bevölkerungswachstum, Energieverbrauch und Atmosphärenbelastung zeigt, daß nicht Technikaskese, sondern wissenschaftlich-technologische Fortschritte Chancen für eine nachhaltige Entwicklung eröffnen. Für die Bundesregierung hat die Förderung der Vorsorgeforschung und die Umsetzung ihrer Ergebnisse hohe Priorität. Sie wird daher u. a. ein neues Energieforschungsprogramm vorstellen mit dem Ziel, die von der Bundesregierung angestrebte 25%ige Reduzierung der CO2- Emissionen durch die Erschließung zusätzlicher Energieeinsparpotentiale und die Förderung z. B. der erneuerbaren Energien und deren marktfähige Nutzung zu erreichen; ein neues Umweltforschungsprogramm erarbeiten, das vor allem die Erforschung der Ökosysteme und deren Erhaltungs- und Gestaltungsbedingungen unter dem Leitbild der Nachhaltigkeit zum Ziel hat und u. a. auf eine Weiterentwicklung der Umweltschutztechnologien und des produktionsintegrierten Umweltschutzes hinarbeitet, um den Umweltschutz unter Kostengesichtspunkten wie unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit weiter zu verbessern; ein neues Mobilitätskonzept entwickeln, um durch intelligentere, vernetzte Verkehrssysteme ein Optimum an Mobilität zu gewährleisten, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen dabei aber nachhaltig zu reduzieren. -- Sicherung und Ausbau wissenschaftlicher Exzellenz Im internationalen Wettbewerb sind Deutschlands wissenschaftliche Spitzenleistungen ein wichtiger Standortvorteil, sein traditioneller Rang als führende Wissenschaftsnation zugleich Verpflichtung. Exzellenz der Forschungseinrichtungen und ihrer Mitarbeiter sowie die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses sind daher zentraler Maßstab und Auftrag der Forschungs- und Bildungspolitik. Grundlage ist die grundgesetzlich verbriefte Freiheit der Wissenschaft. Die Bundesregierung unterstreicht daher den hohen Stellenwert der selbstverwalteten Wissenschaftsorganisationen. Der verbürgte Freiraum ist zugleich Verpflichtung, ein Höchstmaß an wissenschaftlicher Exzellenz und Eigenverantwortung zu gewährleisten. Die Bundesregierung erwartet, daß sich Wissenschaft und Forschung dauerhaft diesem Anspruch stellen. Wettbewerb sichert das hohe Niveau der Forschung. Um so wichtiger ist es, die staatliche Förderung in den Bereichen an wissenschaftsimmanenten Wettbewerbsregeln und Leistungskriterien zu orientieren. Die Bundesregierung unterstützt den Wissenschaftsrat mit dem Ziel, durch Evaluation der Forschungsgebiete und -einrichtungen einen hohen Forschungsstandard sicherzustellen. -- Stärkung und Vernetzung der Forschungslandschaft Die Breite der Forschungslandschaft und die Wahrnehmung unterschiedlicher Aufgaben durch die Wissenschaftsorganisationen und Forschungseinrichtungen zählen zu den Stärken des deutschen Wissenschaftssystems. Seine dynamische Fortentwicklung ist eine der zentralen Aufgaben der Forschungspolitik der Bundesregierung. Mit der überproportionalen Steigerung der Mittel für Forschung und Entwicklung im Haushalt des BMBF unterstreicht die Bundesregierung ihren Willen, trotz notwendiger Rückführung der öffentlichen Ausgaben die Investitionen in Forschung und Entwicklung zu erhöhen. Mit der auch 1995 und 1996 erreichten 5%igen Steigerung der Haushaltsmittel für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Max- Planck-Gesellschaft bekräftigt die Bundesregierung die Bedeutung der Grundlagenforschung als Element der Zukunftsvorsorge. Für die transdisziplinäre Forschung, der eine immer bedeutendere Rolle zuwächst, weil sich gerade an den Schnittlinien der Forschungsgebiete wichtige Durchbrüche und Innovationen ereignen, bieten die Hochschulen ideale Voraussetzungen, die noch zu wenig genutzt werden. Die Bundesregierung strebt daher die Stärkung der Hochschulforschung an, die auch bei Reformen innerhalb der Hochschulen, etwa bei der Mittelvergabe oder eigenständige-ren Forschungsaktivitäten der Nachwuchswissenschaftler, ansetzen muß. Zugleich gilt es, Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung stärker miteinander zu verzahnen und wissenschaftliche Ergebnisse in innovative Anwendungen zu überführen. Forschung braucht langen Atem. Technologieorientierte Forschung basiert auf breiter Grundlagenforschung. Sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Entscheidend ist aber, die Übergänge und Verbindungsstellen zu vergrößern. Der Trend der Industrie, sich aus langfristigen Forschungsfeldern zurückzuziehen, muß daher umgekehrt werden. Im Gegenzug ist von den Forschern und ihren Einrichtungen ein Höchstmaß an Offenheit und Flexibilität gefordert. Die Bundesregierung wird hierfür die Rahmenbedingungen verbessern. Sie unterstützt die Fraunhofer- Gesellschaft bei dem Bemühen um eine privatwirtschaftliche Ergänzung ihrer Aktivitäten. In Abstimmung mit der Hermann von Helmholtz- Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) will sie das in den Großforschungseinrichtungen vorhandene ausgezeichnete Know-how und Potential einer breiteren wirtschaftlichen Nutzanwendung zugänglich machen. -- Ausbau der Forschungslandschaft in den neuen Ländern Die Vereinigung Deutschlands ist im Denken und Handeln vieler inzwischen zum Alltag geworden. Auf der einen Seite ist dies ein ermutigendes Zeichen. Auf der anderen Seite sind die Herausforderungen, aber auch die Chancen, die aus dem Aufbau der neuen Länder erwachsen, alles andere als alltäglich. Die Verwirklichung dieser Chancen muß weiterhin durch eine konzentrierte Kraftanstrengung aller erarbeitet werden. Für Wissenschaft und Forschung ergibt sich die Chance, aus einem größer gewordenen Bestand an Wissen, Erfahrung und Talent zu schöpfen. Die Basis dafür ist geschaffen. Reorganisation, Ausbau und Erneuerung der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen haben inzwischen ein beachtliches Niveau erreicht. Mittlerweile entspricht der Umfang institutionell geförderter Forschungskapazität in den neuen Ländern, gemessen am Bevölkerungsanteil, dem in den alten Ländern. Die dafür aufgewendeten Mittel je Mitarbeiter liegen sogar beträchtlich höher als in den alten Ländern. Im Ergebnis ist mit rd. 50 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen und mehr als 140 außeruniversitären Einrichtungen eine ausgewogene institutionelle Dichte erreicht, wobei weitere noch geplante Institutsgründungen der Max-Planck-Gesellschaft nicht berücksichtigt sind. Das BMBF stellt jährlich insgesamt etwa 3 Mrd DM für Bildung und Forschung in den neuen Ländern bereit. Im Bereich der industrienahen FuE-Kapazitäten dürfte die Talsohle durchschritten sein, der Abbau ist zum Stillstand gekommen. Allerdings signalisieren nach wie vor hohe Produktivitätsrückstände, im Vergleich zu westdeutschen Unternehmen geringe FuE-Aufwendungen und niedrige Exportquoten weiteren innovativen Anpassungsbedarf. Die Bundesregierung wird daher ihr Engagement zur Stärkung der industrienahen FuE-Kapazitäten fortführen; jedoch wird der Finanzierungsanteil der neuen Länder an der Gesamtförderung an Gewicht gewinnen. -- Akzeptanz und Freiraum Gedeihen kann Forschung nur in einem Klima breiter Aufgeschlossenheit. Demoskopische Untersuchungen bestätigen, daß Forschung und Technologie in Deutschland grundsätzlich auf hohe Akzeptanz stoßen. Diese Akzeptanz ist aber nicht unkritisch. Forschung und Technologie werden als Motor des Fortschritts begrüßt, zugleich aber werden neue technologische Entwicklungen auf ihre möglichen negativen Wirkungen hin befragt. Die Bundesregierung plädiert für eine offene Diskussion der Chancen und Risiken technologischer Entwicklungen. In der Abwägung zeigt sich verantwortliches Handeln; Offenheit und Vorurteilslosigkeit sind dafür ebenso Voraussetzung wie das Bewußtsein über die ethischen Grenzen des Machbaren. Die Bundesregierung wendet sich jedoch entschlossen gegen jeden Versuch, Forschung und Technologieentwicklung mit unlauteren Mitteln zu behindern. Freiheit und Verantwortung von Wissenschaft und Forschung bedingen einander. Verantwortung der Wissenschaft einzufordern heißt zugleich, ihren grundgesetzlich normierten Freiraum zu schützen. Selbstorganisation der Wissenschaft und ihre finanzielle Sicherung gehören ebenso dazu wie die Verhinderung bzw. der Abbau von Reglementierungen und unbilligen Einengungen durch gesetzliche Regelungen oder Verwaltungsvollzug. Die Bundesregierung überprüft daher zusammen mit Wissenschaft und Wirtschaft systematisch Vorschriften und Verfahren darauf hin, ob sie Forschungsaktivitäten einengen oder behindern. Beeinträchtigende Regelungen werden -- soweit möglich -- korrigiert. -- Internationalität und internationale Zusammenarbeit Internationalität gehört seit jeher zum Selbstverständnis der Wissenschaft. Im internationalen Wettbewerb der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte kommt ihr eine wachsende Bedeutung zu. Deutschland muß so offen bleiben und wieder so attraktiv werden, daß es weltweit die besten Köpfe und mit ihnen wissenschaftliches Spitzen-Know-how anziehen kann. Die Bundesregierung fördert daher die Internationalisierung der deutschen Forschungslandschaft. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen müssen ihre internationale Attraktivität erhöhen und ihr Angebot so gestalten, daß mehr ausländische Studenten und Nachwuchswissenschaftler den Weg nach Deutschland suchen. Damit wird langfristig die Basis für vielfältige Wissenschafts- und Wirtschaftsbeziehungen gelegt, auf die Deutschland als Exportnation nachhaltig angewiesen ist. Mit Blick auf den für weitreichende Innovationen erforderlichen Wissensumfang und auf die Märkte der Zukunft wäre Forschungs- und Technologiepolitik ohne internationale Zusammenarbeit nicht nur ein Torso, sondern würde zu einem ineffizienten Einsatz begrenzter nationaler Ressourcen führen. Grundlegende Innovationen brauchen zu ihrer Einführung internationale Standards, entstehen zunehmend im Rahmen globaler Unternehmenskooperation und in Rückkopplung mit national wie international erarbeitetem Grundlagenwissen. Auch bedarf der Umgang mit neuen Technologien zur Vermeidung von Mißbrauch und Eingrenzung negativer Folgen internationaler Regelungen und Absprachen. Bei Projekten des globalen Umweltschutzes sowie der Klima-, Polar- und Meeresforschung liegt es ohnehin auf der Hand, daß Kenntnisse und Ressourcen länderübergreifend gebündelt werden. Allein schon wegen der hohen Kosten und Investitionsrisiken wird es für Einzelstaaten immer schwieriger, Großforschungsvorhaben und aufwendige Technologieprojekte -- z. B. in der Raumfahrt, der Hochenergiephysik oder der Astronomie -- eigenständig zu realisieren. Die Bundesregierung intensiviert daher die europäische und die weltweite Zusammenarbeit. Neben den eingespielten und weiterzuentwickelnden europäischen, und transatlantischen und deutsch-israelischen Partnerschaften gilt dabei der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit mit den sich rasch entwickelnden Industrie- und Schwellenländern Asiens und Südamerikas sowie den Ländern Mittel- und Osteuropas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die sich in einem schwierigen Transformationsprozeß befinden, besonderes Augenmerk. Das BMBF wird die Chancen, die sich aus seiner vielfach über 20 Jahre alten Kooperationserfahrung mit wichtigen Ländern ergeben, in den kommenden Jahren gezielt zu nutzen suchen. Das Konzept für die wissenschaftlich-technische Kooperation im asiatisch- pazifischen Raum wurde bereits im Oktober 1995 veröffentlicht, ein ,,Lateinamerika-Konzept" ist in Vorbereitung (vgl. Teil V, Kap. 2.1.2). 2. Herausforderungen für Forschung und Technologie im 21. Jahrhundert Forschungspolitik als Teil einer umfassenden Politik der Zukunftsvorsorge muß sich den Herausforderungen stellen, vor denen Deutschland an der Schwelle zum 21. Jahrhundert steht. Sie zu meistern heißt, auf die Chancen von Wissenschaft und Forschung zu setzen. 2.1 Globalisierung Wirtschaftliche Verflechtung Aufgrund sinkender Transport- und Kommunikationskosten sowie veränderter Wertschöpfungsstrukturen nimmt die Bedeutung geographischer Entfernungen rapide ab. Kapital, technologisches Wissen und Arbeit werden zunehmend mobiler und suchen weltweit die jeweils für ihre Belange günstigsten Standorte. Neben den Wettbewerb der Unternehmen um Marktanteile und technologische Führerschaft ist damit der Wettbewerb der Standorte um Forschungs- und Produktionskapazitäten getreten. Die Weltwirtschaft hat durch weltweit stark zunehmende Direktinvestitionen und Kapitalverflechtungen in den 80er Jahren einen neuen Charakter entwickelt. Wertschöpfung wird zunehmend in weltweit verbundenen multinationalen Unternehmen (MNU) geschaffen. Große Teile des Welthandels vollziehen sich innerhalb verbundener Unternehmen über nationale Grenzen hinweg (13 der Exporte der USA finden innerhalb von MNU statt). Deutschland ist in hohem Maße in eine sich intensivierende internationale Arbeitsteilung einbezogen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnet, daß 21,9% der Beschäftigten deutscher Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Tochterunternehmen im Ausland beschäftigt sind.*) Im Jahre 1977 hatte dieser Wert noch 13,6 % betragen. Dagegen stagnieren ausländische Direktinvestitionen in Deutschland; die Zahl der Beschäftigten ausländischer Tochterunternehmen an der Gesamtzahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe sank im gleichen Zeitraum vom 17,1 % auf 16,2 %. Triebkräfte der zunehmenden Globalisierung sind u. a. Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie, eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur, die Liberalisierung der Handels-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkte auf multilateraler und regionaler Ebene sowie der Eintritt dynamischer Länder Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas in die internationale Arbeitsteilung. Dabei zeichnet sich eine gewisse Zunahme auch der regionalen Verflechtung des Handels, zunehmend mit Flankierung durch regionale staatliche Abkommen, ab. In Westeuropa ist im Zuge der verstärkten europäischen Integration und des Ausbaus des Binnenmarktes der Anteil des intraregionalen Warenhandels am gesamten Warenhandel von rd. 65 % im Jahre 1983 auf knapp 70 % im Jahre 1993 angestiegen. Eine höhere Zunahme der intraregionalen Handelsströme von etwa 43 % (1983) auf knapp 50 % (1993) verzeichnet Asien. Hintergrund dieser Entwicklung ist vor allem die schon länger andauernde Wachstumsdynamik der Region. Globalisierung bietet Unternehmen die Chance, die Beschaffung von Vorleistungen zu optimieren (Kostenminimierung durch global sourcing), z. T. auch durch Auslagerung bestimmter Produktionsbereiche. Die Diversifizierung der Produktionsstandorte, bessere Marktpräsenz und Kundennähe, der Versuch, sich protektionistischen Tendenzen in sich formierenden Großwirtschaftsräumen zu entziehen, die kurze Zeit für die exklusive Vermarktung neuer Produkte, Wechselkursrisiken und erhöhter Wettbewerbsdruck durch neue Wettbewerber aus Schwellenländern sind entscheidende Motive vieler Unternehmen, sich weltweit zu dislozieren. In den meisten multinationalen Unternehmen werden FuE-Aktivitäten noch weitaus überwiegend im Herkunftsland durchgeführt; dennoch ist eine zunehmende Auflösung dieser Bindung sichtbar. Auch ,,sensible`` Technologien, die bislang vornehmlich den Forschungs-Kapazitäten im Stammland vorbehalten waren, werden vermehrt im Ausland bearbeitet. In den meisten Fällen liegt der Internationalisierung von FuE-Aktivitäten keine allein auf Forschung und Entwicklung bezogene Standortentscheidung zugrunde. Aus neueren Analysen lassen sich die folgenden Hauptmotive herausarbeiten: -- Beim Kauf eines ausländischen Unternehmens werden dessen Forschungseinrichtungen und -personal miterworben (Direktinvestition). Der damit verbundene Know-how-Erwerb kann durchaus das Hauptmotiv sein, aber ebenso auch Marktzugang über Vertriebswege, Markennamen und Angebotsspektrum des gekauften Unternehmens. -- Schaffung eigener Forschungskapazität in einem weltweit führenden Kompetenzzentrum, um an Spitzenforschung zu partizipieren. Dabei gewinnt neben dem regionalen Marktpotential das Forschungsumfeld des neuen Standortes an Bedeutung. -- Präsenz auf einem ,,Lead-Market", d. h. dort, wo ein innovatives Spitzenprodukt schnell Nachfrage findet. Besondere Standards in einem Land z. B. im Umweltschutz können ebenfalls gerade bei Entwicklungsaktivitäten mit enger Bindung an die Produktion ausschlaggebend sein. -- Daneben können auch FuE-Kosten eine Rolle spielen: Niedrigere Personal- oder Laborkosten für Entwicklungs- und in geringerem Maße auch Forschungsaufgaben. Hier können insbesondere Schwellenländer, die über ,,Inseln`` mit exzellenter Forschung verfügen, eine in Zukunft wachsende Bedeutung erhalten. Eine vollständige Erfassung der FuE-Aktivitäten der Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung im Ausland -- vergleichbar der Direktinvestitionsstatistik -- liegt bisher nicht vor. Allerdings sind aus einigen Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich, Japan) Informationen über die FuE-Aufwendungen der Unternehmen in ausländischem Kapitalbesitz verfügbar. Aus diesen Angaben kann die Größenordnung der FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland im Jahre 1993 auf etwa 15 % der FuE-Aufwendungen der Unternehmen in Deutschland (bewertet nach Kaufkraftparitäten) geschätzt werden. In der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der am weitesten internationalisierten Branche, liegt dieser Anteil bei knapp 30 %. Nach verschiedenen Analysen erreichte der Anteil der Patentanmeldungen mit Erfinderort außerhalb Deutschlands bei deutschen Unternehmen Ende der 80er Jahre zwischen 11 % (Europäisches Patentamt) und 15 % (US- Patentamt). Die Patentdaten liefern somit einen zusätzlichen Hinweis für die Richtigkeit der Größenordnung des Anteils der Auslandsforschung in deutschen Unternehmen von 15 %. Deutschland gilt international nach wie vor als interessanter Forschungsstandort. Hinsichtlich der Zahl der forschenden Unternehmen mit japanischer Kapitalbeteiligung nimmt die Bundesrepublik Deutschland hinter Großbritannien die zweite Stelle in der Rangfolge der europäischen Standorte ein. Der Anteil produzierender japanischer Tochterunternehmen mit eigener Forschung und Entwicklung ist hierzulande am höchsten. In Deutschland verfügen US-amerikanische Tochterunternehmen über das größte ausländische FuE-Potential, gefolgt von Unternehmen im schweizerischen Mehrheitsbesitz. Etwa 14 aller FuE- Aufwendungen US-amerikanischer Tochterunternehmen im Ausland entfällt auf Deutschland, das damit aus Sicht der USA schon über einen längeren Zeitraum an der Spitze der Forschungsstandorte steht. Ausländische Tochterunternehmen haben mehr als 7,8 Mrd. DM in Deutschland für Forschung und Entwicklung aufgewendet und dabei mehr als 34 600 Personen (Vollzeitäquivalent) beschäftigt 1). Damit sind rd. 15 v. H. des in der Industrie mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben befaßten Personals in Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen beschäftigt. Dies entspricht etwa dem Anteil der Beschäftigten in diesen Tochterunternehmen an den Industriebeschäftigten insgesamt. Der Anteil ausländischer Unternehmen am FuE-Gesamtaufwand der inländischen Wirtschaft Deutschlands lag 1993 bei knapp 16 v.H. In den USA und Frankreich lag der vergleichbare Anteil mit knapp 15 v.H. etwas niedriger, in Großbritannien mit 26 v.H. deutlich höher und in Japan nur bei 5 v.H. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft ist in Deutschland also vergleichsweise hoch ,,internationalisiert``. Deutschland hat damit hervorragende Chancen, sich im Globalisierungstrend zu behaupten -- vorausgesetzt, es gelingt, die für die internationale Wettbewerbsfähigkeit zentralen Standortfaktoren zu stärken, um einen Negativ-Saldo bei der Verlagerung hochwertiger Arbeitsplätze zu vermeiden bzw. umzukehren. Dazu zählt -- neben der Kostenfrage und einem zügigen Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur -- ein Spitzenniveau in Wissenschaft und Forschung mit internationaler Anziehungskraft als Basis der technologischen Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Nur dann kann im Produktions- und Service-Bereich wieder ein Wachstum der Beschäftigung insgesamt erfolgen (vgl. auch Teil II, Kap. 9.3). Bevölkerungsentwicklung Eine der größten globalen Herausforderungen stellt das rapide Wachstum der Weltbevölkerung dar. 1960 lebten erst rd. 3 Mrd. Menschen auf der Erde. Mitte 1995 waren es rd. 5,75 Mrd.. Jährlich nimmt die Weltbevölkerung um mehr als 86 Mio. Menschen zu. Im Jahre 2050 werden es nach einer mittleren Variante verschiedener Prognosen voraussichtlich 10 Mrd. Menschen sein. Heute leben 79 % der Menschen in Entwicklungsländern. In Asien, Afrika und Lateinamerika wird sich fast der gesamte zukünftige Anstieg der Weltbevölkerung vollziehen, über die Hälfte in Afrika und Südasien. Demgegenüber wird der Anteil Europas von derzeit knapp 13 % auf knapp 7 % fallen. Schon heute ist für 1,3 Mrd. Menschen absolute Armut bitteres Schicksal, 800 Mio. sind unterernährt, 600 Mio. arbeitslos, eine Milliarde Analphabeten. Vor allem in den ärmsten Ländern hält die Wanderung vom Land in die Städte an. Die Städte sind dem Zustrom nicht mehr gewachsen. Arbeitsmarkt und Infrastruktur können nicht mithalten. In vielen Großstädten haust mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Slums, wo schlechte Lebensbedingungen Kriminalität und Krankheiten fördern. Noch leben erst rd. 35 % der Bevölkerung der Entwicklungsländer in Städten, gegenüber rd. 75 % in den Industriestaaten, aber während 1950 nur zwei von acht Städten mit mehr als 5 Mio. Einwohnern in den Entwicklungsländern lagen, sind es heute knapp 30 von insgesamt rd. 40 solchen Megastädten. Neben Armut und Perspektivlosigkeit lösen Kriege und ethnische Konflikte bedeutende Migrations- und Fluchtbewegungen aus. Das Hohe Kommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge in Genf registrierte 1994 über 24 Mio. Flüchtlinge in mehr als 143 Staaten. Durch die Bosnien-Krise ist auch in Europa die Anzahl der Flüchtlinge hochgeschnellt, von 830 000 im Jahr 1990 auf rd. 3 Mio. 1995. Für zahlreiche Entwicklungsländer stellt das rasche Bevölkerungswachstum einen Faktor dar, der -- im Kontext weiterer Ursachen und Rahmenbedingungen -- die wechselseitige Verstärkung von Armut, Unterernährung und Umweltzerstörung ankurbelt. Sie stehen vor der gewaltigen Aufgabe, ein ausreichendes Wirtschaftswachstum sicherzustellen, ohne die natürlichen Ressourcen zu überfordern. Auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung 1994 in Kairo haben die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen ein gemeinsames Aktionsprogramm aufgestellt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Industrieländer wie Deutschland sind dabei doppelt gefordert: -- Sie müssen ihre eigenen ressourcenintensiven Konsum- und Produktionsmuster durch ein Wohlstandskonzept ersetzen, das die Ressourcenbelastung verringert. -- Sie müssen die Entwicklungsländer auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung unterstützen, damit die Tragfähigkeit des Ökosystems Erde auch bei wachsender Weltbevölkerung nicht überfordert wird. Forschung und Technologie kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Einer schnell wachsenden Weltbevölkerung humane Lebensbedingungen ohne Zerstörung der ökologischen Ressourcen zu sichern, läßt sich ohne weitreichende Fortschritte in Wissenschaft und Forschung nicht bewältigen. Globaler Wandel Der Perspektivenwechsel auf die globalen Problemlagen des 21. Jahrhunderts rückt die Beschleunigung der Umweltbelastungen und der Überforderung der ökologischen Systeme ins Rampenlicht. Das System Erde ist einem ständigen Wandel unterworfen; der Mensch als Teil der belebten Welt muß diesen Wandel in sein verantwortliches Handeln einbeziehen. Menschliches Handeln hat schon immer Einfluß auf die natürlichen Kreisläufe gehabt. Die Eingriffe haben heute jedoch eine neue Dimension erreicht. Industrialisierung, zunehmende Mobilität und steigender Energie- und Nahrungsmittelbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung haben dazu geführt, daß große Teile der Erdoberfläche umgestaltet und globale Stoffkreisläufe verändert wurden. Dies führt bereits jetzt zu immer größerer Schadstoffbelastung in Atmosphäre und Biosphäre und zum Verlust der Vielfalt von Ökosystemen und Arten. In den Küstenzonen können sich klimatische Faktoren, Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Gleichzeitig gehören diese Regionen zu den am dichtesten besiedelten und am intensivsten genutzten Räumen der Erde. Zwei Drittel aller Menschen wohnen höchstens 60 km von der Küste entfernt. Von einem mittleren Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter wären weltweit rd. 5 % der Bevölkerung z. B. durch aufwendigere Schutzmaßnahmen direkt betroffen -- in Europa sogar 10 %. Semiaride Gebiete bedecken ein Drittel der Landoberfläche der Erde und beheimaten 20 % der Erdbevölkerung. Schon geringe Änderungen des Wasserhaushaltes können in diesen Gebieten Feldbau oder Tierhaltung unmöglich machen. Betroffen sind große Teile der Tropen und Subtropen; ähnliche Probleme gibt es aber auch durchaus in Teilen Südeuropas. Nach Schätzungen werden im Jahr 2050 ca. 4 Mrd. der dann beinahe 10 Mrd. Menschen mit Wassernot oder angespannter Wasserlage leben. Neuere Simulationen mit gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Modellen bestätigen frühere Schätzungen der zu erwartenden globalen Erwärmung infolge der Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen. Bei ungebremster Entwicklung der Emissionen wird die globale Mitteltemperatur nach dem zweiten Sachstandsbericht des zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change -- IPCC) bis Ende des nächsten Jahrhunderts um rd. 2 _oC (Bandbreite 1--3, 5 _oC) ansteigen. Damit wäre ein Anstieg des Meeresspiegels von rd. 50 cm (Bandbreite 15--95 cm) bis 2100 verbunden. Aufgrund des Berichts muß davon ausgegangen werden, daß durch menschliche Aktivitäten verursachte Klimaänderungen bereits heute erkennbar sind. Es geht also nicht mehr um eine Verhinderung von Klimaänderungen, sondern um die Verminderung der mit einer ungebremsten Emissionsentwicklung verbundenen erheblichen Auswirkungen etwa auf die menschliche Gesundheit und die landwirtschaftliche Produktion sowie um eine Anpassung der menschlichen Aktivitäten an Klimaänderungen. In den 80er Jahren wurde festgestellt, daß die stratosphärische Ozonschicht aufgrund der Bildung von sog. Chlor-Radikalen aus FCKW über den Polen allmählich ausdünnt und damit eine Zunahme der auf die Erdoberfläche gelangenden UV-Strahlung zu befürchten ist. Im globalen und jährlichen Mittel nimmt der stratosphärische Ozongehalt zur Zeit um 0,3 % jährlich ab. Seit Ende der 80er Jahre treten die starken negativen Trends in saisonalen Schwankungen auch über weiten Teilen Europas auf. Klimaveränderung aufgrund veränderter Konzentrationen von Spurengasen in der Atmosphäre und die Wirkungen des Ozonlochs machen nicht an Ländergrenzen halt. Deshalb ist der globale Wandel eine Herausforderung, der nur in internationaler Zusammenarbeit, d. h. durch gemeinsames politisches Handeln begegnet werden kann. Forschung, Wissenschaft und technologische Innovation können und müssen in internationaler Bündelung der Kräfte und Kompetenzen das erforderliche Systemwissen und die technischen Mittel bereitstellen, um vorsorgendes Handeln zu ermöglichen. 2.2 Technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands im internationalen Wettbewerb Deutschland gehört neben USA und Japan zu den drei größten Technologieproduzenten der Welt. Der hohe Wohlstand in unserem Land wurde durch die Fähigkeit der Wirtschaft zur stetigen Neuentwicklung von Produkten, zu raschen Produktivitätsfortschritten und zu ständigen Qualitätsverbesserungen erarbeitet. Diese Faktoren werden auch zukünftige gesamtwirtschaftliche Wachstumsspielräume und die Entstehung hochwertiger neuer Arbeitsplätze bestimmen. Motor des technologischen Wandels sind lndustrie- und Dienstleistungsbereiche, die in überdurchschnittlich hohem Maße in Forschung und Technologie investieren. Gut 90 % des gesamten industriellen Wissensbestandes konzentriert sich auf FuE-intensive Branchen (Investitionen in Forschung und Entwicklung von mehr als 3,5 % des Umsatzes). In diesen Branchen bündelt sich ein erheblicher Teil der wissenschaftlich-technischen Problemlösungskompetenz unserer Gesellschaft. Der FuE-intensive Sektor in Deutschland hat seinen Anteil an der Industrieproduktion in Westdeutschland seit Ende der 70er Jahre kontinuierlich von etwa 42 % auf etwa 45 % erhöht. Entgegen manchen falschen Vorstellungen ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Industrien, die in hohem Maße Forschung und Entwicklung treiben, in Deutschland mit 13,5 % Anteil am BIP größer als in den USA (8,5 %) und auf gleichem Niveau wie in Japan (vgl. Teil II, Kap. 9). Neben der direkten Wirkung forschungsintensiver Branchen auf Wirtschaftswachstum und Produktion sind die indirekten Effekte beachtlich. Der industrielle Strukturwandel begünstigt seit langem den Dienstleistungssektor. Eine leistungsfähige forschungsintensive Industrie ist dafür vielfach der Katalysator. Unternehmensorientierte Dienstleistungen expandieren dort am schnellsten, wo es auch entsprechende Nachfrage aus innovativen Industrien gibt. Viele hochwertige Dienstleistungen werden dort benötigt, wo geforscht und entwickelt, vermarktet, finanziert und produziert wird. In bestehende Dienstleistungsbereiche bringen neue Technologien Lösungsansätze hinein, z. B. Software, die dort neue Wertschöpfung möglich machen. In der langfristigen Entwicklung haben forschungsintensive Bereiche in allen OECD-Ländern deutlich überdurchschnittliche Beiträge zur Beschäftigungsentwicklung in der Industrie geleistet. Deren Beschäftigungsgewinne in Deutschland lagen dabei deutlich über dem OECD-Durchschnitt. In den vergangenen Jahren wurden aber auch in den forschungsintensiven Bereichen der Industrie trotz weiteren Produktionszuwachses in erheblichem Maß Arbeitsplätze abgebaut. Dies ging in Deutschland allerdings mit rückläufigen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft und einer schwachen Investitionsentwicklung einher. Inwieweit der Dienstleistungssektor und insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen Hoffnungen auf substantielle Beschäftigungszuwächse in den kommenden Jahren erfüllen können, dürfte auch von einer Umkehr dieser Entwicklungen abhängig sein. Leistungsprofil In der internationalen Arbeitsteilung entwickeln Volkswirtschaften Spezialisierungsprofile. Keine Volkswirtschaft kann das Innovationspotential in jeder Branche in gleicher Weise ausschöpfen. Es wäre auch nicht sinnvoll. Vielmehr werden sich in den einzelnen Volkswirtschaften Schwerpunkte herausbilden, die u. a. auf deren jeweiligen industriellen und wissenschaftlichen Traditionen und Kompetenzen beruhen. Demgegenüber werden sie sich in anderen Bereichen des Weltmarktangebots an neuen Technologien bedienen und diese mit dem eigenen Wissen kombinieren. Es gilt vor allem, die Vorteile einer optimalen Eingliederung der deutschen Wirtschaft in die internationale Arbeitsteilung bei Forschung und Entwicklung zu nutzen. Deutschlands technologische Leistungsfähigkeit ist gekennzeichnet durch ein sehr breites Güterangebot, tiefgestaffelte Produktion mit hohem Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen sowie einem hohem Stand von Ausbildung und technischem Wissen. Die deutsche Industrie hat in geschickter Ausnutzung der internationalen Arbeitsteilung in der Forschung ihre traditionellen Stärken in den Bereichen höherwertige Investitionsgüter (Maschinen, Fahrzeuge), Elektrotechnik und Chemie genutzt. In diesen Branchen hat sie auf der Grundlage vergleichsweise hoher eigener FuE-Aktivitäten und einer beachtlichen technologischen Breite immer wieder dynamische Marktsegmente besetzt. Dabei wurden in hohem Maße Spitzen- und Querschnittstechnologien in traditionelle Schwerpunkte integriert. Insbesondere FuE-Aktivitäten in den Technikbereichen neue Werkstoffe, Software/Simulation, flexible integrierte Fertigungstechnik und Umwelttechnik sind meist breit über die Branchen gestreut. So haben 58 % der FuE-treibenden Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes in den Jahren 1991 bis 1993 Forschung und Entwicklung für neue Werkstoffe durchgeführt. Der vergleichsweise intensive Einsatz von Spitzentechnologien ist eine Erklärung der bislang starken Position auf den Märkten für höherwertige Produktgruppen. Herausforderungen Die technologische Spezialisierung Deutschlands verläuft jedoch zu einseitig. Das Technologiemanagement der Unternehmen in Deutschland konzentriert sich auf Technologiebranchen, die zwar in Deutschland nach wie vor eine hohe Rate technischer Neuerungen aufweisen, die aber global eine eher geringe Dynamik zeigen. Zudem verengt sich das Technologie-Portfolio, in dem die deutsche Industrie weltweit führend mithalten kann. Es entsteht zu wenig Neues in dynamischen Technikfeldern. -- Seit Mitte der 80er Jahre verstärkten sich Deutschlands Defizite bei den Erfindungs- und Produktionsaktivitäten der Produktgruppen, die durch Mikroelektronik geprägt sind (EDV-Anlagen, Halbleiterbauelemente, Büromaschinen, Unterhaltungselektronik). Der negative Trend spiegelt sich in der Patentspezialisierung wider, die auch für alle anderen europäischen Länder, mit Ausnahme der Niederlande, negativ ausfällt. Lediglich die USA, Japan und die Niederlande konzentrieren einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihrer weltmarktrelevanten Erfindungstätigkeit auf mikroelektronikbestimmte Produktgruppen. Im Außenhandel befindet sich Deutschland im gesamten Bereich der Informationstechnik in einer schon traditionellen Schwächeposition. Der Markt wird klar von Japan (Welthandelsanteil von 34 %) und den USA (22 %) dominiert. Deutsche Erzeugnisse machen demgegenüber lediglich 8 % des Welthandelsvolumens aus. Dabei schließt die generelle Schwächeposition deutscher Anbieter die Konsolidierung auf einzelnen Marktsegmenten der Informationstechnik nicht aus. Bei der Meß-, Steuer- und Regelungstechnik steht Deutschland heute hervorragend da. Im Zusammenhang mit dem weltweiten Konjunkturaufschwung bei mikroelektronischen Bauelementen hat die deutsche Industrie auch dank staatlicher Förderung bei dieser Technologie wieder Fuß gefaßt. Eine international gute Position hat die deutsche Industrie ebenso in den wichtigen Wachstumsmärkten Mobilfunk, Chipkarten, Kommunikationstechnik sowie bei anspruchsvoller Standard- und Spezialsoftware. Chancen für die deutsche Wirtschaft liegen auf Märkten, in denen das vorhandene umfangreiche Systemwissen voll zum Tragen gebracht werden kann. Hierzu gehören komplette Systemlösun-gen, Automatisierungstechnik, Netztechnologien und moderne Multimedia-Techniken. Die Mikrosystemtechnik kann ähnliche Umwälzungen bringen wie die Mikroelektronik in den 80er Jahren (vgl. Teil III, Kap. 9). -- Wie in der Mikroelektronik haben sich die USA in der Biotechnologie an die Spitze der technologischen Entwicklung gesetzt und bauen Vorsprünge weiter aus. In Deutschland werden im internationalen Vergleich relativ wenig Erfindungen zum Patent angemeldet; die technologische Spezialisierung auf die Biotechnologie ist noch unterdurchschnittlich. Die schnelle Entwicklung der Biotechnologie wird in den kommenden Jahren etablierte Produktlinien u. a. in Chemie, Pharmazie, Nahrungsmittelindustrie und Pflanzenschutz, unter hohen Substitutionsdruck setzen. Bei diesen Produkten hat Deutschland aktuell mit einem Welthandelsanteil von fast 18 % die führende Marktposition vor den USA. Wie in keinem anderen Technologiefeld wird sich deshalb in der Biotechnik die Zukunftsfähigkeit Deutschlands erweisen (vgl. Teil III, Kap. 10). -- In der Umweltschutztechnik hat Deutschland unverändert eine starke Position. Umweltschutzgüter werden künftig auf den Weltmärkten einen erheblich höheren Stellenwert bekommen. Die deutsche Wirtschaft ist hierfür bestens gerüstet. Allerdings ist Deutschland -- im Gegensatz zu früheren Jahren -- nicht mehr größter Exporteur von Gütern, die potentiell im Umweltschutz Verwendung finden können. Vielmehr stehen heute die USA mit einem Welthandelsanteil von 19 % an der Spitze vor Deutschland (mit knapp 18,5 %) und Japan (13 %) (vgl. Teil III, Kap. 10). -- Die heute noch weitgehend stabile Position Deutschlands auf den internationalen Märkten beruht auf der technologischen Vorreiterposition im europäischen Raum. Sie sichert Deutschland immer noch große Absatzmärkte. In den direkten Beziehungen zu den wichtigsten überseeischen Konkurrenten USA und Japan sind allerdings Abstriche zu machen. Asiatische Schwellenländer, aber auch andere aufsteigende Volkswirtschaften, konnten in den vergangenen Jahren ihre Position auf weltweiten Technologiemärkten stark ausbauen. Ihr Anteil an den forschungsintensiven Importen der OECD-Länder beträgt heute ca. 16 %, mit stark steigender Tendenz. Vieles spricht dafür, daß Japan unter besonderen Druck der asiatischen Schwellenländer geraten dürfte, deren Produktangebot demjenigen Japans sehr ähnlich ist. In den für die deutsche Industrie wichtigen Warengruppen des Maschinen- oder des Fahrzeugbaus ist das Angebot aus lohngünstigen Schwellenländern gegenwärtig noch nicht besonders ausgeprägt. Dies kann sich mit dem wirtschaftlichen Aufbruch auch in den süd- und mitteleuropäischen Ländern mit ihrer großen Tradition im Investitionsgüterbereich ändern. Ausgaben für Forschung und Entwicklung Deutschland hat nach wie vor ein hohes Niveau bei Forschung, Entwicklung und in der Produktion neuer Technologien. Vorsprünge haben sich aber verringert. Andere haben aufgeholt. Das Teilnehmerfeld im weltweiten Technologiewettbewerb hat sich durch viele kleine Länder deutlich erweitert. Zukunftsmärkte werden durch Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Sachanlagen erobert. Vereinfacht und typisierend ausgedrückt: Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus dem Jahre 1996 zielen auf die Märkte der Jahre 1999 bis 2003. Der Rückgang der relativen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft wirft deshalb Schatten auf das Bild der technologischen Leistungsfähigkeit in Deutschland. Der Anteil der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt betrug 1994 in Deutschland 2,33 % (nach 2,43 % im Jahr 1993). Damit hat Deutschland 1994 -- wenn auch knapp -- hinter Frankreich Platz 4 unter den G7-Staaten bzw. Platz 6 unter den OECD- Ländern (mit Schweden auf Platz 1 und der Schweiz auf Platz 4) eingenommen. Die FuE-Gesamtausgaben der Wirtschaft waren 1994 nur um 0,8 % gestiegen. Jüngste Umfragen der SV-Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft lassen für 1995 wieder ein kräftigeres Wachstum von rd. 2 % erwarten (vgl. Teil II, Kap. 9.1). Die führenden Industrieländer hatten in den 80er Jahren mit einem FuE- Anteil von 3 % am Bruttoinlandsprodukt eine Art Schallmauer erreicht. Bei fast allen Volkswirtschaften, die auf höchstem Niveau Forschung und Entwicklung betreiben, zeigt die Entwicklung nach unten. Hinter diesen Rückgängen stehen auch unterschiedliche Entwicklungsmuster. In Deutschland hatte bereits seit Ende der 80er Jahre die Industrieforschung nachgelassen, also der Sektor, der bis dato die treibende Kraft des Aufholprozesses war und dessen Anteil an den FuE- Ausgaben im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist. Gleichzeitig holen kleinere Länder hinsichtlich ihrer FuE-Anstrengungen auf und befinden sich auf einzelnen Feldern bereits in Sichtweite der Großen. Die Langfristwirkungen der schon mehrjährigen FuE-Zurückhaltung wurden in Ansätzen bereits vor Jahren an FuE-Output-Indikatoren wie den Patentdaten sichtbar. Die deutsche Patentposition hat sich gegenüber dem Beginn der 90er Jahre im Vergleich zum Weltdurchschnitt verschlechtert -- der Rückgang fällt allerdings nach den jüngsten Zahlen nicht mehr so deutlich aus wie noch am Anfang des Jahrzehnts. Hinter der Zurückhaltung der Unternehmen bei innovativen Vorhaben steht ein Bündel von Ursachen. FuE-Aktivitäten und Innovationen sind hoch risikobehaftete Investitionen. Unternehmensbefragungen zeigen, daß Innovationshemmnisse gegenwärtig weniger in den unternehmensinternen Innovationspotentialen, Know-how-Defiziten oder fehlenden externen Informationen über neue technische Lösungen zu suchen sind. Viel öfter werden Innovationsprojekte durch hohe Marktrisiken neuer Produkte und Leistungen und fehlendes Risikokapital in Frage gestellt. Technologiebranchen erwirtschaften weit überdurchschnittliche Teile ihres Umsatzes im Export. Sie sind deshalb in besonderer Weise vom hohen Außenwert der DM betroffen, der den Kostendruck bei Innovationsvorhaben im internationalen Wettbewerb weiter verschärft hat. Vorsorgeinvestitionen für Innovationsprojekte mit langer Amortisationsdauer sind für viele Unternehmen zum Problem geworden. Aufwendungen für Forschung und Entwicklung wurden deshalb einem stark verschärften Kosten- und Qualitätscontrolling unterworfen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen beeinträchtigen aber auch die sog. ,,weichen`` Innovationshindernisse wie ungenügender Zugang zu Risikokapital, inflexible Management- und unzureichende Organisationsstrukturen die Absorptionsfähigkeit neuen Wissens und damit deren Innovationsfähigkeit. Neben den inkrementalen Verbesserungen, die auf mittlere Sicht den Großteil des gesamtwirtschaftlichen Produktionsanstiegs erbringen, ist langfristig die Frage der Entwicklung des deutschen Technologiepotentials eine der ganz zentralen Zukunftsaufgaben. Wo Innovationspotentiale geringer werden und Innovationsvorsprünge schwinden, nimmt der Preis- und Mengenwettbewerb an Bedeutung zu. Projiziert man die Effekte der heutigen Investitionen in Forschung und Entwicklung und Sachkapital auf mögliche gesamtwirtschaftliche Ergebnisse der kommenden Jahre, dann läßt dieses Szenario gegenwärtig keine Festigung der technologischen Leistungsfähigkeit im internationalen Vergleich erwarten. Denn es ist nicht davon auszugehen, daß die Spielregeln der Vergangenheit, nach denen die technologische Basis die Wirtschaftsstruktur, die komparativen Vorteile, das Einkommen und die Beschäftigung hochentwickelter Volkswirtschaften bestimmt, außer Kraft gesetzt sind. Neue Wachstumsspielräume für den Hochlohnstandort Deutschland müssen also durch mehr Zukunftsinvestitionen erwirtschaftet werden, nicht durch weniger. 2.3 Wandel der Arbeitswelt Über 4 Mio. Menschen sind z. Z. in Deutschland arbeitslos. Die Zahl fehlender Arbeitsplätze wird auf über 5 Mio. geschätzt. Die Überwindung der Beschäftigungskrise, die Schaffung neuer stabiler Arbeitsplätze ist deshalb die zentrale Herausforderung für Politik und Wirtschaft. Die Ursachen für die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung sind vielschichtig. Konjunkturelle Faktoren spielen ebenso eine Rolle wie langfristige Trends. Die Bewältigung der Arbeitslosigkeit ist daher nicht allein ein quantitatives Problem der Verteilung von Arbeit. Sie wird immer stärker zu einem qualitativen Problem im Kontext struktureller Veränderungen. Neben der wirtschaftlichen Globalisierung, der sich verändernden internationalen Arbeitsteilung und einem wachsenden internationalen Kosten- und Wettbewerbsdruck sind die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, die Entstehung neuer Arbeitsformen und -abläufe durch technologische Neuerungen, demographische Entwicklung und Veränderungen im Erwerbsverhalten wichtige Koordinaten des Wandels der Arbeitswelt. Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft Ende des vergangenen Jahrhunderts waren in Deutschland noch fast 50 % aller Erwerbstätigen im primären Sektor beschäftigt. Heute sind es dagegen nur noch 3 % (1,1 Mio.). In der deutschen Industrie ist die Beschäftigung in den letzten 20 Jahren um ca. 40 % zurückgegangen. Im Dienstleistungssektor nahm die Zahl der Beschäftigten dagegen seit 1976 um gut 3,7 Mio. zu. Auch in den Jahren 1992 bis 1994 wuchs die Zahl der Arbeitsplätze bei den Dienstleistungen jährlich um 1 %, dies konnte aber den Verlust von fast 1,6 Mio. Arbeitsplätzen im Produzierenden Gewerbe nur teilweise ausgleichen. Während 1985 nach einer Studie des Ifo-Instituts rd. 55 % der Erwerbstätigen in Deutschland im Dienstleistungsbereich gearbeitet haben, waren es 1993 bereits etwa 60 %. Vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Unternehmensberatungen, Datenverarbeitung und Einzelhandel wurden neue Arbeitsplätze geschaffen. Dabei weist insbesondere die dynamische Entwicklung der unternehmensbezogenen Dienste darauf hin, daß zwischen dem verarbeitenden Gewerbe und den Dienstleistungen starke Wechselwirkungen bestehen. Dienstleistung als Teil eines industriellen Angebots entscheidet immer häufiger über dessen globale Wettbewerbsfähigkeit. Der Wertschöpfungsanteil der Dienstleistungen im produzierenden Gewerbe wird weiter steigen. Nach einer aktuellen Prognose werden bis zum Jahr 2010 18,4 % der hier Erwerbstätigen beraten und betreuen, lehren und publizieren; nach nur 11,8 % im Jahre 1991. Der umfassende Einsatz der Informationstechnik und die Entwicklung zur Informationsgesellschaft gehen einher mit einem Wandel der Berufe und Beschäftigungsfelder. Neuere Berechnungen des IAB zeigen, daß sich die Tätigkeitsschwerpunkte der Beschäftigten im Zeitablauf immer stärker auf den Umgang mit Informationen verlagert haben. Durch Zuordnung der Erwerbstätigen zu Berufen mit dem Schwerpunkt ,,Informationstätigkeit`` läßt sich aus den drei traditionellen Sektoren Landwirtschaft, Produktion und Dienstleistungen ein vierter Sektor ,,Information`` herauslösen und in seiner Entwicklung gesondert darstellen. Danach sind gegenwärtig in Deutschland rd. 50 % aller Erwerbstätigen diesem Sektor ,,Information`` zuzurechnen; im Jahre 2010 werden es rd. 55 % sein. Der Anteil, den Dienstleistungen an der Gesamtbeschäftigtenzahl und an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung haben, steigt. Die Europäische Kommission nimmt beispielsweise an, daß gegen Ende dieses Jahrzehnts 7 % des Bruttosozialprodukts in der Gemeinschaft direkt vom Telekommunikationssektor abhängig sein werden; nach 2 % in den 80er Jahren. Die Tourismusbranche ist bereits heute mit nahezu 100 Mio. Beschäftigten, einem Umsatz von 2 000 Mrd. $ und einem Anteil von 5,5 % am Weltbruttosozialprodukt der größte Wirtschaftszweig. Im Vergleich zu den USA erscheint der Dienstleistungssektor in Deutschland allerdings immer noch ausbaufähig. Bezogen auf die wichtigsten Bereiche des tertiären Sektors lassen sich folgende Beschäftigungsanteile beobachten: Neue Arbeitsformen und -abläufe Die Entwicklung im Dienstleistungsbereich wird nicht zuletzt durch die neuen Informationstechniken forciert. Ihre Verbreitung in neue Anwendungsfelder wird zugleich die traditionellen Arbeitsformen und - abläufe verändern. Das Flexibilisierungspotential wächst und wird zunehmend individuellere Arbeitszeiten und Arbeitsplatzprofile ermöglichen. Ehemals linear hintereinandergeschaltete Arbeitsabläufe werden zunehmend durch integrale Prozesse ersetzt, die zugleich die Entwicklungs- und Produktionszeiten verkürzen. Die Möglichkeiten der Telekooperation werden diesen Prozeß verbreitern und beschleunigen. Demographische Entwicklung, Erwerbsverhalten und Arbeitsmarktsituation Wie fast überall in den großen Industriestaaten ist auch in Deutschland mittelfristig ein Anstieg des Altersdurchschnitts der Bevölkerung zu erwarten. Prognosen gehen davon aus, daß im Jahre 2030 ein Viertel der Bevölkerung der Industriestaaten über 65 Jahre alt sein wird. Das generative Verhalten und die steigende Lebenserwartung führen dazu, daß sich langfristig das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und nichterwerbstätiger Bevölkerung verschiebt. Bei unveränderter Erwerbsbeteiligung und fehlender Zuwanderung gäbe es nach Berechnungen des IAB in Deutschland bis zum Jahr 2000 fast 3,5 Mio. Erwerbspersonen weniger als 1994. Der Anteil der unter 30jährigen an der Erwerbsbevölkerung wird sich trotz des Anstiegs der Zahl weiblicher und ausländischer Arbeitnehmer von derzeit ca. 30 % auf rd. 20 % im Jahre 2030 verringern. Das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen wird steigen. Zugleich verändert sich der Wissensstand in immer kürzeren Zeiträumen und damit die Qualifikationsanforderungen. Es ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, daß unsere sich in ihrer Altersstruktur radikal wandelnde Gesellschaft auch künftig ein ausreichendes Innovationspotential in Wissenschaft und Wirtschaft hervorbringen kann. Deshalb wächst beispielsweise die Bedeutung der Weiterbildung im Prozeß der Arbeit. Beim Erwerbsverhalten läßt sich allgemein eine Verschiebung von materiellen zu den sog. postmateriellen Werten (z. B. Selbstentfaltung, Partizipation) beobachten. Der Wunsch nach mehr Spielraum bei der eigenen Lebensgestaltung erlangt immer größeres Gewicht. Im Bereich der Arbeitswelt haben sich neue Erwartungen an Arbeitsbedingungen und Arbeitsinhalte durchgesetzt. So können sich nach einer aktuellen Umfrage 38 % der befragten Bundesbürger vorstellen, in der Freizeitwirtschaft zu arbeiten. Bei den bis zu 29jährigen ist es sogar eine klare Mehrheit von 55 %. Die Veränderungen in den Erwartungen und Ansprüchen kommen in folgenden Ergebnissen deutlich zum Ausdruck: 71 % der dazu aufgeschlossen Eingestellten glauben, auf diese Weise Hobby und Beruf miteinander verbinden zu können. Die erwarteten Verdienstmöglichkeiten spielten nur für 57 % eine Rolle. Die ehemals starren Grenzen zwischen Arbeit auf der einen Seite und Freizeit auf der anderen Seite werden teilweise zugunsten flexibler Übergänge zwischen beiden Bereichen aufgelöst. Neue Aufgaben für die Forschung Nach allen bisherigen Untersuchungen wird die Bewältigung des Strukturwandels andere und höhere Anforderungen an die berufliche Tätigkeit stellen. Der Anteil der Arbeitsplätze, für die qualifizierte und praxisnah aus- und weitergebildete Fachkräfte gebraucht werden, wird weiter zunehmen. Die Anforderungen an den Mitarbeiter der Zukunft heißen: hohe fachliche Qualifikation, Eigeninitiative, Entscheidungs- und Verantwortungsbereitschaft sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit. Mit Gruppen- und Telearbeit werden Hierarchien abgebaut und Verantwortung zunehmend dezentralisiert. Lebenslanges Lernen wird die traditionelle Trennung von Ausbildung und Berufstätigkeit ablösen, denn nur durch permanente Weiterbildung wird der einzelne dazu befähigt, sich den veränderten Anforderungen anzupassen. Aufgabe der Berufsbildungsforschung ist es, diese Veränderungsprozesse zu untersuchen und Ansätze für die Nutzung neuer technischer Möglichkeiten herauszuarbeiten. Mit dem berufsstrukturellen Wandel verändern sich zugleich auch Erwerbsverläufe und Zugangswege zu beruflichen Tätigkeiten und Positionen. Die Analyse von beruflichem Wandel und beruflicher Mobilität bildet Kernaufgaben der künftigen Berufsforschung (vgl. Teil III, Kap. 18). Anhaltend große Arbeitsmarktprobleme erfordern bei knappen Ressourcen einen besonders effizienten Einsatz der arbeitsmarktpolitischen Instrumente. Fragen nach Zielerreichung, qualitativen und quantitativen Beschäftigungseffekten, Implementationsproblemen, Maßnahmekosten und Kostenvergleichen müssen von der Wirkungsforschung möglichst handlungsorientiert beantwortet werden. Die Neugründung des Max-Planck-Instituts für Demographie in Rostock unterstreicht die aktuelle forschungspolitische Bedeutung der wissenschaftlichen Suche nach Antworten auf die Herausforderungen des demographischen Wandels. Das Spektrum der aktuell erörterten Ansätze reicht dabei von der Verlängerung der Lebensarbeitszeit, über eine gezielte Integrationspolitik bis hin zu frauen- und familienpolitischen Aspekten. Die Notwendigkeit, sich dem Wettbewerb auf nationalen und internationalen Märkten für technologieintensive Produkte und Produktionsverfahren zu stellen, erfordert es nicht nur, Anpassungsprozesse auf seiten der Arbeitskräfte zu untersuchen. Die ingenieur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Forschung muß zugleich die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld auf betrieblicher sowie auf überbetrieblicher Ebene für eine menschengerechtere Gestaltung von Arbeit und Technik in den Blick nehmen. Ferner sind Verbesserung des Gesundheitsschutzes durch Abbau und Abwehr gefährdender Belastungen am Arbeitsplatz, die Zukunftsfähigkeit von Dienstleistungen und Strategien zur Bewältigung der Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Erwerbsarbeit der Zukunft wichtige Handlungsfelder der Bundesregierung. 3. Forschung als Teil der Zukunftspolitik 3.1 ,,Unternehmen Forschung`` -- Topographie der deutschen Forschungslandschaft Strukturen des deutschen Systems der Forschungsförderung Die deutsche Forschungslandschaft und das Zusammenwirken der einzelnen Partner läßt sich -- vereinfachend -- aus zwei Blickrichtungen aufschlüsseln: FuE-durchführende und FuE-finanzierende Sektoren. Mit Hilfe dieser -- auch im internationalen Vergleich üblichen -- Strukturierung lassen sich Beziehungen der Sektoren und ihrer Elemente sowie die Entwicklung im Zeitverlauf veranschaulichen (vgl. Teil II, Graphik II/3). Durchführung von Forschung und Entwicklung Die FuE-durchführenden Sektoren in der Bundesrepublik Deutschland sind: -- die Hochschulen, -- der Staat und private Organisationen ohne Erwerbszweck und -- die Wirtschaft. Der Sektor Hochschulen umfaßt die Universitäten, Gesamthochschulen, Fachhochschulen. Der Anteil der FuE-Ausgaben der Hochschulen an den Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung beträgt in Deutschland derzeit insgesamt rd. 19 % (1991: 16 %) 2). Im Hochschulsektor liegt der Schwerpunkt der FuE-Ausgaben in den Bereichen Naturwissenschaften (28 %) und Medizin (26 %). Ingenieurwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften sind mit 19 % gleich stark vertreten; vergleichsweise gering ist der Anteil der Agrarwissenschaften (5 %). Die Forschung an Hochschulen wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als ihrem größten Drittmittelgeber wesentlich gefördert. Der Sektor Staat und private Organisationen ohne Erwerbszweck umfaßt zum einen die bundes-, landes- und kommuneneigenen Forschungseinrichtungen -- wie etwa die Bundes- und Landeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben. Diese führen Forschungsaufgaben durch, die wesentlich zur Erfüllung der Ressortaufgaben der Ministerien beitragen, beispielsweise auf den Gebieten Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt, Materialien, Rohstoffe und Meßwesen sowie der Verteidigung. Zum zweiten zählen hierzu die privaten wissenschaftlichen Institutionen ohne Erwerbszweck, d. h. die Großforschungseinrichtungen (GFE), die Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Fraunhofer- Gesellschaft (FhG), die Einrichtungen der Blauen Liste (BLE), die Akademien der Wissenschaften sowie weitere private Forschungseinrichtungen (vgl. Teil VI). Zu diesem Sektor gehören ebenfalls die wissenschaftlichen Museen, Bibliotheken und Archive, die mit unterschiedlichen Anteilen auch Forschung und Entwicklung betreiben 3). Auf die gesamten staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen entfallen derzeit rd. 15 % der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung (1991: 14 %). Unter den außeruniversitären Forschungseinrichtungen nehmen die Großforschungseinrichtungen mit einem Anteil von 36 % an den FuE- Ausgaben dieses Sektors noch vor der Gesamtheit der staatlichen Ein- richtungen mit Forschungsaufgaben (17 %) eine dominierende Rolle ein. Auf die MPG, die überwiegend Grundlagenforschung betreibt, entfallen 14 %, auf die BLE 12 % und auf die FhG, die vornehmlich im Bereich der angewandten Forschung tätig ist, 11 % der FuE-Ausgaben. Den dritten und größten Sektor der Forschungslandschaft bildet die Wirtschaft mit den Forschungsstätten der Unternehmen und den Institutionen für Gemeinschaftsforschung und -entwicklung. Ihr Anteil an den inländischen FuE-Ausgaben liegt derzeit bei rd. 66 % (1991: 69 %). Nach Wirtschaftszweigen der Unternehmen beteiligen sich seit jeher Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau am stärksten an Forschung und Entwicklung (43 %), an zweiter Stelle liegt Elektrotechnik, Feinmechanik, Herstellung von Eisen-, Blech-, Metallwaren (EBM-Waren) (27 %), drittgrößter Wirtschaftsbereich ist nach wie vor die Chemische Industrie (19 %). Während die FuE-Ausgaben der Elektrotechnik in den letzten Jahren nahezu unverändert waren, verzeichneten die beiden anderen Branchen 1995 gegenüber 1994 einen leichten Anstieg (2 % bzw. 3 %). FuE-finanzierende Sektoren Der stärkste FuE-finanzierende Sektor ist die Wirtschaft. Sie finanzierte 1994 rd. 61 % der im Inland durchgeführten Forschung und Entwicklung; ihre ,,Eigenfinanzierungsquote" betrug bezogen auf die im Wirtschaftssektor durchgeführte Forschung und Entwicklung knapp 89 %. An zweiter Stelle liegen Bund und Länder, sie finanzieren rd. 37 %. Private Institutionen und das Ausland tragen etwa 2 % zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung in Deutschland bei. Seit Ende der 80er Jahre ist der Anteil der Wirtschaft rückläufig (1989: 63 %), während der Anteil des Staates und vor allem der des Auslandes an der Finanzierung der inländischen Forschung und Entwicklung gewachsen sind. Dennoch nimmt Deutschland beim Finanzierungsanteil der Wirtschaft im internationalen Vergleich -- hinter Japan (68 %) und vor den USA (59 %) -- nach wie vor einen vorderen Platz unter den G7-Staaten ein. Einen vergleichbar hohen Anteil an der FuE-Förderung bringt die Wirtschaft in Schweden und der Schweiz auf (62 % bzw. 67 %). Darüber hinaus gewinnen die Ausgaben für im Ausland durchgeführte Forschung und Entwicklung an Gewicht. Der Anteil der ins Ausland fließenden Mittel an der Finanzierung von Forschung und Entwicklung durch die Wirtschaft insgesamt hat sich gegenüber 1981 mehr als verdoppelt (2 %).4) Die von Bund und Ländern zusammen finanzierten FuE-Ausgaben betrugen 1995 rd. 32 Mrd. DM, davon flossen etwa 1,8 Mrd. DM an die DFG sowie 2 Mrd. DM überwiegend für internationale Beiträge der Bundesrepublik Deutschland in das Ausland. Damit nimmt die Bundesrepublik Deutschland im internationalen Vergleich im Bereich der zivilen Forschung und Entwicklung einen Spitzenplatz ein: 0,88 % des BIP werden hierfür ausgegeben (Die Vergleichswerte für andere G7-Staaten sind: USA 0,46 %, Japan 0,47 %, Frankreich 0,84 %).5) Aktuelle Entwicklungen in der Forschungslandschaft Der Rückgang der Dynamik der FuE-Aufwendungen der Wirtschaft, die deutsche Vereinigung und der Neuaufbau der ostdeutschen Forschung haben die Struktur des deutschen Forschungssystems in den letzten Jahren verändert. Dies hat dazu geführt, daß der Anteil des Wirtschaftssektors zurückgegangen und im Gegenzug der Finanzierungsanteil von Bund und Ländern mit dem Aus- und Aufbau der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und vor allem der Hochschulen angestiegen ist. Erst seit 1995 zeichnet sich ein leichter Anstieg der FuE-Aufwendungen im Wirtschaftssektor ab (+ 1,8 %), der jedoch noch keine strukturellen Veränderungen bewirkt hat. Trotz nur leichter nominaler Zuwächse des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den letzten Jahren ist der Anteil der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung am BIP insgesamt (seit 1989) rückläufig und lag 1994 bei 2,33 %. Im internationalen Vergleich der G7-Staaten liegt Deutschland damit hinter Japan (2,94 %), den USA (2,54 %) und Frankreich (2,38 %) an vierter Stelle (vgl. Graphik I/8) unter den OECD-Mitgliedstaaten insgesamt haben auch Schweden (3,26 %) und die Schweiz (2,68 %) einen höheren Anteil zu verzeichnen als Deutschland. Vergleicht man die Forschungslandschaften, so weisen Japan, die USA und Deutschland eine etwa vergleichbare Struktur auf, wobei die weder staatlich noch von der Wirtschaft finanzierten privaten Forschungseinrichtungen in Japan und den USA ein größeres Gewicht haben als in Deutschland (vgl. Teil VII, Tabelle VII/25). In Deutschland arbeiten insgesamt knapp 500 000 Menschen in Forschung und Entwicklung, darunter etwa 240 000 Forscher (47 %). Mit einem Grundlagenforschungsanteil von rd. 20 % der gesamten FuE-Ausgaben nimmt Deutschland im internationalen Vergleich einen der vorderen Plätze ein (Frankreich 21 %, USA 16 %, Japan 12 %). Interaktionen in der Forschungslandschaft Angesichts der Vielzahl und Vielfalt der Maßnahmen einerseits und der Begrenztheit der Ressourcen andererseits gewinnt die gegenseitige Information und Abstimmung der Partner bei der Forschungsförderung stärker an Gewicht. Ein wichtiges Gremium für die gemeinsame Forschungsförderung und - koordinierung sowie für die gegenseitige Abstimmung und Information nach Artikel 91 b GG ist die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK). In der Rahmenvereinbarung Forschungsförderung (RV-Fo) haben Bund und Länder vereinbart, sich nach Maßgabe der hierzu von der BLK erarbeiteten Empfehlungen gegenseitig zu unterrichten, und zwar insbesondere über die bei der Forschungsförderung angewandten Grundsätze und Verfahren sowie Planungen in bezug auf neu zu gründende oder bestehende Forschungseinrichtungen und -vorhaben. Darüber hinaus strebt die BLK eine Abstimmung der forschungspolitischen Planungen und Entscheidungen des Bundes und der Länder an. Maßnahmen in der allgemeinen Forschungsförderung sind auch mit der Forschungsplanung im Bereich der Großforschung und der Ressortforschung abzustimmen. In der BLK besteht Einigkeit, daß sich das System der gemeinsamen Forschungsförderung bewährt hat. Zur Beratung in Fragen von Wissenschaft und Forschung haben die Regierungen von Bund und Ländern 1957 gemeinsam den Wissenschaftsrat errichtet (vgl. Teil VI, Einführung). Er hat die Aufgabe, zur inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und Forschung Empfehlungen zu erarbeiten. Ferner nimmt er auf Anforderung von Bund und Ländern zu einzelnen Einrichtungen, Entwicklungen und Planungen Stellung. Wichtige Themen sind die Empfehlungen zum Hochschulbau und zur Hochschulsituation insgesamt, die Begutachtung gemeinsam geförderter Forschungseinrichtungen oder Stellungnahmen und Empfehlungen zu einzelnen Fachgebieten. Die hochrangige Besetzung mit Vertretern aus Wissenschaft und staatlichem Bereich sowie die Berufungsmodalitäten sichern die hohe Reputation dieses Beratungsgremiums. Hervorragendes Beispiel für die gut funktionierende Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bereich der Forschungsförderung war die gemeinsame Arbeit beim Umbau und Neuaufbau der ostdeutschen Forschungslandschaft. Auf der Grundlage des Artikel 38 des Einigungsvertrages und der Stellungnahmen des Wissenschaftsrates zur Forschung der ehemaligen Akademien und seiner Empfehlungen zur Neustrukturierung wurden seit Beginn des Jahres 1992 mehr als 100 von Bund und Ländern gemeinsam geförderte Forschungseinrichtungen geschaffen. Hinzu kommen drei selbständige Bundeseinrichtungen sowie zahlreiche Institute bzw. Außenstellen westdeutscher Bundeseinrichtungen, so daß insgesamt mehr als 140 außeruniversitäre Einrichtungen mit über 15 000 Arbeitsplätzen entstanden sind. Die Erneuerung der Hochschulforschung ist Teil der Umstrukturierung der Hochschulen in den neuen Ländern. Ergänzend zu den bestehenden Instrumenten der Wissenschaftsförderung wurden durch das HEP gezielte Hilfen für die Erneuerung mit einem Finanzvolumen von insgesamt rd. 2,4 Mrd. DM bereitgestellt. Neben der personellen und fachlichen Erneuerung der Hochschulen wurde die Stärkung der Grundlagenforschung und die Sicherung der Infrastruktur angestrebt (vgl. Teil III, Kap. 1). Die Hochschullandschaft der neuen Länder umfaßt derzeit rd. 50 Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen mit einer Vielzahl von Standorten (vgl. Teil II, Kap. 7). Forschungskoordinierung Während sich die Koordinierung der von Bund und Ländern gemäß Artikel 91b GG gemeinsam geförderten Forschung aus den hierfür geschaffenen Instrumenten ergibt, hat der Bund für die Koordinierung auf Bundesebene ein spezifisches Koordinierungskonzept geschaffen, das auf dem Konsensprinzip basiert. Die wichtigsten Elemente sind Transparenz und gegenseitige Information, die Frühkoordinierung von Forschungsvorhaben ab einem bestimmten Förderumfang (vor Vergabe) und gegenseitige Abstimmung im Rahmen eines interministeriellen Ausschusses (IMA Wissenschaft und Forschung). Die auf Bund-Länder-Ebene geschaffenen Instrumente erlauben darüber hinaus eine gegenseitige informelle und kontinuierliche Unterrichtung über geplante Forschungsprogramme und Maßnahmen der Schaffung neuer Forschungseinrichtungen oder besonderer Infrastruktur. Auf fachlicher Ebene bieten die jeweiligen Gremien Gelegenheit für einen regelmäßigen Informations- und Erfahrungsaustausch. Da der Schwerpunkt der Verantwortung im Bereich der Kultur sowie der Forschung und Lehre an den Hochschulen bei den Ländern liegt, stellen die Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz wichtige Gremien der Koordinierung und Zusammenarbeit dar. Von zunehmender Bedeutung im Hinblick auf die gegenseitige Information ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Sie ist durch gemeinsam besetzte Gremien, z. B. Aufsichtsräte, Kuratorien, Fachbeiräte von Forschungseinrichtungen u. ä. sowie regelmäßige Gesprächskreise und Foren gegeben. Rat für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler Ein neues wichtiges Instrument der Zusammenarbeit und Beratung ist der Anfang 1995 vom Bundeskanzler einberufene Rat für Forschung, Technologie und Innovation. Der erste Themenschwerpunkt des Rates betraf die ,,Informationsgesellschaft -- Chancen, Innovationen und Herausforderungen", zu dem er 41 Empfehlungen erarbeitete. Die an die Bundesregierung adressierten Empfehlungen wurden im Bericht der Bundesregierung ,,Info 2000 -- Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft`` aufgegriffen. Ihre Umsetzung ist Teil der ,,Initiative Informationsgesellschaft Deutschland``, mit der die Bundesregierung offensiv den Weg ins multimediale Zeitalter einschlägt. Als nächstes befaßt sich der Rat mit dem Thema ,,Biowissenschaften``. Zukünftige Herausforderungen: Aufgabenprofil -- ,,schlanke Forschung`` -- Vernetzung -- Internationalität Mit ihrer Vielgliedrigkeit gründet sich die deutsche Forschung auf ein zukunftsfähiges, breites Fundament, das aus Sicht der Bundesregierung gestärkt, aber auch dynamisch weiterentwickelt werden muß, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern. In enger Abstimmung mit den Ländern, den Wissenschaftsorganisationen und Forschungseinrichtungen strebt die Bundesregierung daher folgende Ziele an: -- Aufgabenprofil: Neue Aufgaben können nicht durch einfaches Hinzufügen neuer Institute oder Forschungseinrichtungen angegangen werden, sie fordern vielmehr die Überprüfung des Bestehenden und neue Prioritäten. Hohe wissenschaftliche Leistungen und Reputation sind dabei die Kriterien, an denen sich alle Forschungseinrichtungen messen müssen. Die Evaluierung von Fachgebieten und Forschungseinrichtungen wie die der Blaue Liste-Institute durch den Wissenschaftsrat entspricht daher der Zielsetzung der Bundesregierung, das Profil der deutschen Forschungslandschaft zu schärfen. Die deutsche Forschung braucht ein stimmiges und lebendiges Leistungs- und Aufgabenprofil, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Zugleich sind die Kräfte des Wettbewerbs und der Selbstkontrolle im Wissenschaftssystem zu stärken. Flexibilisierung der Fördermittel und ihre wettbewerbsorientierte Verteilung schaffen hierfür geeignete Anreizsysteme. -- ,,Schlanke Forschung`` Entwicklungsdynamik setzt weniger Bürokratie und Verwaltungsaufwand voraus. Gerade die Forschung braucht flexible Strukturen und Handlungsspielräume. Die Initiativen der Bundesregierung zur Entbürokratisierung und Flexibilisierung der öffentlichen Verwaltung werden daher nachdrücklich auch für die Forschungseinrichtungen vorangetrieben. Geeignete Maßnahmen im Haushaltsrecht des Bundes sollen ein zugleich kostenbewußteres und effizienteres Handeln ermöglichen und neue Spielräume schaffen, um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren. -- Vernetzung Die Überwindung bestehender Hindernisse zwischen Wissensgenerierung und Anwendung zählt zu den vorrangigen Aufgaben. Die Erzeugung neuen Wissens im Kontext der Anwendung schmälert nicht die Bedeutung der Grundlagenforschung, im Gegenteil, sie schafft ein fruchtbares Spannungs- und Anregungsfeld. Grundlagenforschung und Anwendungen liegen heute in einigen Bereichen, z. B. der Genbiologie, nur Schritte auseinander; selbst die Anwendung z. B. im medizinischen Bereich ist auf den ersten Schritten noch Wissenschaft, weil die Arbeits- und Denkprofile ineinander übergehen. Herkömmliche ,,Transfer``-Vorstellungen im Sinne eines linearen Prozesses von der Grundlagenforschung über die anwendungsorientierte Forschung hin zur Innovation überzeugen immer weniger. Innovation ist ein vielfältig in die Forschung zurückgekoppelter Prozeß. Partnerschaftliche Zusammenarbeit an gemeinsamen Projekten ist daher das Zukunftsmodell und nicht Stafettenübergabe von Stufe zu Stufe. Gemeinsam mit den Wissenschaftsorganisationen und Forschungseinrichtungen wird die Bundesregierung hierfür die Voraussetzungen verbessern. Offenheit und Vernetzung durch gemeinsame Themenfindung und Leitprojekte zwischen Forschung und Wirtschaft, in die auch kleine und mittlere Betriebe einzubeziehen sind, können hierfür ein zentraler Schlüssel sein. Strukturelle Veränderungen in den Forschungseinrichtungen müssen sie ergänzen. Die Transferbereiche der DFG und die entsprechenden Aktivitäten der MPG (Garching Innovation) weisen in die richtige Richtung. Pilotgründungen von Innovationszentren durch die FhG werden von der Bundesregierung unterstützt. Vergleichbare Initiativen im Bereich der Großforschungseinrichtungen und der Hochschulen sind notwendig. Strukturelle Offenheit und Kooperationsfähigkeit sind dafür unbedingte Voraussetzung. Dabei geht es weniger darum, neue Institutionen zu schaffen, als vorhandene netzwerkartig zu verknüpfen. -- Internationalität Die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Forschungssystems im internationalen Vergleich hat für die Zukunft des Standortes Deutschland eine Schlüsselfunktion. Global players vergeben Aufträge international dorthin, wo Qualität und Preis stimmen. Die Forschungseinrichtungen müssen in der Lage sein, auf dem jeweiligen Gebiet zu international wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Dazu gehört ein hohes Maß an flexibler Gestaltung der Kosten in der Forschungseinrichtung selbst. Neben eigener Stärke geht es um den Aufbau fruchtbarer Partnerschaften. Die Bundesregierung verfolgt daher das Ziel, die deutsche Forschungslandschaft an das europäische und internationale Kooperationsnetzwerk anzukoppeln. Personalaustausch und Auslandsaufenthalte sind hierbei wichtige Komponenten. Forschungseinrichtungen sollen über Grenzen hinweg zusammenwachsen. 3.2 Von der Forschung zur Innovation Der globale Wettbewerb um Märkte und Kunden stellt Deutschland vor neue Herausforderungen. Wichtige Wettbewerber in der Triade haben bei neuen Technologien (Mikroelektronik, Biotechnik, Informatik) größere Fortschritte erzielt und setzen die Erkenntnisse schneller in neue Produkte am Markt um. Zusätzlich haben sich Schwellenländer zu innovationsfähigen Industriegesellschaften entwickelt, die Produkte mit hoher Leistungsfähigkeit, aber niedrigem Preis, auf den Markt bringen. Ihre Entwicklungsdynamik nimmt weiter zu. Allein über den Preis ist der internationale Wettbewerb trotz großer Rationalisierungserfolge für die deutsche Wirtschaft nicht zu gewinnen. Der mit der Rationalisierung vielfach einhergehende Abbau von Arbeitsplätzen erfordert deshalb neue Ansätze. Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland hängt entscheidend davon ab, inwieweit es gelingt, den Weg aus der Defensive zurück in die Offensive durch neue Technologien und deren Anwendung in wirtschaftlich verwertbaren Produkten zu finden. Neue Arbeitsplätze entstehen, wenn mit Produkt- und Dienstleistungsinnovationen neue Märkte erschlossen und durch Prozeßinnovationen Wettbewerbsvorteile erzielt werden, die die standortbedingten Nachteile kompensieren können. Ein Merkmal des neuen Wettbewerbs ist die relative Kürze der Innovationszyklen. Entscheidend ist daher die Geschwindigkeit, mit der es Wettbewerbern gelingt, ihre neuen Produkte im Markt zu plazieren. Oft kann ein halbes Jahr Unterschied bei der Markteinführung über Gewinn oder Verlust eines Unternehmens entscheiden. Analysen der Erfolge internationaler Wettbewerber und Studien über die besten Wege zur Innovation weisen auf die Notwendigkeit einer frühen Kopplung von Wissenschaft und Wirtschaft als wesentliche Erfolgsbedingung hin. Innovationen entstehen nicht in der linearen Abfolge von Forschung und Entwicklung, sondern in rekursiven, teilweise parallelen Abläufen. Dynamische Wechselwirkungen werden entscheidend. Aufgabe des integrierten Ansatzes der Forschungspolitik ist es, zur Verbesserung innovationsfördernder Rahmenbedingungen beizutragen. Der Förderung kooperativer Netzwerke kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Sie ist Bestandteil der Aktion ,,Innovation 96``, mit der sich das BMBF für eine Verbesserung innovationsstimulierender Rahmenbedingungen einsetzt. Leitprojekte als Element der Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung Um das in Deutschland vorhandene exzellente Forschungspotential besser zu nutzen, ist eine frühzeitige Verständigung von Forschern und Anwendern über prioritäre Themen und Fragestellungen notwendig. Diesem Ziel dient die Einführung von Leitprojekten als Instrument der Förderpolitik. Wesentliche Ziele der Einführung von Leitprojekten sind: -- Förderung des Entstehens grundlegender Innovationen; -- Wettbewerb der besten Lösungsideen zur Realisierung substantieller Innovationen; -- Sicherung und Stärkung des Produktionsstandortes Deutschland; -- Aufbau von innovativen Netzwerken zwischen Wissenschaft und Wirtschaft; -- Erarbeitung von Innovationen in interdisziplinären und branchenübergreifenden Projekten; -- kooperative Nutzung verteilten Know-hows; -- schnelle und breite Diffusion neuen Wissens. Leitprojekte sollen anspruchsvolle Aufgabenstellungen mit einer konkreten Anwendungsperspektive bündeln und verschiedene Disziplinen und Anwendungen zusammenführen. Sie sollen von kooperationswilligen Partnern ,,bottom up`` vorgeschlagen und erarbeitet werden. Die gegenseitige Befruchtung von Marktbedürfnis und technologischer Fähigkeit soll zu einem Wettbewerb der besten Lösungsideen um zukunftsgerichtete Innovationsprojekte führen. Einbindung der Forschungseinrichtungen in den Innovationsprozeß als Partner und technologische Dienstleister Angesichts der wachsenden Bedeutung neuer Technologien für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zielt die Forschungspolitik auf eine engere Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen mit den Unternehmen ab. Bundesregierung und Forschungseinrichtungen ziehen hier an einem Strang. Die Arbeits-Gemeinschaft der Großforschungseinrichtungen beschrieb im Oktober 1995 ihr Selbstverständnis zur Frage der Forschung für bzw. mit der Industrie unter anderem in zwei Eckpunkten, die für die Innovationsorientierung der Forschung richtungweisend sind: -- ,,Ganz wesentlich für eine erfolgreiche Kooperation von Forschungszentren und Industrie ist eine gemeinsame strategische Planung, in deren Rahmen die Industrie schon im Vorfeld der Projekte in deren Definition einbezogen wird". -- ,,Ein wesentliches Ziel der wirtschaftsorientierten Aktivitäten der Zentren ist der Erhalt bestehender und die Schaffung neuer Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung in Hochtechnologiegebieten. Als geeignete Impulse für die Verabredung gemeinsamer Programme mit klarer Rollenverteilung werden Leitthemen und Leitprojekte mit einer längerfristigen Perspektive gesehen.`` Beide Aussagen beschreiben den Weg zu dem vielfach angeregten strategischen Abstimmungsprozeß zwischen Forschung und Wirtschaft, der auch die Interessen der mittelständigen Wirtschaft zu berücksichtigen hat. Die Bundesregierung erwartet von den Großforschungseinrichtungen, die Kontakte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf allen Ebenen weiter zu verstärken. Sie wird dies aktiv unterstützen, indem die Flexibilität staatlicher Forschungseinrichtungen durch die Einführung privatwirtschaftlicher Organisationsformen und Anreizstrukturen erhöht wird. Dazu gehören u. a. die beschleunigte Einführung weiterer finanz- und personalwirtschaftlicher Flexibilisierungsmaßnahmen und verbesserte Rahmenbedingungen für Wirtschaftskooperationen. Ein Schritt auf dem Weg zu engerer Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und Wirtschaft kann die Übernahme von Dienstleistungsfunktionen durch die Einrichtungen werden. Insbesondere für die zukünftige Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen gewinnt dieses Angebot an Bedeutung. Häufig stellt der starke Wettbewerbsdruck diese meist technologisch orientierten Firmen vor die Notwendigkeit von Produkt- und Prozeßinnovationsschritten, die sie ohne Unterstützung nur schwer oder gar nicht bewältigen könnten. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sollen Forschungseinrichtungen diesen Unternehmen den Zugang zu Labor- und Versuchseinrichtungen, aber auch direkte Personalunterstützung durch in den jeweiligen Technologiegebieten erfahrene Wissenschaftler anbieten können. Die Satzungen der Forschungseinrichtungen werden zur Zeit mit Blick auf die Erleichterung solcher Kooperation mit KMU bei Forschungs- und Entwicklungsvorhaben geprüft. Eventuell erforderliche Veränderungen sollen dann schnell umgesetzt werden. Dabei wird darauf zu achten sein, daß keine Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten privater Dienstleister eintreten. Initiative zur Gründung und Förderung technologieorientierter Unternehmen Der Mittelstand ist eine wesentliche Säule der sozialen Marktwirtschaft. Gerade die Marktwirtschaft lebt von Persönlichkeiten, die Chancen erkennen, Risiken und Verantwortung übernehmen und Freiräume nutzen. Der Marktzugang durch Gründung neuer Unternehmen ist ein dynamisches Element des Strukturwandels und der Anpassung an sich ändernde Marktverhältnisse. Moderne Mittelstandspolitik zielt auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, indem sie die Leistungs- und Innovationsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen stärkt. Die Bundesregierung sieht deshalb eine konsequente Politik der Stärkung der Marktkräfte und das Öffnen und Offenhalten der Märkte als einen zentralen Bestandteil ihrer Mittelstandspolitik an. Dementsprechend müssen Hemmnisse abgebaut werden, die kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Entwicklung behindern. Generell gilt: Wirtschaftspolitisches Handeln ist mit besonderer Aufmerksamkeit daraufhin zu überprüfen, wie es die Entfaltungsmöglichkeit kleiner und mittlerer Unternehmen beeinflußt. Bundesregierung und Sozialpartner haben deshalb eine Offensive für mehr Selbständigkeit gestartet. Kleine und mittlere Technologieunternehmen spielen im Technologiewettbewerb eine zentrale Rolle. Häufig sind sie es, die Ideen aus der Wissenschaft in neue Produkte umsetzen und diese schnell an den Markt bringen. Diese Dynamik schafft Beschäftigung. Die 2,3 Mio. neuen Arbeitsplätze, die zwischen 1982 und 1994 in Westdeutschland neu entstanden, stammen zu fast zwei Dritteln von neu gegründeten Unternehmen. In der deutschen Industrie ist ein relativ niedriger Bestand an kleinen Technologieunternehmen in forschungs- und entwicklungsintensiven Wirtschaftssektoren feststellbar. Auch überproportionale Gründungsquoten in den vergangenen Jahren haben dieses Defizit nicht beheben können. Deutschland benötigt deshalb weiterhin neue technologieorientierte Unternehmensgründungen. Die Förderung junger Technologieunternehmen ist aber nicht mit der sonstigen Existenzgründungsförderung gleichzusetzen. Anders als in neugegründeten Handwerksbetrieben, Gaststätten oder Einzelhandelsläden müssen junge Technologieunternehmen in ihren ersten zwei bis drei Jahren eine Produkt- und Verfahrensentwicklung leisten, Prototypen bei Pilotanwendungen erproben, Produktion und Markteinführung vorbereiten. d. h. sie tätigen hohe und zugleich risikobehaftete Investitionen bei in der Regel nur vergleichsweise dünner Eigenkapitaldecke. Die Begründung für die besondere staatliche Unterstützung von kleinen Technologieunternehmen in Deutschland ergibt sich darüber hinaus aus dem schwierigen Zugang zu Kapital und Informationen, einem relativ größeren Aufwand für Forschung und Entwicklung, schwer bewertbaren Vermarktungsrisiken, technischen Unternehmensrisiken und besonderen Anforderungen an Betreuung und Management. Die Förderung technologieorientierter Unternehmen hat daher für die Bundesregierung besondere Priorität. So wird die Bundesregierung ein neues KMU-Konzept vorlegen, in dessen Mittelpunkt der Zugang der KMU zu Risikokapital und zu wissenschaftlichen Ergebnissen von Universitäten und Forschungseinrichtungen steht. Pionierunternehmer sollen aktiv unterstützt und die Zusammenarbeit kleiner und mittlerer Unternehmen mit Wissenschaftlern gefördert werden (vgl. Teil III, Kap. 19). Bereitstellung von Innovationskapital Zentraler Punkt bei der Gründung neuer technologieorientierter Unternehmen ist ihr Zugang zu Risikokapital. Wer Ideen, Kompetenz und die Bereitschaft zum unternehmerischen Risiko aufweist, darf in Deutschland nicht am Zugang zu Kapital scheitern. Die Bundesregierung unterstützt daher Maßnahmen zur Verbesserung der Kapitalausstattung kleiner und mittlerer Unternehmen: -- Mit dem bundesweit geltenden Programm BTU werden Kapitalbeteiligungsgesellschaften und sonstigen Beteiligungsgebern Anreize geboten, sich bei jungen und kleinen Unternehmen zu engagieren. Durch die Verbreiterung der Eigenkapitalbasis soll es diesen Unternehmen ermöglicht werden, ihre Innovationen auf finanziell abgesicherter Basis durchzuführen und sich am Markt erfolgreich zu etablieren. Die Beteiligungsmittel können auch für Investitionen zur Markteinführung eingesetzt werden. Je nach Variante stehen insgesamt max. 4 bzw. 6 Mio. DM zur Verfügung. Die Markteinführung beginnt, wie die gewonnenen Erfahrungen zeigen, im zweiten oder dritten Jahr. -- Aus dem ERP-Innovationsprogramm fließen zinsgünstige Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen, die Forschung und Entwicklung betreiben. Ziel ist es, die technologische Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen dadurch zu erhöhen, daß sie in die Lage versetzt werden, ihre Ideen schneller in marktfähige anspruchsvolle Technikprodukte umzusetzen und diese anzubieten. Das jährliche Kreditvolumen wird bei mindestens einer Mrd. DM liegen. Der Höchstbetrag für ein Darlehen in der FuE-Phase beträgt 10 Mio. DM und in der Markteinführungsphase je nach Unternehmenssitz in den alten oder neuen Bundesländern 2 bzw. 5 Mio. DM. Nach dem gegenwärtigen Stand beträgt der Zinssatz für Unternehmen in den alten Ländern 5,5 % und in den neuen Ländern 5,0 %. Für die Unternehmen aus den neuen Ländern gibt es erweiterte Förderungsmöglichkeiten in der Markteinführungsphase. -- Um die Entscheidungsbasis für Kredite und Kapitalvermittlungen an Technologieunternehmen zu verbessern, wird das spezialisierte Technologie-Know-how von staatlich finanzierten Forschungseinrichtungen Beteiligungsgesellschaften und Kreditinstituten zur Verfügung gestellt. -- Die Bundesregierung sieht die Teilnahme deutscher Akteure an dem Projekt einer europäischen Computerbörse für kleine Technologieunternehmen (EASDAQ, European Association of Securities Dealers Automated Quotation System) als eine Möglichkeit des verstärkten Zugangs zu Risikokapital an. Die Bundesregierung wird darüber hinaus im Rahmen ihres ,,Aktionsprogramms für Investitionen und Arbeitsplätze" ihren Beitrag dazu leisten, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Existenzgründern den Zugang zu Risikokapital zu erleichtern. Hierzu gehören u. a. Entlastungen der Eigenkapitalbasis von Unternehmen insbesondere im Rahmen der Unternehmenssteuerreform und der Reform von Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie der Vermögensteuer, die rasche Umsetzung der EG- Richtlinie über Wertpapierdienstleistungen, die Schaffung von rechtlichen Voraussetzungen für Investmentgesellschaften in Form von Aktiengesellschaften, die Modernisierung der Prospekthaftung, die Reform der Förderung von Beteiligungsgesellschaften und die Stärkung der Attraktivität von Unternehmensbeteiligungsgesellschaften und des Venture-Capital-Prozesses. Außerdem hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Programm zur Mobilisierung von zusätzlichem Venture Capital für innovative mittelständische Unternehmen aufgelegt. Unterstützung von KMU in den neuen Ländern Die Bundesregierung hat mit großer Entschlossenheit und beträchtlichem Mitteleinsatz durch ihre Förderprogramme den bisherigen, schwierigen Weg der ostdeutschen Industrieforschung helfend begleitet. Im Mittelpunkt der Förderung des Forschungsministeriums, die bereits im September 1990 begann, stand zunächst die Unterstützung von Forschungsaufträgen. Dadurch konnten mittelständische Unternehmen sehr rasch modernstes Know-how zur Stärkung ihrer Innovationsfähigkeit in die Betriebe holen. Daneben wurden Hilfen für die Einstellung zusätzlichen Forschungs- und Entwicklungspersonals gewährt. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt stellt die Förderung technologieorientierter Unternehmensgründungen und die Unterstützung der Entwicklung eines geeigneten Umfeldes für diese Unternehmen als Beitrag zum Aufbau eines innovativen Mittelstandes dar. Die wissenschaftliche Begleitforschung zu diesen ostdeutschen Sonderprogrammen hat gezeigt, daß ihr Einsatz ungewöhnlich wirksam gewesen ist. Neben diesen Sonderprogrammen hat die Förderung aus den bundesweiten Fachprogrammen und dem KMU-Programm ,,Forschungskooperation`` eine spürbare Wirkung beim Aufbau innovativer mittelständischer Wirtschaftsstrukturen in den neuen Ländern gezeigt. Das BMWi hat seit 1990 die Unterstützung der FuE-Potentiale und die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren in kleinen und mittleren Unternehmen des Produzierenden Gewerbes sowie die Stützung für aus- und neugegründete FuE- und Dienstleistungseinrichtungen sowie den Aufbau einer Technologietransfer-Infrastruktur in den Mittelpunkt seiner Förderpolitik gestellt. Mit dem Programm ,,Personalförderung Ost" werden die kleinen und mittleren Unternehmen des Produzierenden Gewerbes angeregt, ihre FuE- Potentiale zu stabilisieren bzw. auszubauen und über Innovationen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern sowie neue Marktanteile zu gewinnen. Mit dem Förderprogramm ,,Marktvorbereitende Industrieforschung und wirtschaftlicher Strukturwandel`` werden externe Industrieforschungseinrichtungen und FuE-Dienstleister über innovative FuE-Projekte gefördert. Damit wird der Aufbau leistungsfähiger Innovationspotentiale unterstützt, die vor allem für den industriellen Mittelstand von großer Bedeutung sind. Aus der Förderung der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren (,,Innovationsförderprogramm``) in kleinen und mittleren Unternehmen zieht sich das BMWi zurück, diese Förderaufgabe wird von den Ländern weitergeführt. Von 1992 bis 1995 wurde damit die Entwicklung von rd. 1 000 Projekten in ca. 800 kleinen und mittleren Unternehmen gefördert. Seit 1991 wurden durch die Bundesregierung für die Förderung der Industrieforschung in den neuen Ländern insgesamt 3,2 Mrd. DM eingesetzt. Von für FuE-Zwecke aufgewandte Mittel der Unternehmen stammen damit 40 % aus der Förderung durch die Bundesregierung. Im Ergebnis wurden über 80 % aller FuE-treibenden Unternehmen in den neuen Ländern durch diese Förderung erreicht und damit Aufbau und Umstrukturierung leistungsfähiger Innovationspotentiale in der Wirtschaft wesentlich vorangebracht. Angesichts des beträchtlichen Fortschrittes der unternehmerischen Forschungskapazitäten arbeitet die Bundesregierung gegenwärtig intensiv an der Neustrukturierung der Sonderfördermaßnahmen für die Industrieforschung in den neuen Ländern, damit sie den aktuellen Bedingungen Rechnung tragen kann. Ein größeres Gewicht soll dabei die Unterstützung der unternehmerischen Forschung einnehmen, wobei berücksichtigt wird, daß in den neuen Ländern ein beträchtlicher Anteil der Industrieforschung außerhalb der Unternehmen in externen Forschungseinrichtungen stattfindet. Zugleich muß diese Förderung Anreize dafür bieten, daß sich die Unternehmen besonders innovativen Vorhaben zuwenden, die mit technischen Vorsprüngen auf die Erschließung neuer Märkte abzielen. Daneben wird die entschlossene Unterstützung von Unternehmensgründungen als wichtiges Instrument zum weiteren Aufbau eines innovativen Mittelstandes gesehen (vgl. Teil III, Kap. 19). Unterstützung von Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen Die Gründung technologieorientierter Unternehmen durch Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen (,,Ausgründung``) ist ein wichtiger Weg, FuE- Ergebnisse in die industrielle Anwendung zu überführen oder wissenschaftlich-technische Dienstleistungen zu privatisieren, die zwar auf dem Know-how der Forschungseinrichtung aufbauen, aber nicht von ihr selbst durchgeführt werden können. Ausgründungen ergänzen damit das Instrumentarium des Technologietransfers über Köpfe, geben der Forschungseinrichtung Raum zur Übernahme neuer Forschungsaufgaben und schaffen zusätzliche Arbeitsplätze in einem Bereich hoher Wertschöpfung. Die noch zu geringe Ausrichtung der Arbeitsprogramme in den Großforschungseinrichtungen an den Bedürfnissen der mittelständischen Wirtschaft und das vergleichsweise hohe Risiko von Unternehmensgründungen im Technologiebereich haben zusammen mit administrativen Erschwernissen dazu geführt, daß das Potential für Ausgründungen, das insbesondere in Großforschungseinrichtungen und der Fraunhofer-Gesellschaft, aber auch in anderen naturwissenschaftlich- technisch ausgerichteten Forschungseinrichtungen besteht, bisher nur teilweise ausgeschöpft worden ist. Aus den stärker anwendungsorientierten Bereichen der Großforschungseinrichtungen gehen z. Z. jährlich etwa 10 Ausgründungen hervor. Rd. 250 Unternehmen mit ca. 1 000 Beschäftigten sind von ehemaligen Mitarbeitern der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet worden. Die Bundesregierung wird für eine mehr KMU-orientierte Arbeit in den Forschungseinrichtungen werben und die Rahmenbedingungen für Mitarbeiter in Forschungseinrichtungen so gestalten, daß sie ihr Wissen als Chance verstehen und eigene Unternehmen gründen können. Ein abgestimmtes Instrumentarium von Maßnahmen soll den Forschungseinrichtungen künftig die Ermutigung und Unterstützung von Existenzgründungen erleichtern. Diese Fördermöglichkeiten gelten -- soweit sie nicht ihrer Natur nach ein Beschäftigungsverhältnis voraussetzen -- auch für die Existenzgründer, die nicht Mitarbeiter der Forschungseinrichtung sind. Im einzelnen umfassen die Maßnahmen insbesondere: -- Vermittlung von Beratungs- und Schulungsmöglichkeiten unter Abstützung auf die Angebote der in diesem Bereich bereits tätigen Stellen -- insbesondere Industrie- und Handelskammern; -- die Prüfung der Frage, ob ein in der Forschungseinrichtung erzieltes Forschungs- und Entwicklungsergebnis technisch und wirtschaftlich als Basis einer Ausgründung geeignet ist; -- zeitweilige Nutzungsüberlassung von Räumen, Geräten oder Lizenzen zu marktangemessenen Konditionen; -- Personalüberlassung gegen Kostenerstattung; -- Nebentätigkeitsgenehmigungen mit oder ohne Genehmigung von Teilzeitarbeit; -- zeitlich begrenzte Beurlaubungen bzw. Wiedereinstellungszusagen. Der Erfolg der Förderung wird primär davon abhängen, daß die Forschungseinrichtungen ihre Zusammenarbeit mit KMU weiterentwickeln. Rechtliche Rahmenbedingungen Die Bundesregierung setzt einen deutlichen Akzent ihrer Forschungspolitik auf die Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation. Ziel ist es, bereits in laufenden Gesetzgebungsverfahren darauf hinzuwirken, daß Belange von Forschung und Innovation nicht -- oder nur soweit im Interesse höherer Rechtsgüter nötig -- beeinträchtigt werden. Darüber hinaus befaßt sich das BMBF mit dem Abbau nichtrechtlicher Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationshemmnisse. Im Hinblick auf bereits bestehende Rechtsnormen hat der von der Bundesregierung initiierte Bericht der unabhängigen Expertenkommission für Planungs- und Genehmigungsverfahren (sog. Schlichterkommission) eine Reihe von Vorschlägen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen unterbreitet (u. a. die Einführung von Forschungsklauseln in forschungsrelevanten Fachgesetzen, die Ersetzung von Genehmigungsverfahren durch Anzeigeverfahren oder zumindest administrative Erleichterungen für Forschungseinrichtungen). Die Bundesregierung hat bereits auf die Vorschläge der Kommission reagiert und Gesetzentwürfe zur Vereinfachung und Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren erarbeitet. Im Rahmen der Änderung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen hat die Bundesregierung eine Änderungsverordnung zur Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen vorgelegt, die klarstellt, daß Forschungs- und Entwicklungsanlagen insbesondere Technikumsanlagen nicht der Genehmigungspflicht unterliegen. Ferner soll in Zukunft die Produktion von Erzeugnissen für die Erprobung ihrer Eigenschaften durch Dritte vor der Markteinführung genehmigungsfrei sein, soweit die neuen Erzeugnisse noch weiter erforscht oder entwickelt werden. Die Verordnung bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Bei diesen Vorhaben wird das BMBF von der sog. Clearingstelle für Innovation und Recht unterstützt. Es handelt sich hierbei um ein informelles Gremium aus Vertretern der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Deutschen Industrie- und Handelstages. Es dient als Sammelstelle von Beschwerden oder Stellungnahmen für den jeweils vertretenen Kreis von Forschern. Dort werden sowohl Gesetzesvorhaben der Bundesregierung wie auch die Beseitigung von Hemmnissen im bestehenden Recht oder Regelungen im Hinblick auf künftige Technologien diskutiert. Patentförderung Patente haben eine wirtschaftliche Doppelfunktion. Sie konkretisieren und dokumentieren das Forschungsergebnis zur Sicherung der Erfinderrechte (Schutzfunktion). Zum anderen fördern diese den Transfer von Ergebnissen der Forschung in wirtschaftlich verwertbare Produkte (Transferfunktion). Zur Sicherung der FuE-Ergebnisse für eine kommerzielle Umsetzung in Deutschland ist in Forschungseinrichtungen sowie bei kleinen und mittleren Unternehmen eine aktivere Patentpolitik erforderlich. Bereits während der Hochschulausbildung sollten die Studenten in geeigneten Disziplinen Kontakt mit dem Patentwesen bekommen. Das BMBF bereitet deshalb Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Erfinder, eine Patentinitiative in Forschungseinrichtungen und eine Aktion zur Unterstützung von KMU bei der Erstanmeldung von Schutzrechten vor. Das angestoßene INSTI-Projekt (Innovationsstimulierung der deutschen Wirtschaft durch wissenschaftlich-technische Information) wird in einem flächendeckenden, bundesweiten Netzwerk sicherstellen, daß verfügbare Informationen besser als bisher für Erfinder zugänglich gemacht werden. Die Patentstelle Deutsche Forschung bei der Fraunhofer-Gesellschaft in München hilft freien Erfindern, nicht nur aus der Forschung, ein Patent zu erwerben und dieses auch bei Lizenznehmern zu verwerten. Die Möglichkeit der Förderung bei den Kosten zur Erlangung eines Patentes wurde 1995 ausgedehnt. Auch der Bau von Funktionsmustern und Prototypen zur besseren Vermarktung einer Idee kann jetzt gefördert werden. Mit der Verbesserung der Rahmenbedingungen sollen heute vorhandene Hemmschwellen abgebaut und der Zugang zu wirksamen und kostengünstigen Schutzrechten für Erfinder erleichtert werden. Die Bundesregierung setzt sich auf internationaler und europäischer Ebene für die Wiedereinführung der Neuheitsschonfrist ein. Eine Senkung der Gebühren für das Patenterteilungsverfahren beim Europäischen Patentamt ist nur im Einvernehmen mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation möglich; die Senkung ist aber von entscheidender Bedeutung, um den Zugang zum Patentschutz über den europäischen Weg zu erleichtern. Als aktive Maßnahme werden z. Z. Veränderungen in den Schutzrechtsregeln der BMBF-Förderung erarbeitet. Die Patentinitiative in Forschungseinrichtungen konzentriert sich auf Aufklärungsmaßnahmen über Bedeutung und Wert von Schutzrechten. Veröffentlichungen und Patente schließen sich jedoch keineswegs aus, wenn nur die richtige Reihenfolge -- erst patentieren, dann publizieren -- eingehalten wird. Eine geplante Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei der erstmaligen Anmeldung von Patenten setzt an der allgemeinen Erkenntnis an, daß auch in KMU häufig schutzrechtlich relevante Erfindungen vorliegen, diese aber nicht nur aufgrund einer wirtschaftlichen Abwägung, sondern auch von Unkenntnis oder Bedenken hinsichtlich des Aufwands nicht angemeldet werden. Es gilt, diese Unternehmen an das Patentsystem heranzuführen. Insbesondere muß die zu vermutende Schwellenangst überwunden werden. Nur eine persönlich gewonnene Erfahrung im Umgang mit dem Patentwesen begünstigt verstärkte Anmeldungen. Daher sind Aufklärungsmaßnahmen und ein Kostenzuschuß zur ersten Patentanmeldung kleiner Unternehmen geplant. Das BMWi hat in einem mehrjährigen Modellversuch den Ausbau der Patentschriftenauslegestellen zu leistungsfähigen Patentinformationszentren (PIZ) gefördert, um vor allem die Information von KMU über den Stand der technischen Entwicklung zu verbessern. Es ist nunmehr eine Modernisierung der Geräteausstattung der PIZ geplant. Als Sondermaßnahme hat das BMWi ein Projekt finanziert, um brachliegende ehemalige DDR-Patente zu bewerten und die wirtschaftlich bedeutsamen Erfindungen einer Nutzung vor allem durch KMU zuzuführen. Technologietransfer Vor dem Hintergrund des rapide zunehmenden Innovationsdrucks mit steigender Anbieterzahl und immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen kommt der innovativen Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten wettbewerbsentscheidende Bedeutung zu. Das Ausschöpfen der technologischen Wissensbasis erweist sich als überaus wichtiger Standortfaktor. Eine geeignete Organisation des Wissens- und Technologietransfers aus Wissenschaft und Forschung in die industrielle Anwendung entwickelt sich daher zu einem Schlüsselfaktor für die Aufrechterhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Die Bundesregierung hat dieser Entwicklung in der Vergangenheit Rechnung getragen und die Umsetzung technologischer Informationen auf verschiedenen Wegen gefördert. Zu nennen sind hier beispielsweise die Programme zur Stimulierung von Auftragsforschung und Forschungskooperationen, die durch eine enge Kopplung von Forschung und praktischer Anwendung die Nutzbarmachung verfügbaren technologischen Wissens ermöglichen. In den neuen Ländern hat die Bundesregierung den Aufbau von Agenturen für Technologietransfer und Innovationsförderung (ATI) sowie branchen- und technologiespezifischer Transferzentren (TTZ) unterstützt. Diese Transfereinrichtungen erbringen, angepaßt an die spezifische Bedarfslage der ostdeutschen Wirtschaft, innovationsorientierte Aufbauleistungen für Unternehmen. In Zukunft wird sich das staatliche Engagement zur Verbesserung des Technologietransfers verstärkt dem direkten Transfer zwischen Universitäten/Forschungseinrichtungen und Unternehmen zuwenden. Neuere Untersuchungen bestätigen, daß Technologietransfer weniger durch Vermittlung von technologischem Know-how an spätere Anwender funktioniert als vielmehr durch eine sehr frühe Einbindung von Wirtschaft und Wissenschaft in relevanten, gemeinsamen Projekten. Die Technologietransferstellen müssen verstärkt im frühen Vorfeld von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten Kontakte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft herstellen, die die Partner befähigen, Projekte gemeinsam durchzuführen. Als Elemente für den Technologietransfer gewinnen folgende Überlegungen Instrumente an Bedeutung: -- Die Wissenschaftler müssen selbst für den Erfolg des Transfers ihres Wissens motiviert werden. Dies kann unterstützt werden durch Anreize z. B. in Form von Prämien und Beteiligungen an Lizenzverträgen; -- Bereitstellung eines Auftragsforschungsanteils in den Institutshaushalten; -- Ermunterung der Forschungseinrichtungen zur Entwicklung von Vorhaben, möglichst in Kooperation mit Unternehmen bis zur Transferreife; -- Qualifizierung der Transferstellen für die Unterstützung der Wissenschaftler in Fragen des Vertrags-, Patent- und Lizenzwesens, bei Marketing und Erfinderangelegenheiten sowie bei der Anbahnung von Erstkontakten. Erfolge beim Technologietransfer -- insbesondere auch beim für die Innovation grundlegenden Schutz von FuE-Ergebnissen durch Patente -- müssen in die Bewertung von Forschungseinrichtungen und von Leistungen einzelner Wissenschaftler neben wissenschaftlichen Leistungen im herkömmlichen Sinne erkennbar einfließen. Das Verfahren des Wissenschaftsrats, bei der Evaluierung von Einrichtungen inzwischen Patentanmeldungen in gleicher Weise wie wissenschaftliche Publikationen zu vermerken, ist ein wichtiger praktischer Schritt in dieser Richtung. 3.3 Forschung -- die Zukunftswerkstatt Forschung ist Ausdruck einer prinzipiellen Offenheit des Denkens und Erkennens und damit Voraussetzung für Wandlungs- und Veränderungsfähigkeit. Forschung eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten und warnt zugleich vor trügerischen Gewißheiten. Ihr experimenteller Charakter widerspricht jeder Ideologisierung. Forschung ist damit ein wichtiger Garant für die Freiheitlichkeit moderner Gesellschaften. Die Aufgabe, die Voraussetzungen des Lebens der Menschheit, deren Sicherstellung wie deren mögliche Gefährdung durch unser Handeln zu erforschen und den handelnden Menschen verständlich zu machen, wird immer mehr zur wichtigsten Verantwortung der Wissenschaften -- auch gegenüber den Folgen des wissenschaftsbasierten Handelns selbst. Wissenschaft und Forschung übernehmen damit die zentralen Aufgaben eines ,,Früherkennungssystems`` und Seismographen, der auf Fehlentwicklungen hinweist. Sie liefern wichtige Entscheidungsgrundlagen für eine vorsorgende Politik. Zukunftsverantwortung macht Forschung und deren Förderung geradezu zur Pflicht. Die Analyse von Entwicklungen, deren Ursachen und Folgen schafft zugleich die Voraussetzungen für neue Problemlösungen und damit Handlungsmöglichkeiten, die auf Schadensvermeidung oder Verbesserung der Lebensumstände abzielen. Forschung ist ein unverzichtbarer Kompaß, der zur Orientierung beiträgt. Mit dem immer weiter verfeinerten wissenschaftlichen Instrumentarium sind heute Aussagen über komplexe Vorgänge mit größerer Validität möglich. Umfassende Studien, wie der im BMBF-Auftrag erstellte Bericht ,,Technologien am Beginn des 21. Jahrhunderts", zeichnen ein differenziertes Bild der absehbaren technologischen Entwicklungspfade. Differenzierte Verfahren wie z. B. Patent- und Zitations-Analysen und Relevanzbaum-Analysen können die sich ändernden Strukturen in Wissenschaft und Technik sichtbar machen. Mit ,,Forschungslandkarten" werden Aussagen über das Zusammenwachsen oder die Differenzierung von Forschungsgebieten möglich; Forschungsprofile lassen sich aufzeigen und miteinander vergleichen. Auch in Amerika, in Frankreich, in Großbritannien, in Korea, Australien und den Niederlanden sind neue Zukunftsstudien entstanden. Dabei zeigt sich, daß der Prozeß des gemeinsamen ,,Zukunft-Suchens`` selbst zum entscheidenden Erfolgskriterium der Technologievorausschau wird. Die erste ,,Deutsche Delphi-Studie zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik``, 1992/93 vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (FhG-ISI) in Kooperation mit dem japanischen Nationalen Institut für Wissenschaft und Technologiepolitik (NISTEP) durchgeführt, greift diesen Gedanken in besonderer Form auf: über 1 000 Fachleute aus Wissenschaft und Industrie wurden in zwei Runden über die Entwicklung der nächsten 30 Jahre befragt. Durch die Studie koordiniert entstand in der Wissenschaft ein breiter Prozeß der Auseinandersetzung mit den heutigen Randbedingungen und dem Stellenwert von 16 technologischen Feldern. Die gleichzeitige Durchführung in Japan und Deutschland ergibt Einblicke in die Wechselwirkung von kulturellem Hintergrund und Technologiebindung der Gesellschaft, eine wichtige Perspektive im Zeitalter globaler Märkte. Der Delphi-Ansatz wurde in Zusammenarbeit mit japanischen Partnern weiterentwickelt und auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten (,,Mini-Delphi``). Eine zweite deutsche Delphi-Studie ist bereits in Arbeit. Sie versucht, die gewonnenen Erfahrungen zu nutzen und neue für Deutschland wichtige Innovationsthemen zu identifizieren. Lassen sich mit Hilfe der Wissenschaft also Aussagen über mögliche Entwicklungstrends machen, so weist doch der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß selbst zugleich auf die Begrenztheit aller Prognosen hin. Die Erforschung der biologischen wie auch der sozialen Prozesse hat beispielsweise diese als so komplex und wandlungsfähig nachgewiesen, daß Voraussagen immer eingestehen müssen, daß es auch anders kommen kann. Wissenschaftliche Erkenntnis widerspricht auch hier jedem historischen Determinismus und erinnert damit an die prinzipielle Vielfalt und Freiheit menschlicher Handlungsmöglichkeiten. Gerade in dieser freiheitsverbürgenden Funktion, die zugleich auf die persönliche Verantwortung des Freiheitsgebrauchs verweist, entfalten Wissenschaft und Forschung ihre geistig-kulturelle Prägekraft. 3.4 Forschung braucht Bildung Die Zukunft von Wissenschaft und Forschung basiert in hohem Maße auf der Qualität von Bildung und der Qualifikation der Forscher. Der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses an den Hochschulen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Bund und Länder stehen in der Verantwortung, die Hochschulen bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu unterstützen (vgl. Tab. VII/50 a/b). Weitere Reformen im Hochschulbereich sind dazu unerläßlich. Denn die Lage an den Hochschulen ist nach wie vor unbefriedigend: -- Ca. 1,9 Mio. Studierenden stehen gemäß den geltenden Richtwerten lediglich ca. 970 000 Studienplätze zur Verfügung. Während in den alten Ländern die Zahl der Studienanfänger seit dem Öffnungsbeschluß der Regierungschefs von 1977 um 75 % zunahm, betrug der Anstieg des wissenschaftlichen Personals nur ca. 11 %. Die durchschnittlichen Studienzeiten erhöhten sich an den Universitäten auf mittlerweile 7 Jahre, an Fachhochschulen auf über fünf Jahre. -- Bildungsverhalten und Bildungserwartungen haben sich grundlegend verändert, ohne daß die Studienstrukturen bisher ausreichend darauf reagierten. Inzwischen verfügen 24 % der Studienanfänger an den Universitäten und 65 % an den Fachhochschulen über einen beruflichen Abschluß. Etwa 600 000 Studierende streben zur Zeit eine Doppelqualifikation, nämlich beruflichen Abschluß plus Studium, an. -- Die internationale Attraktivität der Hochschulausbildung in Deutschland hat nachgelassen. -- Der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechniken in Studium und Lehre ist unterentwickelt. Die Bundesregierung hat deshalb mit ihrer Initiative zur BAföG- Strukturreform die Weichen gestellt, um u. a. die Mittel für die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau aufzustocken, neue international ausgerichtete Studiengänge einzurichten und moderne Informations- und Kommunikationstechnologien in den Hochschulen breiter einzusetzen. Weitere Reformschritte bleiben jedoch notwendig. Wie der am 1. März 1996 verabschiedete Bericht der Kultusministerkonferenz über die Umsetzung der mit dem Eckwertepapier vom Mai 1993 beschlossenen Maßnahmen zeigt, ist eine zügigere und in den Ländern einheitlichere Umsetzung der Reformmaßnahmen dringend erforderlich. Dies gilt über die Studienstrukturreform hinaus für die leistungsorientierte Mittelvergabe an die Hochschulen und für größere Gestaltungsspielräume der Hochschulen selbst -- von der Mittelverwendung bis zur Auswahl der Studierenden. Auch zeigt sich, daß für ausländische Studenten und Nachwuchswissenschaftler der Wissenschaftsstandort Deutschland an Attraktivität verliert. So hatten sich im europäischen HCM- Austauschprogramm (Human Capital and Mobility) 1992--1994 von 1 755 erfolgreichen Antragstellern lediglich ca. 10 % für einen Aufenthalt in Deutschland beworben, dagegen 32 % für Großbritannien und 27 % für Frankreich. Junge deutsche Wissenschaftler gehen vermehrt ins Ausland, ohne daß in vergleichbarem Maße Nachwuchswissenschaftler nach Deutschland kommen. Aus Sicht der Bundesregierung ist es vorrangig, diesem Trend entgegenzuwirken. Die Internationalisierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist daher Ziel des BMBF, das es u. a. mit folgenden Maßnahmen verfolgt: -- Das BMBF will durch neue international ausgerichtete Studiengänge die Attraktivität des Studierens in Deutschland steigern. Die Studiengänge -- beispielsweise in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften -- sollen zu etwa je der Hälfte mit Ausländern und Deutschen besetzt sein; sie werden strikt an den geltenden Regelstudienzeiten orientiert und wechselnd in einer Fremdsprache und auf Deutsch durchgeführt. -- Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, daß die bestehenden Regelungen über die Einreise und den Aufenthalt ausländischer Studenten und Nachwuchswissenschaftler im Bundesgebiet ausgeschöpft und sich bietende Ermessensspielräume genutzt werden. -- Für deutsche Hochschulabschlüsse ist eine größere internationale Kompatibilität dringlich. Die deutschen Hochschulen bieten beispielsweise für ausländische Interessenten mit einem Bachelor- Abschluß in der Regel kein konkurrenzfähiges Angebot für ein weiterführendes Studium mit einem dem Master vergleichbaren Abschluß. Bachelor-Absolventen werden vielfach so eingestuft, daß sie bis zum deutschen Diplom wesentlich länger -- als im Ausland bis zum Master -- studieren müssen. Im gleichen Kontext muß überlegt werden, ob auch die Anforderungen an Promotion und Habilitation sich stärker an internationalen Maßstäben und Profilen orientieren sollten. -- Für die Leistungs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands kommt den Hochschulen eine Schlüsselrolle zu. Wissenschaftliche Nachwuchsförderung Unsere hochkomplexe Gesellschaft ist für ihre Weiterentwicklung auf Leistungseliten in vielen Bereichen angewiesen. Damit sich Begabungen in der Bevölkerung entfalten können, brauchen sie Förderung. Im Gegensatz zu anderen Staaten hat die Bundesrepublik Deutschland erst Anfang der 80er Jahre damit begonnen, die Förderung besonders begabter Kinder zielgerichtet zu entwickeln. Heute gehört eine Vielzahl bundesweiter Leistungswettbewerbe zu dem vom BMBF unterstützten Förderinstrumentarium. Zusätzliche Angebote zur Begabtenförderung bieten die jährlichen Veranstaltungen der Deutschen Schülerakademie während der Sommerferien. Die Förderung besonders begabter Studierender und Nachwuchswissenschaftler erfolgt durch die verschiedenen Begabtenförderungswerke, die ein unverzichtbarer Bestandteil der pluralen Bildungs- und Wissenschaftsförderung sind. Ein deutlicher Fortschritt ist in diesem Zusammenhang die in den letzten Jahren offensiv von der Bundesregierung vorgenommene Erweiterung der Begabtenförderung auf den Bereich der beruflichen Bildung. 12 000 junge begabte Fachkräfte fördert das BMBF zur Zeit in seinem Programm ,,Begabtenförderung berufliche Bildung``. Damit ist das Ausbauziel des 1991 eingeführten Programms erreicht. Die Zahl der Geförderten entspricht dem vergleichbaren Anteil im Hochschulbereich. Nachdem das BMBF diesen neuen Förderbereich erfolgreich in Gang gebracht hat, wird diese Aufgabe künftig ein eigenes wirtschaftsnahes Begabtenförderungswerk übernehmen. Ein wichtiger Schritt zur gezielteren Vorbereitung auf Berufe in Forschung und Wissenschaft war die Anfang der 90er Jahre von Bund und Ländern im Einvernehmen erklärte Absicht, im Universitätsstudium stärker zwischen dem berufsqualifizierenden Studium einerseits und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses für Tätigkeiten in Forschung und Wissenschaft andererseits zu unterscheiden. Dabei wurde neben der Promotion in klassischer Form eine Schwerpunktsetzung zugunsten des weiteren Ausbaus der Graduiertenkollegs vereinbart. Die Zahl der Graduiertenkollegs soll daher bis zur Jahrhundertwende auf etwa 300 erhöht werden, um einer zunehmenden Zahl junger Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit zu geben, sich insbesondere unter Berücksichtigung interdisziplinärer Bezüge auf die künftige wissenschaftliche Laufbahn vorzubereiten. Dabei wird das über viele Jahre bewährte System von Promotionsstipendien auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, weil ein Mindestmaß an finanzieller Vorsorge notwendige Voraussetzung für die Existenzsicherung junger Wissenschaftler in einer Zeit besonderer Herausforderung und Belastung ist. Darüber hinaus sollte überlegt werden, hervorragenden Nachwuchswissenschaftlern eine eigenständigere Forschungstätigkeit zu ermöglichen. Im kommenden Jahrzehnt erreichen in Deutschland überproportional viele Wissenschaftler die Altersgrenze. Hochrechnungen gehen von ca. 50 % aus, wobei die Quote für einige Fächer noch höher ist. Die international übliche Ersatzquote von 4 % wird daher bei uns deutlich überschritten werden. Diese Tendenz wird zusätzlich durch den im Zusammenhang mit der Hochschulerneuerung seit 1990 zu bewältigenden hohen Ersatzbedarf an wissenschaftlichem Personal in den Hochschul- und Forschungseinrichtungen der neuen Länder verstärkt. In dieser Phase der Wissenschaftsentwicklung Deutschlands kommt der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch die Universitäten herausragende Bedeutung zu. Sie allein vereinen die für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses unverzichtbaren Voraussetzungen innerhalb einer Institution: -- Forschung wird an den Universitäten in der gesamten Breite der Fragestellungen und wissenschaftlichen Disziplinen betrieben, so daß sie in hohem Maße die Chance zur interdisziplinären Verbindung wissenschaftlicher Fachbereiche bietet; -- als Institutionen der Sicherung, Erweiterung und Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse vereinen Universitäten Forschung, Lehre und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses; -- Universitäten müssen sich ständig mit nachfolgenden Generationen und deren spezifischem Erkenntnisdrang, oft unkonventionellen Fragestellungen bis hin zu neuen Arbeitsmethoden auseinandersetzen; -- Universitäten sind in vielen Gebieten -- wie beispielsweise den Geisteswissenschaften -- die fachlich wichtigsten, manchmal sogar einzigen Träger der Forschung. Die Bundesregierung wird auch in Zukunft die Universitäten bei der Erfüllung dieser Aufgaben im Rahmen ihrer Kompetenz und der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen. Sie appelliert dabei zugleich an die Länder, in ihren Bemühungen um die besondere Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auch in Zeiten hoher Belastung nicht nachzulassen. Dabei ist insbesondere die Frage zu klären, wie der immer deutlicheren Nachfrage nach Stellen von seiten junger Nachwuchswissenschaftler in ausreichendem Umfang entsprochen werden kann. Die Förderung von angewandter Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen dient zunächst der Verbesserung einer ,,Drittmittelfähigkeit`` (vgl. Teil III, Kap. 22). Im Ergebnis begünstigt sie die Nachwuchsförderung der Fachhochschulen. Die Mitwirkung an Forschungsvorhaben bietet verbesserte Qualifikationsmöglichkeiten für junge Menschen, die an längerfristiger Tätigkeit in Forschung und Wissenschaft interessiert sind. Das BMBF befürwortet es seit Jahren, besonders begabten Fachhochschulabsolventen die Möglichkeit der Promotion an einer Universität ohne den zeitaufwendigen Weg über ein universitäres Diplom zu ermöglichen. Die neuen Länder haben eine (teils kooperative) Promotionsmöglichkeit für solche Fachhochschulabsolventen in den Ländergesetzen verankert. Die Bundesregierung beobachtet kritisch, daß die Umsetzung der Möglichkeiten in den alten Bundesländern nur zögerlich verläuft. Eine weitere Öffnung der Universitäten für Promovenden aus dem Fachhochschulbereich ist im Sinne effektiverer Nachwuchsförderung für die Zukunft erforderlich. Mit derselben Zielrichtung stellt sich die Frage, ob die im Grundsatz konsentierte stärkere Zusammenarbeit zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bereits jene Intensität erreicht hat, die im Sinne optimaler Forschungs- und Qualifikationsmöglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler als wünschenswert erscheint. Die inzwischen weitgehend durchgesetzten gemeinsamen Berufungen an Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, daß die Nutzung aller vorhandenen Ressourcen Nachwuchswissenschaftlern offensteht, um sie in ihrer individuellen Entwicklung optimal zu fördern (vgl. auch Teil III, Kap. 1). 3.5 Frauen in der Forschung Eine zukunftsorientierte Bildungs- und Forschungspolitik kommt nicht ohne die verstärkte Nutzung des Bildungs- und Innovationspotentials von Frauen aus. Während international, vor allem in den USA, Nord- und Westeuropa, aber auch in Japan, die Weichen für eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen in allen Bereichen neu gestellt werden, muß es auch in Deutschland gelingen, eingefahrene Strukturen und einengende Vorstellungen zu überwinden. Beispiele aus dem Ausland zeigen, daß die Förderung von Frauen in Forschung und Technik, insbesondere in Führungspositionen, für innovative, marktorientierte und konkurrenzfähige Unternehmen unabdingbarer Bestandteil der Personalentwicklung ist. Unstrittig ist auch, daß die nach wie vor geringe Beteiligung von Frauen an den C 3- und C 4-Professuren der Hochschulen und an Leitungsfunktionen im Bereich der außeruniversitären Forschungseinrichtungen auf immer noch vorhandene Karrierenachteile für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs hinweisen. Der Anteil von C 4-Professorinnen liegt gerade bei 4 %, obgleich der Anteil der Studentinnen fast die Hälfte der Studierenden ausmacht. Bereits im allgemeinbildenden Schulwesen ist bei Mädchen die Nachfrage nach höheren Bildungsgängen größer als bei Jungen. So betrug 1994 der Mädchenanteil in Realschulen 51,3 %, in Gymnasien 54,2 %. Die Schaffung adäquater Rahmenbedingungen, damit Frauen in Deutschland eine wissenschaftliche Karriere verfolgen können, gehört daher seit langem zu den erklärten Zielen der Bundesregierung. Neue Impulse für eine stärkere Einbeziehung von Frauen in Wissenschaft und Forschung werden von der Frauenforschung erwartet. Es handelt sich dabei um disziplinübergreifende Wissenschaft, die z. B. auf die Erkenntnisse der Sozialforschung, der Philosophie, der Psychologie oder der Linguistik zurückgreift. In den USA wirkt die Frauenforschung seit Jahrzehnten in einer Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen als ein Motor des Fortschritts. Die im Rahmen der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking beschlossene Aktionsplattform enthält u. a. die Forderung nach einem Ausbau der Frauenforschung in Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Bundesregierung beabsichtigt, in den kommenden Jahren auch durch Frauenforschung sichtbare Akzente in ihrer FuE-Politik zu setzen. Doch die Förderung der Frauenforschung allein schafft noch keine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen am Innovationsprozeß. Diese muß bereits bei einer verstärkten Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsprozesse, die der Definition und Auswahl von Forschungsthemen vorgeschaltet sind, ansetzen. Die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Frauen und Männern an wissenschaftlichen Fragestellungen wird einen sichtbaren Mehrwert für die wissenschaftliche Forschung hervorbringen (vgl. Teil III, Kap 1, 18, 21). Die Bundesregierung hat eine Reihe von Initiativen ergriffen, um Frauen verstärkt auch für naturwissenschaftlich-technische Disziplinen zu gewinnen: -- Im Rahmen der Hochschulsonderprogramme wirkt die Bundesregierung darauf hin, die Anzahl der Promotionen und Habilitationen von Frauen in allen Disziplinen deutlich zu erhöhen, um mit Blick auf den Generationenwechsel in den Hochschulen in den kommenden 10 Jahren ein hinreichendes Potential weiblicher Bewerber zu schaffen; -- die Bundesregierung setzt sich für eine Erhöhung des Frauenanteils in wissenschaftlichen Beratungs- und Entscheidungsgremien ein. Als gesetzliche Grundlage dafür besteht das ,,Bundesgremienbesetzungsgesetz``; -- zur Sicherung frauenfreundlicher Rahmenbedingungen in Wissenschaft und Forschung gehören auch familienfreundliche Rahmenbedingungen; die Bundesregierung wird daher auf die Einführung von Kinderbetreuungszuschlägen in den einschlägigen Stipendien- und Qualifikationsprogrammen hinwirken; -- das BMBF beabsichtigt die Einbeziehung beispielhafter Projekte mit Frauenbezügen in FuE-Fachprogramme; -- das BMBF wirkt darauf hin, daß beispielhafte Leistungen von Frauen sichtbar gemacht und Maßnahmen im Technikbereich durchgeführt werden, die Frauen gezielt ansprechen. Dazu gehört die Initiative ,,Frauen geben Technik neue Impulse``, um eine übergreifende Unterstützung und positive Weichenstellung für Frauen im Technikbereich zu fördern. Die Initiative wird vom BMBF gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeit, der Deutschen Telekom, der EU und den Sozialpartnern durchgeführt; -- durch Untersuchungen und Modellentwicklungen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung von Frauen in technischen Berufen soll, auch unter Nutzung von Multimedia, verstärkt das Potential von Frauen erschlossen werden; -- bei Forschungsvorhaben im Bereich Telekooperation und Telearbeit fördert das BMBF insbesondere Maßnahmen, die Frauen vollen Zugang zu Bildungs- und Berufsmöglichkeiten erschließen. Ein weiterer Schwerpunkt soll künftig in der Nutzung neuer Technologien zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer, auch in qualifizierten Positionen, liegen. 4. Leitbilder der zukunftsorientierten Forschungs- und Technologiepolitik 4.1 Spitzentechnologie für Produktion und Dienstleistungen -- Chancen für mehr Beschäftigung Industrie, Dienstleistungen und Beschäftigung Zukunftssichere Arbeitsplätze, stabile Einkommen, soziale Sicherheit, finanzierbare Dienstleistungen -- dies alles hängt in einem Hochlohnland wie Deutschland in hohem Maße von einem starken und wettbewerbsfähigen Produktionssektor ab. Eine Dienstleistungsgesellschaft ohne Industrie kann es nicht geben. Aber Produktion und Dienstleistung werden im globalen Wettbewerb zunehmend integriert. Neben den Aspekt, daß neue Produkte modernste und beste Technik brauchen, tritt eine weitere Komponente: Komplette Systemlösungen müssen angeboten werden, von der Problemidentifizierung bis zum Kunden- und Produktservice. Ein Beispiel ist der Verkauf von Maschinen mit dem entsprechenden Wartungs- und Reparaturservice. Maschinenbauer erzielen Markterfolge, indem sie mit der Maschine zugleich den Diagnoserechner für die Wartung liefern und die entsprechende Dienstleistung zur Behebung von Störfällen anbieten. Dadurch bieten sie ihren Kunden zeit- und standortunabhängig einen umfassenden Service. Die Bedeutung von unternehmens- und produktorientierten Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Produktion kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Sie werden zu einem entscheidenden Faktor für die Ausrichtung der Produktion, der Forschung und Entwicklung und damit der Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens. Die Herstellungskosten technologieintensiver Produkte betragen heute bereits lediglich etwa 25 % der Produktkosten. Durchschnittlich 75 % entfallen auf Kosten der damit verbundenen Dienstleistungen unterschiedlicher Art wie Produktentwicklung und Design, technische Serviceleistungen, Qualifizierungsaktivitäten, Mobilisierung von Kapital, Abfall- und Recyclingaktivitäten oder auch Unternehmensberatung. Das Zeitalter der Massenfertigung geht zu Ende, die Interaktion mit dem Kunden -- begünstigt durch die modernen Informations- und Kommunikationstechniken -- nimmt zu. Der informierte Kunde wird mit seiner präzisen Erwartungshaltung zu einem wichtigen ,,Ko-Produzenten``. Die Zukunft liegt vor allem darin, neue, auf Kundenwünsche abgestimmte und gemeinsam mit ihnen entwickelte Dienste zu erstellen und auf diese Weise eine Ausdifferenzierung der Dienstleistungsmärkte zu erreichen. Wirtschaften in Kreisläufen, ein Leitbild für die umweltgerechte und ressourcenschonende Industriegesellschaft, setzt ebenfalls ein Zusammenwirken von Produktion und Dienstleistungen voraus. Erforderlich ist ein intelligentes Netzwerk verschiedener Produktionszweige und Dienstleistungen, das zur Entwicklung konkurrenzfähiger integrierter Systemansätze führt. Nicht nur die Entwicklung von Hochtechnologie- Werkstoffen und von neuen Verbindungs- sowie Aufbereitungstechniken, sondern auch ein intelligentes Stoffstrommanagement, das sich moderner Informations- und Kommunikationsdienste bedient, sind notwendig. Chancen und Herausforderungen Einen zentralen Part bei der Bereitstellung eines umfassenden Leistungsangebots von Produkten und Dienstleistungen spielt schrittmachende Forschung und Entwicklung. Sie bereiten den Boden für Spitzenstellungen bei Produkten und Dienstleistungen. Deutschland steht dabei vor der Herausforderung, in stärkerem Maße als bisher High-Tech-Land zu werden. Nur so können die hochwertigen neuen Arbeitsplätze der Zukunft in den Bereichen entstehen, die um den Kern der Spitzentechnik-Felder gelagert sind. Die Beschäftigungsrelevanz dieser Arbeitsplätze liegt nicht in ihrer direkten quantitativen Wirkung. Das Gros neuer Arbeitsplätze wird nicht unmittelbar im High- Tech-Bereich entstehen. Arbeitsplätze, die sich im internationalen Hochtechnologiewettbewerb behaupten, schaffen aber in ihrem Umfeld durch ihr hohes Wertschöpfungspotential vielfältige neue Beschäftigungschancen. Strategien für mehr Spitzentechnik Die Bundesregierung fördert daher Forschung und Entwicklung von Spitzentechnologien mit hohem Innovationspotential für Produktion und Dienstleistung. Ihr Hauptaugenmerk ist dabei auf einen integrierten Systemansatz im Bereich der Spitzentechnik gerichtet: -- Das Rahmenkonzept ,,Produktion 2000`` führt unter der Leitidee einer umweltverträglichen und wettbewerbsfähigen Produktion Ansätze aus verschiedenen Technologiefeldern zusammen. Mit dem Wirtschaften in intelligenten branchenübergreifenden und umweltgerechten Kreisläufen sollen der Produktionsprozeß optimiert und geschlossene Konzepte für den Weltmarkt entwickelt werden. Diejenigen Produktionsprozesse werden auf mittlerer Sicht am wettbewerbsfähigsten sein, die Stoff-, Werkstoff-, Energie- und Produktkreisläufe schließen, d. h. den ganzen Lebensweg eines Produktes und seiner möglichen Wiederverwertung berücksichtigen. Letztlich geht es mit dem Förderkonzept ,,Produktion 2000`` um die Zukunft des Produzierenden Gewerbes in Deutschland, in dem etwa 11 Mio. Erwerbstätige beschäftigt sind (38 % aller Beschäftigten). Zugleich ist das Förderkonzept ein Beitrag dazu, den internationalen Spitzenplatz Deutschlands in der Umweltschutztechnik zu halten und möglichst auszubauen (vgl. Teil III, Kap. 9). -- Der Förderschwerpunkt ,,Laser 2000`` will das vielfältige Potential der Lasertechnik für Miniaturisierungen und Produktivitätssteigerungen nutzbar machen. Die Präzisionsbearbeitung von Materialien ist mittels Lasertechnik nahezu unbeschränkt möglich. Die hohe Energiedichte des Lasers erlaubt umweltschonende Verfahren. Zahlreiche Anwendungsgebiete in der Produktion und im Dienstleistungsbereich (z. B. im Gesundheitswesen) zeichnen sich dafür ab, denn der Lasereinsatz sichert ein Höchstmaß an Qualität und damit Konkurrenzvorteile. Insgesamt wird für das Jahr 2000 erwartet, daß 180 000 bis 200 000 Beschäftigte in Deutschland mit der Herstellung und Anwendung von Lasern befaßt sein werden (siehe Graphik I/9). -- Das Programm ,,Neue Materialien" konzentriert sich auf anwendungsnahe Werkstoffforschung für die sich dynamisch entwickelnden Märkte der Informations-, Verkehrs-, Energie-, Medizin- und Fertigungstechnik. Überall werden spezifische Materialeigenschaften wie z. B. besondere Härte oder Reißfestigkeit nachgefragt, die Untersuchungen von Grenz- und Oberflächen sowie von Wechselwirkungen verschiedener Materialien erfordern. Besonders wichtig sind ressourcen- und umweltschonende Effekte neuer Materialien. Eine Technologie, die noch am Anfang steht, ist die Nanotechnologie, die Materialentwicklung mit Partikelgröße im Nanometerbereich erlaubt. Mit extrem feinen Pulvern lassen sich durch Kombination von Metallen und Keramiken Bauteile herstellen, die besonderen mechanischen und thermischen Belastungen standhalten. Der Nanometer-Maßstab wird zukünftig zum Präzisionsstandard für die Materialanalyse (vgl. Teil III, Kap. 11) (siehe Graphik I/10). -- Mit der Förderung ,,Mikrosystemtechnik`` wird ebenfalls Spitzentechnik auf der Grundlage von Mikrosystemen vorangebracht. Es geht um die Umsetzung mikrosystemischer Prototypen und Labormuster in Standard- und Serienprodukte z. B. bei Meß-, Steuer- und Regelungsprozessen. Zahlreiche Anwendungen, z. B. im Umwelt- und Gesundheitsbereich, bieten sich an. -- Mit der Initiative ,,Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert`` will die Bundesregierung dazu beitragen, die noch nicht ausgeschöpften Innovations- und Zukunftspotentiale dieses Sektors zu erschließen. Insbesondere soll auf der Grundlage eines mit Spitzentechnik arbeitenden produzierenden Sektors die notwendige Vernetzung mit unternehmensbezogenen Dienstleistungen hergestellt werden. Solche Dienstleistungen wie Unternehmensberatung, Marktforschung, Wartung, Schulung, Weiterbildung oder moderne Informations- und Kommunikationsangebote haben in Deutschland zu erheblichen Arbeitsplatzgewinnen in den letzten zehn Jahren beigetragen. Es gilt, diese in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit und Komplementarität zum Produktionssektor weiterzuentwickeln. Dabei sollen organisatorische Grenzen zwischen Unternehmen oder Unternehmensteilen durchlässiger werden, um in flexiblen Organisationen zur Gestaltung neuer Wertschöpfungsketten zu gelangen. Nur wenn es gelingt, ergänzend zu Spitzentechnik auch Spitzendienstleistungen anzubieten, wird auch in Deutschland der Anteil des tertiären Sektors mit entsprechenden Beschäftigungsgewinnen zunehmen. 4.2 Nr. 1 in Europa -- Chancen der Biowissenschaften und -technologie für den Standort Deutschland Die biowissenschaftliche Revolution Während die heutige Industriegesellschaft und Technik im wesentlichen durch die Fortschritte der Physik, der Chemie und der Ingenieurwissenschaften bestimmt sind, werden die Biowissenschaften das 21. Jahrhundert grundlegend prägen. Die biowissenschaftliche Revolution ist bereits voll im Gange. Ausgelöst wurde sie durch einen Quantensprung in der Wissenschaftsentwicklung: die Mitte der 50er Jahre entdeckte molekulare Struktur der Erbsubstanz. Diese Entdeckung hat zu völlig neuen Einsichten in die natürlichen Bedingungen und Abläufe des Lebens, damit aber auch in seine Rekonstruktion und Gestaltbarkeit durch den Menschen selbst, geführt. Auch wenn viele der von Kritikern in der Öffentlich- keit heute vorgetragenen Befürchtungen ein Zerrbild des tatsächlich Erreichten entwerfen, stellt sich sehr nachdrücklich die Frage nach dem verantwortlichen Umgang mit den neuen Möglichkeiten. Die notwendige Abschätzung und Minimierung möglicher Risiken verkennt nicht die großartigen Chancen des wissenschaftlichen Fortschritts, im Gegenteil: Die Entschlüsselung und Nutzung der Baupläne der belebten Natur eröffnen neue Möglichkeiten, von der Natur zu lernen und sehr viel besser im Einklang mit der Natur zu handeln (vgl. Teil III, Kap. 10). Für den medizinischen Fortschritt kommt den Biowissenschaften eine Schlüsselbedeutung zu. Die molekulare Medizin eröffnet realistische Perspektiven für die Therapie von Krankheiten, die bisher als unheilbar gelten. Pro Jahr sterben derzeit in Deutschland über 200 000 Menschen an Krebs. Die Zahl der mit AIDS Infizierten liegt in Deutschland mittlerweile bei über 12 000, weit mehr als 7 000 AIDS-Kranke sind bereits gestorben. Eine ursachengerechte Bekämpfung dieser Krankheiten ohne moderne Molekular- und Genbiologie ist nicht möglich (vgl. Teil III, Kap. 7). Bei den Arzneimitteln stammen bereits heute zwei Drittel aller Neuentwicklungen aus ,,Biotech-Pipelines``. Noch vor zehn Jahren waren es nur etwa 5 %. Die fünf erfolgreichsten ,,gentechnisch hergestellten`` Arzneimittel erreichen bereits gegenwärtig einen Weltmarktumsatz von rd. 10 Mrd. DM. Zukünftig werden ,,Individualpharmaka`` möglich sein, die auf den spezifischen Krankheitsverlauf von Patienten zugeschnitten sind. Großes Entwicklungspotential enthält die Biotechnologie auch für den Umweltschutz. Als Vorbild dient die Natur selbst. Biologisch optimierte Systeme, in der Regel Mikroorganismen und Pflanzen, die für den natürlichen Kreislauf in der Umwelt sorgen, können gezielt für umweltschonende Verfahren genutzt werden, beispielsweise zur Abwasser- und Abluftreinigung oder Bodensanierung. Die biologische Abwasserreinigung hat sich in Deutschland mittlerweile so erfolgreich durchgesetzt, daß rd. 90 % der Haushalte an eine biologische Kläranlage angeschlossen sind (zum Vergleich: USA lediglich 59 %, Frankreich 64 %). Eine ,,sanfte`` Chemie, die mit biotechnischen Verfahren arbeitet, ist nicht nur ressourcenschonend und energiesparend, sondern vermeidet den Anfall von Schadstoffen und ermöglicht die Verwertung von Reststoffen. Ein Beispiel hierfür ist die Nutzung von Enzymen für die Herstellung von Wirkstoffen etwa für Pflanzenschutzmittel (vgl. Teil III, Kap. 6). Ein weiteres bedeutsames Anwendungsfeld der Biowissenschaften betrifft die Ernährung. Etwa 10 Mio. Menschen sterben jährlich an den Folgen von Hunger. Die Entwicklung krankheitsresistenter und ertragreicher Nutzpflanzen sowie eine verbesserte Haltbarkeit von Lebensmitteln sind daher notwendig. Die wachsende Weltbevölkerung macht steigende Erntemengen dringend erforderlich. Durch die Biowissenschaften ist es ferner möglich, die Qualität der Nahrungsmittel unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten zu steigern und damit einen Beitrag zu einer gesunden Lebensweise zu leisten. So kann mit molekularbiologischen Züchtungsverfahren die Zusammensetzung der Nahrungsmittel z. B. im Hinblick auf Vitamine und Mineralstoffe verbessert, mit modernen Biosensoren der Frischegrad von Lebensmitteln bestimmt oder es können unerwünschte Keime, wie z. B. Salmonellen, frühzeitig entdeckt werden. Noch am Anfang steht die biowissenschaftliche Forschung im Hinblick auf die Möglichkeiten der Energie- und Rohstoffgewinnung. Die pflanzliche Photosynthese ist -- weltweit betrachtet -- ein gewaltiger Produktionsprozeß, der den Gesamtvorrat an nutzbarer Energie auf der Erde entscheidend vergrößert. Die Pflanzen nehmen jährlich ca. 700 Mrd. Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und den Meeren auf, um sie mit Hilfe des Sonnenlichts in energiereiche organische Verbindungen, wie z. B. Kohlenhydrate, umzuwandeln. Bei der Suche nach neuen, regenerativen Energiequellen liegt es deshalb nahe, das enorme Energiepotential der Photosynthese mit gentechnischen Methoden über das traditionelle Maß hinaus nutzbar zu machen und damit letztlich die Energieausbeute aus der Sonne zu steigern. Eine größere Rolle als bisher vermag auch Biomasse als Rohstoff zu spielen. So könnten in der Pflanzenzüchtung mit Hilfe der Gentechnik bestimmte Rohstoffe oder höhere Synthesestufen umweltschonend und energiesparend hergestellt werden. Die Pflanze wird hierbei als Bioreaktor genutzt. Ein Beispiel sind Pflanzen, die Ausgangsmaterial für biologisch abbaubare Kunststoffe produzieren. In Folge dieser Entwicklung könnte der Produktionswert der Landwirtschaft in Deutschland wieder wachsen. Chancen und Herausforderungen am Standort Deutschland Jüngste unabhängige internationale Untersuchungen bescheinigen Deutschland ein gutes Profil in den Biowissenschaften. Der Stand der Forschung im weltweiten Vergleich ist hoch. Ein Beweis für die große Leistungsfähigkeit sind die Nobelpreise, die deutschen Wissenschaftlern in den vergangenen Jahren verliehen wurden. Grundlagenforschung in Deutschland befindet sich auf hohem Niveau, das auf einer hervorragend entwickelten Forschungs- und Technologieinfrastruktur beruht. Unter den 50 im Zeitraum von 1980 bis 1991 weltweit meistzitierten molekularbiologischen Forschungsstätten befinden sich acht deutsche Institute. Trotz dieser sehr guten Ausgangsbasis ist die wirtschaftliche Anwendung in Deutschland bisher gering: -- Während in den USA die Zahl der Patentanmeldungen in den Biowissenschaften zwischen 1987 und 1994 um ca. 120 % zugenommen hat, waren es in Deutschland nur ca. 16 %. -- Während 1994 in den USA ca. 300 gentechnische Produktionsanlagen bestanden, waren es in Deutschland nur sechs. -- Während in den USA z. Z. etwa 1300 Biotech-Firmen bestehen, sind es in der EU 485 und in Deutschland weniger als 100. Demgegenüber entwickelt sich der Weltmarkt für derartige Produkte und Verfahren nach Einschätzung der Wirtschaft mit zweistelligen Wachstumsraten. Die ,,Senior Advisory Group for Biotechnology (SAGB)`` prognostiziert, ausgehend von einer Basis von 6 Mrd. US $ (1991), für das Jahr 2000 einen Weltmarkt von rd. 100 Mrd. US $. Die Bundesregierung setzt daher alles daran, den Standort Deutschland für diesen sich rasant entwickelnden Weltmarkt zu wappnen. Aktionsfelder der Forschungs- und Technologiepolitik Die Biotechnologie ist ein entscheidender Prüfstein, ob Deutschland auch in Zukunft eine internationale Spitzenstellung einnimmt und damit in innovative Zukunftsfelder vorstößt, die neue Beschäftigungschancen eröffnen. In der Biotechnologie die Nr. 1 in Europa zu werden, heißt deshalb das Ziel, das die Bundesregierung mit einer Fülle von Maßnahmen verfolgt. Es gilt, eine leistungsstarke Forschung und Entwicklung aufrechtzuerhalten sowie die Bildung von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren. Neue Wege müssen eingeschlagen werden, um die Umsetzung von Forschungsergebnissen in innovative Produkte und Verfahren entscheidend zu verbessern: -- Die interdisziplinäre Verbindung zwischen Informationstechnik und Biotechnologie wird zunehmend weiterentwickelt. Es sind dies z. B. die Bereiche Bioinformatik, Algorithmen aus der evolutiven Biotechnologie und ihre Anwendung bei komplexen Problemen, Nachahmung der Bild- und Sprachverarbeitung biologischer Systeme. Diese interdisziplinären Projekte werden durch Fachtagungen vorbereitet und durch gezielte Projekte umgesetzt. -- Um in der Humangenomforschung rasche Fortschritte zu erzielen, kommt es darauf an, Wissenschaft und Wirtschaft bei der Entwicklung von Techniken zur Entschlüsselung und Nutzung biologischer Baupläne zusammenzuführen. Das Leitprojekt ,,Humangenomforschung`` sieht neue Strukturen in der Wissenschaft und eine Beteiligung der Industrie von Beginn an vor. Ein Netzwerk von Vereinbarungen zwischen Wissenschaft und Industrie soll eine enge Kooperation und breite Patentierung von Forschungsergebnissen durch Wissenschaftler sicherstellen. -- Das Förderkonzept ,,BioRegio`` ist ein neuer Förderansatz in Form eines Wettbewerbs zwischen Regionen, die aufgefordert werden, integrierte Konzepte für die biowissenschaftliche Forschung und die unternehmerische Umsetzung der Ergebnisse vorzulegen. Damit wird ein Anreiz gegeben, biowissenschaftlich orientierte Forschungseinrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft, Risikokapitalgeber, Banken, kommunale Fördereinrichtungen, Genehmigungsbehörden u. a. regional zu einer Zusammenarbeit anzuregen. Mit diesem systemischen Ansatz sollen das materielle und intellektuelle Potential effizienter genutzt, Unternehmensneugründungen angeregt und Deutschland als Investitionsstandort auch für ausländische Unternehmen attraktiver werden. Eine Jury wählt drei Regionen mit dem überzeugendsten BioRegio- Konzept aus, die dann Priorität bei der Vergabe von Fördermitteln des BMBF erhalten (vgl. Teil III, Kap. 10). -- Für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens und als Standortfaktor der deutschen Pharmaindustrie ist die Entwicklung und Erprobung von pharmazeutischen Wirkstoffen und Arzneimitteln in Deutschland erforderlich. Klinische Forschung und eigene Expertise sind unabdingbare Voraussetzung, um eine weitere Abwanderung pharmazeutischer Unternehmen ins Ausland zu verhindern. Hierfür sind die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen. Die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit deutscher Kliniken ist auch auf das heute auf dem Weltmarkt geforderte Qualitätsbewußtsein auszurichten. Klinische Forschung, Krankenversorgung und Lehre sind besser aufeinander abzustimmen. Das geplante Projekt ,,Zentren für klinische Studien`` verfolgt diese Ziele. -- Mit der Somatischen Gentherapie zeichnen sich Behandlungsmethoden für eine breite Palette von Krankheiten ab, zu denen insbesondere eine Reihe von häufigen und volkswirtschaftlich wichtigen Erkrankungen wie Krebs, Stoffwechselstörungen sowie AIDS und anderen Infektionskrankheiten gehört. In Förderschwerpunkten sollen hochinnovative Konzepte der molekularen Medizin mit deutlicher klinischer Zielsetzung weiterentwickelt werden. Um diese Ansätze aus der grundlagennahen Forschung in die medizinische Versorgung übertragen zu können, ist eine enge Kooperation zwischen theoretischen, klinischen und industriellen Arbeitsgruppen erforderlich. Durch die gezielte Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Forschern unterschiedlicher Fachdisziplinen und der einschlägigen Industrie soll eine solche interdisziplinär übergreifende Bearbeitung der Fragestellungen gewährleistet werden. -- Im Gentechnikrecht werden weitere Verbesserungen durch eine Novellierung der übergeordneten EU-Richtlinien angestrebt. Andere Gesetze sind ebenfalls auf überzogene administrative Anforderungen zu überprüfen. -- Die Bundesregierung tritt für Transparenz bei allen biowissenschaftlichen Aktivitäten ein, damit die Chancen deutlich und die Risiken abschätzbar werden. Nur durch eine uneingeschränkte Offenlegung aller Erkenntnisse können die Menschen frei entscheiden. Geheimniskrämerei ist kontraproduktiv. Die Bundesregierung spricht sich daher für eine grundsätzlich umfassende, aber praktikable Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln aus. -- Der Rat für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler wird sich 1996 intensiv mit den Chancen der Biowissenschaften und Biotechnologie für die Menschen und die Bedeutung und Ausschöpfung der Möglichkeiten durch Wissenschaft und Wirtschaft befassen. Stärken und Schwächen Deutschlands auf diesem Gebiet sind auszuloten. Der Technologierat wird sich auch mit den möglichen Gefahren, die aus diesem Technologiefeld erwachsen können, und mit den Ängsten der Bürger auseinandersetzen. 4.3 Wachstum durch Wissen: Zukunft der Informationsgesellschaft Auf dem Weg in die Zukunft Die ,,digitale Revolution`` durch die sprunghafte Entwicklung der Informationstechnologie wird zu Recht mit der Zäsur der industriellen Revolution des vergangenen Jahrhunderts verglichen. Gewinnung, Speicherung, Verarbeitung, Vermittlung, Verbreitung und Nutzung von Informationen und Wissen sowie interaktive Kommunikation werden in völlig neuen Dimensionen und mit großer Schnelligkeit möglich. Der Umgang mit Information wird zur prägenden Herausforderung -- nicht nur wirtschaftlich, auch kulturell. Die Informationsnetze wachsen weltweit zusammen, und ihr Nutzerkreis weitet sich rasant aus. Insgesamt werden weltweit bereits über 40 Mio. Internet-Nutzer geschätzt. Kommunikation und Informationsbeschaffung erfolgen in den Netzen ohne zeitliche und räumliche Schranken. Der konkrete Aufenthaltsort des einzelnen wird unwichtig, für das Leben und Arbeiten im Cyberspace ist lediglich ein Internet-Anschluß erforderlich. Die Welt rückt zusammen, das ,,globale Dorf`` ist längst keine Vision mehr (vgl. Teil III, Kap. 9). Information und Wissen haben noch nie so schnell zugenommen wie heute. Derzeit sind 90 % aller Wissenschaftler tätig, die jemals auf der Welt gelebt haben. An jedem Arbeitstag erscheinen 5 000 wissenschaftliche Aufsätze weltweit. Alle fünf bis sieben Jahre verdoppelt sich weltweit das verfügbare Wissen. Dieses Wissenspotential kann über das ,,Nervensystem`` der Datenautobahnen ,,online`` genutzt werden. Anwendungsfelder Der Rohstoff Information wird zum entscheidenden Produktionsfaktor. Die Art und Weise des Wirtschaftens selbst verändert sich -- mit neuen Chancen, steigenden Umweltbelastungen und drohender Ressourcenverknappung entgegenzuwirken. Wettbewerbsvorteile haben diejenigen Länder, die bei der Erzeugung und Verteilung von Information, bei der effizienten Umwandlung in Wissen und insbesondere bei der breitenwirksamen Nutzung von Wissen Erfolge verzeichnen. System-Know-how, wissensintensive Produktionsmethoden und Steuerungssysteme sowie intelligente Dienstleistungen verbessern das Angebot bei niedrigerem Preis. Gleichzeitig verringern sie den Rohstoff- und Energieeinsatz, sind weniger materialintensiv und damit umweltverträglicher. Moderne Informations- und Kommunikationstechniken erlauben darüber hinaus ein großräumiges und langfristiges Umweltmonitoring sowie den Datenaustausch von Umweltdaten. Hierdurch kann ein umfassendes Bild über den Zustand von Boden, Wasser, Luft oder Klima geschaffen werden. Darauf aufbauend können Fehlentwicklungen frühzeitiger erkannt und notwendige Gegenmaßnahmen getroffen werden. Die Verkehrstelematik eröffnet eine Möglichkeit zur sicheren, sparsamen und umweltfreundlichen Gestaltung des Verkehrsablaufs. Durch neue Systeme der Verkehrstelematik und neue Software-Konzepte kann eine gleichmäßige Nutzung der Verkehrsinfrastruktur und eine bessere Verknüpfung der Verkehrsträger bewirkt werden. Von der Telearbeit können Impulse zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ausgehen. So liegt das Potential an Telearbeitsplätzen nach dem Bangemann-Bericht der Europäischen Kommission in Deutschland bei rd. 800 000. Dieses Potential ist bei weitem nicht ausgeschöpft. Daneben werden Produktivitätssteigerungen um 20 % und verbesserte Wettbewerbsfähigkeit erwartet. Gleichzeitig erlaubt Telearbeit auch eine bessere Verknüpfung von Familienleben und Beruf. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten beginnt sich aufzulösen. Arbeits- und Produktionsprozesse können global verteilt und kombiniert werden. Mitarbeiter virtueller Unternehmen sind über Datennetze miteinander verknüpft. Auf diese Weise können weltweit tätige Konzerne ihre Produktentwicklungen rund um die Uhr in verschiedenen Zeitzonen betreiben, damit Geld und Zeit sparen. Immer wichtiger werden die Möglichkeiten der Telewartung, Telediagnose und Telereparatur. Es geht hierbei um die räumlich getrennte Überwachung von Maschinen durch Herstellerfirmen. Dadurch können Erfahrungen über Einsatz und Schwachstellen von Maschinen rascher und intensiver mit dem Hersteller rückgekoppelt und insbesondere im Ausland neue Märkte erschlossen werden. Für Unternehmen, die sich am Markt behaupten müssen, ist schneller, umfassender und weltweiter Service heute unabdingbar. Durch die Kombination von Produktion und intelligenter Dienstleistung kann die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend gestärkt werden. Moderne Informations- und Kommunikationstechniken bieten darüber hinaus vielfältige Chancen für die Medizin. Chirurgen üben komplizierte Eingriffe zunächst am Bildschirm, bevor sie sie am Patienten ausführen. Falls erforderlich, lassen sie sich von Spezialisten aus aller Welt am Monitor begleiten und beraten. Dabei können sie auf moderne Steuerungstechniken zurückgreifen. Zum Wohle der Patienten können z. B. ferngesteuerte Roboter millimetergenaue Operationen an sensiblen Organen wie dem Auge ausführen. Sie agieren dabei sicherer als jede noch so ruhige menschliche Hand. Mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechniken ist zugleich eine bessere Vernetzung der Beteiligten im Gesundheitswesen möglich. Befunde und Therapien können direkt zwischen den Medizinern ausgetauscht bzw. besprochen werden. Eine elektronische Patientenbetreuung kann Menschenleben retten, wenn lebenswichtige Informationen schnell zur Verfügung gestellt werden. Die Informationsgesellschaft wird neue Lehr- und Lernformen ermöglichen. Zugleich fordert sie neue Bildungsinhalte, neue Medienkompetenz. Es gibt neue Erfahrungswelten, aber auch neue Auseinandersetzungen über die Erfahrungen im Umgang mit den neuen Medien. Medienkompetenz meint dabei mehr als die fachliche Bedienungsanleitung. Letztlich geht es um die Befähigung im Umgang mit der angebotenen Fülle von Informationen und Diensten, die sich den medialen Gesetzmäßigkeiten nicht fügt, sondern Eigenständigkeit im Denken und Urteilen verbürgt. Kulturelle Reflexe deuten sich an. Es wird zunehmend ,,individuelle`` Zeitungen und Programme geben. Zugleich wird die Kommunikation neue Formen annehmen und die Lebensbezüge internationalisieren. Chancen und Herausforderungen -- Multimedia möglich machen Mit den Chancen und Herausforderungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien hat sich der Rat für Forschung, Technologie und Innovationen beim Bundeskanzler als erstes Thema beschäftigt. Vorrangiges Ziel der Arbeit des Rates war es, die Chancen zu ermitteln, die in den neuen Informationstechniken liegen und dabei auch mögliche Gefahren und Problemfelder zu betrachten, die mit dem Wandel zur Informationsgesellschaft verbunden sein können. Die Hauptergebnisse der Beratungen betreffen folgende Felder: -- Neuordnung der Telekommunikation, -- Schaffung eines einheitlichen Medienordnungsrahmens, -- Erschließung neuer Anwendungsfelder für die Informations- und Kommunikationstechnik, -- Vermittlung von Medienkompetenz auf allen Ebenen des Bildungswesens, -- Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für Forschung und Bildung, -- Stärkung von Telekommunikation und Telearbeit, -- elektronisches Publizieren und digitale Bibliothek, -- Multimedia-Anwendungen als Schlüssel zur Verwaltungsreform. Ein zentrales Element der ,,Initiative Informationsgesellschaft Deutschland`` betrifft den rechtlichen Rahmen. Mit dem Entwurf des Telekommunikationsgesetzes wird entschlossen eine Wettbewerbslösung für den Telekommunikationsmarkt verwirklicht. Sie wird dafür sorgen, daß auch in Deutschland moderne, leistungsfähige und preiswerte Telekommunikationsdienste angeboten werden. Damit Deutschland seine Wettbewerbsposition erhalten und zukünftig ausbauen kann, ist eine rasche Entfaltung der Marktkräfte bei den Multimediadiensten, wie z. B. Telebanking, Teleshopping und Video-on-demand, unerläßlich. Wer auf diesen neuen Märkten mit Millionenbeträgen investieren will, braucht einheitliche, klare und verläßliche Rahmenbedingungen. Deshalb ist auch die Schaffung einheitlicher rechtlicher Rahmenbedingungen für neue Informations- und Kommunikationsdienste prioritär. Aktionsfelder der Bildungs-, Forschungs- und Technologiepolitik Eine Schlüsselrolle kommt der Medien- und Informationskompetenz zu, dem aktiven und verantwortungsbewußten Umgang mit den neuen multimedialen Möglichkeiten. Notwendig ist eine breite Bildungsoffensive, die Schulen, Hochschulen sowie berufliche Aus- und Weiterbildung umfaßt. So haben von rd. 43 000 Schulen weniger als 500 einen Internet-Anschluß, und nur für rd. 2 % der Schüler steht ein Computer-Lernplatz zur Verfügung. Gemeinsam mit der Telekom, der Wirtschaft und den Ländern wirkt die Bundesregierung in der Initiative ,,Schulen ans Netz" darauf hin, daß eine größere Zahl von Schulen mit Computern ausgestattet wird, einen Zugang zum Internet erhält sowie auf die pädagogisch sinnvolle Nutzung der neuen Techniken vorbereitet wird. In gleicher Weise kommt es darauf an, die Hochschulen multimediafähig zu machen und ihnen Kommunikationsmöglichkeiten mit dem weltweit verfügbaren Informations- und Wissenspool zu verschaffen. Der von der Bundesregierung beschlossene Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für Forschung und Bildung ist bereits im Gange. Mit diesem Netz erhalten Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungsinstitute in Deutschland die Chance, Computer mit einer Datenübertragungsgeschwindigkeit von 155 Mbit/s miteinander zu verbinden und fortgeschrittene Multimedia-Techniken zu nutzen. Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit mit forschungsorientierten Unternehmen, Kammern und Technologietransfer-Einrichtungen möglich. Im Rahmen der Initiative Informationsgesellschaft Deutschland hat die Erschließung neuer Anwendungsfelder hohe Priorität. Zur Zukunftssicherung ist hierbei die Förderung von Forschung im Bereich der Basistechnologien, der anwendungsorientierten Verfahren und der Entwicklungswerkzeuge notwendig. Die Bundesregierung bereitet daher ein neues Förderprogramm ,,Innovationen für die Informationsgesellschaft`` vor. Im Vordergrund stehen Themen wie hochauflösende Flachbildschirme, zuverlässige Software-Technologie und Sprachverarbeitung, Konzepte für virtuelle Unternehmen sowie Standards für den Datenaustausch. Von ihnen werden wichtige Impulse zur Sicherung von Vorteilen im globalen Wettbewerb und zur Produktivitätssteigerung im Industrie- und Dienstleistungssektor erwartet. Ergänzt wird das Programm durch eine innovationsfreundliche Gesetzgebung, Hilfen bei Neugründungen und die Mobilisierung von Risikokapital sowie Maßnahmen zur Steigerung der Technikakzeptanz -- nicht zuletzt auch auf betrieblicher Ebene. Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Gebiete Telekooperation und Telearbeit. Mit verschiedenen Projekten stößt die Bundesregierung hier Entwicklungen in der Privatwirtschaft an. Beispiele betreffen Wirtschaftssektoren mit hohem Koordinationsbedarf wie die Bauwirtschaft. Zugleich werden Pilotprojekte beispielsweise für Behinderte gestartet, um ihnen eine gleichberechtigte Teilnahme am Berufsleben zu ermöglichen. Schließlich wird das Thema ,,Teleservice`` aufgegriffen, um den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken zur Verbesserung von Telediagnose, -wartung und -reparatur zu fördern und zur Erschließung ausländischer Märkte beizutragen. Die Bundesregierung setzt sich ferner dafür ein, daß ein umfassendes digitalisiertes Informationsangebot bereitgehalten wird. Schwerpunkte des neuen Programms ,,Wissenschaftlich-technische Information für das 21. Jahrhundert`` bilden daher das elektronische Publizieren und die digitale Bibliothek. Dabei geht es zum einen darum, die Zeit zwischen der Erarbeitung eines wissenschaftlichen Ergebnisses und seiner Veröffentlichung durch die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik zu verkürzen. Zum anderen gilt es, die Vielzahl von Informationsanbietern wie z. B. Bibliotheken und Fachinformationseinrichtungen miteinander zu verknüpfen, so daß Veröffentlichungen schnell zur Verfügung gestellt werden können. Die internationale Dimension der modernen Infrastrukturen erfordert eine frühzeitige und effiziente internationale Abstimmung dieser Maßnahmen. Erste Priorität hat die Verzahnung der Politik der Bundesregierung mit den Maßnahmen der Europäischen Union zur Gestaltung von Europas Weg in die Informationsgesellschaft. Die Bundesregierung beabsichtigt ferner, die von der G 7-Ministerkonferenz vereinbarten acht Grundprinzipien bei ihren nationalen Maßnahmen und Entscheidungen zugrunde zu legen und wird sich dafür einsetzen, daß diese Grundprinzipien in multilateralen Vereinbarungen im Rahmen internationaler Organisationen -- wie z. B. OECD, WTO, WIPO und ITU -- verankert werden und ihnen über die G 7-Länder hinaus Geltung verschafft wird. 4.4 Energie und Umwelt: Nachhaltige Entwicklung dauerhaft sichern Die Gestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im Einklang mit den ökologischen Lebensgrundlagen ist eine der zentralen Herausforderungen, die die kommenden Jahrzehnte prägen wird (vgl. Teil III, Kap. 5). Auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung vom Juni 1992 in Rio de Janeiro hat sich die internationale Völkergemeinschaft verpflichtet, die nachhaltige Entwicklung zur Grundlage der politischen Zielbestimmung zu machen. ,,Nachhaltige Entwicklung`` stellt keine eindeutige Handlungsanweisung dar, sondern ein konkretisierungsbedürftiges Leitbild. Wissenschaftliche Forschung und technische Entwicklung sind gefordert, sowohl unsere Kenntnisse über die Wirkungszusammenhänge in der Biosphäre zu verbessern als auch weitreichende Problemlösungen zur Reduzierung der Umweltbelastungen zu finden. Ziel der Bundesregierung ist es, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt so zu gestalten, daß die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes dauerhaft gesichert wird. Mit der Neuorientierung der bisherigen Energie- und Umweltforschungsprogramme leistet sie hierzu einen strategischen Beitrag. Der Leitbegriff der Nachhaltigkeit erweitertet den Blickwinkel der Umweltforschung. Objekt der Forschung ist nicht allein das isolierte System ,,Umwelt", sondern die Wechselwirkungen zwischen ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung. Nachhaltigkeit durch Forschung sichern In der Umweltforschung geht es neben der Vertiefung des Verständnisses komplexer systematischer Zusammenhänge um eine adäquate Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in politisches und wirtschaftliches Handeln. Dabei kommt der Entwicklung von Umweltqualitätszielen, Indikatoren und Bewertungsverfahren, die sowohl ökologische als auch sozio-ökonomische Anforderungen berücksichtigen, besondere Bedeutung zu. In drei wesentlichen Bereichen müssen neues Wissen gewonnen, neue Techniken entwickelt und Handlungskonzepte erarbeitet werden: -- Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen Es hat sich bislang als sehr schwierig erwiesen, die künftige Entwicklung langfristiger globaler Veränderungen und ihrer Auswirkungen hinreichend zuverlässig abzuschätzen. Die Forschung zur ökologischen Nachhaltigkeit zielt deshalb auf ein besseres Verständnis der Umweltsysteme selbst, d. h. des Klimasystems, der terrestrischen Ökosysteme, der Wälder, der urban-industriellen, der Agrar- sowie Fluß- und Seenlandschaften. Eine zentrale Aufgabe der Klimasystemforschung ist die komplexe Modellierung des Einflusses der menschlichen Aktivitäten auf das Klima und -- umgekehrt -- der Rückwirkungen klimatischer Änderungen auf den Lebensraum der Menschen. Neue differenzierte Fragestellungen wie die lokale und zeitliche Variabilität des Klimas und die Auswirkungen auf den Wasserkreislauf rücken dabei in den Vordergrund. Wir wissen heute, daß mit dem Klimawandel die Häufung extremer Witterungsereignisse zunimmt. Das Wissen um die regionalen Auswirkungen der Klimaänderung muß vertieft werden, um Vorbeugemaßnahmen, z. B. im Hochwasserschutz, zielgenau und effektiv treffen zu können (vgl. Teil III, Kap. 6). Bei besonderen Wetterlagen sind die Auswirkungen der Schadstoffe in der Atmosphäre direkt spürbar. Hier ist es eine wesentliche Aufgabe der Forschung, durch besseres Systemverständnis und Konzentration auf Prozeßaufklärung, Variabilität und Prognosefähigkeit die Grundlagen für mittel- und langfristige Voraussagen zu verbessern. Dies ist eine notwendige Voraussetzung für die umweltpolitische Bewertung von Luftverunreinigung und die Evaluierung von Vermeidungsstrategien. Forschung zur ökologischen Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf Klima- und Atmosphärenforschung. Schon in den letzten Jahren hat ein weiterer interdisziplinärer Ansatz der Umweltforschung an Bedeutung gewonnen, ein landnutzungsorientierter Forschungsansatz, der für regionale Lebens- und Wirtschaftsräume (Kulturlandschaften) Nutzungs-, Gestaltungs- und Sanierungskonzepte entwickelt. Beispiele sind die Renaturierung von Flüssen und Seen und die Rekultivierung von Bergbaulandschaften. -- Nachhaltiges Wirtschaften Ebenso wichtig wie die auf den Naturraum gerichtete Perspektive sind Erkenntnisse, die dazu beitragen, wirtschaftliche und soziale Strukturen sowie Handlungs- und Verfahrensweisen so zu ändern, daß sie ein dauerhaft umweltgerechtes Wirtschaften und Leben ermöglichen. Technische Innovationen werden auch in Zukunft die tragende Säule für nachhaltiges Wirtschaften sein. In der Umwelttechnik müssen die erwarteten technischen Lösungsansätze zur Abwasser- und Schlammbehandlung, zur Verminderung der Boden-, Gewässer- und Luftbelastung, zur Altlastensanierung und Lärmminderung weiterentwickelt werden, um dort, wo ökologische Grenzen bereits überschritten sind, umgehend wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dabei haben technische Produkte und Dienstleistungen, die dem Umweltschutz dienen, eine zunehmende wirtschaftliche Bedeutung. Sie werden künftig auf den Weltmärkten einen erheblich höheren Stellenwert bekommen. Deutschland nimmt dabei als Anbieter hochwertiger Umwelttechnologien eine Spitzenreiterrolle ein. Zur Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit und zugleich zur weiteren Entlastung der Umwelt sind jedoch weitere Innovationen im technischen, ökonomischen und sozialen Bereich notwendig. Ein zentrales Ziel ist die ,,saubere Produktion``. Dazu müssen nachgeschaltete ,,end of pipe"-Techniken durch integrierte Lösungen ergänzt und ersetzt werden, die unerwünschte Umweltbelastungen gar nicht erst entstehen lassen. Dem produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutz kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Die gesamte Kette vom Rohstoffeinsatz über die Aufbereitung, die Verarbeitung und die Nutzung eines Produktes sowie seine Verwertung bzw. Rückführung in den Stoffkreislauf ist Gegenstand dieses innovativen Forschungsansatzes. Erfolgreiche Beispiele sind die Entwicklung abwasserfreier Nickelchromanlagen (Galvanik) sowie die umweltfreundliche Zellstoffherstellung und das chlorfrei gebleichte Papier. -- Rahmenbedingungen für umweltverträgliches Handeln Die Forschung zur nachhaltigen Entwicklung erschließt die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt. Der Mensch greift durch sein Verhalten und zur Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Ernährung, Wohnen, Mobilität und Freizeit in die Umwelt ein und ist zugleich selbst von den anthropogen verursachten Umweltbelastungen betroffen. Forschungsgegenstände sind die Abschätzung von Gesundheitsrisiken durch Umweltchemikalien und andere Umweltfaktoren, wie z. B. erhöhte UV-B-Bestrahlung, sowie die Erforschung von Maßnahmen zur Vermeidung dieser Belastungen. Toxikologische Methoden der Risikoabschätzung von evtl. gesundheitsgefährdenden Stoffen und epidemologische Studien sind die Grundlage zur Bewertung und Festlegung von Umweltzielen. Die Forschung muß Beiträge zur Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen leisten. Dazu gehört es, neue Ansätze in der Umweltbildung zu erarbeiten, die die Grundlagen für ein umweltverträglicheres zukünftiges Handeln der Menschen erweitern. Weiter geht es darum, die staatlichen Instrumente zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung zu überprüfen und fortzuentwickeln. Das Wissen über die Umwelt ist weltweit in den letzten Jahren auch Dank der von der Bundesregierung neu geschaffenen Forschungskapazitäten und des erhöhten Mitteleinsatzes für die Umweltforschung sprunghaft gewachsen. Jetzt gilt es, dieses Wissen anzuwenden. Energie -- Weichenstellung für eine nachhaltige Entwicklung Weltweit ist die Versorgung mit preiswerter Energie eine wesentliche Voraussetzung, daß Gewerbe und Industrien die Bedürfnisse wachsender Bevölkerungen decken können. Energieerzeugung, -verteilung und -nutzung führen derzeit jedoch noch zu hohen Umweltbelastungen. So ist die Energieerzeugung heute zu ca. einem Drittel an der weltweiten, anthropogenen Klimaänderung beteiligt. Gleichzeitig ist nachhaltige Entwicklung in anderen Bereichen ohne gesicherte und preisgünstige Energieversorgung nicht vorstellbar. Das CO2-Minderungsprogramm der Bundesregierung, das eine Senkung des CO2-Ausstoßes bis zum Jahr 2005 um 25 % unter das zum Niveau des Jahres 1990 anstrebt, stellt deshalb eine besondere Herausforderung an das Gesamtsystem der Energieerzeugung, -versorgung und -verwendung dar. Über die letzten 20 Jahre ist es in Deutschland gelungen, den Anstieg des Primärenergieverbrauchs vom Wachstum des Bruttosozialproduktes abzukoppeln. Für das CO2-Minderungsprogramm müssen jetzt weitere Einspar- und Effizienzpotentiale erschlossen werden, die sich auf den verstärkten Einsatz von Wissen, innovativen Techniken und kreativen Umsetzungsideen abstützen. Es gibt eine Vielfalt denkbarer Forschungsansätze; ihre Realisierung unter Beachtung auch der wirtschaftlichen Implikationen verlangt aber eine sorgfältige Auswahl der zu fördernden Technologien und ein zunehmendes Engagement der Wirtschaft. Der Dialog mit allen Beteiligten muß fortgeführt werden, um zu einer gemeinsamen, langfristig angelegten Strategie für Forschung und Entwicklung neuer Energietechniken zu kommen. Zu den wichtigsten Potentialen zur Erreichung des CO2-Reduktionsziels gehören der Einsatz moderner Kraftwerkstechniken bei fossil befeuerten Kraftwerken, der Bereich der Raumwärme von Gebäuden und die Anwendung neuer Techniken in Industrie und im Verkehr. Wesentliche Fortschritte auf diesen Gebieten sind nicht alleine eine Domäne der Energieforschung, sondern hängen auch erheblich von Entwicklungen in anderen Gebieten ab, z. B. der Mikroelektronik, der Informatik oder den Materialwissenschaften. Deshalb müssen diese Gebiete verstärkt in die Energieforschung einbezogen und in Leitprojekten auf eine größere Aufgabe hin gebündelt werden. Bei der Photovoltaik konnte inzwischen ein hoher technischer Stand erreicht werden. Wenn die Photovoltaik langfristig einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leisten soll, müssen jedoch insbesondere die Kosten noch erheblich gesenkt werden. Dazu müssen der Wirkungsgrad erhöht, System- und Fertigungstechniken verbessert und Lösungen gefunden werden, Photovoltaik-Anlagen in größerem Umfang preiswert in Dächer und Fassaden bestehender und neuer Gebäude zu integrieren. Darüber hinaus spielt Photovoltaik auch heute schon eine wichtige Rolle in Hochtechnologieprodukten, bei denen entweder die Kosten für die Bereitstellung von Elektrizität keinen entscheidenden Faktor darstellen oder eine netzunabhängige Stromquelle bedeutende Vorteile bringt. Die staatlich geförderte Entwicklung der Windenergie hat in Deutschland zu einem hohen Stand der Technik und zu einem inzwischen sichtbaren Anteil an der Stromversorgung geführt, so daß weitere Forschungsanstrengungen auf nur noch wenige Fragestellungen konzentriert werden können. Unter dem Aspekt der Vermeidung von CO2-Emissionen hat die Kernenergie aus derzeitiger Sicht eines der größten Potentiale. In Deutschland ist sie ein wesentlicher Bestandteil des Stromversorgungs-Mix. Praktisch alle größeren Industrienationen der Welt nutzen die Kernenergie für ihre Energieversorgung. Wenn Deutschland deshalb zur Erhöhung der Sicherheit auf die internationale Entwicklung Einfluß nehmen will, muß es selbst auf dem Gebiet der Reaktorsicherheit Weltspitze sein. Dazu ist es nicht nur nötig, eigene Kernreaktoren in vorbildlicher Weise zu betreiben, sondern auch eine unabhängige Sicherheitsforschung zu fördern. Die kontrollierte Kernfusion stellt langfristig eine Option dar, für die Energieversorgung eine neue CO2-freie Energiequelle zu erschließen. Experten schätzen, daß ein kommerzieller Fusionsreaktor nicht vor dem Jahr 2050 für energiewirtschaftliche Zwecke einsetzbar sein wird. Schon deshalb ist die Fusionsforschung eine Aufgabe, die internationale Zusammenarbeit voraussetzt und sich daher auf einen breiten Konsens über zukünftige Entwicklungslinien und Vorhaben gründen muß (vgl. Teil III, Kap. 5). 4.5 Mobilität -- Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch Die Mobilität des Menschen -- verstanden als das Bedürfnis und die Fähigkeit, sich von einem Ort zu einem anderen zu bewegen -- hat sich in den letzten Jahren und Jahrhunderten kontinuierlich gesteigert. Eine Kennziffer für Mobilität sind die pro Jahr zurückgelegten Kilometer einer Person: Lag vor 200 Jahren die durchschnittliche Kilometerleistung einer Person bei etwa 100 km pro Jahr, so waren es Anfang dieses Jahrhunderts schon knapp 1000 km, während wir heute ein Mobilitätsbudget pro Kopf und Jahr von 10 000 km erreicht haben. Prognosen gehen von weiteren Steigerungen bis zu 40 % im Jahr 2005 aus. Nicht nur die Mobilität von Personen, auch die Mobilität von Gütern ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Mobilität von Gütern ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor und eine unverzichtbare Voraussetzung für unsere arbeitsteilige Industriegesellschaft geworden. Heute sind etwa 2,3 Mio Personen in Deutschland im Verkehrsbereich tätig, zu etwa gleichen Teilen in den Bereichen Fahrzeugbau und Verkehrsdienstleistungen. Dementsprechend hat der Verkehrsbereich einen Anteil von annähernd 7,5 % am Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland. Dabei sind die Beschäftigten bei Versicherungen, Teilen der öffentlichen Verwaltung sowie im Entsorgungsbereich nicht eingerechnet. Der volkswirtschaftliche Nettobeitrag des Verkehrs zur Wertschöpfung liegt bei 15 bis 20 %. Steigender Wohlstand geht in Deutschland bislang einher mit wachsendem Verkehr. Das gesamte Verkehrsaufkommen hat sich in der Vergangenheit annähernd parallel zum Bruttoinlandsprodukt entwickelt. Für die Zukunft ist es notwendig, Wachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, d. h. die notwendige und nützliche Seite des Verkehrs, die Verkehrsleistung, auch in Zukunft zu erhalten, um Wirtschaftsentwicklung und Wohlstand zu sichern. Gleichzeitig muß jedoch dafür Sorge getragen werden, die Verkehrsbelastungen, insbesondere die Emissionen und Fahrstrecken zu verringern, also das Verhältnis von Nutzen und Aufwand im Verkehr durch eine spürbare Effizienzsteigerung des Verkehrs deutlich zu verbessern. Für den Gütertransport ist diese Entkopplung in den letzten 20 Jahren bereits teilweise gelungen. Eine verbesserte Abstimmung zwischen Verkehrs- und Siedlungsstrukturplanung kann darüber hinaus zu einer Reduzierung überflüssigen Verkehrs -- insbesondere im regionalen Maßstab -- beitragen (vgl. Teil III, Kap. 13). Mobilität der Zukunft -- Zukunft der Mobilität Die Dimensionen zukünftiger Mobilität können heute schon in recht konkreten Szenarien beschrieben werden: -- Die Lieferung von Ausrüstungsgütern von einer Fabrik in Spanien nach einem kleinen Ort in Deutschland erfolgt preiswert und schnell in kombiniertem Verkehr. Der Umschlag vom Wasser auf die Schiene für den nächtlichen Bahntransport und anschließend auf die Straße für die Anlieferung mit einem speziellen Stadtlastwagen wird in Verladeterminals erledigt. Dabei ist ein Wechsel des Transportgefäßes nicht notwendig. Der Spediteur weiß zu jedem Augenblick, wo und in welchem Zustand sich das Transportgut befindet. -- Auch im Bereich der persönlichen Mobilität werden in Zukunft die Übergänge zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln benutzerfreundlich gestaltet. Mit Hilfe einer Chipkarte, die zur Benutzung aller Verkehrsträger berechtigt, fährt der Reisende der Zukunft mit dem geliehenen Stadtauto zum Bahnhof, gibt es dort ab und reist mit einem Hochgeschwindigkeitszug zum Zielort, wo er mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln (oder auch Taxi) sein gebuchtes Hotel aufsucht. Alle Zahlungen lassen sich europaweit über eine einzige Chipkarte erledigen. Vor seiner Reise hat der Reisende seinen PTA (,,Personal Trip Assistent``) konsultiert, um aktuelle Verkehrsmeldungen und mögliche Staus zu erfahren und seine Hotelbuchung zu bestätigen. Der PTA schlug vor, angesichts der Verkehrslage mit der Bahn zu reisen und nannte die günstigste Zugverbindung. In solchen Szenarien verbindet sich die Verwirklichung der notwendigen Mobilität im privaten und im Geschäftsleben mit einer wesentlich umweltschonenderen und komfortableren Organisation des Transportvorgangs. Die einzelnen Verkehrsträger sind zu einem flexiblen Gesamtverkehrssystem zusammengewachsen, das der Bürger schnell und ohne große Zeitverluste benutzen kann. Integrative Verkehrskonzepte werden erst dann zum Durchbruch gelangen, wenn Demonstrationsprojekte mit neuen Technologien und innovativem Verkehrsmanagement im praktischen Einsatz nachweisen, daß die Vernetzung des Luft-, Schiffahrts-, Schienen- und Straßenverkehrs zu einer verbesserten Gesamtqualität des Güter- und Personenverkehrs führen wird. Solche Pilotprojekte sind nur dann erfolgreich, wenn sie für Nutzer attraktiv und für die Wirtschaft lukrativ sind. Das bedingt auch, daß die staatlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen innovationsfreundlich gestaltet und einheitliche Standards als notwendige Voraussetzung für die anschließende Umsetzung der Ergebnisse erarbeitet werden. Hier kommt dem Bund wegen der Vielzahl der beteiligten unterschiedlichen Interessenlagen (Kommunen, Länder, Hersteller, Betreiber, Nutzer) eine maßgebliche Moderatorenrolle zu. Forschungsstrategien des Bundes für eine zukünftige Gestaltung von Mobilität und Verkehr Im Verkehrswesen liegt die zentrale Herausforderung für die Zukunft darin, wachsenden Verkehrsbedarf und Umweltschutz sowie eine funktionsfähige Raum- und Siedlungsstruktur miteinander zu vereinbaren. Aufgabe für Forschung und Entwicklung ist es, die Voraussetzungen für ein integriertes Verkehrsgesamtkonzept zu schaffen, das effizient und sicher die Mobilität von Personen und den Transport von Gütern ermöglicht, dabei ein Höchstmaß an Umweltverträglichkeit aufweist, die Lebensqualität der Menschen erhöht und die Attraktivität des Standortes Deutschland im internationalen Wettbewerb erhält. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Förderung anwendungsorientierter Entwicklungen und Demonstrationsvorhaben. Im Mittelpunkt der FuE-Aktivitäten wird daher die bessere Vernetzung und Verknüpfung der Verkehrsträger Straße, Schiene, Wasser, Luft zu einem leistungsfähigen und effizienten Verkehrsgesamtsystem, in dem die Verkehrsträger aufeinander abgestimmt agieren, stehen. Moderne Systeme der Kommunikations-, Leit- und Informationstechnik im Verkehr, zusammengefaßt unter dem Begriff ,,Telematik``, schaffen die Voraussetzung dafür. Sie müssen deshalb interoperabel gestaltet und auf einheitliche Standards -- auch auf europäischer Ebene -- gebracht werden, um die innovations- und ordnungspolitischen Maßnahmen in Zukunft wirksam zu ergänzen und zu unterstützen. Nur dann lassen sich Verkehrsabläufe sowohl im Personen- als auch im Güterbereich arbeitsteilig gestalten, so daß die systemspezifischen Stärken einzelner Verkehrsträger für bestimmte Transportzwecke zum Tragen kommen. Die Verbesserung des Verkehrsmanagements bei einzelnen Verkehrssystemen und -trägern sowie die systemübergreifende Organisation von Verkehrsströmen schaffen Voraussetzungen und Anreize für die Verlagerung von Verkehr auf weniger ausgelastete und/oder ökologisch günstigere Verkehrsmittel. Da die Nutzung von Telematiksystemen und -diensten im Verkehr einen bedeutenden Zukunftsmarkt für die Wirtschaft darstellt, ist in erster Linie die Wirtschaft gefordert, die Entwicklung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Im Bereich des Personenverkehrs müssen die Attraktivität und Benutzerfreundlichkeit des öffentlichen Verkehrs gesteigert sowie die Übergänge zwischen Bahnen und Bussen sowie zwischen dem Individual- und dem öffentlichen Verkehr verbessert werden, um günstigere Voraussetzungen für die Veränderung der Verkehrsmittelwahl zugunsten des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs zu bewirken. Im ÖPNV werden moderne verkehrstechnische Systemangebote benötigt, die einen kostengünstigen Betrieb im Ballungsraum und in der Fläche ermöglichen. Auch im Güterverkehr gilt es, die Übergangswiderstände zwischen einzelnen Verkehrssystemen zu verringern und Umschlagvorgänge mit intelligenter Technik schnell und kostengünstig zu organisieren. Durch die Bahnreform hat die Bundesregierung wesentliche ordnungs- und investitionspolitische Rahmenbedingungen für eine stärkere Nutzung der Schiene geschaffen. Nun müssen durch neue, effiziente Technologien die Zugbildung, -steuerung und -verfolgung, das Antriebskonzept, die Umschlagsabwicklung und die logistische Verknüpfung mit Spediteuren und Verladern unterstützt werden. Zudem müssen zur Transportabwicklung und -überwachung offene Informations- und Kommunikationssysteme eingesetzt werden, damit Transportketten sinnvollerweise durch Informationsketten ergänzt werden. Das verkehrspolitische Ziel ist dabei, den Gütertransport auf der Schiene in Kooperation mit dem Speditionsgewerbe und der verladenden Wirtschaft so effizient zu gestalten, daß der ,,Kombinierte Verkehr`` einen überproportionalen Marktanteil an den Gütertransportzuwächsen erreichen kann. Der Einbindung der Binnen- und Küstenschiffahrt in Gütertransportketten muß besondere Aufmerksamkeit beigemessen werden, da es hier ein großes Potential freier und ökologisch günstiger Transportkapazität gibt. Es wird darauf ankommen, gemeinsam mit der Wirtschaft solche Konzepte zu fördern, die für eine spätere Umsetzung besonders geeignet erscheinen. Es müssen aber auch die Kapazitäten der bestehenden Verkehrssysteme und -infrastrukturen modernisiert und besser ausgenutzt werden. Der Innenstadtverkehr würde eine spürbare Entlastung erfahren, wenn durch geeignete Leit- und Informationssysteme die Suche nach dem Zielort oder einem freien Parkplatz vereinfacht würde. Auch auf der Autobahn sowie bei den Verkehrsträgern Schiene, Wasser und Luft können intelligente Leitsysteme Verkehrsströme flüssiger gestalten und Verkehrsabläufe beschleunigen. Durch elektronisches Flotten- und Kapazitätsmanagement sind der Einsatz sowie die Auslastung von Fahrzeugen mit dem Ziel zu optimieren, weniger Verkehr entstehen zu lassen. Dabei könnten erhebliche Kosten eingespart werden. Auch die Weiterentwicklung der Telekommunikation, der Teledienste sowie der Telekooperation kann dazu beitragen, physischen Verkehr teilweise durch Informationsverkehr zu ersetzen und Verkehrsströme zeitlich zu verschieben, um Verkehrsspitzen zu reduzieren. Die Verminderung der Umweltbelastung sowie die Verringerung des Ressourcenverbrauchs sowohl bei der Fahrzeugproduktion als auch beim - betrieb sind bei allen Verkehrsträgern und -systemen unmittelbare Herausforderungen an Forschung und Entwicklung. Nur wenn es gelingt, Energieverbrauch und Schadstoffausstoß deutlich zu reduzieren, erhalten künftige Generationen die Chance, mobil zu bleiben. Die wichtigsten Aufgabenfelder in diesem Bereich sind die Verbesserung konventioneller und die Entwicklung neuer Antriebe, Gewichtsreduzierung im Fahrzeugbau durch neue Materialien und Verfahren sowie die Verbesserung der Aerodynamik und die Lärmreduzierung. Mittelfristig wird zwar mit energieverbrauchsreduzierenden Maßnahmen ein größerer Beitrag zur Umweltentlastung zu erreichen sein als mit dem Einsatz regenerativer Energieträger. Längerfristig werden jedoch alternative Energie- und Antriebskonzepte einen größeren Beitrag zur Lösung der Energieversorgungs- und Umweltprobleme leisten. Es ist Aufgabe der Forschungspolitik, die vielfältigen alternativen Energie- und Antriebskonzepte sowie die möglichen Energieerzeugungspfade hinsichtlich ihres Reifegrades und Entwicklungspotentials zu bewerten, ggf. weiter zu fördern und die politischen Rahmenbedingungen für ihre Nutzung günstig zu gestalten. Umweltgerechte Produktionsverfahren im Fahrzeugbau und recyclinggerechte Konstruktion und Herstellung mit dem Ziel einer möglichst umfassenden Kreislaufwirtschaft sind weitere Ziele. Trotz großer Erfolge der letzten Jahre zeigt die immer noch zu hohe Zahl der Verletzten und Toten im Verkehr, daß die Erhöhung der Verkehrssicherheit weiterhin prioritär bleibt. Ansatzpunkte für die Straßenverkehrsforschung sind die aktive und passive Fahrzeugsicherheit, aber auch die Straßeninfrastruktur. Wichtig ist, daß in Zukunft Mobilität und verkehrsauslösende Faktoren sowie ihre Wechselwirkungen besser verstanden werden. Deshalb soll die Verkehrssystemforschung im universitären als auch im außeruniversitären Bereich gestärkt werden. Verkehr ist die unmittelbare Folge der sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen und wird von sich wandelnden gesellschaftlichen, ökonomischen und technologischen Faktoren beeinflußt. Je besser diese Zusammenhänge erkannt sind, desto fundierter und verläßlicher werden die Prognosen der Verkehrsentwicklung als Basis künftiger Verkehrskonzepte. 4.6 Wettbewerbsfähigkeit durch internationale Kooperation Ziele der forschungs- und technologiepolitischen Zusammenarbeit mit dem Ausland Die internationale Zusammenarbeit in Forschung und Technologie ist eine der tragenden Säulen der internationalen Beziehungen Deutschlands. Sie leistet seit jeher einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung übergeordneter politischer Ziele, etwa durch Hilfen für die Dritte Welt, durch Unterstützung des friedlichen Wandels in Mittel- und Osteuropa oder auch im Nahen Osten. Von großer Bedeutung sind daneben die Interessen und Ziele, die sich originär aus Sicht der Forschungs- und Technologiepolitik ergeben. Dazu gehören -- Kooperation mit Know-how-Transfer zum wechselseitigen Vorteil und zur Stärkung des Forschungs- und Technologiestandorts Deutschland; -- wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit als Basis intensivierter Wirtschaftsbeziehungen; Unterstützung deutscher Unternehmen auf Zukunftsmärkten; -- Lösung wichtiger Gegenwartsprobleme, die sich z. B. in den Umwelt- und Geowissenschaften stellen und nur in grenzüberschreitendem Zusammenwirken gelöst werden können; -- Zusammenführung der weltweit verfügbaren geistigen Ressourcen und internationale Arbeitsteilung, um hochkomplexe Forschungsaufgaben, wie z.B. in der Genom- oder Klimaforschung, mit Aussicht auf Erfolg bearbeiten zu können; -- Kostenteilung z. B. bei Großgeräten und Forschungsinfrastruktur (z. B. Hochenergiephysik, Kernfusion, Raumfahrt), deren Finanzierung die Leistungskraft selbst größerer Staaten übersteigen; -- sinnvolle Ergänzung der deutschen nationalen Forschungsprogramme. Deutschland muß auch in Zukunft nicht nur in Europa, sondern weltweit ein Standort bleiben, an dem Ergebnisse innovativer Forschung und Technologieentwicklung nicht nur erarbeitet, sondern auch angewandt werden. Internationale Offenheit und Kooperationsfähigkeit ist hierfür eine Grundvoraussetzung, die z. B. durch die Mobilität der Forscher und Auslandserfahrungen des wissenschaftlichen Nachwuchses gestärkt wird. Die Bundesregierung fördert daher den Personenaustausch z. B. im Rahmen von Hochschulpartnerschaften oder Programmen zur individuellen Weiterqualifizierung. In deren Rahmen hielten sich 1994 rd. 47 000 (davon 12 000 aus EU-Mitteln) deutsche Studierende und Wissenschaftler im Ausland auf. Außerdem wurde im gleichen Jahr ein Deutschlandaufenthalt von 23 000 ausländischen Studierenden und Wissenschaftlern gefördert (vgl. Teil III, Kap. 22). Mit wettbewerbsorientierten Industriestaaten ist eine Zusammenarbeit insbesondere dort sinnvoll, wo gleichgerichtete Interessen und komplementäre Fähigkeiten schnellere und bessere Ergebnisse und -- nicht zuletzt -- erhebliche Kostenersparnis versprechen. So liegt das Schwergewicht auf arbeitsteiligen Großprojekten (z. B. Weltraumforschung), Forschungsvorhaben im öffentlichem Interesse (z. B. Gesundheitsforschung) und Grundlagenforschung. Ein wachsender Teil der Kooperation mit Industriestaaten findet dabei im Rahmen multilateraler Aktivitäten statt. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Bedeutung, die wissenschaftlich-technische Kooperation häufig erlangt, wird die Bundesregierung die wissenschaftlichen und technologischen Beziehungen mit solchen außereuropäischen Ländern ausbauen, -- deren Firmen in Europa Produktions- oder Forschungsstandorte suchen und für die die starke FuE-Basis in Deutschland zusätzlichen Anreiz für Investitionen hierzulande darstellt; -- mit denen eine engere Zusammenarbeit in Wissenschaft, Forschung und Technologie auch Chancen für den Export deutscher Hochtechnologie oder höherwertiger Produkte eröffnet, sei es in bezug auf das betreffende Land oder auch einen größeren Markt; -- in denen ein Engagement deutscher Wissenschaftler auch die wirtschaftlichen Beziehungen günstig beeinflußt. Bei den Entwicklungsländern steht traditionell der Aufbau einer zweckmäßigen wissenschaftlich-technischen Infrastruktur sowie der Einsatz an die dortigen Verhältnisse angepaßter Technologien im Vordergrund. In etlichen der langjährigen Partnerstaaten Deutschlands, die heute zu den Schwellenländern zählen, hat sich inzwischen eine beachtliche Schicht fachlich hervorragender Wissenschaftler und Ingenieure sowie eine ganze Reihe erstklassiger Labors entwickelt. Zusammen mit einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung in diesen Ländern bestehen hier jetzt auch gute Voraussetzungen für eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen (vgl. Teil V, Kap. 2.1.5). Instrumente und Dimensionen der Zusammenarbeit in Forschung und Technologie Die Formen der Zusammenarbeit reichen von bilateralen Vereinbarungen und Vorhaben über die Koordinierung nationaler Forschungsvorhaben mit einem oder mehreren Ländern bis hin zu weitreichender Abstimmung im Rahmen der EU (vgl. Teil V, Kap. 1). Mit den Staaten Europas findet intensive und enge Zusammenarbeit auf einer Vielzahl von Wegen statt. Dies sind insbesondere -- die Programme für Forschung, technologische Entwicklung und Innovation der EU, -- die multilateralen Kooperationsrahmen EUREKA und COST, -- die Zusammenarbeit zur Erforschung und Nutzung des Weltraums in der ESA, -- die bewährte Zusammenarbeit bei Errichtung und Betrieb besonderer Großgeräte und gemeinsam finanzierter Forschungseinrichtungen bzw. Forschungsorganisationen. Auch in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kooperiert die Bundesrepublik Deutschland im multilateralen Rahmen. Im Rahmen des ,,Megascience Forum`` der OECD stimmen sich die Mitgliedsregierungen über große Projekte und Programme ab. Deutschland wird sich an Arbeitsgruppen zu den Themen Neutronenquellen, Zugang zu Großgeräten und rechtliche und administrative Hindernisse der Zusammenarbeit beteiligen. Diese Aktivitäten sind allerdings subsidiär zu der Meinungsbildung in der scientific community selbst zu sehen. Durch ihre Mitwirkung erwartet die Bundesregierung, daß künftig gemeinsame, von der Wissenschaft erarbeitete Vorhaben erleichtert und eine Bündelung der Ressourcen erreicht wird. Für die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit (WTZ) mit dem außereuropäischen Ausland ist dagegen die bilaterale WTZ mit einzelnen Partnerstaaten heute noch charakteristisch. Allerdings gewinnen große internationale Forschungsprogramme wie das Human Frontier Science Program (HFSP), das Internationale Geosphären-Biosphären-Programm (IGBP) oder das Weltklimaforschungsprogramm (WCRP) hier an Bedeutung. Europäische Ansätze und Perspektiven Im Mittelpunkt der Forschungs- und Technologiezusammenarbeit mit den Ländern Europas steht die EU. Im Jahre 1995 wurden das 4. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung sowie das zeitgleich bis 1998 laufende EURATOM-Rahmenprogramm gestartet. Bis 1998 stehen hierfür rd. 24,7 Mrd DM zur Verfügung. Die Forschung in der Bundesrepublik Deutschland profitiert von den europäischen Forschungsprogrammen: -- Die von der EU gezielt geförderte Vernetzung und der Aufbau europäischer Partnerschaften erweitert auch für deutsche Forschung und Wirtschaft die Basis im weltweiten Wettbewerb; -- in wichtigen Schlüsselbereichen wie Mikroelektronik und Telekommunikation haben europäische Programme wesentlich dazu beigetragen, im weltweiten Wettbewerb aufzuholen oder führende Positionen zu verteidigen; -- in der Fusionsforschung beruht die deutsche und europäische Spitzenstellung auf dem europäischen Fusionsprogramm; -- europäische Umweltforschung konnte ihren hohen Standard nur durch europaweite Förderung erreichen; -- das europäische Innovationsprogramm trägt zur Vernetzung der Innovationssysteme der Mitgliedstaaten bei. Das 4. Rahmenprogramm (einschließlich EURATOM) kann auf den guten Erfahrungen mit den vorhergehenden Rahmenprogrammen aufbauen. Es faßt erstmals alle FuE-Förderaktivitäten der Gemeinschaft zusammen und enthält wichtige neue Komponenten, insbesondere -- eine gezielte Unterstützung von KMU in allen Programmteilen, -- verstärkte Unterstützung anderer Politikbereiche, z. B. durch gezielten Ausbau von Themen wie Verkehrsforschung und Biomedizin, -- Ausbau der Grundlagen für die gesellschaftliche Weiterentwicklung der Gemeinschaft durch Förderung der sozioökonomischen Forschung, -- die Innovationsförderung. Auf dieser Basis gilt es, die neuen Chancen in Europa zu nutzen und die neuen Herausforderungen zu bestehen. Dies heißt insbesondere, -- Europa noch effektiver als bisher auf den technologischen weltweiten Wettbewerb vorzubereiten und damit Arbeitsplätze zu sichern und den Wohlstand zu entwickeln; -- die Voraussetzungen für moderne Spitzenforschung und innovative Technologieentwicklung zu sichern durch optimale Infrastruktur, aber auch hinreichend flexible Rahmenbedingungen; -- die Länder Mittel- und Osteuropas auch über die EU nachhaltig in ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihnen damit den Weg zu einer Mitgliedschaft zu ebnen; -- der wachsenden internationalen Verantwortung Europas, insbesondere gegenüber den benachbarten Regionen, wie den GUS-Staaten und dem Mittelmeerraum, gerecht zu werden. Die Bundesregierung begrüßt deshalb die Initiative der Kommission, die europäische Forschungsförderung mehr als bisher auf aktuelle Themen von strategischer Bedeutung für die Gesamtentwicklung Europas zu konzentrieren. Die EU-Kommission hat seit Frühjahr 1995 interne Arbeitsgruppen -- sog. Task forces -- z. B. zu den Themen Flugzeug der Zukunft, kombinierter Verkehr, Impfstoffe/Viruserkrankungen, Multimedia-Software für Bildungszwecke und Umwelttechnologie/Wasser eingesetzt, die aufgrund intensiver Gespräche mit Wirtschaft und Wissenschaft Konzepte für strategische Initiativen erarbeiten. Die Konzentration auf Schlüsselprojekte kann ein wichtiger Schritt sein, das Gewicht europäischer Forschungsförderung zu verstärken. Konzentration unter Nutzung der Stärken europäischer Wissenschaft und Wirtschaft, jedoch ausreichende Breite im Interesse des Zusammenwachsens Europas unter Beachtung des Subsidiaritätsprinzips muß die Grundorientierung europäischer Forschungsförderung sein, die dem Rahmenprogramm ein europäisches Profil geben. Europäischer Mehrwert würde dagegen nicht erreicht, wenn das EU-Rahmenprogramm lediglich zur Schließung von Finanzierungslücken in den einzelnen nationalen FuE- Programmen herangezogen würde. Eine stärkere Schwerpunktbildung wird außerdem die Abstimmung europäischer Forschungsförderung mit nationalen Programmen unter Subsidiaritätsgesichtspunkten wesentlich erleichtern. Die ,,Koordinierung der gemeinschaftlichen und der nationalen FuE- Politiken`` geht auf die Initiative der Bundesregierung während ihrer Präsidentschaft im zweiten Halbjahr 1994 zurück. Der Rat hat im ersten Halbjahr 1995 unter französischer Präsidentschaft die notwendigen Grundsatzbeschlüsse gefaßt. Jetzt kommt es darauf an, die Erarbeitung des 5. Rahmenprogramms an Schwerpunkten gesamteuropäischer Dimension zu orientieren. Die gewachsene Bedeutung der EU-Forschungsförderung wird von der Bundesregierung begrüßt. Die Bundesregierung plädiert aber gerade wegen der gestiegenen Bedeutung für eine stärkere Einbindung der Wissenschaft selbst in den Beratungs- und Entscheidungsfindungsprozeß der EU- Kommission und -- wo möglich -- für eine dezentrale Umsetzung der Programme. Dies kann in geeigneten Fällen zu kürzeren Wegen, größerer Sachnähe und damit zur Steigerung der Effizienz führen. Neben der EU-Forschungsförderung kommt den dezentralen Kooperationsmechanismen EUREKA und COST besondere Bedeutung zu: -- Neben der direkten Forschungsförderung durch die EU stellt EUREKA ein wichtiges Instrument zur Schaffung einer europäischen Technologiegemeinschaft dar. Mit ihrem großen Mitgliederkreis (24 europäische Staaten und die EU), ihrer Öffnung gegenüber Mittel- und Osteuropa, dem projektbezogenen anwendungsorientierten Ansatz und einer grundsätzlichen Offenheit für die Beteiligung von Drittstaaten bietet EUREKA eine geeignete Plattform für europäische Kooperation, insbesondere im industriellen Bereich. Gerade im Zuge der angestrebten Konzentration der EU-Forschungsförderung wird die bessere Nutzung der EUREKA-Kooperation zur bedarfsgerechten Themenfindung innerhalb der europäischen Fachprogramme von wachsender Bedeutung sein (vgl. Teil V, Kap. 1.3.1). -- COST, als Rahmen der Koordinierung europäischer Wissenschaft und Forschung, konzentriert seine Tätigkeit auf Grundlagenforschung und auf Forschung von öffentlichem Interesse oder im Vorfeld wirtschaftlicher Anwendung. Durch die flexiblen Möglichkeiten zur frühen Einbeziehung von mittel- und osteuropäischen Ländern hat COST eine auch in den nächsten Jahren erforderliche spezifische Integrationsfunktion bei der Vollendung Europas erhalten. Bei stärkerer Konzentration der direkten europäischen Forschungsförderung kann COST eine besondere Rolle spielen für die Entwicklung neuer Themen, die später für die Fortschreibung von Gemeinschaftsprogrammen in Betracht kommen (vgl. Teil V, Kap. 1.3.2). Europäische Raumfahrt Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist wichtigstes Instrument der deutschen Raumfahrtpolitik neben dem deutschen nationalen Programm. Auf der Basis einer deutsch-französischen Verständigung in Grundsatzfragen konnten im Oktober 1995 die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, die Europa einen eigenständigen Zugang zum Weltraum sichern und seine Kompetenz als Kooperationspartner der anderen führenden Raumfahrtnationen ausbauen. Die Beteiligung an der Internationalen Raumstation unterstreicht diese Intention. Repräsentativ für den Erfolg der europäischen Zusammenarbeit in der Raumfahrt sind die europäische Trägerrakete Ariane, die heute als Marktführer auf dem Weltmarkt für kommerzielle Satellitenstarts einen Anteil von ca. 60 % auf sich vereinigt, und der erfolgreiche Start des europäischen Erdbeobachtungssatelliten ERS 2 im April 1995 (vgl. Teil V, Kap. 1.3.3). Zusammenarbeit bei Großgeräten Die vierte wichtige Komponente europäischer Forschung ist die seit Jahrzehnten funktionierende Zusammenarbeit bei Errichtung und Betrieb von Großgeräten. Die Orientierung der Zusammenarbeit am Einzelfall hat sich bewährt. Der Beschluß über den Bau des Großbeschleunigers LHC bei CERN, die Inbetriebnahme der Synchrotron-Strahlungsanlage ESRF im Jahr 1994 und die Wiederinbetriebnahme des Höchstflußreaktors des ILL in Grenoble sind erfolgreiche Beispiele der positiven Entwicklung eines ,,Europas der Forschung``. Die Bundesregierung setzt sich mit Nachdruck für die Einbeziehung von Drittstaaten wie USA, Japan, Kanada und Rußland am LHC ein, um zu einer Optimierung von Bauzeit und Ausstattung zu gelangen (vgl. Teil III, Kap. 2; Teil V, Kap. 1.3.4, 1.3.7, 1.3.8). Regionale Schwerpunkte außerhalb Europas Ein herausragender Schwerpunkt der bilateralen Beziehungen ist die Zusammenarbeit mit Israel, die bereits seit über 30 Jahren besteht. Säulen der Kooperation sind die gemeinsame Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (GIF), die Förderung deutsch-israelischer Kooperationszentren über die Minerva Stiftung Gesellschaft für die Forschung mbH und die von den beiden Forschungsministerien unmittelbar geförderten Forschungsvorhaben. Zusätzliche, wichtige Impulse werden von dem 1995 eingerichteten Deutsch-Israelischen Kooperationsrat für Hoch- und Umwelttechnologien (DIKHUT) erwartet. Die Bundesregierung hat durch Verabschiedung der Asien- und Lateinamerikakonzepte deutlich gemacht, daß sie der Entwicklung in diesen Regionen durch eine einheitliche und koordinierte Politik Rechnung tragen will. Die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit ist dabei ein wesentliches Element. Das ,,Konzept für die wissenschaftlich-technische Kooperation im asiatisch-pazifischen Raum`` des BMBF wurde am 20. Oktober 1995 veröffentlicht, eines für die Zusammenarbeit mit Lateinamerika ist in Vorbereitung. Übergeordnetes Ziel ist es, die oftmals über zwanzig Jahre alte Kooperationserfahrung zu nutzen, um -- die industrielle, wissenschaftliche und technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands mit dem Bedarf und den Möglichkeiten in diesen Ländern zusammenzubringen und angemessen an der Entwicklung deren Potentials mitzuwirken; -- das gemeinsame Bewußtsein für ökologische Risiken zu stärken, technologische und wirtschaftliche Lösungen voranzubringen und Märkte zu erschließen; -- der großen Nachfrage nach qualifizierter Ausbildungsleistung durch geeignete Angebote in Deutschland zu entsprechen, weil dies für eine längerfristige Pflege der Beziehungen sowohl in kultureller, wissenschaftlicher als auch wirtschaftlicher Hinsicht unentbehrlich ist; -- das dynamische Geschehen und die kulturellen Gegebenheiten in diesen Regionen besser zu verstehen und hierzulande zu vermitteln. In diesem Verständnis wird das BMBF die Projektkooperation auf den Gebieten der Zukunftstechnologien intensivieren. Dies wird in den Bereichen Bildung und Ausbildung durch konzentrierte Bemühungen um Verstärkung des Austauschs ergänzt. Gerade im Interesse einer längerfristig orientierten Pflege der Beziehungen ist es erforderlich, in den angesprochenen Regionen das Interesse an einem Studium in Deutschland wiederzubeleben (vgl. Teil V, Kap. 2.1.2). Ein wichtiges Element des Asienkonzepts der Bundesregierung, das ,,Wissenschafts- und Technologiebüro in Schanghai``, ist im Februar 1996 beschlossen worden. Getragen von der Fraunhofer-Gesellschaft, der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt, den Forschungszentren Jülich und Karlsruhe und mit Unterstützung von Max- Planck-Gesellschaft und Deutscher Forschungsgemeinschaft wird es die Beziehungen zur VR China intensivieren. So soll das WTB Schanghai im beiderseitigen Interesse der VR China und Deutschlands liegende, FuT- orientierte und wirtschaftsnahe Kooperationsfelder identifizieren, intensive Kontakte zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik beider Länder organisieren und hierzu benötigte Informationen sammeln (vgl. Teil V, Kap. 2.1.4). Die Zusammenarbeit mit den Staaten Mittel- und Osteuropas und mit der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist geprägt vom Programm der Bundesregierung zur Unterstützung dieser Staaten beim Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft, das im Jahre 1992 beschlossen wurde. Ziel der Zusammenarbeit ist es, zur Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beizutragen und die Kooperationsfähigkeit der Partner zu erhalten. Deutschland hat in Anbetracht der langjährigen Kooperationsbeziehungen von Forschern aus den neuen Ländern zu Forschungseinrichtungen und Hochschulen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und in den mittel- und osteuropäischen Staaten gute Voraussetzungen, eine Brückenfunktion zwischen Ost und West in Europa auszuüben. Ebenso wichtig ist es, das zum Teil sehr beachtliche wissenschaftlich-technische Potential dieser Länder für eine Kooperation auch mit deutschen Unternehmen erschließen zu helfen. Im Rahmen verschiedener Programme wurde in den letzten Jahren eine Vielzahl transnationaler Kooperationen angestoßen bzw. vertieft. Hier wie in anderen Programmen kommt der Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten ein natürlicher Schwerpunkt zu (vgl. Teil V, Kap. 1.2). Wissenschaft und Forschung sind unabdingbar für eigenständigen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt auch der Entwicklungsländer. Die Länder des Südens benötigen eine eigenständige Forschung, um einen selbständigen Beitrag zu ihrem Entwicklungsprozeß leisten und zum eigenen Nutzen am internationalen wissenschaftlichen Kommunikationsprozeß partizipieren zu können. Akademisch ausgebildete Fach- und Führungskräfte sind darüber hinaus die Garanten dafür, daß ein Land eigene nationale Entwicklungskonzepte erarbeiten und ausführen kann. Das BMZ unterstützt die universitäre und die außeruniversitäre Forschung in Entwicklungsländern mit jährlich rd. 30 Mio DM für speziell auf die Bedürfnisse in den jeweiligen Ländern zugeschnittene Maßnahmen. Dazu gehören Forschungskooperationen zwischen Universitäten, deren Ergebnisse bei der Lösung von Entwicklungshindernissen angewendet werden können. Nachwuchswissenschaftler werden mit Stipendien bei ihren Forschungsvorhaben unterstützt. Förderungsschwerpunkt ist die postgraduale Ausbildung -- entweder an Universitäten in den Entwicklungsländern selbst oder im Rahmen von praxisbezogenen Aufbaustudiengängen in Deutschland (vgl. Teil V, Kap. 2.1.5). Telekooperation ,,Der massive Einsatz der Informations- und Kommunikationstechniken wird Inhalte und Strukturen der Arbeit in weiten Bereichen verändern. Der gegenwärtige Strukturwandel in der Arbeitswelt, der durch Dezentralisierung der Unternehmensstrukturen, Konzentration auf das Kerngeschäft mit gleichzeitigem ,,Outsourcing``, Netzwerkbildung und Auflösung des herkömmlichen Normalarbeitsverhältnisses gekennzeichnet ist, kann durch die neuen Techniken noch beschleunigt werden. In sog. virtuellen Unternehmen mit einer Vielzahl freier Mitarbeiter sind Unternehmen über Datennetze miteinander verbunden und arbeiten in Partnerschaft auf Zeit unter wechselnden Firmenschildern zusammen. Die Kooperation dezentraler Einheiten (einzelne Arbeitsplätze, Betriebseinheiten, ganze Betriebe, Wirtschaftszweige), dazu noch im internationalen Rahmen, wird vielfach zu einer verstärkten Neustrukturierung von Arbeitsteilung und Arbeitszusammenhängen zwischen Konzernen, Unternehmen und Betrieben in Raum und Zeit führen, und dies mit der Folge, daß sich nicht nur bisherige Berufsbilder ändern können, sondern auch Arbeitsverhältnisse, Organisationsformen von Unternehmen sowie Kooperations- und Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Betrieben und Unternehmen. Bezogen auf das Arbeitsverhältnis sind die Auswirkungen ambivalent: Zum einen können Arbeit und individuelle Lebensplanung besser miteinander vereinbart werden, zum anderen können in Beschäftigungsverhältnissen mit mangelnder rechtlicher Absicherung und bei scheinbarer Selbständigkeit neue Abhängigkeiten entstehen, die den Arbeitnehmern unzumutbare Risiken aufbürden." Quelle: Feststellungen und Empfehlungen des Rates für Forschung, Technologie und Innovation ,,Informationsgesellschaft -- Chancen, Innovationen und Herausforderungen", Dezember 1995 Potential der Telearbeit ,,Die Auffassungen, was unter Telearbeit zu verstehen ist, erstrecken sich von regelmäßiger abhängiger Arbeit in häuslicher Umgebung unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken über gelegentliche, ortsunabhängige Informationsbe- und -verarbeitung bis hin zu mobiler Arbeit mittels elektronischer Medien, die auch die Arbeit von Freiberuflern und Selbständigen einschließt. Telearbeit wird -- je nach Branchen unterschiedlich stark ausgeprägt -- neben die herkömmlichen Arbeitsformen treten. Wenn es gelingt, entsprechend den Zielvorstellungen des ,,Bangemann-Berichts`` die Zahl der Telearbeiter in der EU bis zum Jahre 2000 auf rd. 2 Mio zu erhöhen, würde dies für die Bundesrepublik Deutschland -- entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil in der EU -- etwa 800 000 Telearbeitsplätze entsprechen. In vielen Fällen wird sich die Telearbeit dabei nicht vollständig außerhalb der Betriebsstätten und Büros abspielen; je nach Bedarf und Einsatzfeld wird eine zwischenzeitliche Anwesenheit notwendig sein. Umfragen zeigen, daß insbesondere Teilzeitbeschäftigte und Menschen, die aus verschiedenen Gründen eine größere Flexibilität im Arbeitsleben wollen, ein Interesse an den verschiedenen Formen der Telearbeit haben. So können Arbeitnehmer durch Telearbeit Familie und Beruf besser in Einklang bringen. Der Zeitaufwand für Fahrten zum Arbeitgeber sinkt deutlich, wobei zu berücksichtigen ist, daß nur ein kleiner Teil der Arbeitnehmer ganz auf einen Arbeitsplatz im Büro verzichten möchte. Vor allem das Kredit- und Versicherungsgewerbe, die unternehmensbezogenen Dienstleistungsbereiche und die öffentliche Verwaltung eignen sich Umfragen zufolge als potentielle Anwendungsbereiche für Telearbeit. Mit zunehmender Unternehmensgröße nimmt auch das Interesse der Entscheidungsträger an Telearbeit zu. Betriebswirtschaftlich werden Produktivitätssteigerungen von bis zu 20 % sowie Zeit- und Kostenersparnis, insgesamt also eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen erwartet. Gesamtwirtschaftlich gesehen führt die Telearbeit zu Investitionen von mehreren hundert Mio DM pro Jahr. Das Umsatzvolumen von Telearbeitsplätzen wird im Jahr 2000 auf über 50 Mrd DM beziffert. Telearbeitsplätze entlasten auch die Umwelt. Studien rechnen bei 800 000 Telearbeitern mit einem Einsparungspotential von rd. 3,2 Mrd gefahrenen Kfz-km pro Jahr." Quelle: Bericht der Bundesregierung ,,Info 2000 -- Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft``, 1996 Forschungsförderung durch die Wirtschaft Die Wirtschaft hat über Forschungsaktivitäten in ihren eigenen Forschungsstätten hinaus eine große Zahl von Förderinitiativen eingebracht, die zum Erfolg des Forschungs- und Innovationssystems Deutschlands beitragen. Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) Die AiF fördert, unterstützt durch Mittel des BMWi, die industrielle Gemeinschaftsforschung; ihr gehören mehr als 100 Forschungsvereinigungen an. Sie bemüht sich vor allem darum, die strukturbedingten Nachteile der kleinen und mittleren Unternehmen auszugleichen. Da diese keine eigenen Forschungseinrichtungen unterhalten können, bietet die industrielle Gemeinschaftsforschung ihnen die Möglichkeit, Forschungsergebnisse zu nutzen und dadurch ihre Innovationskraft zu stärken. Stiftungen Unter den Initiativen aus der Wirtschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung sind die Stiftungen hervorzuheben. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft beispielsweise, eine Gemeinschaftsaktion der Wirtschaft, fördert Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre und regt die Öffentlichkeit zur Förderung von Wissenschaft und Technik an. Stellvertretend für die Vielzahl der Stiftungen seien außerdem die Volkswagenstiftung, die Thyssen-Stiftung, die Robert Bosch Stiftung, ferner die Deutsche Bundesstiftung Umwelt genannt. Die Stiftungen haben eine wichtige Funktion in der Wissenschaftslandschaft, die weit über den quantitativen Anteil am Wissenschaftsbudget Deutschlands hinausgeht. Sie greifen u. a. Themenfelder auf, die von anderen Mittelgebern nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch übernehmen sie häufig eine Vorreiterrolle und tragen zu Ausgewogenheit und Chancengleichheit in Wissenschaft und Technik bei. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Die DFG ist die größte Forschungsförderorganisation in Deutschland. Als Selbstverwaltungsorganisation der deutschen Wissenschaft dient die DFG kraft Satzung der Wissenschaft in allen ihren Zweigen durch finanzielle Unterstützung von Forschungsaufgaben und durch die Förderung der Zusammenarbeit unter den Forschern. Der Förderung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses gilt ihre besondere Aufmerksamkeit. Sie wählt die wissenschaftlichen Mitglieder ihrer Organe selbst. Prinzipien ihrer Fördertätigkeit sind gemäß dem Grundsatz der Selbststeuerung der Wissenschaft: -- Eigeninitiative der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Beantragung selbstdefinierter und eigenverantwortlich durchzuführender Forschungsvorhaben; -- Begutachtung der Förderungsanträge durch qualifizierte und anerkannte, ehrenamtlich arbeitende Wissenschaftler nach dem Maßstab der wissenschaftlichen Qualität; -- Wettbewerb um begrenzte finanzielle Mittel. Neben der Stimulierung der Forschung durch Einzelvorhaben wirken die Förderverfahren der Gemeinschaftsprojekte -- hervorzuheben sind Sonderforschungsbereiche und Schwerpunktprogramme -- in der Forschungslandschaft strukturbildend. Innovative wissenschaftliche Impulse werden auch von Sonderprogrammen der DFG erwartet, durch die schwerpunktmäßig Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler gefördert werden. Ein wichtiges Element zur Strukturierung und Unterstützung der Forschungslandschaft in den neuen Ländern ist das Förderprogramm der Innovationskollegs (IK), das mit Sonderfinanzierung des Bundes von der DFG betreut wird. Die Bewertungs- und Förderverfahren der DFG sind als breitenwirksame Maßnahmen für die Qualität der Forschung in Deutschland von großer Bedeutung. Damit hat die DFG für die deutsche Forschungslandschaft eine zentrale Rolle. Rechtliche Grundlagen Die Zuständigkeiten im Bereich der Forschungsförderung sind nach der bundesstaatlichen Ordnung des Grundgesetzes (GG) zwischen Bund und Ländern aufgeteilt. Nach Artikel 30 GG liegt die Ausübung der staatlichen Befugnisse und die Erfüllung der staatlichen Aufgaben bei den Ländern, soweit das Grundgesetz nicht selbst eine andere Regelung trifft oder zuläßt. Nach der Kompetenzverteilung des GG ist der Bund im Rahmen der konkurrierenden Gesetzgebung für die Gesetzgebung auf dem Gebiet der Förderung der wissenschaftlichen Forschung (Artikel 74 Nr. 13 GG) zuständig. Von seiner Befugnis, ein allgemeines Forschungsförderungsgesetz zu erlassen, hat der Bund keinen Gebrauch gemacht. Auf seiner Zuständigkeit, Rahmenvorschriften über die allgemeinen Grundsätze des Hochschulwesens zu erlassen (Artikel 75 Nr. 1 a GG), beruht das Hochschulrahmengesetz (HRG), das auch Vorschriften über die Forschung (z. B. Drittmittelforschung) enthält. Nach Artikel 91 a GG wirken Bund und Länder zusammen beim Aus- und Neubau von Hochschulen einschl. der Hochschulkliniken; der Bund trägt hier die Hälfte der Ausgaben. Das Verfahren regelt das Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG). Es sieht auch die gemeinsame Finanzierung von Großgeräten der Hochschulen vor. Durch Vereinbarungen von 1989 und 1990 haben Bund und Länder gemeinsame Hochschulsonderprogramme beschlossen (HSP I und II), um die Politik des Offenhaltens und der Sicherung der Leistungsfähigkeit in Hochschulen und Forschung fortzusetzen. Eine weitere Vereinbarung von 1991 betrifft das Hochschulerneuerungsprogramm (HEP) für Hochschulen und Forschung in den neuen Ländern (vgl. Teil III, Kap. 1). Nach Artikel 91 b GG können Bund und Länder aufgrund von Vereinbarungen bei der Förderung von Einrichtungen und Vorhaben der wissenschaftlichen Forschung von überregionaler Bedeutung zusammenwirken. Die Rahmenvereinbarung Forschungsförderung (RV-Fo) vom 28. November 1975, zuletzt geändert am 8. November 1995, regelt den Kreis der gemeinsam zu fördernden Forschungseinrichtungen und -vorhaben und das Abstimmungsverfahren. Rat für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler Konstituierung: 22. März 1995 Geschäftsführung: BMBF Mitglieder: 17 ständige hochrangige Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik (für die Bundesregierung: BMBF und BMWi; Ländervertreter: Bayerischer StM für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst), ergänzt um Sachverständige zum jeweiligen Thema Aufgaben: -- Schaffung eines umfassenden Bildes über Anwendungsmöglichkeiten, Chancen, Hemmnisse und Handlungserfordernisse auf wichtigen Innovationsfeldern -- Anstoß einer breiten Zukunftsdebatte, Verbesserung der Aufgeschlossenheit für neue Technik -- Konkrete Handlungsempfehlungen, bei eigenverantwortlicher Umsetzung durch die angesprochenen Akteure Hochtechnologie und Dienstleistungen Beispiel Lasertechnik Die Lasertechnik erlaubt die schonende Reinigung von hochwertigen Oberflächen, wie z. B. der Außenhaut von Flugzeugen. Wenn der Lack von Flugzeugen beschädigt und rauh geworden ist, bewirkt er einen zu hohen Luftwiderstand. Während bislang eine aufwendige chemische Behandlung erforderlich war, die zu Problemen mit stark umweltbelastenden Abfällen führte, bringt modernster Lasereinsatz entscheidende Verbesserungen. Mit dem Laserstrahl lassen sich schichtgenau Lacke abtragen. Übrig bleibt ein Pulver, das einfach zu entsorgen ist. So kann auf der Grundlage eines High-Tech-Instruments eine neue Dienstleistung mit vielfältigen Vorteilen und Marktchancen angeboten werden (vgl. Teil III, Kap. 11). Beispiel Supraleitung Hochmoderne Supraleitungstechnik erlaubt verlustarme Stromübertragung und damit auch hohe Magnetfelder. Mit Hilfe dieser Technik konnte die Computertomographie entwickelt werden, die erhebliche Möglichkeiten für neue Dienste im Gesundheitsbereich eröffnet. So erlaubt der Computertomograph wesentlich verbesserte Möglichkeiten zur Diagnose von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und schweren Verletzungen. Der Computertomograph ist ein Beispiel für den Einsatz von High-Tech für die medizinische Diagnostik. Dienstleistungssektor noch ausbaufähig Auffallend ist, daß gerade die Länder, die in der Spitzentechnik eine dominierende Weltmarktposition haben, wie z. B. die USA und Japan im Bereich der Informations- und Gentechnik, auch einen höheren Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteil im Dienstleistungsbereich aufweisen. So sind nach Berechnungen des Ifo-Instituts in den USA bereits 58 % der Erwerbstätigen im privaten Dienstleistungsbereich tätig, und auch Japan hat mit 50 % einen deutlich größeren Beschäftigtenanteil als Deutschland mit 39 %. Aufbauend auf Spitzentechnik konnten im privaten Sektor hohe Wertschöpfung mit Dienstleistungen erzielt und Arbeitsplatzgewinne erreicht werden. Von der Natur lernen Je mehr der Mensch die Geheimnisse des Lebens erschließt, desto mehr kann er dieses Wissen für die Gestaltung der Zukunft von Mensch und Natur nutzen. Die belebte Natur hat im Laufe der Evolution z. B. hocheffiziente Prozesse zur Stoffproduktion und Energiegewinnung hervorgebracht, die für industrielle Zwecke eingesetzt werden können. Ein Beispiel für ein hocheffizientes, zugleich überaus komplexes biologisches System ist die Zelle, die als Grundbaustein der belebten Natur angesehen werden kann. Wird ihre Funktionsweise entschlüsselt, kann sie zum ,,Chip`` der Biowissenschaften werden. Dies bedeutet, daß die in den Zellen stattfindende Informationsverarbeitung gezielt z. B. für den natürlichen Auf-, Ab- oder Umbau von Stoffen eingesetzt wird. Zukünftige Technologiepfade der Biowissenschaften Neue Zukunftspfade, an denen gegenwärtig intensiv geforscht wird, betreffen: -- Genomforschung: Aufklärung und Nutzung genetischer Informationen; -- biomolekulare Funktionssysteme für die Technik: Gewinnung von biologischen Lösungsansätzen insbesondere für die Meß- und Analysetechnik; -- molekulare Testsysteme für die Naturstofforschung: Gezielte Suche nach nutzbaren Nährstoffen; -- Zellbiologie: Erforschung und Nutzung der Zelle als ,,Elementarteilchen`` der Biologie; -- evolutive Biotechnologie: Technische Umsetzung der molekularen Prozesse der Evolution zur Wirkstoffgewinnung; -- molekulare Pflanzenzüchtung: Steigerung von Erträgen und Qualität von Ernten. Auf allen diesen Gebieten hat Deutschland ein hochqualifiziertes Potential in der Forschung, das für neue Technologien genutzt werden kann. Ziele des deutschen Humangenomprojekts -- Zuwachs an grundlegendem Wissen über Struktur und Funktion des menschlichen Genoms und der Genome relevanter Modellorganismen durch systematische Genomanalyse, -- Anwendung dieses Wissens mit dem Ziel, Krankheiten durch neue Diagnostika und neue Therapien besser bekämpfen zu können (Wohlfahrtsgewinne, ökonomische Vorteile, neue Arbeitsplätze) und -- Klärung und Erhaltung konsensfähiger Wertvorstellungen (ethische, rechtliche, soziale Forschungsaspekte). Ökonomische Perspektiven der Informationsgesellschaft Durch die Umsetzung von Information in Wissen erhält die Wirtschaft vielversprechende neue Perspektiven. Enorme Wachstumspotentiale sind zu erwarten. Die Informationswirtschaft ist bereits heute neben der Tourismusbranche der größte Wirtschaftszweig. Das Tempo, mit dem wir uns auf das Informationszeitalter zubewegen, ist rasant. 1960 gab es weltweit ca. 9 000 Computer, Mitte der 80er Jahre war die Zahl auf 50 Mio angestiegen, 1995 zählten wir weltweit etwa 110 Mio EDV-Geräte. Jedes Quartal werden allein in Deutschland mehr als eine Million PCs ausgeliefert. Mittlerweile werden weltweit mehr Computer als Autos verkauft. 1993 belief sich das Weltmarktvolumen für informationstechnische Produkte und Dienstleistungen auf fast 3,3 Billionen DM, davon entfielen auf Deutschland 382 Mrd DM. Erwartet werden jährliche Wachstumsraten von bis zu 15 %. Ein großes Wachstumsfeld stellen private Anwendungen wie digitale Lexika, Video- on-Demand oder Teleshopping dar. Infotainment und Edutainment ermöglichen neue Lernformen. Im Service- und Informationsbereich werden neue Tätigkeitsfelder wie das des Informationsmaklers und -designers oder AV- Mediengestalters entstehen. Bereits 1994 zählte die Informationswirtschaft in Deutschland rd. 1,4 Mio Beschäftigte. Initiative Informationsgesellschaft Deutschland Gleichzeitig mit dem Abschlußbericht des Rates für Forschung, Technologie und Innovation hat die Bundesregierung die Initiative Informationsgesellschaft Deutschland gestartet, mit dem Ziel, Deutschland als Standort für Forschung und Entwicklung sowie für Produktion und Einsatz informationstechnischer Produkte, Systeme und Dienstleistungen zu stärken und auszubauen. Die Initiative Informationsgesellschaft ist ein Signal für den Aufbruch in die Informationsgesellschaft und für eine gemeinsame verantwortliche Gestaltung dieses Wegs. Mit dem Bericht ,,Info 2000: Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft`` hat die Bundesregierung die von ihr im Rahmen dieser Initiative geplanten Maßnahmen vorgelegt. Er enthält neben einer Bestandsaufnahme der wesentlichen technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland und in anderen Ländern die Ziele und einen Aktionsplan der Bundesregierung für Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft. Der Bericht berücksichtigt die Empfehlungen des Rates für Forschung, Technologie und Innovation beim Bundeskanzler; Schwerpunkte sind: -- Hemmnisse auf dem Weg in die Informationsgesellschaft beseitigen: Die Schaffung eines einheitlichen rechtlichen Rahmens für neue Informations- und Kommunikationsdienste ist prioritär. -- Wir brauchen eine aufgeschlossene Grundeinstellung der Bevölkerung gegenüber der Informationsgesellschaft: Es wird ein Dialog-Forum eingerichtet, in dem die wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen vertreten sein werden. -- Die Informationsgesellschaft fordert neue Qualifikationen der Beschäftigten: Die Bundesregierung wird daher gemeinsam mit den Ländern, mit den Sozialpartnern und allen Partnern im Bildungswesen eine ,,Bildungsoffensive`` starten. -- Der Beitrag von Forschung und technologischer Entwicklung ist unverzichtbar: Ein Forschungsrahmenkonzept ,,Innovationen für die Informationsgesellschaft 1997-2001`` wird erarbeitet. -- Moderne Informations- und Kommunikationstechniken werden die Verwaltung effizienter, handlungsfähiger und bürgernäher machen: Der Informationsverbund Berlin/Bonn wird zum Modell für eine innovative Verwaltung. -- Normen und Standards spielen gerade im Sektor Informationstechnik eine große Rolle: Inhalte, Organisation und Verfahren der europäischen und internationalen Normung müssen deshalb an die neuen Anforderungen der Informationsgesellschaft angepaßt werden. -- Moderne Infrastrukturen erfordern eine frühzeitige und effiziente internationale Abstimmung: Priorität hat die Verzahnung der Politik der Bundesregierung mit den Maßnahmen der Europäischen Union und die Verankerung der von der G7-Ministerkonferenz vereinbarten acht Grundprinzipien im Rahmen internationaler Organisationen. Für den haushälterischen, nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen hat die Enquete-Kommission ,,Schutz des Menschen und der Umwelt`` einige grundlegende Regeln formuliert: -- Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen soll ihre Regenerationsrate nicht überschreiten. -- Nicht-erneuerbare Ressourcen sollen nur in dem Umfang genutzt werden, in dem ein physisch oder funktionell gleichwertiger Ersatz in Form erneuerbarer Ressourcen oder höherer Produktivität der erneuerbaren sowie der nicht-erneuerbaren Ressourcen geschaffen wird. -- Stoffeinträge in die Umwelt sollen sich an der Belastbarkeit der Umweltmedien orientieren. -- Das Zeitmaß anthropogener Einträge bzw. Eingriffe in die Umwelt muß im ausgewogenen Verhältnis zum Zeitmaß der für das Reaktionsvermögen der Umwelt relevanten natürlichen Prozesse stehen. Für die Reduktion von CO2-Emissionen haben mittelfristig, d. h. bis zum Zeitraum 2005--2010, Energie-Einspartechniken die größte Wirkung. Dies gilt für die Stromerzeugung mit fossilen Energiequellen (inkl. Kraft- Wärme-Kopplung), die Bereitstellung von Raumwärme, für Industrieverfahren und im Verkehrssektor. Von geringerer Wirkung sind energiesparende Verfahren im Kleinverbrauch und bei Licht, Kraft und Telekommunikation im Haushaltsbereich. Auf der Seite der Energiebereitstellung ist die Kernenergie für nachhaltige CO2- Reduktionen unverzichtbar. Der Beitrag erneuerbarer Energien zur Energiebereitstellung, sofern er nicht auf Wasserkraftnutzung oder Müllverbrennung beruht, wird in diesem kurz- bis mittelfristigen Zeitraum eher gering ausfallen. Er stützt sich auf Windkraft und auch auf Biomasse ab. Längerfristig, etwa bis zu einem Zeitraum 2010 bis 2030, können und müssen erneuerbare Energien, vor allem in Form von Biomasse, Solarthermie oder Photovoltaik, von größerer Bedeutung werden sowie neue Techniken für Sekundärenergien wie Wasserstoff und Brennstoffzellen. Entwicklung von Mobilität und Verkehr bis ins nächste Jahrtausend Der gemeinsame Binnenmarkt, der politische Umbau Europas und darin nicht zuletzt die Vereinigung Deutschlands haben sowohl die Voraussetzung als auch die Notwendigkeit für eine weitergehende Integration im Personen- und Güterverkehr Europas geschaffen. Wie in anderen Ländern spiegelt sich die Bedeutung des Verkehrs auch in Deutschland in erheblich gestiegenen Transportleistungen im Personen- und Güterverkehr wider. Die wirtschaftliche Weiterentwicklung Deutschlands und Europas werden den Verkehr noch anwachsen lassen und die zu überwindenden Entfernungen vergrößern. Neben dem bisher dominierenden binnenländischen Verkehr werden in Zukunft grenzüberschreitende Verkehre und Transitverkehre, z. B. zu den neu entstehenden Märkten im Osten, eine immer größere Bedeutung gewinnen. Eine zukunftsorientierte Verkehrs- und Mobilitätspolitik benötigt Prognosen über das in Zukunft zu erwartende Verkehrsaufkommen sowie die Verteilung dieses Aufkommens auf die unterschiedlichen Verkehrsträger. Die in diesen Prognosen enthaltenen Aussagen sind naturgemäß direkt abhängig von der für die Zukunft vorausgesagten Wirtschaftsentwicklung und damit im Ansatz eine Fortschreibung der bisherigen Entwicklung. Sie werden aber zusätzlich mitbestimmt durch erwartete Änderungen der Wirtschaftsstruktur, der Aufteilung der Märkte, der Verteilung auf unterschiedliche Güterarten im Güterverkehr, der erwarteten Bevölkerungsentwicklung und dem zukünftigen Mobilitätsverhalten der Bürger in den Bereichen Berufs- und Ausbildungsverkehr, Einkaufs- und Freizeitverkehr sowie Urlaubsreiseverkehr. Aus den letzten Jahren liegen Prognosen zur Verkehrsentwicklung beispielsweise aus Anlaß der Arbeiten zum Bundesverkehrswegeplan 1992, aus Arbeiten der DILW Berlin zum Güterverkehr (1992), des DIW im Zusammenhang mit dem Vorhaben ,,Ikarus`` (1994) und des Ifo-Institutes (1995) vor. Naturgemäß weisen unterschiedliche Prognosen je nach Basisjahr, nach Prognosezieljahr und nach Vorgabe der Randbedingungen eine gewisse Brandbreite der Ergebnisse aus. Wesentlich ist, daß grundsätzliche Entwicklungen in verschiedenen Prognosen ähnlich eingeschätzt werden. Zur Veranschaulichung der erwarteten Entwicklung werden im folgenden beispielhaft Ergebnisse der Prognose des DIW im Zusammenhang mit dem Vorhaben ,,Ikarus`` wiedergegeben. Güterverkehr Bei der Prognose des Güterverkehrs wird allgemein ein überproportionales Wachstum des Straßengüterverkehrsanteils erwartet, d. h. im Jahre 2020 hätte der Straßengüterverkehr einen größeren Anteil am Gesamtverkehr als heute, während die Anteile von Schienentransport und Binnenschiffahrt relativ zurückgehen würden, obwohl sie absolut gesehen ebenfalls eine gesteigerte Transportleistung erbrächten. Diese Entwicklung wird u. a. mit der erwarteten Ausweitung der Handelsbeziehungen zu Osteuropa und einer starken Ausweitung des grenzüberschreitenden Verkehrs begründet. Allgemein führt eine Steigerung der zu transportierenden Mengen (Transportaufkommen) und eine Zunahme der mittleren Transportentfernungen zu einer weiteren Erhöhung der Verkehrsleistung (Produkt aus der Menge der beförderten Güter und der zurückgelegten Entfernungen), die nur zum Teil durch die bisher absehbaren Rationalisierungstendenzen im Gütertransport, z. B. durch einen effizienteren Fahrzeugeinsatz -- Stichwort: Reduzierung der Leerfahrtenanteile -- und Verlagerungseffekte aufgefangen werden kann. Personenverkehr Die Steigerungsraten im Personenverkehr werden unter anderem auf eine in Zukunft noch größere PKW-Verfügbarkeit (PKW pro Einwohner) und einen entsprechend abnehmenden PKW-Besetzungsgrad, sowie eine anteilsmäßige Zunahme der Fahrtzwecke bei einer im Mittel höheren Reiseweite -- z. B. Geschäftsreisen sowie Freizeit- und Urlaubsverkehr -- zurückgeführt. Es wird erwartet, daß die Steigerung des Personenverkehrs zunächst vor allem vom motorisierten Individualverkehr und vom Luftverkehr übernommen werden, während Eisenbahnen und ÖPNV ihre Potentiale nur langsam ausweiten können. *) Vgl. ,,Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands", Materialband, im Auftrag des BMBF, Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Bonn 1996, S. 63. 1) Die Auswertung durch die SV-Wissenschaftsstatistik umfaßt die 500 größten FuE-treibenden Unternehmen in Deutschland. Sie beschäftigen insgesamt 80 v. H. des industriellen FuE-Personals. 2) Dabei wird nur der auf FuE entfallende Anteil an den gesamten Ausgaben der Hochschulen einbezogen (Grundmittel für Forschung und Entwicklung sowie Drittmittel; vgl. Teil VII, Kap. 1). 3) In das Forschungsbudget einbezogen wird nur der auf FuE entfallende Anteil der Ressourcen der jeweils betrachteten Einrichtungen (vgl. Teil VII, Tabelle VII/35). 4) Über die Globalisierung kann dieser Indikator jedoch nur begrenzt Aussagen machen; vgl. Kap. 9.3). 5) Schließt man die Verteidigungsforschung in diese Betrachtung mit ein, so liegt Deutschland beim entsprechenden Anteil am BIP hinter Frankreich und den USA an dritter Stelle Graphik I/8). Teil II Die Ressourcen für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland und im internationalen Vergleich Inhalt Seite Einführung 58 1. Die Wissenschaftsausgaben 58 2. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung 59 3. Das in Forschung und Entwicklung tätige Personal 65 4. Die Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung 69 5. Zum Anteil der Grundlagenforschung an der Forschungsförderung durch den Bund 81 6. Die Ausgaben der Länder für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung 83 7. Gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder 85 8. Die Ressourcen der Hochschulen für Forschung und Entwicklung 88 9. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 90 10. Die Ressourcen für Forschung und Entwicklung im internationalen Vergleich 115 11. Patent- und Lizenzbilanz der Bundesrepublik Deutschland 125 Einführung Als Grundlage forschungspolitischer Entscheidungen und zur Beurteilung des wissenschaftlichen und technischen Leistungsstandes von Ländern und Regionen haben sich quantitative Indikatoren als nützliches Instrument erwiesen: Der Stellenwert von Wissenschafts- und Technologieindikatoren wächst angesichts der vielfach diskutierten Entwicklung hin zu einer von Wissenschaft und Technik geprägten Gesellschaft und Wirtschaft. Von besonderem Vorteil ist es, wenn eine Vielzahl von Indikatoren ,,im Verbund" genutzt wird, um Einschränkungen der Aussagefähigkeit, denen einzelne Indikatoren unterliegen können, auszugleichen. Für die Forschungspolitik ist vor allem die Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit der Daten auf der Zeitachse und die internationale Vergleichbarkeit von Interesse. Insbesondere durch die im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geschaffenen Vereinbarungen -- hier ist etwa das Frascati-Handbuch1) zu nennen -- und die in Zusammenarbeit von OECD, Eurostat und die Mitgliedstaaten in den letzten Jahren erreichte Weiterentwicklung des Instrumentariums konnten methodische Fundierung und Aktualität der Daten weiter verbessert werden, beipielsweise im Bereich der Innovationserhebungen. Gegenstand dieses Berichts sind sowohl die traditionellen Statistiken des Aufwands für Forschung und Entwicklung (input-Statistiken), die sich im wesentlichen auf die finanziellen und personellen Ressourcen beziehen, aber auch die noch weniger entwickelten, an Ergebnissen anknüpfenden Statistiken (output- oder impact-Statistiken), mit denen Aussagen über die Leistungsfähigkeit von Forschung und Forschungspolitik gewonnen werden sollen. Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich an der methodischen Weiterentwicklung von Wissenschafts- und Technologieindikatoren. Die Verbesserung des forschungsstatistischen Instrumentariums ermöglicht die Erweiterung und Vertiefung der forschungsstatistischen Berichterstattung und dient so der sachlichen Information und Auseinandersetzung im Bereich von Wissenschaft und Forschung und Innovation. 1. Die Wissenschaftsausgaben Die Wissenschaftsausgaben der Bundesrepublik Deutschland haben 1993, dem letzten Jahr, für das Ist-Daten aller Sektoren zur Verfügung stehen, einen Umfang von 101,4 Mrd DM erreicht. Gegenüber 1992 (99,9 Mrd DM) sind sie damit um 1,4 % gestiegen, im Vergleich zu 1981 (49,7 Mrd DM, bezogen auf das frühere Bundesgebiet) haben sie sich mehr als verdoppelt. Nach den vorliegenden Haushaltsplänen und Schätzungen erreichten die Wissenschaftsausgaben 1995 eine Höhe von rd. 106,1 Mrd DM, das entspricht einer Steigerung von 3,2 % gegenüber 1994 (102,8 Mrd DM). Bezieht man sie auf das Bruttosozialprodukt (BSP), so ergibt sich für 1994 und 1995 jeweils ein Anteil von 3,1 %. 1993 hatte diese Kenngröße -- wie schon im Jahre 1981 -- bei 3,2 % gelegen, nachdem die Wissenschaftsausgaben im Jahre 1989 einen Anteil von 3,5 % am BSP erreicht hatten. Die Wissenschaftsausgaben umfassen neben den Ausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung die Ausgaben für die wissenschaftliche Lehre und Ausbildung und sonstige verwandte wissenschaftliche und technologische Tätigkeiten (Näheres vgl. Teil VII, Kap. 2 [Begriffserläuterungen]). Wie bereits bei der letzten Berichterstattung ist von Bedeutung, daß das Konzept der Wissenschaftsausgaben für den Bereich der Länder, deren Wissenschaftsausgaben größtenteils auf die Hochschulen entfallen, auf die Grundmittel abstellt, wobei die Wissenschaftsausgaben 2) um die unmittelbaren Einnahmen der Länder (insbesondere Pflegesatzeinnahmen) vermindert werden, um den stark verzerrenden Einfluß der Ausgaben für die Krankenversorgung an Hochschulkliniken auszuschalten (vgl. Teil VII, Kap. 1 sowie Tabellen VII/14 und 15). Der Finanzierungsanteil der öffentlichen Haushalte an den Wissenschaftsausgaben insgesamt beläuft sich im Ist 1993 auf 50,4 %, auf die Wirtschaft entfallen 48,0 %. Im Verlauf der Jahre 1994 und 1995 ist der Anteil der öffentlichen Haushalte weiter gestiegen (auf zuletzt 51,8 %), der der Wirtschaft gesunken (auf 46,7 %). 1989 (früheres Bundesgebiet) lag der Anteil der Wirtschaft noch bei 52,7 %, der der öffentlichen Haushalte bei 47,3 %. Während der Anteil des Bundes mit 19,5 % 1995 leicht unter dem des Jahres 1989 (20,6 %) liegt, ist der der Länder deutlich angewachsen, was zu einem großen Teil auf die deutsche Vereinigung zurückzuführen ist (der Anteil der neuen Länder (ohne Berlin-Ost) an den Wissenschaftsausgaben der Länder betrug 1995 rd. 17,2 %; vgl. Tabelle VII/1). Die vergleichsweise deutlich positive Entwicklung der Wissenschaftsausgaben der öffentlichen Haushalte insgesamt in den letzten Jahren und die gleichzeitige Tendenz zur Stagnation bei den Ausgaben der Wirtschaft hat dazu geführt, daß sich die Finanzierungsstruktur der Wissenschaftsausgaben von 1995 wieder der von 1981 angenähert hat. Der Bund finanziert mit seinen Wissenschaftsausgaben überwiegend den außeruniversitären Sektor, bei den Ländern kommt der größte Anteil der Grundmittel für Wissenschaft den Hochschulen zugute. Insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung von Hochschulsonderprogrammen und dem Aufbau der Hochschullandschaft in den neuen Ländern hat der Anteil der Wissenschaftsausgaben des Bundes, der für die Hochschulen bestimmt ist, in den letzten Jahren weiter zugenommen (vgl. auch Kap. 4). Eine detaillierte Darstellung der Mittelflüsse bzw. Verflechtungen zwischen den einzelnen Sektoren wird in den folgenden Kapiteln gegeben. 2. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung Die in Deutschland finanzierten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) betrugen 1993 (dem letzten Jahr, für das für alle Sektoren Ist- Daten vorliegen) 78,7 Mrd DM. Sie liegen damit um 0,3 % über den entsprechenden Ausgaben von 1992 (78,5 Mrd DM). Nur geringfügig höher dürfte der Zuwachs (0,5 %) der FuE-Ausgaben 1994 im Vergleich zu 1993 sein, sie erreichten in diesem Jahr schätzungsweise 79,0 Mrd DM. Für 1995 wird ein Anstieg um 2,5 % auf 81,0 Mrd DM geschätzt. Die Finanzierungsstruktur der FuE-Ausgaben hat sich durch Verschiebung der Anteile der einzelnen Sektoren in den letzten Jahren verändert. Im Verlauf der achtziger Jahre stand einem vergleichsweise dynamischen Ausgabenwachstum des Wirtschaftssektors ein eher moderates Wachstum bei Bund und Ländern gegenüber. Der Finanzierungsanteil der Wirtschaft stieg von 55,9 % auf 63,7 %, diejenigen von Bund und Ländern fielen von 43,7 % auf 35,8 %. In den Jahren bis 1995 ist dann der Anteil der Wirtschaft wieder auf 60,3 % gesunken, der von Bund und Ländern auf 39,4 % angewachsen. Ausschlaggebend war zum einen die Einspartendenz bei den FuE-Ausgaben der Wirtschaft, zu der -- nach der deutschen Vereinigung -- auch der Abbauprozeß im Wirtschaftssektor der neuen Länder beigetragen hat. Zum anderen haben der Bund und die Länder ihre Ausgaben beim Aufbau der gesamtdeutschen Forschungslandschaft deutlich ausgeweitet. Während die FuE-Ausgaben des Bundes inzwischen stagnieren (ihr Anteil lag 1995 bei 20,8 %, 1991 betrug er 22,1 %), verzeichnen die der Länder nach wie vor Zuwächse (zuletzt 5,0 %), so daß ihr Anteil 1995 geschätzte 18,6 % erreicht hat. Bei der Wirtschaft lassen die aktuellen Schätzungen 1995 einen im Vergleich zu den Vorjahren deutlicheren Zuwachs (+ 1,7 %) erkennen. Ihr Anteil liegt nun bei 60,3 % (vgl. Tabelle II/2). Die vorstehende Darstellung geht von den FuE-Ausgaben der finanzierenden Sektoren (auf der Basis der dort gemachten Erhebungen) aus 3). Ein anderer Ansatz setzt an den FuE-Ausgaben an, wie sie bei den FuE-durchführenden Sektoren nachgewiesen werden, d. h. den ,,Bruttoinlandsausgaben für FuE". Diese Darstellung ist beim internationalen Vergleich üblich (z. B. im Rahmen der OECD-Erhebungen; vgl. Kap. 10). Auf Grund der jeweils spezifischen Erhebungsmodalitäten unterscheiden sich Höhe und Struktur der FuE-Ausgaben beider Konzepte. Gründe hierfür sind insbesondere methodischer und statistisch- technischer Art. Wichtigster Unterschied ist, daß die FuE-Ausgaben der finanzierenden Sektoren Deutschlands neben den Mitteln an die inländischen Sektoren (Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen, Wirtschaft) auch die entsprechenden Mittel an das Ausland enthalten (sie betrugen 1995 etwa 3,0 Mrd DM; vgl. Tabelle II/3). Die Bruttoinlandsausgaben für FuE (BAFE) dagegen enthalten nur die für die Durchführung von FuE im Inland aufgewendeten Beträge, d. h. die diesbezüglichen Ausgaben der inländischen Sektoren (Hochschulen, Staat und private Institutionen ohne Erwerbszweck, Wirtschaft), ungeachtet der Finanzierungsquelle. Neben den Mitteln aus inländischen Quellen (z. B. Bund, Länder, Wirtschaft) beinhalten sie auch die des Auslandes. Letztere betrugen 1993 rd. 1,3 Mrd DM, 1995 dürften sie eine Höhe von 1,4 Mrd DM erreichen (vgl. Tabelle VII/3) 4). Die Bruttoinlandsausgaben für FuE (BAFE) betrugen 1993, dem letzten Jahr, für das abgestimmte Ist-Daten vorliegen, rd. 76,7 Mrd DM. Sie liegen damit um 3,0 % über dem entsprechenden Wert von 1991. Für 1995 werden 78,8 Mrd DM geschätzt, das entspricht gegenüber 1993 einem Zuwachs um 2,7%. Die Anteile der einzelnen durchführenden Sektoren an den BAFE haben sich -- etwa entsprechend der Darstellung bei den FuE-Ausgaben der finanzierenden Sektoren -- seit dem Ende der achtziger Jahre verschoben. Der Anteil der Hochschulen, der 1989 noch bei 14,4 % lag, erhöhte sich im Verlauf der letzten Jahre von 16,3 % (1991) auf 18,0 % (1993). Nach den vorliegenden Schätzungen erreichte er 1995 einen Wert von 18,9 %. Der Anteil des außeruniversitären Sektors (hierzu gehören einerseits die öffentlichen Forschungseinrichtungen mit Forschungsaufgaben und andererseits die privaten Institutionen ohne Erwerbszweck; vgl. Tabelle VII/21a) hat sich im betrachteten Zeitabschnitt ebenfalls vergrößert. 1989 hatte er bei 13,4 % gelegen. In den Jahren von 1991 (14,3 %) bis 1993 erhöhte er sich auf 15,2 %. Für 1995 wird ein Anteil von 15,0 % geschätzt (vgl. Tabelle II/3). Der Wirtschaftssektor ist nach wie vor der dominierende durchführende Sektor. 1989 war dies besonders ausgeprägt (72,2 %), im Verlauf der letzten Jahre haben die stagnierenden FuE-Ausgaben dort zu einer deutlichen Anteilsminderung beigetragen (1991: 69,3 %; 1993: 66,8 %); 1995 erreichte der Anteil der Wirtschaft schätzungsweise 66,1 %. Zwei Faktoren spielen in der Entwicklung der Strukturveränderungen eine ausschlaggebende Rolle: Stagnation bzw. Rückgang bei den internen FuE- Ausgaben der Wirtschaft -- nach der deutschen Vereinigung verstärkt durch den Abbau der FuE-Ressourcen im Wirtschaftssektor der neuen Länder -- einerseits sowie Aufbau und Umstrukturierung im außeruniversitären Sektor und in den Hochschulen andererseits, die durch deutliche Mittelsteigerungen von Bund und Ländern für diese Sektoren gefördert wurden. Die Anteilsveränderungen im Forschungsbudget geben auch Hinweise auf die unterschiedlichen Phasen des Aufbaus der deutschen Forschungslandschaft (Tabelle II/3). Die zuletzt -- 1995 im Vergleich zu 1994 -- wieder stärker steigenden FuE-Ausgaben der Wirtschaft (+ 1,8 %) führen zu einem leichten Anstieg des Anteils des Wirtschaftssektors gegenüber 1994. Aufgrund des größeren Anstiegs der Ausgaben der Hochschulen (+ 2,5 %) tritt jedoch keine deutliche Veränderung ein (vgl. Kap. 8). Betrachtet man die Bruttoinlandsausgaben für FuE in regionaler Gliederung (vgl. Teil VII), so läßt sich auf der Grundlage der vollständig aufteilbaren Mittel ein Anteil von insgesamt rd. 8,2 % für die neuen Länder einschl. Berlin-Ost ermitteln. Im außeruniversitären Sektor ist dieser Anteil am größten (17,9 %), im Wirtschaftssektor am geringsten (4,1 %), im Hochschulsektor macht er 15,1 % aus. Bezogen auf die Bruttoinlandsausgaben für FuE ist ebenfalls die Finanzierungsstruktur von Interesse (in %, 1995 Schätzung): Eine für den Wirtschaftssektor charakteristische Kennzahl, die ,,Eigenfinanzierungsquote der Wirtschaft``, ist von den dargestellten Veränderungen ebenfalls betroffen: Der Anteil der im Wirtschaftssektor durchgeführten Forschung und Entwicklung, den die Wirtschaft selbst finanziert, betrug 1993 89,0 % und liegt damit deutlich über dem Wert von 1991 (87,1 %). Für 1995 wird diese Kennzahl auf 88,7 % geschätzt 5). Betrachtet man die von inländischen Sektoren durchgeführte FuE (BAFE) und setzt die entsprechenden Mittel ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP: die im Inland erbrachte wirtschaftliche Leistung), so zeigt sich, daß auch der Wert dieser Kennzahl, in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Nachdem er 1989 noch bei 2,87 % lag, ist er im Verlauf der Jahre 1991 (2,61 %) bis 1993 auf 2,43 % zurückgegangen; 1994 lag er bei geschätzten 2,33 %. 1995 dürfte er sich -- trotz einer im Vergleich zu den Vorjahren größeren Zunahme der FuE-Ausgaben -- auf 2,28 % vermindert haben (vgl. Tabelle II/3). 3. Das in Forschung und Entwicklung tätige Personal Neben den finanziellen Ressourcen für Forschung und Entwicklung (FuE) stellt das in FuE tätige Personal -- üblicherweise und daher auch nachstehend in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) ausgedrückt -- einen zweiten klassischen Indikator zur Charakterisierung der Struktur und Entwicklung der Forschungskapazität eines Landes dar (vgl. Graphik II/4). 1993, dem letzten Jahr, für das endgültige Angaben zu allen Sektoren vorliegen, waren in Deutschland insgesamt 475 016 Personen in FuE beschäftigt, davon waren 229 837 oder 48,4 % Forscher und 245 176 oder 51,6 % technisches und sonstiges Personal. Gegenüber 1991 (516 331) hat das FuE-Personal damit insgesamt um 41 315 -- das sind 8,0 % -- abgenommen (vgl. Tabelle VII/29). Der in diesem Zeitraum stattgefundene Rückgang bei der Gruppe der Forscher fiel mit 5,0 % demgegenüber etwas moderater aus (1991: 241 869; 1993: 229 837), eine überproportionale Abnahme ist für die als Techniker oder Hilfskräfte in FuE beschäftigten Personen zu verzeichnen. Der Anteil der Forscher am FuE-Personal insgesamt ist dadurch von 46,8 % (1991) auf 48,4 % gestiegen. Der für die hier betrachteten Jahre festzustellende Rückgang des Forschungspersonals in Deutschland insgesamt beruht zum überwiegenden Teil auf entsprechenden Veränderungen in den neuen Ländern: Für diese wurde bezogen auf das Jahr 1991 FuE-Personal in Höhe von 34 922 für den Wirtschaftssektor, 19 509 für den Hochschulsektor und 28 400 für den Staatssektor -- das sind 82 831 insgesamt -- geschätzt. Auf der Basis dieser Schätzgrößen und der für 1993 im Rahmen der regulären Erhebungen ermittelten Daten betrug der Rückgang des FuE- Personals insgesamt in den neuen Ländern in diesem Zeitraum 38,3 % (31 690 ). Der für die alten Länder in diesen Jahren zu beobachtende Abbau von FuE-Personal war demgegenüber verhalten: 1993 waren mit 423 875 nur 9 625 Personen weniger in FuE beschäftigt als 1991 (433 500), das entspricht einem Rückgang um 2,2 %. Entsprechend dem hohen Wirtschaftsanteil an den finanziellen FuE- Ressourcen ist der weitaus größte Teil des gesamten FuE-Personals im Wirtschaftssektor beschäftigt. 1991 betrug dieser Anteil 62,3 %. Aufgrund des in diesem Bereich mit 8,7 % überdurchschnittlichen Abbaus sank er bis 1993 auf 61,8 %. Die im FuE-Personal zusammengefaßten Gruppen waren von dieser Entwicklung unterschiedlich betroffen: Die Veränderungsrate für die Gruppe der Forscher entspricht derjenigen des FuE-Personals insgesamt, unterdurchschnittliche Rückgänge sind mit -- 5,2 % für die Techniker und überdurchschnittliche -- 12,0 % für die Hilfskräfte (Sonstige) zu verzeichnen. Auch für diesen Sektor gilt, daß der insgesamt zu beobachtende Rückgang in erster Linie aus einer entsprechenden Entwicklung in den neuen Ländern resultiert. Dort kam es im unmittelbaren Anschluß an die Vereinigung zu einem deutlichen Abbau von finanzieller und personeller FuE-Kapazität. Auf der Grundlage der vorliegenden Daten dürfte dieser inzwischen gestoppt sein. Nach dem Rückgang um fast 35 % 1992 gegenüber 1991 betrug die Verringerung 1993 noch 3,6 % (1992: 22 864 VZÄ; 1993: 22 032 VZÄ). Der Anteil des FuE-Personals des Wirtschaftssektors am FuE-Personal der neuen Länder insgesamt ist im betrachteten Zeitraum von 42,2 % (1991) auf 43,1 % (1993) gestiegen. Bezogen auf die gesamten Veränderungen beim Forschungspersonal in den alten Ländern ist der für den Wirtschaftssektor zu verzeichnende Rückgang mit 5,3 % überdurchschnittlich hoch. 1993 war dort Personal in Höhe von 271 742 in FuE tätig, 15 092 weniger als 1991. Weitere Angaben zum FuE-Personal des Wirtschaftssektors sind den Tabellen VII/30 und VII/46 zu entnehmen. Auf die Hochschulen entfiel 1993 ein Anteil am gesamten Forschungspersonal Deutschlands von 23,2 % gegenüber 20,1 % in 1991. 1993 waren in diesem Sektor insgesamt 110 020 Personen (VZÄ) in FuE tätig, das sind 6 156 mehr als 1991. Deutlich über diesem Wert liegt die für die Gruppe der Forscher festzustellende Veränderung (+ 8,0 %), wodurch sich der im Vergleich zu den übrigen Sektoren sehr hohe Anteil der Forscher am FuE-Personal der Hochschulen insgesamt noch weiter erhöhte und 1993 bei 61,0 % lag (1991: 59,9 %). Der zu beobachtende Forschungspersonalzuwachs in den Hochschulen liegt -- für die alten Länder -- bei 10,7 %, das sind rd. 9 000 Personen (VZÄ) mehr in 1993 als in 1991. Demgegenüber kam es in den neuen Ländern zu einem Rückgang um 2 829 oder 14,5 %. Weitere Angaben zum FuE-Personal im Hochschulsektor sind den Tabellen VII/33 und VII/47 zu entnehmen. Auf den Staatssektor (öffentliche Forschungseinrichtungen und private Institutionen ohne Erwerbszweck) entfiel 1993 ein Anteil des Forschungspersonals von 15,0 % gegenüber 17,6 % in 1991. 1993 waren es noch 71 224 Personen (VZÄ). Auch dieser Rückgang geht zum größten Teil auf die Entwicklung in den neuen Ländern zurück. Anzumerken ist, daß in dem für 1991 geschätzten Wert das FuE-Personal der zum 31. 12. 1991 aufgelösten übergangsfinanzierten Forschungseinrichtungen der ehemaligen Akademien enthalten ist. In den alten Ländern kam es 1993 zu einem Rückgang gegenüber 1991 um 5,6 %. Damit entspricht die Veränderungsrate dieses Sektors in etwa derjenigen des Wirtschaftssektors. Weitere Daten zum FuE-Personal des Staatssektors sind in den Tabellen VII/34, VII/35 sowie VII/48 enthalten. 4. Die Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung 1981 bis 1996: Entwicklung und Struktur Entwicklung und Finanzierung Die Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung (FuE) betrugen 1994 (Ist) insgesamt 16,3 Mrd DM und liegen damit um 3,0 % unter den entsprechenden Ausgaben des Vorjahres. Für 1995 wurden FuE-Ausgaben in Höhe von 16,9 Mrd DM veranschlagt, dies entspricht einer Zunahme um 3,6 % gegenüber den Ist-Ausgaben 1994. Nach dem Regierungsentwurf für 1996 sind Ausgaben von rd. 17,6 Mrd DM für FuE vorgesehen 6). Während für die schon 1993 gegenüber 1992 rückläufigen FuE-Ausgaben die Budgetentwicklung nur weniger Ministerien ausschlaggebend war (z. B. Bundesministerium der Verteidigung (BMVg: -- 13,6 %), waren beim Rückgang 1994 gegenüber 1993 nahezu alle Bundesressorts beteiligt (das BMVg jedoch nur unterdurchschnittlich). Die Sonderentwicklung bei der Allgemeinen Finanzverwaltung (vgl. Tabelle VII/7) hatte nur noch vergleichsweise geringen Einfluß. An der Finanzierung der FuE-Ausgaben des Bundes sind die einzelnen Ressorts sehr unterschiedlich beteiligt (vgl. Tabelle VII/7). Neben dem BMBF, auf das mit der Zusammenlegung der Ministerien für Bildung und Wissenschaft und für Forschung und Technologie fast zwei Drittel der Mittel entfallen, haben das BMVg und das BMWi wesentliche Anteile. Die Mittel dieser drei Ministerien machten 1994 88,1 % der gesamten Ausgaben des Bundes aus. Ohne Berücksichtigung der FuE-Ausgaben aus dem Einzelplan 60 (Allgemeine Finanzverwaltung) entfiel auf die übrigen Ressorts ein Anteil von gut 10 % (vgl. Tabelle II/4 und Graphik II/5). Die Entwicklung der FuE-Ausgaben 1994 gegenüber 1993 war mit Ausnahme des Bundesministeriums der Justiz (+ 3,6%) bei allen Ressorts rückläufig. Einen unter dem Bundesdurchschnitt liegenden Rückgang der Ausgaben von -- 3,0 % wiesen die Bundesministerien für Verkehr (BMV: -- 0,2 %), für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (-- 0,5 %), für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (-- 2,6 %) sowie für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU: knapp -- 3,0 %) auf. Nach den Haushaltsplänen für die Jahre 1995 und 1996 sind bei der überwiegenden Anzahl der Ressorts wieder deutliche Zuwächse zu erwarten. Der höchste relative Zuwachs ist beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (+ 52,6 %) zu verzeichnen, das seit 1995 u. a. zusätzliche Mittel für die Förderung der Erprobung neuer Wege in der Arbeitsmarktpolitik vorsieht. Unter den überdurchschnittlichen Mittelzuwächsen sind ferner die des BMV (+ 11,6 %), des BMU (+ 11,1 %) und des BMVg (+ 9,7 %) hervorzuheben. Thematische Schwerpunkte Die FuE-Leistungsplansystematik des Bundes erlaubt es, die FuE-Ausgaben des Bundes unabhängig vom finanzierenden Ressort unter forschungsthematischen Gesichtspunkten darzustellen. Dabei werden die Ausgaben des BMBF auf Vorhabenebene und die der übrigen Ressorts nach Haushaltstiteln schwerpunktmäßig den einzelnen Förderbereichen bzw. Förderschwerpunkten zugeordnet. Abweichend von dieser Vorgehensweise werden die Mittel für die institutionelle Förderung der Max-Planck- Gesellschaft (MPG), der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) sowie für den Hochschulbau und hochschulbezogene Sonderprogramme -- ebenso 1991 die Übergangsfinanzierung der Akademie der Wissenschaften (AdW) der ehemaligen DDR (Förderschwerpunkt A4) -- behandelt, die jeweils als einzelne Förderschwerpunkte betrachtet und zu einem Förderbereich zusammengefaßt sind. Dagegen werden die Ausgaben des Bundes für die institutionelle Förderung der Großforschungseinrichtungen entsprechend deren Forschungstätigkeiten auf die verschiedenen Förderbereiche und Förderschwerpunkte gemäß der FuE-Leistungsplansystematik des Bundes aufgeteilt 7). Wie in den Jahren zuvor hatten auch 1994 (Ist) unter den zivilen Förderbereichen ,,Trägerorganisationen; Umstrukturierung der Forschung im Beitrittsgebiet; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme`` den größten Anteil (17,1 %) an den FuE-Ausgaben des Bundes. An zweiter Stelle folgte der Förderbereich ,,Weltraumforschung und Weltraumtechnik`` mit einem Anteil von 9,9 %; die Förderbereiche ,,Großgeräte der Grundlagenforschung" und ,,Umweltforschung; Klimaforschung" lagen mit gleichen Anteilen von jeweils 6,3 % auf dem dritten Platz. Schließlich hatten auch die Förderbereiche ,,Informationstechnik (einschl. Fertigungstechnik)" (6,0 %) und ,,Energieforschung und Energietechnologie`` (5,5 %) beträchtliche Anteile an den FuE-Ausgaben. Erwähnenswert ist außerdem der Anstieg des Anteils des Förderbereichs ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" auf nahezu 4,7 %. Ausschlaggebend dafür sind die Mittel für die ,,Verbesserung des Technologie- und Wissenstransfers" und ,,Übrige Fördermaßnahmen (BMWi)", die zu einem Großteil den neuen Ländern zugute kamen (vgl. Tabelle II/8). Die Daten, die auf der Grundlage des Haushaltsplans 1995 ermittelt wurden, führen gegenüber den Ist-Ausgaben 1994 zu keinen erheblichen Veränderungen. Die bereits bisher dominierenden Förderbereiche behalten ihren Stellenwert. Die Anteile für ,,Trägerorganisationen; Umstrukturierung der Forschung im Beitrittsgebiet; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme" (17,5 %) und ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" (4,9 %) steigen nochmals. Dagegen gehen die Anteile für ,,Weltraumforschung und Weltraumtechnik`` (9,4 %) und ,,Großgeräte der Grundlagenforschung" (6,3 %) zurück. Ausgabenrückgänge sind insbesondere beim Förderbereich ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie`` zu verzeichnen, dessen Anteil im Soll 1995 nur noch 2,1 % beträgt. Ursächlich für diesen Rückgang ist die Reduzierung der Zuschüsse zur Entwicklung von zivilen Flugzeugen im Haushalt des BMWi, während das Auslaufen der Förderung der Hyperschalltechnologie durch eine Steigerung der BMBF- Mittel für das neue Luftfahrtforschungsprogramm mehr als kompensiert wurde. Die Entwicklung der FuE-Ausgaben der einzelnen Förderbereiche und der dazugehörigen Förderschwerpunkte zwischen 1993 und 1994 verlief sehr unterschiedlich (vgl. Tabelle II/5). Der höchste relative Zuwachs war bei den Förderbereichen ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" (+ 15,0 %) und ,,Geowissenschaften und Rohstoffsicherung" (+ 11,4 %) sowie beim Förderschwerpunkt ,,Grundfinanzierung FhG" (+ 10,9 %) festzustellen. Die übrigen Förderbereiche entwickelten sich z. T. moderat positiv, teilweise waren erhebliche Rückgänge zu verzeichnen: ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie" (-- 24,0 %), ,,Fachinformation" (-- 16,8 %), ,,Energieforschung und Energietechnologie`` (-- 13,7 %) sowie ,,Forschung und Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei" (-- 11,4 %). Die Soll-Angaben im Regierungsentwurf für das Haushaltsjahr 1996 zeigen, daß sich bei den genannten Förderbereichen die Mittelrückgänge der Jahre 1993 und 1994 nicht fortsetzen werden. Eine Ausnahme bildet der Förderbereich ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie" (-- 2,6 %); von abnehmenden Mitteln ist außerdem ,, Geowissenschaft und Rohstoffsicherung" (-- 3,7 %) betroffen. Ein erheblicher Zuwachs ist nach starken Rückgängen in den Jahren 1990 bis 1993 wieder bei der ,,Wehrforschung und -technik" zu erwarten. Nachdem sich bereits 1995 (Soll) gegenüber dem Ist 1994 eine Steigerungsrate von + 9,8 % ergibt, ist nach den Angaben im Regierungsentwurf 1996 nochmals eine Ausgabenerhöhung um + 11,8 % geplant (vgl. Tabelle II/5). Betrachtet man nur die FuE-Ausgaben des BMBF für die Jahre 1993 und 1994 (Tabelle II/6), so zeigt sich, daß dessen Ausgaben bei der überwiegenden Anzahl der Förderbereiche die Entwicklung der Ausgaben des Bundes insgesamt bestimmt bzw. verstärkt. Neben der Steigerung der Ausgaben für den Förderbereich ,,Geowissenschaften und Rohstoffsicherung`` (+ 24,0 %) ist die überproportionale Zunahme der Ausgaben des Förderbereiches ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" (+ 7,5 %) zu nennen. Weit überdurchschnittliche relative Rückgänge sind in den Bereichen ,,Fachinformation" (-- 24,2 %), ,,Bauforschung" (-- 20,9 %), ,,Energieforschung und Energietechnologie`` (-- 15,1 %), ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie`` (-- 12,3 %), ,,Übrige, nicht anderen Bereichen zugeordnete Aktivitäten" (-- 10,4 %) sowie ,,Weltraumforschung und Weltraumtechnik`` (-- 10,1 %) zu verzeichnen. Der relativ geringe Anstieg (+ 2,8 %) bei den Ausgaben im Förderbereich ,,Trägerorganisationen; Umstrukturierung der Forschung im Beitrittsgebiet; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme`` ist -- bei hohen Steigerungsraten bei der Grundfinanzierung für die Forschungs- und Forschungsförderorganisationen MPG, DFG und FhG -- auf das Auslaufen des Programms zur Sicherung der Leistungsfähigkeit in Hochschulen und Forschung, insbesondere zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der rückläufigen Mittel für das Hochschulerneuerungsprogramm zurückzuführen. Bei einer z. T. niedrigen Ausgangsbasis zeichnet sich für das Soll 1995 eine weit über dem Durchschnitt liegende relative Zunahme der Mittel bei den Förderbereichen ,,Übrige, nicht anderen Bereichen zugeordnete Aktivitäten" (z. B. im Bereich der Förderung der internationalen Zusammenarbeit mit anderen Staaten, Organisationen und Forschungseinrichtungen) (+ 24,8 %), ,,Forschung und Technologie für bodengebundenen Transport und Verkehr" (+ 13,8 %), ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie`` (+ 15,6 %), ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" (+ 11,7 %) sowie Biotechnologie" (+ 10,1 %) ab. Weiter erwähnenswert ist das überdurchschnittliche Ausgabenwachstum der Förderbereiche ,,Umweltforschung; Klimaforschung" (+ 5,6 %) und ,,Informationstechnik (einschl. Fertigungstechnik) (+ 3,9 %). Trotz der rückläufigen Ausgaben für die hochschulbezogenen Sonderprogramme wird auch beim Förderbereich ,,Trägerorganisationen; Umstrukturierung der Forschung im Beitrittsgebiet; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme`` wieder eine über dem Durchschnitt liegende Steigerungsrate erwartet (+ 6,6 %). Nach einem erheblichen Ausgabenzuwachs 1994 gebenüber 1993 beim Förderbereich ,,Geowissenschaften und Rohstoffsicherung" zeichnet sich nach den vorliegenden Soll-Zahlen ein ebenso hoher relativer Rückgang der Ausgaben ab (-- 26,7 %). Die erheblichen Schwankungen in der Entwicklung dieses Förderbereichs sind auf mehrere Ursachen zurückzuführen: 1992 errfolgte die Gründung des Geoforschungszentrums Potsdam als Großforschungseinrichtung mit zusätzlicher Finanzausstattung seit 1993; im Soll 1995 setzte eine Verringerung der Projektfördermittel des BMBF für Geowissenschaften und Bergbautechnologien ein. Nach den Soll-Daten 1996 sind größere Abweichungen von der durchschnittlichen Veränderungsrate bei den Förderbereichen ,,Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen" (+ 22,7 %), ,,Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie" (+ 19,7 %), ,,Übrige, nicht anderen Bereichen zugeordnete Aktivitäten" (+ 6,8 %), ,,Biotechnologie" (+ 6,7 %) sowie ,,Bildungsforschung" (+ 6,5 %) zu verzeichnen. Eine negative Entwicklung wird sich aufgrund des nochmaligen Rückgangs der Projektfördermittel des BMBF beim Förderbereich ,,Geowissenschaften und Rohstoffe" (-- 8,8 %) ergeben. Bei der Darstellung der Entwicklung der Soll-Daten des BMBF für 1995 sowie der Regierungsentwurfszahlen für 1996 ist jedoch darauf hinzuweisen, daß die globale Minderausgabe (1995: 100 Mio DM und 1996: 129 Mio DM) noch nicht berücksichtigt werden konnte, da die endgültige Zuordnung der Ausgaben zu den Förderbereichen bzw. Förderschwerpunkten erst im Ist vorgenommen werden kann. Entwicklung der Grundstruktur Die ,,Profildarstellung``, die die FuE-Ausgaben einzelner Förderbereiche bzw. -schwerpunkte zu Aufgabenbereichen zusammenfaßt, ermöglicht einen schnellen Überblick über die Entwicklung der Grundstruktur der Forschungsförderung der vergangenen Jahre sowie die aktuelle Prioritätensetzung bei der Veranschlagung von FuE-Mitteln (vgl. Graphik II/6). Anläßlich der Zusammenlegung der Ministerien für Bildung und Wissenschaft sowie für Forschung und Technologie wurden die Förderbereiche bzw. Förderschwerpunkte hinsichtlich ihrer Zielsetzungen analysiert und teilweise anderen Aufgabenbereichen zugeordnet. Die bisherigen Aufgabenbereiche ,,Staatliche Langzeitprogramme" und ,,Vorsorgeforschung" wurden zu einem Aufgabenbereich mit der neuen Bezeichnung ,,Forschung und Entwicklung zur Daseinsvorsorge" zusammengefaßt; der Hochschulbau und die hochschulbezogenen Sonderprogramme sind aus dem bisherigen Aufgabenbereich ,,Programmübergreifende Grundlagenforschung" ausgegliedert worden. Aufgrund der Neubewertung wurde der Förderbereich ,,Weltraumforschung und Weltraumtechnik" sowie der Förderschwerpunkt ,,Kernfusionsforschung" dem Aufgabenbereich ,,Technologie und Innovationsforschung" zugerechnet. Für Vergleichszwecke wurden die von der Neugestaltung des Profils betroffenen Förderbereiche bzw. Förderschwerpunkte auch für die früheren Jahre entsprechend umgesetzt. Bei den FuE-Ausgaben des Bundes in der Profildarstellung für die Jahre 1989 bis 1996 (vgl. Tabelle II/7) zeigt sich, daß der Anteil für den Aufgabenbereich ,,Technologie- und Innovationsförderung`` von 41,4 % (1989) auf 41,8 % (1994) leicht zugenommen hat. Haushaltsansätze 1995 und Regierungsentwurf 1996 weisen auf einen rückläufigen Anteil hin. Der zweithöchste Anteil ist beim Aufgabenbereich ,,Forschung und Entwicklung zur Daseinsvorsorge,, zu verzeichnen; dieser Anteil beträgt im Ist 1994 21,3 % gegenüber 18,9 % im Jahr 1989. Der Anteil des Aufgabenbereichs ,,Erkenntnisorientierte und programmübergreifende Grundlagenforschung`` liegt mit einem Anteil von 15,5 % um einen Prozentpunkt höher als 1989. Der neu geschaffene Aufgabenbereich ,,Hochschulbau und hochschulbezogene Sonderprogramme" hat 1994 einen Anteil von 5,4 % gegenüber 3,0 % in 1989. Ein starker Rückgang des Anteils ist beim Aufgabenbereich ,,Wehrforschung und -technik" zu verzeichnen, dessen Anteil 1994 gegenüber 1989 um knapp 6 Prozentpunkte auf 16,0 % zurückgegangen ist. Trotz eines Anstiegs der Ausgaben dieses Aufgabenbereichs im Soll 1995 bzw. Regierungsentwurf 1996 (16,9 % bzw. 18,2 %) hat sich der Anteil im betrachteten Zeitraum 1989 bis 1996 um insgesamt 4 Prozentpunkte zugunsten der zivilen Aufgabenbereiche verringert. Für die FuE-Ausgaben des BMBF nach Aufgabenbereichen (vgl. Tabelle II/8) ist -- neben den genannten strukturellen Änderungen des Profils - - auf die Aufnahme zusätzlicher Förderschwerpunkte (A 2, A5, A 6, S1 und S 2) gegenüber der zuletzt veröffentlichten Profildarstellung (des Bundesministeriums für Forschung und Technologie) hinzuweisen. In der aktuellen Darstellung ergeben sich zwischen 1989 und 1994 Rückgänge beim Aufgabenbereich ,,Technologie- und Innovationsförderung`` (1989: 56,6 %, 1994: 51,0 %) zugunsten der übrigen Aufgabenbereiche ,,Forschung und Entwicklung zur Daseinsvorsorge" (1989: 14,8 %, 1994: 18,0 %) und ,,Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme`` (1989: 4,6 %, 1994: 7,1 %). Der Anteil des Aufgabenbereichs ,,Erkenntnisorientiete und programmübergreifende Grundlagenforschung,, lag 1994 (24,0 %) in etwa auf dem Niveau von 1989 (23,9 %). Nach den Soll-Angaben 1995 und 1996 (Regierungsentwurf) werden sich die Anteile erhöhen; gleichzeitig wird der Anteil von ,,Forschung und Entwicklung zur Daseinsvorsorge" zurückgehen. Ausgaben nach Förderungsarten Bei der Betrachtung der FuE-Ausgaben des Bundes nach Förderungsarten (vgl. Tabelle VII/9) ergibt sich, daß 1994 44,5 % der Mittel über die Projektförderung vergeben wurden. Ihr Anteil ist 1994 gegenüber 1993 geringfügig zurückgegangen (44,7 %). Eingeschlossen sind hier auch die Mittel für die indirekte und indirekt-spezifische Förderung (ohne steuerliche Maßnahmen), die sich im Zeitraum von 1992 bis 1996 insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen in den neuen Ländern konzentriert, um die dortigen Forschungskapazitäten zu stützen. Die Maßnahmen umfassen den Technologietransfer, die Beteiligung am Innovationsrisiko von Technologieunternehmen, die Forschungskooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, die Industrielle Gemeinschaftsforschung und -entwicklung sowie die Auftragsforschung und -entwicklung sowohl in den alten als auch neuen Ländern (einschl. der Forschungskooperation zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen) (vgl. Teil II, Kap. 9). Fast 41 % der FuE-Ausgaben des Bundes entfielen 1994 auf die institutionelle Förderung; einbezogen sind hier auch die FuE-Ausgaben der brutto im Bundeshaushalt nachgewiesenen wissenschaftlichen Einrichtungen des Bundes. Die Erhöhung des Anteils dieser Förderungsart gegenüber 1993 (39,6 %) ist insbesondere auf die Zunahme der Fördermittel für die Einrichtungen der ,,Blauen Liste" und für die Forschungs- und Wissenschaftsförderorganisationen (MPG, DFG, FhG) zurückzuführen. Der Anteil der Ausgaben an die Großforschungseinrichtungen ist 1994 gegenüber 1993 nur geringfügig von 15,9 % auf 15,7 % zurückgegangen. Der Anteil der institutionellen Förderung an den FuE-Ausgaben des Bundes insgesamt wird nach den Soll- Daten in den Haushaltsplänen 1995 und 1996 -- bei unterschiedlicher Ausgabenentwicklung der einzelnen Einrichtungsarten -- knapp über 40 % betragen. Der Anteil der internationalen Zusammenarbeit an den FuE-Ausgaben des Bundes ist 1994 auf unter 10 % zurückgegangen und liegt nun bei 9,4 %. Auch das Soll 1995 weist den gleichen Anteil von 9,4 % auf. Für das Soll des Regierungsentwurfs 1996 wird dieser Anteil voraussichtlich auf 9,1 % zurückgehen. Ausgaben nach Empfängergruppen Die Gliederung der Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung nach Empfängergruppen (vgl. Tabelle VII/10) vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der Mittel, die Empfängern der einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft zur Durchführung von Forschung und Entwicklung vom Bund zugeflossen bzw. zur Finanzierung ihrer FuE vorgesehen sind. Betrachtet man die Entwicklung der Ist-Ausgaben der Jahre 1981 bis 1994, so ist festzustellen, daß der Anteil für ,,Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft`` von 42,8 % auf 27,2 % stark zurückgegangen ist, während bei allen übrigen Empfängergruppen teils hohe Zuwächse zu verzeichnen sind. An die staatlichen Einrichtungen (Einrichtungen des Bundes, der Länder und Gemeinden einschl. Hochschulen) flossen 1994 rd. 3,5 Mrd DM, das sind 21,2 % der FuE-Ausgaben des Bundes. In diesem Betrag sind die Mittel an die DFG, die den Hochschulen zugute kommen, aber in dieser Übersicht -- infolge der Systematik -- unter den wissenschaftlichen Organisationen ohne Erwerbszweck nachgewiesen sind, nicht enthalten. Bei Einschluß dieser Mittel wurden allein den Hochschulen (und Hochschulkliniken) folgende FuE-Mittel zur Verfügung gestellt: 1992 (Ist) 2,2 Mrd DM 1993 (Ist) 2,2 Mrd DM 1994 (Ist) 2,2 Mrd DM 1995 (Soll) 2,4 Mrd DM 1996 (Reg.-Entw.) 2,5 Mrd DM. Die Entwicklung zeigt, daß sich die vom Bund finanzierten Hochschulforschungsmittel auf hohem Niveau stabilisieren. Mehrere Faktoren wirken sich auf die Höhe der Förderung der Hochschulen durch den Bund aus: Zu nennen sind die Projektmittel des Bundes und vor allem die gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten Hochschulsonderprogramme (HSP) zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und zum Offenhalten der Hochschulen in besonders belasteten Fachrichtungen (HSP I) bzw. zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (HSP II). Ferner flossen seit 1991 im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Hochschulsektors in den neuen Ländern und Berlin-Ost zusätzlich Bundesmittel aus dem Erneuerungsprogramm für Hochschule und Forschung (HEP) in diesen Bereich. Es ist zu beachten, daß die funktional für die Hochschulen vorgesehenen Haushaltsmittel des Bundes in diese Betrachtung nur mit einem FuE-Anteil von durchschnittlich 30 % einbezogen werden. Die wissenschaftlichen Organisationen ohne Erwerbszweck -- einschl. DFG --, sind mit einem Anteil von 41,5 % 1994 stärkste Empfängergruppe. Den Schwerpunkt dieser Empfängergruppe bilden die Mittel an die Großforschungseinrichtungen, denen 1994 im Rahmen der institutionellen Förderung und der Projektförderung rd. 2,9 Mrd DM zugeflossen sind. Mit rd. 2,7 Mrd DM liegen die Forschungs- und Wissenschaftsförderorganisationen an zweiter Stelle. Die Entwicklung über das (Ist)-Jahr 1994 hinaus zeigt, daß sich die Fördermittel für diese Empfängergruppen im Soll 1996 annähern werden. Die noch vorläufige bzw. teilweise geschätzte Aufteilung der Ausgaben auf Empfängergruppen für das Soll 1995 deutet darauf hin, daß die zweitgrößte Empfängergruppe ,,Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft" an der Ausgabensteigerung des Bundes teilhaben wird (vgl. Tabelle II/9). Die Empfängergruppe ,,Ausland`` wies 1994 gegenüber 1993 einen Rückgang auf. Ihr Anteil sank von 11,3 % (1993) auf 10,3 % (1994). Die vorliegenden Daten für 1995 (Soll) zeigen, daß sich der Anteil nicht wesentlich verändern wird. (vgl. Tabelle II/9). Die weitere Aufgliederung der Empfängergruppe ,,Gesellschaften und Unternehmen der Wirtschaft`` nach der Wirtschaftsgliederung (vgl. Tabelle VII/11) zeigt, daß den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (ohne Baugewerbe) mit einem Anteil von rd. 79 % (1994) der weitaus größte Teil der Bundesmittel zugeflossen ist. Der Schwerpunkt innerhalb dieser Wirtschaftsabteilung lag bei den Wirtschaftszweigen ,,Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau`` und ,,Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik etc.``, an die zusammen 69 % der Ausgaben des Bundes an die Wirtschaft gingen. Während sich der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber 1981 (81 %) kaum verändert hat, ist festzustellen, daß sich der Anteil des Wirtschaftszweiges ,,Energie und Wasserversorgung, Bergbau`` sehr stark verringert hat, 1981 betrug er rd. 10 %, 1994 liegt er noch bei gut 1 %. Die auf den Bereich der ,,Dienstleistungen, soweit von Unternehmen und Freien Berufen erbracht`` entfallenden Ausgaben unterlagen im betrachteten Zeitraum Schwankungen; im Vergleich zu 1981 hat dieser Wirtschaftsbereich deutlich an Gewicht gewonnen, sein Anteil ist im Vergleich zu 1981 mehr als doppelt so hoch (1981: 8 %; 1994: 17 %). Der Anteil der Mittel an internationale wissenschaftliche Organisationen betrug 1994 9,0 % der Ausgaben des Bundes und hat sich gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte verringert. Der überwiegende Teil floß in Form von Mitgliedsbeiträgen an internationale wissenschaftliche Organisationen und zwischenstaatliche Forschungseinrichtungen. Der Schwerpunkt liegt bei den Mitteln an die Europäische Weltraumorganisation (EWO) und die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) (vgl. Tabelle VII/12). 5. Zum Anteil der Grundlagenforschung an der Forschungsförderung des Bundes Die Ausgaben des Bundes für die Grundlagenforschung sind im Laufe der achtziger Jahre von 2,5 Mrd DM (knapp 24 %) auf 4,3 Mrd DM (1990: 28,2 %) angewachsen. 1991 sind sie nochmals deutlich (auf 4,9 Mrd DM bzw. 29,1 %) gestiegen. 1992 hat sich der Anteil stabilisiert, er beträgt 5,1 Mrd DM und nimmt damit einen Anteil von 29,2 % an den FuE-Ausgaben des Bundes ein 8). Maßgebend für die Entwicklung der Grundlagenforschung seit 1989 waren insbesondere die verschiedenen Sonderprogramme, die vor allem auf die Erhaltung der Forschungskapazität -- insbesondere in den Hochschulen -- abzielten; hier sind das Programm zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und zum Offenhalten der Hochschulen in besonders belasteten Fachrichtungen (HSP I) und das Programm zur Sicherung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen und Forschung, insbesondere zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (HSP II) sowie die Finanzhilfen nach Artikel 104 a Abs. 4 GG an strukturschwache (alte) Bundesländer für Investitionsmaßnahmen zur Förderung von Forschung und Technologie (1989 bis 1992) zu nennen. Seit 1991 wirken sich zudem die Ausgaben im Zusammenhang mit den Maßnahmen zum Aufbau der gesamtdeutschen Forschungslandschaft aus (vgl. Kap. 4). Für die einzelnen Förderbereiche ergeben sich sehr unterschiedliche Grundlagenforschungsanteile (vgl. Tabelle II/11). Überdurchschnittlich ist der Anteil bei den Förderbereichen ,,Großgeräte der Grundlagenforschung`` (90,6 %), ,,Trägerorganisationen; Umstrukturierung der Forschung im Beitrittsgebiet; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme`` (65,0 %), ,,Meeresforschung und Meerestechnik; Polarforschung`` (57,4 %) und ,,Biotechnologie`` (45,9 %). Überproportional sind ferner die Grundlagenforschungsanteile der Förderbereiche ,,Geisteswissenschaften; Wirtschafts- und Sozialwissenschaften`` (45,1 %), ,,Geowissenschaften und Rohstoffsicherung`` (45,0 %), ,,Forschung und Entwicklung im Dienste der Gesundheit`` (38,7 %). Bezogen nur auf die zivilen Förderbereiche kommt mehr als ein Drittel der FuE-Ausgaben des Bundes der Grundlagenforschung zugute. 6. Die Ausgaben der Länder für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung Die Grundmittel der Länder und Gemeinden für Wissenschaft, die die FuE- Ausgaben sowie Ausgaben für FuE-verwandte Tätigkeiten, insbesondere die Lehre an Hochschulen, einschließen, betrugen 1993 im Ist rd. 30,7 Mrd DM, dies entspricht gegenüber 1992 (28,9 Mrd DM) einem Anstieg um 6,1 %. Auf die neuen Länder (ohne Berlin-Ost) entfielen davon 4,4 Mrd DM (14,5 %), 1992 betrug ihr Anteil rd. 12,4 % (3,6 Mrd DM). Diese hohe Steigerungsrate (+ 24,2 %) dürfte jedoch z. T. statistisch-technisch bedingt sein, da ein Teil der Wissenschaftsausgaben der neuen Länder auf Grund der Darstellungsweise in den verschiedenen Haushaltsplänen der Länder in den Vorjahren nur unvollständig erfaßt werden konnte (vgl. Tabelle II/12 und VII/14). Nach den vorliegenden Soll-Daten, die teilweise vorläufigen Charakter haben, werden die Grundmittel der Länder und Gemeinden 1994 ein Volumen von 32,5 Mrd DM haben (+ 6,1 % gegenüber 1993). 1995 werden sie voraussichtlich auf rd. 34,3 Mrd DM ansteigen und damit um 5,4 % über den Ausgaben von 1994 liegen (vgl. Graphik II/7). Die Darstellung der Wissenschaftsausgaben erfolgt nach zwei Aufgabenbereichen: ,,Hochschulen einschließlich Hochschulkliniken", auf die 1993 rd. 85,6 % der Grundmittel von Ländern und Gemeinden entfielen, und ,,Wissenschaft und Forschung außerhalb der Hochschulen", denen 14,4 % der Mittel zugute kamen. Dies entspricht einer geringfügigen Verschiebung zugunsten des Bereichs außerhalb der Hochschulen, der 1992 noch einen Anteil von 14,2 % hatte. Bezogen auf die Daten für das frühere Bundesgebiet im Jahre 1989 (13,2 %) hat sich dieser Bereich damit deutlich vergrößert. Nach den für 1995 vorliegenden Soll-Daten wird der Anteil dieses Aufgabenbereichs nochmals zunehmen (15,1 %). Den ,,Grundmitteln für Wissenschaft`` liegen die um die unmittelbaren Einnahmen bereinigten Wissenschaftsausgaben (Nettoausgaben) der Länder und Gemeinden zugrunde. Dieses Konzept ermöglicht es, die wachsende Verzerrung der Nettoausgaben durch die Ausgaben für die Krankenversorgung in den Hochschulkliniken weitgehend zu beseitigen (insbesondere durch Abzug der Pflegesatzeinnahmen der Länder in diesem Bereich). Die Ausgaben der Länder für Forschung und Entwicklung betrugen 1993, dem letzten Jahr, für das diese Angaben weitgehend auf der Basis von Ist-Daten ermittelt werden konnten, gut 13,5 Mrd DM (davon entfallen schätzungsweise 19 % auf die neuen Länder einschl. Berlin-Ost), sie liegen damit um 5,1 % über den entsprechenden Ausgaben von 1992 (12,9 Mrd DM) und um 10,2 % über denen von 1991 (12,3 Mrd DM; vgl. Tabelle II/12). Schätzungen weisen für die folgenden Jahre auf einen weiteren - - im Vergleich zu den FuE-Ausgaben Deutschlands insgesamt -- überdurchschnittlichen Anstieg auf 14,3 Mrd DM (1994) bzw. 15,1 Mrd DM (1995) hin. Vergleichbar den Grundmitteln für Wissenschaft kommen auch die FuE- Ausgaben der Länder ganz überwiegend den Hochschulen zugute. Auf sie entfielen 1993 im Ist gut 72 %. Der Sektor der außeruniversitären Einrichtungen erhielt rd. 23 % der Mittel, der Wirtschaftssektor knapp 5 %. Damit hat sich die Verteilung im Vergleich zu 1990 (früheres Bundesgebiet) nur unwesentlich verschoben, damals betrug der Anteil der Wirtschaft etwa 4 %. Bei der Interpretation der Daten zu den FuE-Ausgaben der Länder sind die folgenden Besonderheiten zu berücksichtigen: Wie bereits in früheren Berichten ausführlich dargelegt, werden die FuE-Ausgaben der Hochschulen mit Hilfe eines Berechnungsverfahrens auf der Basis von FuE-Koeffizienten ermittelt (vgl. dazu Teil VII, Kap. 1). Ausgangsmaterial für die Berechnung sind Daten zu den Ausgaben der Hochschulen in fachlicher Gliederung in Verbindung mit Daten bzw. Annahmen zu bestimmen Tätigkeiten des wissenschaftlichen Personals. Das Verfahren wurde von 1992 an auch auf die Hochschulen in den neuen Ländern angewandt; die entsprechenden Daten für 1991 waren geschätzt worden (vgl. Teil VII, Kap. 1 und Tabelle VII/20). Ergänzend zur bisherigen Betrachtung, die das große Gewicht des Aufgabenbereichs ,,Hochschulen einschl. Hochschulkliniken`` bei der Veranschlagung der Grundmittel der Länder für Wissenschaft deutlich macht (sein Anteil betrug 1993 mehr als 85,6 %), ist darauf hinzuweisen, daß die Entwicklung der finanziellen Ressourcen der Hochschulen mit der Entwicklung der Grundmittel der Länder in diesem Bereich nur unvollkommen beschrieben ist. Insbesondere die Finanzierung der Hochschulforschung erfolgt in erheblichem und im Verlauf der achtziger Jahre gestiegenem Umfang über Drittmittel, die -- soweit sie nicht von den Ländern selbst zur Verfügung gestellt werden -- nicht in den Grundmitteln enthalten sind (vgl. Kap. 8). Die FuE-Ausgaben der Hochschulen insgesamt werden auch im Zusammenhang mit der Darstellung der Bruttoinlandsausgaben für FuE Deutschlands nach durchführenden Sektoren in Kapitel 2 betrachtet (vgl. auch Tabelle VII/3). 7. Gemeinsame Forschungsförderung durch Bund und Länder Bund und Länder fördern gemeinsam Forschungseinrichtungen -- im Falle der Akademien der Wissenschaften Vorhaben -- von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem Interesse. Diese gemeinsame Forschungsförderung beruht auf Artikel 91 b GG und wird in der Rahmenvereinbarung Forschungsförderung vom 28. November 1975- zuletzt geändert am 8. November 1995 -- geregelt. Die einzelnen Einrichtungen werden nach zwischen Bund und Ländern vereinbarten Finanzierungsschlüsseln gefördert (vgl. Teil I, Kap. 3.1 sowie Teil VI). Der Kreis dieser geförderten Institutionen und Vorhaben umfaßt die: -- Max-Planck-Gesellschaft, -- Fraunhofer-Gesellschaft, -- Deutsche Forschungsgemeinschaft einschl. der Sonderforschungsbereiche, -- Großforschungseinrichtungen (,,Helmholtz-Zentren"), -- Einrichtungen der Blauen Liste, -- Arbeitsstelle Friedens- und Konfliktforschung, Bonn, -- Deutsche Akademie Leopoldina sowie das -- Akademienprogramm. Die institutionelle Förderung (einschl. der im Rahmen des Hochschulsonderprogrammms II (HSP II) und des Hochschulerneuerungsprogramms (HEP) gewährten Mittel) dieser von Bund und Ländern gemeinsam geförderten Einrichtungen betrug 1994 -- dem letzten Jahr, für das z. Z. Ist-Angaben vorliegen -- insgesamt 7,7 Mrd DM. Davon lassen sich 5,3 Mrd DM -- das sind rd. 70 % -- dem Bund und knapp 2,4 Mrd DM den Ländern zuordnen (vgl. Tabelle II/13). Für 1995 bzw. 1996 ergibt sich ein Sollbetrag von insgesamt 8,1 Mrd DM bzw. 8,4 Mrd DM, mithin eine durchschnittliche jährliche Steigerungsrate zwischen 1994 und 1996 von 4,5 %. Der größte Anteil an der institutionellen Förderung insgesamt entfällt auf die Großforschungseinrichtungen (GFE). Diese werden vom Bund und dem Sitzland/den Sitzländern im Verhältnis 90 : 10 finanziert (vgl. Teil VI, Kap. 3). Die diesen 1994 insgesamt gewährte institutionelle Förderung belief sich auf knapp 2,9 Mrd DM. Der Haushaltsansatz für 1996 lautet 3,0 Mrd DM. Mit einer jährlichen Wachstumsrate von 1,2 % seit 1994 liegt deren Zuwachs deutlich unter der sich im Durchschnitt für alle hier betrachteten Institutionen ergebenden jährlichen Veränderung. Als Folge sinkt ihr Anteil an der institutionellen Förderung insgesamt von 37,5 % (1994) auf 35,2 % (1996). Der zweithöchste Anteil an der institutionellen Förderung insgesamt entfällt auf die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). An ihrer Finanzierung beteiligen sich der Bund und alle Länder. Die Allgemeine Forschungsförderung und das Heisenbergprogramm sowie die Habilitandenförderung werden dabei im Verhältnis 50 : 50, die Sonderforschungsbereiche und das Leibniz-Programm im Verhältnis 75 : 25 (Bund : Länder) und die Graduiertenkollegs im Verhältnis 65 : 35 finanziert (vgl. Teil VI, Kap. 1.1). Der auf die DFG entfallende Anteil an der institutionellen Förderung liegt 1996 (einschl. aller Sonderprogramme) bei 2,0 Mrd DM, das entspricht 24,1 % (1994: 22,8 %). Die Finanzierung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) teilen sich Bund und (sämtliche) Länder zu gleichen Anteilen (vgl. Teil VI, Kap. 2.1). Mit 1,3 Mrd DM insgesamt betrug die institutionelle Förderung der MPG 1994 rd. drei Viertel derjenigen der DFG: Für 1995 bzw. 1996 sind Mittel in Höhe von rd. 1,4 Mrd DM bzw. 1,5 Mrd DM veranschlagt. Damit ist der Anteil der MPG an der gemeinsamen Forschungsförderung von 16,9 % (1994) auf 17,7 % (1996) gestiegen. Der auf die Einrichtungen der Blauen Liste entfallende Anteil hat sich nach der -- in Anlehnung an die Empfehlungen des Wissenschaftsrats vorgenommenen -- Aufnahme von Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR mehr als verdoppelt (vgl. Teil VI, Kap. 4). 1991 gab es 48 solcher Einrichtungen, ihre institutionelle Förderung betrug insgesamt rd. 500 Mio DM. Bis 1994 stieg ihre Zahl auf 82; die institutionelle Förderung belief sich in diesem Jahr auf 1,2 Mrd DM. Für 1996 (Soll) ergibt sich mit 1,3 Mrd DM ein um knapp 11 % höherer Wert. Der Anteil der Blauen Liste an der gesamten institutionellen Förderung beträgt 1996 15,8 % (1991 lag dieser noch bei knapp unter 9 %). Die überwiegende Anzahl der Blaue Liste-Einrichtungen wird vom Bund und dem jeweiligen Sitzland 50 : 50 gefördert, eine Ausnahme stellen u.a. die Serviceeinrichtungen dar, bei denen unterschiedliche Finanzierungsschlüssel gelten. Mit 492 Mio DM (Ist in 1994) und 540 Mio DM (Soll in 1996) blieb der Anteil an der institutionellen Förderung für die Fraunhofer- Gesellschaft über den hier betrachteten Zeitraum mit 6,4 % unverändert. Der für diese Einrichtungsart vereinbarte Finanzierungsschlüssel entspricht demjenigen der Großforschungseinrichtungen: 90 % der institutionellen Förderung übernimmt der Bund, auf das jeweilige Sitzland/die Sitzländer entfallen 10 % (vgl. Teil VI, Kap. 2.2). Schließlich bezieht sich die gemeinsame Förderung noch auf die Arbeitsstelle Friedens- und Konfliktforschung, Bonn, die Deutsche Akademie Leopoldina, Halle/Saale, und die Vorhaben der Akademien der Wissenschaften. Die diesen Einrichtungen von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Fördersummen sind im Vergleich zu den vorgenannten deutlich geringer: 1994 wurden insgesamt 68,0 Mio DM, 1996 74,1 Mio DM aufgewendet. Mit einer jährlichen Steigerungsrate von rd. 4,4 % stimmt deren Zuwachs zwischen den Jahren 1994 und 1996 recht genau mit demjenigen überein, der sich im Durchschnitt über alle hier betrachteten Einrichtungsarten ergibt. 8. Die Ressourcen der Hochschulen für Forschung und Entwicklung 1995 gab es in Deutschland insgesamt 329 staatliche bzw. staatlich anerkannte Hochschulen, davon 113 Universitäten und vergleichbare Einrichtungen (89 Universitäten, eine Gesamthochschule, 17 Theologische und 6 Pädagogische Hochschulen), 46 Kunsthochschulen, 139 allgemeine und 31 Verwaltungsfachhochschulen. 67 dieser 329 Hochschulen des Jahres 1995 befinden sich in privater Trägerschaft, wobei es sich bei über der Hälfte dieser nicht-staatlichen Hochschulen um kirchliche Hochschulen handelt. (Die regionale Verteilung der Universitäten sowie der Fachhochschulen ist in Graphik II/8 dargestellt.) Rund drei Viertel der insgesamt 1,9 Mio Studierenden des Jahres 1995 sind an Universitäten oder vergleichbaren Einrichtungen, knapp 25 % an Fachhochschulen eingeschrieben. Die Angaben zu den personellen und finanziellen Ressourcen für Forschung und Entwicklung (FuE) an den Hochschulen basieren auf den im Rahmen der Hochschulstatistik ermittelten Daten zum hauptberuflichen Hochschulpersonal bzw. den Hochschulausgaben insgesamt: 1993, dem letzten Jahr, für das Ist-Angaben zum hauptberuflichen Hochschulpersonal vorliegen, belief sich dieses auf 366 568 Personen (Vollzeitäquivalente, VZÄ); 1991 waren es 362 501 VZÄ (einschl. der Schätzung für die neuen Länder). Knapp 40 % davon gehören zur Gruppe des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals, bei gut 60 % handelt es sich um Verwaltungs-, technisches und sonstiges Personal. Zum wissenschaftlichen Personal liegen auch Daten zum Anteil der Frauen vor. Dieser betrug 1993 20,3 % (alte und neue Länder) gegenüber 18,0 % in 1991 (alte Länder; vgl. Tabelle VII/33). Angaben zu den Hochschulausgaben insgesamt liegen in unterschiedlicher Abgrenzung vor. In den im Rahmen der Hochschulfinanzstatistik für die Hochschulen (einschl. der Hochschulkliniken) ermittelten unmittelbaren Ausgaben werden sämtliche Ausgaben für Personal, laufenden Sachaufwand und Sachinvestitionen erhoben. Danach beliefen sich die Ausgaben der Hochschulen 1993 insgesamt auf 44,7 Mrd DM. Ein beträchtlicher Teil dieser Ausgaben entfällt auf die Hochschulkliniken. Unberücksichtigt bleibt jedoch, daß einem Teil dieser Ausgaben -- nämlich für die durchgeführte Krankenversorgung -- Einnahmen (Pflegesatzeinnahmen) gegenüberstehen. Um Verzerrungen zu vermeiden, wird daher neben den unmittelbaren Ausgaben das Aggregat ,,Ausgaben für Lehre und Forschung" ermittelt, das die Ausgaben der Hochschulen vermindert um Einnahmen für Nicht-Lehr- und -Forschungstätigkeiten umfaßt. Hierzu liegen Ist-Daten bis 1993 sowie Schätzungen für 1994 und 1995 vor. Danach betrugen die Ausgaben der Hochschulen für Lehre und Forschung 1993 31,0 Mrd DM; 1995 liegen diese schätzungsweise bei 33,7 Mrd DM. Dies entspricht einer Steigerung um insgesamt 8,6 % (alte Länder: 7,1 %; neue Länder: 15,7 %). Der Anteil der Fachhochschulen ist dabei in den letzten Jahren deutlich angestiegen, und zwar von 9,4 % (1991) auf 11,9 % (1993) bzw. 12,3 % (1995). In den neuen Ländern beträgt er 13,7 % (1993). Die zentralen Einrichtungen außer acht lassend entfiel 1993 der höchste Betrag auf den Wissenschaftszweig Medizin (7,2 Mrd DM). Mit 5,6 Mrd DM überstiegen die Ausgaben für Lehre und Forschung der Geistes- und Sozialwissenschaften diejenigen der Naturwissenschaften um 9,1 %. Deutlich niedriger sind die diesbezüglichen Ausgaben der Ingenieurwissenschaften (4,3 Mrd DM), darunter fast ein Drittel in Fachhochschulen, und insbesondere der Agrarwissenschaften (1,0 Mrd DM; vgl. Tabelle VII/20). Im Rahmen der Forschungsstatistik werden auf der Grundlage dieser Personal- und Finanzangaben mittels eines speziellen Berechnungsverfahrens mit FuE-Koeffizienten die personellen und finanziellen FuE-Ressourcen des Hochschulsektors bestimmt (vgl. Tabelle VII/20 und VII/33). Danach betrugen die FuE-Ausgaben der Hochschulen 1993 insgesamt 13,8 Mrd DM, das sind rd. 45 % der Ausgaben für Lehre und Forschung (vgl. Graphik II/9). Für 1995 wurden rd. 14,9 Mrd DM geschätzt, mithin gegenüber 1993 eine Steigerung um 7,7 %. Der größte Anteil entfiel auf die Naturwissenschaften (3,9 Mrd DM oder 28,1 % der gesamten FuE- Ausgaben der Hochschulen). Geringfügig darunter liegen die FuE-Ausgaben der Medizin (3,7 Mrd DM); ein deutlicher Abstand ergibt sich zu den FuE-Ausgaben in den Geistes- und Sozialwissenschaften (2,7 Mrd DM). An der Finanzierung der Hochschulen beteiligen sich neben den Ländern, die im wesentlichen die Grundfinanzierung von Forschung und Lehre tragen, der Bund, und zwar insbesondere im Rahmen der Hochschulbauförderung (Drittmittel; vgl. Kap. 4) sowie die Wirtschaft und weitere Drittmittelgeber, zu denen auch das Ausland gehört. Der Anteil der Drittmittel in den FuE-Ausgaben ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen: 1995 wird er bei rd. 4,6 Mrd DM (knapp 31 %) liegen (1991: 29 %, vgl. Tab. VII/3; nach Ländern untergliederte Angaben enthält Tabelle VII/43). Auf der Grundlage des o. g. Berechnungsverfahrens mit FuE-Koeffizienten wird im Rahmen der FuE-Statistik auch das Forschungspersonal bestimmt. 1993 betrug es 110 020 VZÄ, mithin rd. ein Drittel des hauptberuflichen Hochschulpersonals insgesamt. 16 680 VZÄ entfallen auf die neuen Länder. Gegenüber 1991 kam es hier zu einer Steigerung um 5,9 %; der entsprechende Wert bezogen auf die alten Länder liegt bei überdurchschnittlichen 10,6 %. Demgegenüber ist für die neuen Länder ein -- mit 14,5 % im Vergleich zu den anderen Sektoren in dieser Region Deutschlands -- etwas schwächerer Rückgang in den Jahren 1991 und 1993 zu verzeichnen. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Angabe für 1991 eine Schätzgröße darstellt; eine Erhebung wie in den alten Ländern war bezogen auf dieses erste Jahr nach der Vereinigung noch nicht möglich. Der höchste Anteil ergibt sich für den Wissenschaftszweig Medizin, der 1993 FuE-Personal in Höhe von 30 980 VZÄ aufweist. Zahlenmäßig geringfügig darunter liegen die Naturwissenschaften mit 29 410 VZÄ, mit deutlicherem Abstand folgen die Geistes- und Sozialwissenschaften (23 540 VZÄ) und die Ingenieurwissenschaften (20 910). Nach Ländern untergliederte Angaben zum FuE-Personal sind Tabelle VII/47 zu entnehmen. Angesichts ihrer engen Verflechtung ist ein Vergleich der Entwicklung der Ressourcen der Hochschulen mit der der Institute an Hochschulen von Interesse: Bezogen auf die aktuellen Ist-Daten zeigt sich für 1993 im Vergleich zu 1992 ein Anstieg der FuE-Ausgaben der An-Institute um 17,2 % auf kanpp 560 Mio DM, der Schwerpunkt der FuE-Tätigkeit liegt bei den Naturwissenschaften (37,6 %; vgl. Tabelle VII/21b sowie zum FuE- Personal der An-Institute VII/34). 9. Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft 9.1 Die Ressourcen für FuE in der Wirtschaft Einführung 1993 gab es in Deutschland insgesamt rd. 11 500 forschungsaktive Unternehmen, davon etwa 9 200 im früheren Bundesgebiet und 2 300 in den neuen Ländern (einschl. Berlin-Ost). Etwa 90 % dieser forschenden Unternehmen des Jahres 1993 insgesamt beschäftigten jeweils weniger als 500 Personen und gehörten damit zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Da jedoch ein beträchtlicher Teil von Unternehmen zwar regelmäßig, aber durchaus diskontinuierlich forscht -- an ein abgeschlossenes FuE-Projekt schließt sich nicht unmittelbar das nächste an --, sind diese Angaben eher als eine Momentaufnahme für 1993 zu sehen 9). Das forschungsorientierte Potential des Wirtschaftssektors wird als deutlich größer angenommen. Nach andernorts vorgenommenen Schätzungen liegt es bei rd. 25 000 Unternehmen insgesamt. FuE im Wirtschaftssektor findet überwiegend in Unternehmen statt; zusätzlich zu betrachten sind die Institutionen für Gemeinschaftsforschung und experimentelle entwicklung (IfG). Dazu gehören in erster Linie die Institute der von überwiegend mittelständischen Unternehmen gebildeten Forschungsvereinigungen, die sich in der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) zusammengeschlossen haben. Inzwischen gibt es 107 solcher AiF- Forschungsvereinigungen mit insgesamt 57 eigenen FuE-Instituten. Bei weitem die höchsten Ausgaben tätigen Großunternehmen mit einem Anteil von rd. 85 % an den internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft, gefolgt von KMU mit rd. 14 % (ihr Anteil steigt) und den IfG mit rd. 1%. Ein Blick auf die FuE-Ausgaben Deutschlands insgesamt (vgl. Kap. 2) zeigt den hohen Stellenwert, der dem Wirtschaftssektor im Hinblick auf FuE insgesamt beizumessen ist: Mit Anteilen von 61 % (Finanzierung) bzw. 66 % (Durchführung) an den Bruttoinlandsausgaben für FuE im Jahr 1995 ist die Wirtschaft für Deutschland der quantitativ bedeutendste FuE-Akteur. Ein Vergleich mit den übrigen G7-Staaten zeigt, daß dies hinsichtlich der Durchführung von FuE auch für alle übrigen großen Industriestaaten gilt (vgl. Kap. 10). FuE-Aufwendungen in der Wirtschaft Ein zentraler Indikator zur Beschreibung der FuE-Aktivitäten der Wirtschaft sind zunächst die FuE-Aufwendungen (vgl. Tabelle II/14). Als interne FuE-Aufwendungen der Wirtschaft werden diejenigen Mittel bezeichnet, die -- unabhängig von ihrer Finanzierungsquelle -- zur Durchführung von FuE in diesem Sektor verwendet werden. Externe FuE- Aufwendungen der Wirtschaft sind die Mittel, die von einem Unternehmen oder einer IfG-Einrichtung für FuE bereitgestellt werden, die außerhalb der sie finanzierenden Einheit durchgeführt wird (insbesondere FuE- Aufträge und FuE-Kooperationen) 10). 1993, dem letzten Jahr, für das z.Z. Ist-Daten zur Verfügung stehen, betrugen die internen FuE-Aufwendungen im Wirtschaftssektor Deutschlands (Inlandskonzept) insgesamt 51,2 Mrd DM. Gegenüber 1991 stellt dies einen leichten nominalen Rückgang dar. Auf der Grundlage der von der Wirtschaft gemeldeten Plandaten stiegen diese Mittel 1995 um 1,8 % gegenüber 1994. Nachdem in den frühen achtziger Jahren noch zweistellige -- und deutlich über denjenigen des Staates liegende -- Steigerungsraten für die internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft gegeben waren, sich dieses Wachstum dann im letzten Drittel des vergangenen Jahrzehnts bereits deutlich abschwächte, ist die erste Hälfte der neunziger Jahre hinsichtlich dieses Indikators durch Stagnation gekennzeichnet. Inwiefern die moderate Steigerung in 1995 gegenüber 1994 ein erstes Anzeichen für eine Trendwende darstellt, bleibt abzuwarten. Eine ähnlich nachlassende Dynamik der FuE-Aufwendungen der Wirtschaft ist inzwischen auch bei den anderen großen Industrienationen zu beobachten (vgl. Kap. 10). Einen im Vergleich zum Wirtschaftssektor insgesamt ,,azyklischen" Verlauf weisen in Deutschland die internen FuE-Aufwendungen in den KMU auf. Diese sind im Zeitraum von 1991 bis 1993 um 7 % und -- auf der Basis der vorliegenden Schätzungen -- 1994 um 4,6 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen (für 1995 liegen entsprechende Daten noch nicht vor). Als Folge dieser überproportionalen Erhöhung hat sich der Anteil der KMU an den internen FuE-Aufwendungen der Unternehmen insgesamt von 12,4 % in 1991 auf 14,1 % in 1994 erhöht. Der für die späten achtziger Jahre typische Anteilsrückgang der KMU hat sich damit in den neunziger Jahren in sein Gegenteil verkehrt. Die Untergliederung dieser Mittel nach früherem Bundesgebiet einerseits und neuen Ländern andererseits zeigt, daß dieser positive Verlauf der KMU zu einem großen Teil aus einer entsprechenden Entwicklung in den neuen Ländern resultiert. Dort sind die auf die KMU entfallenden Anteile an den internen FuE-Aufwendungen zwischen 1991 (866 Mio DM) und 1993 (1 139 Mio DM) um 31,5 % gestiegen. Westdeutschland hingegen weist für diesen Zeitraum ein Wachstum von 3,1 % auf. Bei den IfG, auf die rd. 1 % der internen FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors insgesamt entfällt, ist dieser Effekt noch ausgeprägter. Die sich für diese hinsichtlich der internen FuE- Aufwendungen ergebende positive Veränderungsrate von 5,4 % 1993 gegenüber 1991 ist ausschließlich auf die neuen Länder zurückzuführen: Im Zuge des Auf- und Ausbaus solcher Einrichtungen sind dort die internen FuE-Aufwendungen fast verdreifacht worden (49 Mio DM in 1991; 130 Mio DM in 1993). Im früheren Bundesgebiet hingegen wurden im Jahr 1993 mit knapp 440 Mio DM für die Durchführung von FuE in den IfG rd. 50 Mio DM weniger aufgewendet als in 1991. Ein Vergleich der Steigerungsraten der internen FuE-Aufwendungen mit denjenigen der Bruttowertschöpfung (BWS) des Wirtschaftssektors zeigt, daß die Wirtschaft ihre FuE-Aktivitäten in den letzten Jahren stärker zurückgenommen hat, als es die sich in recht moderaten Erhöhungen der BWS ausdrückenden konjunkturellen Restriktionen hätten annehmen lassen können. Der entsprechende Anteil sank dadurch von 2,3 % in 1991 auf 2,0 % in 1993. Dieses Ergebnis bestätigt sich jedoch nicht, wenn man -- wie in der FuE-Statistik in diesem Kontext üblich -- als Kennzahl die internen FuE-Aufwendungen als Anteil vom Umsatz der FuE-betreibenden Unternehmen betrachtet. Seit 1987 ergibt sich hier ein im wesentlichen unveränderter Wert von 3,5 % als FuE-Intensität (vgl. Tabelle VII/18). Der Tendenz zur Stagnation, die die Wirtschaft in der ersten Hälfte der neunziger Jahre hinsichtlich ihres finanziellen FuE-Engagements insgesamt charakterisiert, liegen unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Wirtschaftszweigen (WZ) zugrunde. Mit gut 40 % -- bei leicht steigender Tendenz über den hier betrachteten Zeitraum von 1991 bis 1995 -- entfiel fast die Hälfte der internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft insgesamt auf den WZ 24 (Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau usw.). Den zweithöchsten Anteil wies mit rd. 27 % der WZ 25 (Elektrotechnik, Feinmechanik, Herstellung von EBM-Waren usw.) auf, gefolgt vom WZ 20 (Chemische Industrie, usw., Mineralölverarbeitung) mit knapp 20 %. Damit entfallen rd. 90 % aller zur Durchführung von FuE im Wirtschaftssektor aufgewendeten Mittel auf diese drei Wirtschaftszweige. Die FuE-Aufwendungen des WZ 20 sind zwischen 1991 und 1995 insgesamt um 5 % gesunken. Für den WZ 25 ergibt sich mit --2 % ebenfalls eine unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegende Veränderungsrate. Eine positive Abweichung von diesem Durchschnitt weist hier einzig der WZ 24 auf. Mit einer Erhöhung von fast 4 % ist dieser hauptverantwortlich dafür, daß die internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft in 1995 nominal über denjenigen des Jahres 1991 liegen. Innerhalb des WZ 24 ist es dabei insbesondere die KfZ-Branche, die für die positive Veränderungsrate (+23 %) sorgt. Der ebenfalls zu diesem WZ gehörige Maschinenbau weist mit --6 % eine höhere negative Bilanz als die Chemischen Industrie auf 11). Die höchste Zuwachsrate von allen WZ im Zeitraum 1991 bis 1995 ist für die ,,Übrigen Dienstleistungen" (WZ 7) zu beobachten. Mit einer Steigerungsrate von 44 % wurden in diesem WZ 1995 Ausgaben von fast 1,4 Mrd DM für FuE geplant, während die Ist-Ausgaben 1991 bei 940 Mio DM lagen. Zu dieser Entwicklung tragen insbesondere folgende Faktoren bei: zum einen (dies ist die ganz überwiegende Komponente) die diskontinuierliche Forschung in Unternehmen (d.h. ein Teil der Unternehmen im WZ 7 hatte 1991 keine FuE durchgeführt), zum anderen ein Wechsel bei der Wirtschaftszweigzuordnung eines Teils der Unternehmen (d.h. 1993 erfolgt die schwerpunktmäßige Zuordnung dieser Unternehmen erstmals zum WZ 7, während sie in den Vorjahren in der Regel zu einem WZ des Verarbeitenden Gewerbes erfolgte). Im übrigen bestätigt die Entwicklung in den einzelnen Wirtschaftszweigen die positive Trendwende, die sich bezogen auf das Jahr 1995 für den Wirtschaftssektor insgesamt andeutet: Während in 1993 mit der Ausnahme des WZ 22 (Gew. und Verarb. von Steinen und Erden) alle neun im Verarbeitenden Gewerbe zusammengefaßten WZ Rückgänge ihrer internen FuE-Aufwendungen gegenüber 1991 aufweisen, liegen von sechs dieser neun WZ des Verarbeitenden Gewerbes die für 1995 geplanten FuE- Aufwendungen -- wenngleich mitunter nur geringfügig -- über den Ist- Ausgaben von 1993 (vgl. Tabelle VII/16). Große Unterschiede weisen die einzelnen WZ auch hinsichtlich ihrer FuE-Intensität auf. Abgesehen von einem extrem hohen FuE-Anteil am Umsatz der FuE-betreibenden Unternehmen im Bereich des Luft- und Raumfahrzeugbaus (24,4 %) sind es auch hier in erster Linie die drei genannten WZ (Chemische Industrie, KfZ-Branche sowie Elektrotechnik), für die sich überdurchschnittliche Werte errechnen lassen (vgl. Tab. VII/18) 12). In den neuen Ländern zeigt sich folgende Entwicklung: Mit rd. 1,9 Mrd DM entfielen 1991 3,8 % der internen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft insgesamt auf die neuen Länder. Ein deutlicher Rückgang dieser Aufwendungen auf rd. 1,5 Mrd DM in 1992 führte dann zu einer Verringerung dieses Anteils auf unter 3 %. Der im Anschluß an die Vereinigung zu beobachtende rapide Abbau von FuE-Kapazität in Ostdeutschland scheint inzwischen zum Stillstand gekommen zu sein: Für 1993 ergibt sich mit 2,1 Mrd DM ein um gut 35 % höherer Wert als in 1992. Diese hohe Steigerungsrate reichte jedoch bei weitem nicht aus, die FuE-Intensität der Wirtschaft der neuen Länder an diejenige des früheren Bundesgebiets anzugleichen (in diesem Zusammenhang sei auch auf die unterschiedlichen -- sich ändernden -- Gehaltsniveaus in den alten und neuen Ländern hingewiesen). Je Erwerbstätigen wurden in den neuen Ländern in 1993 451 DM aufgewendet, während sich für Westdeutschland ein diesbezüglicher Betrag von 2092 DM errechnet. Auch für den Anteil an der BWS der Wirtschaft ergibt sich für die alten Länder ein gegenüber den neuen Ländern mehr als doppelt so hoher Wert (2,2 % gegenüber 0,9 % in 1993). Ein weiterer deutlicher Unterschied läßt sich zwischen alten und neuen Ländern hinsichtlich der quantitativen Bedeutung der KMU feststellen. Wie der Tabelle II/14 zu entnehmen ist, entfielen 1993 fast 60 % der internen FuE-Aufwendungen der Unternehmen in den neuen Ländern auf KMU, während der entsprechende Anteil in Westdeutschland nur bei gut 10 % lag. Wie oben erwähnt, gehören zu den finanziellen FuE-Ressourcen der Wirtschaft neben den internen auch die externen FuE-Aufwendungen. Im Vergleich zu den erstgenannten ist deren Volumen mit rd. 7 Mrd DM insgesamt gering. Ihre Entwicklung im hier betrachteten Zeitraum zeigt jedoch, daß deren relative Bedeutung kontinuierlich zunimmt. Mit 7,6 Mrd DM wurde von Unternehmen und IfG in 1994 für in Auftrag gegebene FuE rd. ein Drittel mehr aufgewendet als 1991. Diese Erhöhungen waren - - anders als bei dem zu beobachtenden Zuwachs der internen FuE- Aufwendungen von IfG und KMU -- ausschließlich auf eine entsprechende Entwicklung in den alten Ländern zurückzuführen. Der Anteil der neuen Länder an den externen FuE-Aufwendungen insgesamt war demgegenüber vernachlässigbar gering 13). Eine Untergliederung nach WZ zeigt, daß der Stellenwert von FuE-Kooperationen und -Aufträgen in den einzelnen Wirtschaftszweigen in etwa demjenigen entspricht, der sich hinsichtlich der internen Forschung beobachten läßt. Auch bei den externen FuE- Aufwendungen entfallen rd. 90 % auf die drei WZ 20, 24 und 25. Der größte und zwischen 1991 und 1993 noch gestiegene Teil der externen FuE-Aufwendungen -- nämlich fast zwei Drittel -- verblieb in der Wirtschaft, rd. 15 % wurden für Aufträge und Kooperationen mit öffentlichen Einrichtungen genutzt, ein geringfügig höherer Anteil entfiel auf das Ausland. Erläuternd ist hierbei jedoch anzumerken, daß in den genannten Auslandsanteilen (rd. 1,2 Mrd DM in 1993) nur diejenigen Beträge zusammengefaßt sind, die von deutschen Unternehmen oder IfG für die Durchführung von FuE im Ausland zur Verfügung gestellt werden (zur Globalisierung in FuE vgl. Kap. 9.3 sowie Teil I, Kap. 2.2). FuE-Personal in der Wirtschaft Im Rahmen der zur Ermittlung der FuE-Ressourcen der Wirtschaft regelmäßig durchgeführten Erhebungen werden nicht nur die FuE- Aufwendungen, sondern auch Daten zum FuE-Personal -- ausgedrückt in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) -- erfragt (vgl. Tabelle II/15). 1993, dem letzten Jahr, für das diesbezügliche Ist-Daten für den Wirtschaftssektor zur Verfügung stehen, waren dort insgesamt 293 774 Personen in FuE tätig. Dies waren rd. 28 000 oder 4,3 % jährlich weniger als 1991 (321 756 VZÄ). Auf der Grundlage der für 1994 vorliegenden Schätzdaten (284 380 VZÄ) kam es zwar auch in diesem Jahr zu einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr, mit -3,2 % fiel dieser aber schwächer aus als in den Vorjahren, was die sich hinsichtlich der internen FuE-Aufwendungen andeutende Trendwende bestätigt. Im Vergleich zu den anderen großen Industrieländern (G7-Staaten) entfällt mit 62 % (1993) in Deutschland ein sehr hoher Anteil des insgesamt vorhandenen FuE-Personals auf die Wirtschaft. Ein entsprechend hoher Wert wird ansonsten nur von Japan erreicht, die anderen G7-Staaten liegen zum Teil beträchtlich darunter 14). Das FuE-Personal setzt sich aus Forschern, Technikern und Sonstigen zusammen. Der im Zeitraum 1991 bis 1993 beobachtbare Rückgang betraf die besonders interessierende Gruppe der Forscher im gleichen Ausmaß wie das FuE-Personal insgesamt. Bezogen auf den davorliegenden Zweijahreszeitraum (nur alte Länder) war dies noch anders gewesen. In den Jahren 1989 bis 1991 lag der absoluten Abnahme des FuE-Personals der Wirtschaft um insgesamt 3,1 % eine Negativveränderung um 8 % beim technischen und sonstigen Personal und eine Zunahme der Forscher um 5 % zugrunde. Mit 7,5 % kam es im Verlauf 1991 bis 1993 in den IfG zu einem nur geringfügig schwächeren Abbau von FuE-Personal als in den Unternehmen. Vergleichbar der entsprechenden Entwicklung der internen FuE- Aufwendungen liegt diesem ein deutlich überproportionaler Rückgang in den alten Ländern (1991: 4 062; 1993: 3 315) und eine Zunahme in den neuen Ländern (1991: 919; 1993: 1 291) zugrunde. Die im Rahmen der Entwicklung der finanziellen FuE-Ressourcen beobachtete ,,Sonderrolle" der KMU gilt auch hinsichtlich des FuE- Personals. Dem Rückgang des Forschungspersonals der Unternehmen insgesamt von 8,7 % (1993/1991) bzw. 3,2 % (1994/1993) stehen vergleichsweise verhaltene Veränderungsraten von -- 4,6 % bzw. -- 0,5 % der KMU gegenüber. Eine für alte und neue Länder getrennte Betrachtung -- hier liegen allerdings nur Daten bis 1993 vor -- zeigt, daß in westdeutschen KMU relativ weniger FuE-Personal abgebaut wurde (-- 3,3 %) als im Wirtschaftssektor insgesamt. Die Veränderungsrate für die KMU der neuen Länder entspricht demgegenüber diesem Durchschnitt. Auch dies deutet darauf hin, daß die oben beschriebenen Erhöhungen der FuE- Ausgaben in diesem Bereich der Wirtschaft in den neuen Ländern in erster Linie auf hohen Investitionsausgaben beruhen. Die größten Anteile des FuE-Personals insgesamt entfallen -- unverändert über die hier betrachteten Jahre -- auf die WZ 24 (Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau usw.) mit 40,5 %, WZ 25 (Elektrotechnik, Feinmechanik, Herstellung von EBM-Waren usw.) mit 30,8 % und WZ 20 (Chemische Industrie, usw., Mineralölverarbeitung) mit 17,7 % (1994). Für die WZ 24 und 20 liegen diese leicht unter, für den WZ 25 um drei Prozentpunkte über den entsprechenden Anteilen für die internen FuE- Aufwendungen dieses Jahres. Die sich hinsichtlich der Veränderungsraten ergebende ,,Rangfolge" stimmt mit derjenigen für die internen FuE- Aufwendungen überein. Im WZ 20 kam es mit fast 20 % 1994 gegenüber 1991 insgesamt zum höchsten prozentualen Rückgang von FuE-Personal, der WZ 24 weist mit -- 6 % sogar die niedrigste Abbaurate über alle WZ auf 15). Auf die neuen Länder insgesamt entfielen 1993 7,5 %, mithin ein deutlich höherer Anteil, als sich bezogen auf die internen FuE- Aufwendungen (4,1 %) ergab. Gegenüber 1992 ist dies eine Steigerung um knapp einen Prozentpunkt. Die hinsichtlich des FuE-Personals in dieser Region Deutschlands inzwischen zu beobachtende Stabilisierung -- nach einem Rückgang um 34,5 % 1992 gegenüber 1991 nahm das FuE-Personal im Wirtschaftssektor der neuen Länder 1993 im Vergleich zu 1992 um weitere 3,6 % ab -- ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: Genauere Analysen zeigen, daß es zum einen in den KMU mit weniger als 100 Beschäftigten zu einer Zunahme kam. Diese reichte aber nicht aus, den ansonsten in den KMU stattfindenden Abbau zu kompensieren. Zum anderen kam es zu einem nur noch moderaten Abbau von Forschungspersonal in den Großunternehmen (Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten). Der im Zusammenhang mit der Betrachtung der finanziellen Ressourcen beobachtete ,,Strukturunterschied" hinsichtlich des Anteils der KMU an den Unternehmen insgesamt, ergibt sich auch für das FuE-Personal. Während 1993 in den alten Ländern rd. 15 % des FuE-Personals der Unternehmen auf KMU entfielen, waren es in den neuen Ländern rd. zwei Drittel. Die Unterschiede in der FuE-Intensität (hier gemessen als Anteil des FuE-Personals an den Erwerbstätigen der Wirtschaft) von 1,2 % im Westen und 0,5 % im Osten bestätigt die bereits im Kontext der internen FuE- Aufwendungen festgestellten Unterschiede im Wirtschaftssektor der alten und neuen Länder. 9.2 Die Förderung des Bundes von Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft Umfang Die FuE-Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft beliefen sich im Jahr 1995 (Soll) auf 4 675 Mrd DM. Hiervon entfielen: 1 455 Mio DM auf das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), 702 Mio DM auf das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi), 2 316 Mio DM auf das Bundesministerium der Verteidigung sowie 202 Mio DM auf die übrigen Ressorts (vgl. Tabelle VII/10). Die FuE-Ausgaben des BMWi konzentrieren sich insbesondere auf FuE- Programme zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen (1995: 573 Mio. DM) sowie auf den zivilen Flugzeugbau. Die nicht an Ressortaufgaben gebundene Technologieförderung der Bundesregierung in der Wirtschaft erfolgt im übrigen durch das BMBF. Die indirekte und indirekt-spezifische Technologieförderung der Bundesregierung stieg zwischen 1992 und 1995 von 643,4 Mio DM auf 743,8 Mio DM (vgl. Tabelle II/16 und 17). Die FuE-Förderung in der Wirtschaft aus dem Haushalt des BMBF ist durch folgende Trends gekennzeichnet (vgl. Tabelle II/19): Die direkte Projektförderung (Projekte, die i.d.R. einzeln begutachtet und entschieden werden) wurde von 1992 bis 1995 von 1 506 auf 1 152 Mrd DM zurückgeführt. Innerhalb der direkten Projektförderung des BMBF wurden von 1992 bis 1995 die Mittel zur Förderung von Schlüsseltechnologien in der Wirtschaft im wesentlichen konstant gehalten oder sogar ausgebaut: Zuwächse verzeichneten die Informatik (+34 % auf 26,8 Mio DM), die Mikrosystemtechnik (+61 % auf 49 Mio DM), die Fertigungstechnik (+ 144 % auf 50,1 Mio DM), die Biotechnologie (+ 12 % auf 40,5 Mio DM) sowie die Luftfahrtforschung (+ 56 % auf 75,3 Mio DM). Zurückgeführt wurden von 1992 bis 1995 insbesondere die folgenden Bereiche der FuE-Förderung in der Wirtschaft: nationale Förderung der Weltraumforschung und -technik (-- 24 % auf 136,8 Mio DM), fossile Energieträger (-- 82 % auf 8,4 Mio DM), erneuerbare Energien (-- 34 % auf 79,5 Mio DM), nukleare Energieforschung (-- 47 % auf 46,4 Mio DM), Beseitigung kerntechnischer Anlagen (53 % auf 100,7 Mio DM), Umwelttechnik (-- 42 % auf 56,4 Mio DM). Die direkte Projektförderung an die Wirtschaft erreichte einen Anteil von rd. 32 % der gesamten direkten Projektförderung des BMBF zur Förderung von Forschung und Technologie. Die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist ein Schwerpunkt der FuE-Förderung der Bundesregierung in der Wirtschaft. Sie belief sich 1995 insgesamt auf rd. 1,2 Mrd DM. Hiervon entfielen 695 Mio DM auf indirekte Maßnahmen zur Förderung von FuE in der Wirtschaft (vgl. Tabelle II/22 a). Läßt man die FuE-Ausgaben des Bundesministeriums der Verteidigung sowie die sonstige Ressortforschung außer acht, die jeweils ihren eigenen Begründungen unterliegen, dann erreicht die Förderung von KMU einen Anteil von rd. 56 % an den Ausgaben des Bundes für FuE in der Wirtschaft. Dabei ist zu beachten, daß der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen unter 500 Beschäftigten an den internen FuE-Aufwendungen der Unternehmen insgesamt nur ca. 14 % (1994) beträgt. Es ist ferner zu beachten, daß viele Länder die FuE-Förderung von KMU als eine wichtige Komponente regionaler Wirtschaftsförderung ansehen und daher hierfür Mittel bereitstellen. Schließlich ist darauf hinzuweisen, daß die Bundesregierung insbesondere mit Innovationskreditprogrammen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Innovationsfinanzierung in KMU jährlich über 1 Mrd DM bereitstellt (vgl. Teil III). Diese werden wegen der Nutzung des ERP-Vermögens nur mit relativ geringen Mitteln haushaltswirksam (vgl. Teil III, Kap 19). Die FuE-Förderung der Bundesregierung in der Wirtschaft hat -- mit Ausnahme der Luft- und Raumfahrt -- auf allen Gebieten einen im Verhältnis zu den Eigenaufwendungen der Wirtschaft geringen Umfang. Sie ist im Durchschnitt betrachtet nicht geeignet, die Allokation von FuE- Mitteln der Unternehmen durch Veränderungen der Kostenrelationen signifikant zu beeinflussen. Begründung Die Entwicklung neuer Produkte und Prozeßtechnologien für Märkte ist in der Marktwirtschaft eine originäre Aufgabe der Unternehmen; eine hohe technologische Leistungsfähigkeit braucht einen intensiven nationalen und internationalen Innovationswettbewerb. Die Verantwortung des Staates liegt in erster Linie in der Gestaltung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen und einer flexiblen, leistungs- und anpassungsfähigen wissenschaftlich-technischen Infrastruktur. Zuwendungen an Unternehmen zur Durchführung von Forschung und Entwicklung sind darüber hinaus notwendig, wenn besondere Gründe vorliegen: Bei modernen Hochtechnologien verschwimmen Grenzen zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. Hochtechnologien sind in ihrer Entwicklung in hohem Maße wissenschaftsabhängig. Innovationen entstehen nicht in der linearen Abfolge von der Grundlagenforschung über die anwendungsorientierte Forschung bis hin zur Entwicklung von Prototypen. Sie entstehen vielmehr durch rekursive Abläufe, bei denen auch in späten Stadien der Entwicklung eine enge Zusammenarbeit mit der Grundlagenforschung gesucht werden muß. Umgekehrt wird die Grundlagenforschung vielfach durch Anwendungsforschung befruchtet. Technologien haben eine Entwicklungsgeschichte, in deren Verlauf wissenschaftliches und technisches Know-how komplementär und im Wechselspiel aufgebaut und institutionelle Barrieren übersprungen werden müssen (Lernkurveneffekt). Es ist das Ziel der Technologieförderung, neuen wissenschaftlich- technischen Entwicklungen mit breitem Anwendungspotential in Deutschland optimale Entwicklungschancen zu verschaffen (Beispiele: Photonik, Molekularelektronik, Nanotechnologie). Hierzu müssen Forschungskapazitäten -- auch großer Unternehmen -- einbezogen werden. Mit der Forschungsförderung wird auch die Wissensbasis erweitert, auf deren Grundlage Unternehmen kurzfristigere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten tätigen. Hierzu trägt nicht zuletzt bei, daß junge Forscher an den Grenzen wissenschaftlich-technischen Fortschritts Arbeitserfahrungen sammeln. Ergebnisse der Förderung sollen unter Berücksichtigung des finanziellen und ideellen Engagements und damit verbundener berechtigter Ertragserwartungen einer möglichst breiten Nutzung durch Dritte zugänglich sein. Um die Umsetzung des in diesem Prozeß erarbeiteten Wissens zu verbessern, hat in den vergangenen Jahren die Frage einer höheren Anwendungsorientierung von Förderprojekten an Gewicht gewonnen. Dies bedeutet, daß wirtschaftliche Umsetzungsperspektiven von Unternehmen stärker in die Projektauswahl und das Projektmanagement einfließen. Bei der Förderung von Schlüsseltechnologien in der Wirtschaft orientiert sich die Bundesregierung am Grundsatz der Subsidiarität. Nur wenn die Unternehmen selbst nicht oder nicht in ausreichendem Umfang oder nicht rasch genug solche Technologien entwickeln können, wird grundsätzlich die Voraussetzung für staatliche Forschungsförderung als gegeben angesehen. Aber auch dann beschränkt sich die Bundesregierung im Grundsatz auf Hilfe zur Selbsthilfe. Diese Förderung ist ihrem Ziel nach als Technologieförderung mit entsprechenden Umsetzungsperspektiven und nicht als Förderung einzelner Unternehmen angelegt. Dieser Förderansatz spiegelt sich vor allem in den technologischen Fachprogrammen des BMBF wieder. Neue technologische Entwicklungen entstehen zunehmend an den Grenzen traditioneller Disziplinen und unternehmerischer Kernkompetenzen. Sie sind zudem häufig derart komplex, daß kein Unternehmen alle notwendigen Know-how-Ressourcen bereithalten kann, um anstehende Aufgaben zu bewältigen. Insbesondere dort, wo Unternehmen unter Hinzuziehung von öffentlichen Forschungseinrichtungen und KMU sehr unterschiedliche Technologiegebiete kombinieren müssen (Beispiele: Mikrosystemtechnik, vielfältige Verwendung neuer Materialien) behindern hohe Risiken und Kommunikationsprobleme die Weiterentwicklung von Technologien und ihren Anwendungen. Die Bundesregierung fördert als Moderator unter finanzieller Beteiligung an derartigen Projekten den Innovationsprozeß. Durch die gemeinsame Beteiligung mehrerer Unternehmen und Forschungseinrichtungen an Forschungsnetzwerken werden knappe Forschungskapazitäten besser genutzt, der Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft beschleunigt, Synergieeffekte hervorgerufen und weniger selektiv gefördert. Komplexe Technologiesysteme bedürfen zu ihrer Durchsetzung in vielen Fällen staatlicher Infrastrukturentscheidungen, z. B. bei der Festlegung von Arbeitsrichtungen in staatlich finanzierten Forschungseinrichtungen, angemessener Rahmenbedingungen und staatlicher Mitwirkung an der Festlegung von Normen und Standards. Die Technologiepolitik moderiert als Wissensträger Infrastruktur- Innovationen und die Gestaltung optimaler Rahmenbedingungen auf neu entstehenden Märkten. Hier ist auf das Beispiel des Mobil-Funks zu verweisen; bei der Entwicklung des äußerst erfolgreichen GSM-Standards hat die Forschungs- und Technologiepolitik eine zentrale Rolle gespielt. Die Entwicklung von Verkehrsleitsystemen (Prometheus) ist ein weiteres Beispiel in diesem Zusammenhang (vgl. Teil III, Kap. 13). Der Gedanke der Förderung von Forschungsnetzwerken liegt auch der europäischen Forschungsinitiative EUREKA zugrunde. EUREKA ist kein Forschungsprogramm mit thematischer Festlegung (daher hier auch die Bezeichnung Initiative), sondern ein offener Rahmen für europäische Kooperationsvorhaben. Teilnehmer antworten nicht auf Programmausschreibungen, sondern legen Themen, Partner, Umfang und Art der Zusammenarbeit in eigener Initiative fest. Die Finanzierung der Projekte erfolgt im jeweils nationalen Rahmen, d.h. in jedem Teilnehmerstaat gesondert. In Deutschland ist mit dem EUREKA-Status nicht zwingend ein staatlicher Finanzzuschuß verbunden (vgl. Teil V, Kap. 1.2.1). Im Bereich der Vorsorgeforschung (ökologische Forschung, Entwicklung von Umwelttechnologien, Klima- und Atmosphärenforschung, Forschung und Entwicklung im Dienste der Gesundheit, Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Bauforschung und Technik, Forschung und Technologie für den Denkmalschutz sowie Querschnittsaktivitäten wie Technikfolgenabschätzung) ist die Wirtschaft mit ihren Forschungskapazitäten ein unverzichtbarer Partner für die schnelle Bereitstellung und Weiterentwicklung der technologischen Grundlagen und der Erarbeitung von Orientierungswissen. Insbesondere die Förderung von Umwelttechnik dient dem Ziel der Demonstration der Machbarkeit bestimmter technischer Umweltentlastungen. Unternehmen haben auf vielen Gebieten kein selbständiges ökonomisches Interesse, die Weiterentwicklung der ,,state of the art-Technologie" selbständig durchzuführen. Durch die Förderung wird die Formulierung und Implementierung umweltpolitischer Maßnahmen vorbereitet und unterstützt (vgl. Teil III, Kap. 6 bis 8 und 15). KMU sind aufgrund ihrer Nähe zum Markt und ihrer Flexibilität ein Motor der wirtschaftlichen Entwicklung. Im Innovationsprozeß leiden sie aber auch unter größenspezifischen Nachteilen, die die Aufnahme von Innovationsaktivitäten behindern. Hierzu zählen fehlende Möglichkeit zur Risikostreuung, Mindestgrößen bei FuE-Projekten, geringere Kapazitäten zur Informationsbeschaffung und -verarbeitung sowie Nachteile beim Zugang zu Fremd- und Eigenkapital. Empirische Arbeiten bestätigen, daß die Aufnahme von Forschungs- und Innovationsaktivitäten bei kleinen und mittleren Unternehmen durch Schwelleneffekte behindert wird. Es betreiben verhältnismäßig weniger KMU Forschung und Entwicklung als Großunternehmen. Dort aber, wo KMU Forschungsaktivitäten aufnehmen, weisen sie eine höhere Forschungsintensität gemessen am Umsatz auf. Im Innovationswettbewerb können KMU sehr unterschiedliche Positionen einnehmen. Sie reichen von einer Rolle als Technologiepionier über Vorreiterpositionen bei der Diffusion neuer Technologien in der Volkswirtschaft bis zum Anwender, der neue Technologien in gebundener Form von Baugruppen oder ganzen Geräten zukauft. Je nach Förderziel verfügt die Bundesregierung deshalb über ein differenziert wirkendes Förderinstrumentarium zur Unterstützung von KMU (In Tabelle II/22a sind die wichtigsten indirekten Fördermaßnahmen der Bundesregierung zusammengestellt; zu den Einzelinstrumenten vgl. Teil III, Kap. 19). Zur Wahrnehmung ihrer anderweitigen Aufgaben tritt die Bundesregierung als Nachfrager nach Forschungsleistungen und Technologieentwicklungen der Wirtschaft auf. Zahlungen an die Wirtschaft zur Entwicklung neuer Technologien für die Forschungsinfrastruktur (z. B. Umweltmeßtechnik), in der Verteidigungsforschung sowie zur Abwicklung von Aufgaben der staatlichen Langzeitforschungsprogramme (Weltraumforschung, Meeres- und Polarforschung) werden in der Statistik als FuE-Mittel des Staates an die Wirtschaft erfaßt. Erfolgreiche Forschung und Entwicklung ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Erfolg im Innovationswettbewerb. Die FuE- Förderung des Staates in der Wirtschaft soll einerseits eine Erweiterung des Ideenpools sein, aus der die Wirtschaft bei der Gestaltung ihrer Innovationsstrategien schöpft, andererseits aber beitragen, Kommunikations- und Kooperationsbarrieren zwischen den Akteuren im Innovationssystem abzubauen. Einer Vielzahl von neuen Ergebnissen der ökonomischen Forschung betont den hohen volkswirtschaftlichen Nutzen humankapitalintensiver Aktivitäten, die Relevanz historischer Abläufe zur Erklärung technologischer Entwicklungsprozesse und hierdurch verursachte internationale Wachstumsunterschiede. Eine Reihe neuer ökonometrischer Untersuchungen zeigt, daß die gesamtwirtschaftlichen Erträge von Forschung und Entwicklung die privatwirtschaftlichen Erträge erheblich (z. T. um 50 % bis 100 %) übersteigen. Die Bundesregierung nimmt durch ihre FuE- Förderung in der Wirtschaft ihre Verantwortung für den Ausbau und die breite Anwendung neuen (technologischen) Wissens in Deutschland wahr. Förderung von FuE in der Wirtschaft der neuen Länder Ausgangslage und Entwicklung Der mit der Wiedervereinigung eingeleitete Strukturwandel in den neuen Ländern hat auch die FuE in der Wirtschaft erfaßt und zu einem deutlichen Abbau der wirtschaftsnahen FuE-Kapazitäten geführt. FuE ist eine entscheidende Voraussetzung für wettbewerbsfähige Unternehmen und zukunftssichere Arbeitsplätze. Nur wenn es ostdeutschen Unternehmen gelingt, auf Märkten mit innovativen, wettbewerbsfähigen Produkten präsent zu sein, kann auch in diesem Teil Deutschlands ein sich selbst tragender wirtschaftlicher Aufschwung in Gang gesetzt werden. Der Aufbau und Erhalt einer leistungsfähigen FuE in der ostdeutschen Wirtschaft gestaltet sich nach wie vor schwierig und widersprüchlich. Einerseits erforderte die Überwindung wirtschaftlicher Disproportionen, mangelnder Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der ehemaligen Kombinate eine tiefgreifende Umstrukturierung der Wirtschaft, die auch mit einer Neuorientierung der unternehmensinternen FuE einhergehen mußte. Andererseits bestand die Gefahr, daß in diesem Umstrukturierungs- und Anpassungsprozeß infolge kurzfristiger Finanzierungsschwierigkeiten und momentaner schlechter Auftragslage auch erhaltenswerte und für die künftige Wettbewerbsfähigkeit notwendige FuE-Kapazitäten abgebaut werden. Nach den gravierenden Schrumpfungsprozessen sind jetzt hoffnungsvolle Anzeichen einer Konsolidierung der Industrieforschung in den neuen Ländern zu erkennen. Der Personalabbau ist zum Stillstand gekommen. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stabilisiert und beginnen, ihre Finanzmittel dafür wieder zu steigern. Zunehmend betätigen sich Unternehmen aus Westdeutschland mit Forschungsaktivitäten in den neuen Ländern. Auch das überproportionale Engagement des Bundes mit sehr umfangreichen staatlichen Fördermaßnahmen hat sich stabilisierend auf das gesamte Forschungs- und Entwicklungspotential in der Wirtschaft der neuen Länder ausgewirkt. Gegenwärtig weist mit rd. 2 500 Unternehmen -- davon ca. 900 mit weniger als 20 Beschäftigten -- etwa ein Viertel bis ein Drittel der Industrieunternehmen in den neuen Ländern Aktivitäten in Forschung und Entwicklung auf. Im Unterschied zu Westdeutschland bilden dabei KMU mit rd. 70 % des industriellen Forschungs- und Entwicklungspersonals den Schwerpunkt. Für die Zukunft kommt es darauf an, daß die Wirtschaft, die neuen Länder sowie der Bund jeweils im Rahmen ihrer Verantwortung den eingeleiteten Aufbau einer leistungsfähigen FuE in der Wirtschaft der neuen Länder weiter voranbringen. Von entscheidender Bedeutung hierbei ist ein noch stärkeres Engagement der Wirtschaft, denn in mittel- und längerfristiger Perspektive kann der Erhalt und die Beschäftigung effizienter FuE-Kapazitäten nur durch die Wirtschaft selbst erfolgen. Hierbei sind nicht zuletzt auch Unternehmen aus den alten Ländern aufgefordert, sich noch stärker zu engagieren. Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung von FuE in der Wirtschaft der neuen Länder (vgl. Graphik II/11) Vorrangig ist die Herstellung und Steigerung der technologischen Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Unternehmen und die Unterstützung der Neuorientierung wirtschaftsnaher FuE-Kapazitäten. Das BMBF unterstützt Unternehmen und wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen in den neuen Ländern im Rahmen seiner Fachprogramme mit der Förderung von FuE-Projekten vor allem auf den Technologiefeldern Umwelttechnologie, Fertigungstechnik, erneuerbare Energien und rationelle Energieverwendung, Basistechnologien der Informationstechnik, Weltraumtechnik, Materialforschung sowie bodengebundener Transport und Verkehr. Für Zuwendungsempfänger in den neuen Ländern erfolgt diese Förderung mit einem um 10 Prozentpunkte erhöhten Fördersatz und ist mit zahlreichen Regelungen zur Beschleunigung, Vereinfachung und Erleichterung bei der Antragstellung und Bewilligung verbunden. Der Umstrukturierungsprozeß der vorrangig FuE-treibenden Unternehmen, insbesondere der Forschungs-GmbH, wurde frühzeitig mit flankieren den Maßnahmen unterstützt. Dazu zählt insbesondere -- in Fortführung des Gemeinschaftswerks ,,Aufschwung Ost" -- das Programm ,,Marktvorbereitende Industrieforschung und wirtschaftlicher Strukturwandel" des BMWi, dafür sind bis Ende 1995 650 Mio DM eingesetzt worden. Mit der Förderung von Existenzgründungen auf technologischer Basis leistete die Bundesregierung einen Beitrag zum Aufbau eines innovativen Mittelstandes. Im Rahmen eines BMBF-Modellversuches wurde in den neuen Ländern die Gründung von technologieorientierten Unternehmen (TOU) gefördert. Mit gezielten Maßnahmen unterstützten und unterstützen BMBF und BMWi die Stärkung eines innovativen Mittelstandes. Das Programm ,,FuE- Personalförderung Ost" (PFO) des BMWi ist auf die Neustrukturierung und Stärkung des innovativen Potentials von KMU gerichtet. Mit der FuE- Personal-Zuwachsförderung (ZFO) des BMBF wurde der Auf- und Ausbau von FuE-Kapazitäten in KMU der neuen Länder gefördert. Die Vergabe und das Einwerben von FuE-Aufträgen förderte bzw. fördert das BMBF im Rahmen von zwei Varianten seiner Auftragsforschung und - entwicklung (Auftragsforschung Ost und Auftragsforschung West/Ost). Mit dem Innovationsförderprogramm unterstützte das BMWi die Entwicklung neuer innovativer Produkte und Verfahren in KMU der neuen Länder. Das mit der Entwicklung verbundene technische und wirtschaftliche Risiko wird durch Zuschüsse (bis zu 35 %) vermindert. Eine wichtige Säule der KMU-Förderung des BMBF stellt das im September 1993 angelaufene bundesweite Programm ,,Förderung der Forschungskooperation in der mittelständischen Wirtschaft" dar, das seit 1994 zunehmend auf große Nachfrage stößt. Mit dem Programm zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung, bei dem die gemeinschaftliche Forschung vorwiegend auf Branchenebene gefördert wird, unterstützt das BMWi die vorwettbewerbliche, am Bedarf der Industrie orientierte, anwendungsnahe Grundlagenforschung. Gefördert werden Forschungsprojekte, die von in Forschungsvereinigungen zusammengeschlossenen Unternehmen als Aufgabe von gemeinsamen Interesse identifiziert wurden. Für die Einbeziehung von Unternehmen und Forschungsstellen aus den neuen Ländern in die industrielle Gemeinschaftsforschung wurden seit der Wiedervereinigung bis Ende 1995 rd. 260 Mio DM zur Verfügung gestellt. Das waren 28,6 % der Fördermittel insgesamt. Wichtige Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Innovationsgeschehens schaffen BMWi und BMBF mit dem Aufbau einer FuE- fördernden Infrastruktur. Die Agenturen für Technologietransfer und Innovationsförderung (ATI) unterstützten den Auf- und Ausbau von KMU aus technischer und betriebswirtschaftlicher Sicht und leisten Hilfe bei der Vorbereitung und Durchführung von Produkt- und Verfahrensinnovationen. Ergänzt wird die Tätigkeit der Agenturen durch branchenspezifische oder technologieorientierte Transferzentren, die auf die Vermittelung von spezialisiertem technischen Wissen ausgerichtet sind. Ein wichtiger Ansatz zur Förderung des Technologietransfers, insbesondere in KMU der neuen Länder ist die modellhafte und befristete Unterstützung sogenannter Zentren für Information und Beratung in neuen Technologiefeldern durch das BMBF, in denen Unternehmen ,,Schlüsseltechnik zum Anfassen" präsentiert wird. Das Wissen und die Erfahrung von Unternehmen, die in Forschung und der Anwendung neuer Technologien auf dem Weltmarkt führend sind, sind auch für andere, besonders kleinere innovationsfreudige Unternehmen, von großem Nutzen. Daher legte das BMWi Anfang 1992 das Programm ,,Technologieorientierte Besuchs- und Informationsprogramme" (TOP) auf. Diese Maßnahme soll kontinuierlich den technisch-organisatorischen Wissenstransfer zwischen Unternehmen fördern. Die Bereitschaft von technologisch führenden Unternehmen, den Einsatz moderner Technik und technologische Strategien im eigenen Betrieb vorzuführen, war seit Beginn der Maßnahme groß. Die Fördermaßnahmen der Bundesregierung für die FuE in der Wirtschaft der neuen Länder sind insgesamt erfolgreich. Etwa 80--90 % der FuE- treibenden ostdeutschen Unternehmen nehmen diese Förderung in Anspruch. Damit leistet die Bundesregierung einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung der ostdeutschen Industriestruktur. Allein im Jahr 1995 wurden hierfür über 775 Mio DM bereitgestellt (siehe Tabelle II/22b). Auch im Jahre 1996 werden BMBF und BMWi den Aufbau einer leistungsfähigen ostdeutschen Industrieforschung wirksam unterstützen. Der Erfolg dieser Anstrengungen hängt allerdings wesentlich davon ab, daß die Wirtschaft auch selbst ihr eigenes Engagement für FuE intensiviert. Ergänzt werden diese speziellen FuE-Fördermaßnahmen durch spezifische Förderprogramme der Länder und durch weitere steuerliche und regionalpolitische Hilfen des Bundes für Investitionen, wie z. B. die Investitionszulage, Sonderabschreibungen, Investitionszuschüsse im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe ,,Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur". Durch diese allgemeinen Investitionshilfen unterstützt die Bundesregierung auch Investitionen im FuE-Bereich und rundet damit das Förderspektrum ab. 9.3 Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands Internationalisierung von Forschung und Entwicklung Die Internationalisierung von Forschung und Entwicklung in multinationalen Unternehmen ist in Deutschland wie in anderen Industrieländern kontinuierlich vorangeschritten und hat heute ein vergleichsweise hohes Niveau erreicht. FuE- wie auch Patentdaten zeigen gleichwohl, daß in fast allen großen Industrieländern nach wie vor der weit überwiegende Teil der Forschung und Entwicklung in den Heimatländern der Unternehmen durchgeführt wird. Dagegen weisen kleinere Industrieländer, aber auch Großbritannien einen überdurchschnittlichen Grad an Internationalisierung auf. FuE deutscher Unternehmen im Ausland Eine vollständige Erfassung der FuE-Aktivitäten der Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung im Ausland -- etwa vergleichbar der Direktinvestitionsstatistik -- liegt bisher nicht vor. Allerdings sind aus einigen Ländern (USA, Großbritannien, Frankreich, Japan) Informationen über die FuE-Aufwendungen der Unternehmen in ausländischem Kapitalbesitz verfügbar. Aus diesen Angaben kann die Größenordnung der FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland im Jahre 1993 auf etwa 15 % der FuE-Aufwendungen der Unternehmen in Deutschland (bewertet nach Kaufkraftparitäten) geschätzt werden. In der chemisch-pharmazeutischen Industrie, der am weitesten internationalisierten Branche, liegt dieser Anteil bei knapp 30 %. Nach verschiedenen Analysen erreichte der Anteil der Patentanmeldungen mit Erfinderort außerhalb Deutschlands bei deutschen Unternehmen Ende der achtziger Jahre zwischen 11 % (Europäisches Patentamt) und 15 % (US- Patentamt). Die Patentdaten liefern somit einen zusätzlichen Hinweis für die Richtigkeit der Größenordnung des Anteils der Auslandsforschung in deutschen Unternehmen von 15 %. FuE ausländischer Unternehmen in Deutschland Zur Schätzung des FuE-Aufwands ausländischer Unternehmen in Deutschland hat die SV-Wissenschaftsstatistik GmbH für das Jahr 1993 eine Sonderauswertung ihrer regulären jährlichen Erhebung für die 500 forschungsstärksten Unternehmen nach dem Mehrheitseigentum von Deutschen und Ausländern durchgeführt. Damit wurden etwa 80 % des inländischen FuE-Personals der Unternehmen und 85 % der FuE- Gesamtaufwendungen erfaßt. Aus dieser Auswertung ergibt sich, daß Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen in Deutschland für Forschung und Entwicklung mindestens 7,8 Mrd DM aufgewendet und mindestens 34 600 Personen in Vollzeitäquivalent in Forschung und Entwicklung beschäftigt haben. Der Anteil der Unternehmen in Deutschland im ausländischen Mehrheitseigentum am FuE-Gesamtaufwand der inländischen Wirtschaft lag 1991 nach den Ergebnissen der Sonderauswertung der Erhebung der SV-Wissenschaftsstatistik GmbH bei knapp 16 %. In den USA und Frankreich betrug der vergleichbare Anteil knapp 15 %, in Großbritannien 26 % und in Japan 5 %. Gut zwei Drittel des FuE-Personals von Unternehmen in ausländischem Mehrheitseigentum im verarbeitenden Gewerbe entfallen dabei auf die Zweige Elektrotechnik und Straßenfahrzeugbau. Die FuE-Aktivitäten ausländischer Unternehmen konzentrierten sich 1993 fast ausschließlich auf die alten Länder. Weniger als 1 % ihres Forschungspersonals ist in den neuen Ländern beschäftigt, in denen auch die deutschen Großunternehmen unterproportional zum FuE-Aufwand der Wirtschaft beitragen. Deutschland ist im internationalen Vergleich ein attraktiver FuE- Standort. Etwa ein Viertel aller FuE-Aufwendungen US-amerikanischer Unternehmen im Ausland entfällt auf Deutschland (vgl. Teil I, Graphik I/1). Es steht damit aus Sicht der USA schon über einen längeren Zeitraum an der Spitze der Forschungsstandorte im Ausland. Ebenso ist der Anteil der produzierenden japanischen Tochterunternehmen mit eigener FuE in Deutschland am höchsten. Darüber hinaus ist Deutschland für japanische Unternehmen mit 17 produktionsunabhängigen Forschungszentren nach Großbritannien der zweitwichtigste Standort in Europa. Perspektiven In Deutschland wie in anderen Ländern steht der Anteil der FuE ausländischer Unternehmen im Inland überwiegend in einem engem Zusammenhang mit der Produktion. FuE-Aktivitäten im Ausland sind zu großen Teilen über die Internationalisierung der Produktion in die Unternehmen gelangt. Für Deutschland ist deshalb zu erwarten, daß in der Folge des dynamischen Wachstums von Auslandsinvestitionen das FuE- Potential deutscher Unternehmen im Ausland schneller wächst als das FuE-Potential ausländischer Unternehmen im Inland. Die Grundlagenforschung ist -- zumindest in den Kernbereichen des unternehmerischen Produktionsprogramms -- bislang häufig nahe der Konzernzentralen angesiedelt. Lediglich in jüngeren Technologiebereichen mit starker Wissenschaftsbindung sind dezentrale Forschungsstandorte üblich. Es ist gegenwärtig offen, in welcher Weise die Globalisierung die traditionellen Schwerpunkte von Forschung und Entwicklung in Deutschland verändern wird. Die Unternehmen stehen im Technologiewettbewerb unter einem hohen Druck, die Effizienz ihrer Forschung durch Verkürzung der Produktlebenszyklen, Abbau von Doppelforschung sowie Nutzung von Größeneffekten von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zu steigern. Es ist eine Tendenz zum Aufbau regional konzentrierter Kompetenzzentren der Unternehmen zu beobachten, bei denen die Verantwortung für FuE, Produktion und Absatz konzentriert ist. Ein Land kann seine technologische Leistungsfähigkeit stärken, wenn multinationale Unternehmen ihre Niederlassungen zu solchen Kompetenzzentren ausbauen. Entscheidend ist neben der FuE-Kompetenz das Markt- und Produktionspotential an dem jeweiligen Standort. Bei FuE-Unternehmen sind historische Standortbindungen traditionell groß. Deutschland steht insbesondere dann in Konkurrenz zu anderen Ländern, wenn es um den Neuaufbau von FuE-Kapazitäten oder die arbeitsteilige Neuorganisation von weltweit verteilten FuE-Aktivitäten geht. Die Entscheidungen multinationaler Unternehmen für oder gegen Deutschland sind in solchen Fällen Gradmesser der Attraktivität des Forschungsstandorts. Patentbilanz Gegenüber den hohen weltweiten Wachstumsraten bei Patentanmeldungen in den späten 80er Jahren hat sich zu Beginn der neunziger Jahre ein tiefer Einschnitt vollzogen. Im Vergleich mit dem Ausgangsjahr 1988 ist die Zahl der insgesamt angemeldeten Patente bis 1993 um faßt 2 % zurückgegangen. Dieser Zeitraum ist identisch mit der weltweiten wirtschaftlichen Rezessionsphase, die in fast allen Volkswirtschaften der OECD zu negativem Wirtschaftswachstum oder bestenfalls Stagnation führte. Die Technikentwicklung und das Innovationsverhalten blieben davon offensichtlich nicht unberührt. In der Entwicklung einzelner Technikgebiete läßt sich eine deutliche Differenzierung erkennen. Eine kleine Gruppe von Technikfeldern weist eine zunehmende Innovationsdynamik auf. Hierzu zählen der Schienenfahrzeugbau, die gesamte Mikroelektronik und ihre Anwendungsgebiete sowie die Luft- und Raumfahrttechnik. Von Rückgängen sind dagegen fast alle Bereiche des Maschinenbaus und der Chemie betroffen (vgl. Tabelle II/23). Deutschland ist hinter den USA und Japan der dritte und innerhalb Europas mit weitem Abstand der größte Technologieproduzent. Die jährlichen Zahlen der Patente, die in mindestens zwei der Triaderegionen USA, Japan und der EU angemeldet werden, liegen fast um das dreifache höher als jene Frankreichs und Großbritanniens. Die Zeitreihe weist im Vergleich mit anderen Ländern nur geringe Schwankungen auf. So gingen die Anmeldezahlen um das Jahr 1982 leicht zurück und stiegen dann bis 1987 wieder leicht auf das Niveau von ca. 6 000 Patenten pro Jahr vom Anfang der achtziger Jahre an. Seitdem ist ein kontinuierlicher Rückgang bis zum Jahre 1993 auf etwa 5 000 Patente zu berichten. Deutschlands technologische Innovationen nehmen seit Beginn der neunziger Jahre zahlenmäßig schneller ab, als der Weltdurchschnitt auch wenn der Rückgang nach den jüngsten Zahlen nun nicht mehr so drastisch ausfällt wie in den ersten Jahren des Jahrzehnts. Die Patentaktivitäten Deutschlands verändern sich in der Mehrzahl der Technikfelder gegenwärtig etwas träger als der Weltdurchschnitt. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen den gesamtwirtschaftlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung und dem Grad an Spezialisierung oder technologischen Nischenstrategien von Volkswirtschaften. Große Volkswirtschaften verfügen über das kompletteste Technologieangebot. Deutschland ist im Weltmaßstab hochrangig auf FuE-intensive Waren spezialisiert. Der Trend für die Entwicklung des Spezialisierungsprofils für Deutschland deutet dabei in den vergangenen Jahren allerdings auf eine zunehmende Konzentration auf immer weniger Bereiche FuE-intensiver Technologien hin. Der Konzentrationsgrad nimmt auch in den USA zu -- allerdings nur langsam. Dennoch bleiben die USA die technologisch am stärksten diversifizierte Volkswirtschaft. In Japan wird hingegen langsam eine gewisse Einseitigkeit abgebaut und damit die Patentaktivität der Tendenz nach auf eine breitere Basis von Technikfeldern verteilt. Das Portfolio Deutschlands zeigt in seinen positiven wie negativen Ausprägungen einen Gleichklang zwischen der Patent- und Außenhandelsspezialisierung (vgl. Graphik II/13). Die Unterhaltungselektronik, Kommunikation, EDVInstrumente und Spitzenelektronik, also der gesamte Bereich der Mikroelektronik und ihre Anwendungen, sind die traditionellen technologischen Schwächen der deutschen Volkswirtschaft. Weder die Entwicklung der Patentanmeldungen noch die Veränderung der FuE-Aufwendungen geben gegenwärtig Anlaß zur Hoffnung auf eine Trendumkehr bei mikroelektronikbestimmten Produktgruppen. Inwieweit deutsche Unternehmen die Dynamik der Technologieentwicklung in der Kommunikationstechnik nutzen können, bleibt abzuwarten. Bemerkenswert ist eine allgemeine Verschlechterung des Patentaufkommens bei Pharmazeutika sowie in der Kraftwerks- und Turbinentechnik. Hier steht allerdings der nachlassenden Patentaktivität eine relativ starke und robuste Position im Welthandel gegenüber, die bislang von der nachlassenden Patentaktivität noch kaum berührt wurde. Als Frühindikator könnte die Patentaktivität jedoch auf kommende Schwächen auch in diesen Feldern hinweisen. In den übrigen Gebieten des Maschinenbaus und der Chemie besitzt Deutschland dagegen sowohl in der Technik als auch in der Außenhandelsspezialisierung deutliche relative Vorteile. Auffällig ist die nahezu komplementäre Struktur der Spezialisierungsmuster Deutschlands und Japans. Japan verfügt in jenen Technikfeldern über Stärken, in denen Deutschland Schwächen aufweist und umgekehrt. Zu den technologischen Stärken der USA zählt die Luft- und Raumfahrttechnik, weite Teile der Chemie sowie die moderne Mikroelektronik und ihre wichtigsten Anwendungsgebiete mit Ausnahme der Unterhaltungselektronik. Außenhandel mit forschungsintensiven Waren Der forschungsintensive Sektor der Industrie steht hochgradig im internationalen Wettbewerb. Hochtechnologiegüter haben ihren Anteil am Welthandel mit Gütern des verarbeitenden Gewerbes in den letzten 25 Jahren deutlich erhöht. Im allgemeinen sind die Außenhandelsquoten forschungsintensiver Sektoren überdurchschnittlich hoch. Insgesamt betrug der Anteil FuE-intensiver Waren an den gesamten Weltexporten 1993 wie auch im Vorjahr 45 %. Gemessen am Welthandelsanteil ist Japan seit 1991 größter Exporteur FuE-intensiver Waren. Auf Japan entfielen 1993 allein rd. 21 % der Gesamtausfuhren aller westlichen Industrieländer (vgl. Tabelle VII/49). An zweiter Stelle lagen die USA mit knapp 19 % vor Deutschland mit gut 16 %. FuE-intensive Waren stellten im Jahre 1994 mit 320 Mrd. DM etwa 49 % der deutschen Ausfuhr von Industriegütern; der Anteil importierter FuEintensiver Erzeugnisse an der Industriewareneinfuhr lag mit 200 Mrd DM bei 38 %. Der Außenhandel mit forschungsintensiven Gütern ist keine Einbahnstraße. Es bestehen enge Technologiegeber- Technologienehmerbeziehungen. Vor allem Länder, die selbst in der Produktion neuer Technologien stark sind, fragen viele neue Technologien auf internationalen Märkten nach. Importe führen zu einer Passivierung der Bilanzen einer Volkswirtschaft; andererseits ermöglichen sie den Zugriff auf ausländisches Know-how und tragen damit zu höheren Produktivitäten bei. In Deutschland und den USA wird besonders viel Spitzentechnologie auf dem Inlandsmarkt nachgefragt (4 % der Inlandsnachfrage). Bei höherwertigen Technologien sind Deutschland und Japan führend (9 % der Inlandsnachfrage). Im Bereich höherwertiger Technologien sind unterdurchschnittliche Spezialisierungsmaße für Deutschland die absolute Ausnahme. Höherwertige Technologien erzielen fast durchweg höhere Exportüberschüsse als andere Güter. Die Palette von Erzeugnissen mit ausgesprochen hohen Exportüberschüssen reicht von fast allen chemischen Erzeugnissen (von forschungsintensiven Grundstoffen bis zu Erzeugnissen für den privaten Verbrauch, Pflege und Heilmittel) über Erzeugnisse des Maschinenbaus (Arbeits-, Metallbearbeitungsmaschinen und sonstige Spezialmaschinen), Kraftwagen und Schienenfahrzeuge bis zu medizinischen Instrumenten, Zählern, Stromerzeugungsanlagen sowie höherwertigen Keramiken. Die im internationalen Handel als günstig zu beurteilende Angebotspalette ist also breit gestreut. Die Risiken von Branchenkonjunkturen sind deshalb trotz des Übergewichts von Investitionsgütern im Sortiment relativ gering. Der Vielzahl von Stärken deutscher Anbieter von höherwertigen Technologien müssen auch Schwachpunkte gegenüber stehen. Dies sind die mikroelektronikverwandten Bereiche Büromaschinen und Nachrichtentechnik, Stromverteilungseinrichtungen sowie Teile von Foto und Optik. Die Kehrseite der Spezialisierung Deutschlands auf höherwertige Technologien sind relativ schwächere Werte bei den Ausfuhr-Einfuhr- Relationen bei Spitzentechnologien. Nur 15 % der Industriewarenausfuhren stammen aus diesen Industrien (USA 30 %, Japan 19 %). Einige Gütergruppen aus dem Feld der Spitzentechnik haben allerdings eine ausgesprochen starke Wettbewerbsposition. Hierzu zählen Bereiche der chemischen Industrie (Pharma- und Wirkstoffe, neue Kunststoffe, Pflanzenschutz) ebenso wie Teile der Elektrotechnik (insbesondere Medizindiagnosegeräte) und der Meß- und Prüfkontrolltechnik. Andererseits ist speziell bei Luft- und Raumfahrzeugen und radioaktiven Stoffen (deren Marktergebnisse weniger marktgesteuert sind), bei EDV, Telekommunikation und Halbleiterbauelementen das Verhältnis der Ausfuhren zu den Einfuhren besonders niedrig. Die USA sind dagegen stark auf das gesamte Feld der Spitzentechnologien spezialisiert. Diese stabile Position der USA bei Spitzentechnologien hängt -- wie auch bei Frankreich und Großbritannien -- u. a. mit dem hohen FuE-Engagement im militärischen Bereich zusammen. Japan hat ungewöhnlich stark ausgeprägte Spezialisierungsvorteile bei Höherwertigen Technologien und Spitzentechnologien. Allerdings ist der Anteil der Importe forschungsintensiver Güter am Inlandsmarkt in Japan wesentlich niedriger als in Ländern vergleichbarer Größe. Deutschland ist der führende Technologielieferant im europäischen Raum und hat diese Position im Lauf der Zeit ständig ausgebaut. Gut 40 % aller Exporte von forschungsintensiven Gütern aus der EU in Drittländer waren in den vergangenen Jahren deutschen Ursprungs. Gegenüber den USA und auch gegenüber Japan weist Deutschland allerdings -- wenn auch leichte -- Spezialisierungsnachteile bei FuE-intensiven Waren insgesamt auf, die ausschließlich auf den Bereich der Spitzentechnologie gegründet sind. Bei höherwertiger Technik ist Deutschland gegenüber beiden Ländern im Vorteil, ohne das dies in jedem Fall mit hohen Exportvolumina gekoppelt sein muß. Während seit einigen Jahren die hochindustrialisierten Volkswirtschaften von der Ausweitung des Welthandels bei FuEintensiven Waren nur noch in geringem Maße profitierten, können insbesondere die asiatischen Schwellenländer, aber zunehmend auch aufschließende Entwicklungsländer zulegen. Ihr Anteil am Welthandel mit verarbeiteten Industriewaren ist kontinuierlich gewachsen und lag 1993 bei knapp 23 %. Dieser Trend schlägt sich in ständig zunehmenden Marktanteilen bei FuEintensiven Waren nieder. Insgesamt kamen 1993 rd. 16 % der FuEintensiven Warenimporte aus Nicht-OECD-Ländern, davon fast 60 % aus den asiatischen Schwellenländern. Die Tendenz ist stark steigend. Bei einzelnen Warengruppen gehören die NichtOECD-Länder mittlerweile sogar zu den Großexporteuren (Büromaschinen und -zubehör 25 %; Rundfunkempfangsgeräte 65 %). Sie sind zu ernstzunehmenden Konkurrenten für die Industrieländer herangewachsen. Insbesondere im Bereich Informationstechnik spielen Produkte aus den Nicht-OECD-Ländern inzwischen eine gewichtige Rolle. In allen zugehörigen Warengruppen liegen die Anteile deutlich über dem Durchschnitt für FuEintensiver Waren insgesamt. Unter besonderen Druck dürfte Japan geraten, denn das Angebot asiatischer Schwellenländer trifft auf ein sehr ähnliches Sortiment aus Japan. Deutschlands Technologieangebot ist hingegen nicht ganz so stark der Niedrigkostenländerkonkurrenz ausgesetzt. Die für Deutschland relevanten FuE-intensiven Warengruppen, der Maschinenbau, Automobilbau sowie der überwiegende Teil der Chemiewaren treffen auf dem Weltmarkt bisher auf wenig konkurrenzfähige Anbieter aus den Nich- OECD-Ländern. Dieses Bild könnte sich allerdings ändern, wenn die Länder des ehemaligen Ostblocks als z.T. traditionelle Investitionsgüterproduzenten ihre wirtschaftliche Umstrukturierung abgeschlossen haben und weitere Diversifizierungsanstrengungen Japans in der Industrie- und Exportstruktur erfolgreich sind. Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der forschungs- intensiven Sektoren im internationalen Vergleich Für die Bewertung der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung forschungsintensiver Industrien ist ihr Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Produktion sowie an Beschäftigung und Einkommen entscheidend. In Westdeutschland, den USA und Japan entfielen 1992 die Hälfte der industriellen Wertschöpfung auf forschungsintensive Industrien. Der Beitrag FuE-intensiver Branchen zum Inlandsprodukt insgesamt ist in Deutschland und Japan mit 13,5 % wesentlich größer als in den USA (8,5 %), Frankreich, Italien und Großbritannien (vgl. Tabelle II/24). Deutschland liegt auch beim Blick auf die Produktionsstruktur an der Spitze in den höherwertigen Technologien. Selbst die Spitzentechnologie im engeren Sinne trägt in Deutschland mit 3,5 % fast ebensoviel zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei wie in den USA und Japan. Trotz der Spezialisierungsnachteile der westdeutschen Industrie in Sektoren der Spitzentechnologie ist deren Bedeutung bezogen auf die Wertschöpfung der gesamten Wirtschaft nur knapp hinter derjenigen in Japan und in den USA und deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Dies liegt am hohen Anteil der Industrie an der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland. Der FuE-intensive Sektor hat seinen Anteil an der Industrieproduktion in Westdeutschland seit Ende der siebziger Jahre von etwa 42 % auf 45,5 % ausgebaut. Drei Viertel davon entfallen auf den Sektor höherwertiger Technologien. Ähnlich ist es bei der Beschäftigung. Dort kletterten die Anteile von 40 % auf gut 43 %. Aus der Entwicklung von Produktion und Beschäftigung wird die Zugpferdfunktion FuE-intensiver Industrien für die Wirtschaft deutlich. Wesentliche Eckpfeiler der überdurchschnittlich günstigen Entwicklung FuE-intensiver Industrien waren die Bereiche der Spitzentechnik, die ausnahmslos überdurchschnittlich zum Industriewachstum beigetragen haben. 10. Die Ressourcen für Forschung und Entwicklung im internationalen Vergleich Die Beschreibung eines nationalen Forschungs- und Technologiesystems anhand von Statistiken und Indikatoren bliebe unvollständig ohne einen internationalen Vergleich. Er setzt allerdings voraus, daß konsistente Daten zu Forschung und Entwicklung (FuE) für die interessierenden Länder -- im folgenden die G7-Staaten -- zur Verfügung stehen. Solche nach einer weitestgehend einheitlichen Methodik ermittelte Daten werden regelmäßig von OECD und EU bereitgestellt. Die Erhebungen der EU beziehen sich vor allem auf die für FuE veranschlagten Haushaltsmittel, mithin also auf Soll-Daten und nur auf den öffentlichen Bereich. Die OECD ergänzt diese, indem sie die entsprechenden Haushaltsdaten für alle nicht zur EU gehörenden OECD-Länder ermittelt. Ein wichtiger Bereich der umfangreichen OECD-Arbeiten auf dem Gebiet von FuE -- und auch der folgenden Darstellung -- sind die tatsächlich verausgabten Bruttoinlandsausgaben für FuE (BAFE) sowie aus diesen abgeleitete Kennzahlen. Diese BAFE umfassen alle zur Durchführung von FuE in einem Land aufgewendeten Mittel unabhängig von ihrer Finanzierungsquelle. Sie schließen die Mittel des Auslands und internationaler Organisationen für FuE im jeweiligen Land ein, lassen jedoch die von diesem geleisteten Zahlungen für FuE an das Ausland oder an internationale Organisationen unberücksichtigt. 1993, dem letzten Jahr, für das z. Z. Daten für alle G7-Staaten vorliegen, beliefen sich die Bruttoinlandsausgaben für FuE der G7- Staaten zusammen auf 347 Mrd $, gegenüber 1991 (333 Mrd $) sind sie damit um 4,2 % gestiegen. Die in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre für die hier betrachteten Länder beobachtete Tendenz zu rückläufigen Wachstumsraten der FuE-Mittel -- damals stiegen die FuE-Ausgaben pro Jahr um durchschnittlich 7 % gegenüber 11 % im Zeitraum 1981 bis 1985 - - hat sich damit deutlich verstärkt. Die in den Durchschnitt von 4,2 % eingehenden Veränderungsraten der einzelnen G7-Staaten weichen dabei nicht unbeträchtlich voneinander ab. Mit einem Wachstum von 10,8 % weist Großbritannien im Zeitraum von 1991 bis 1993 die höchste Steigerungsrate auf. Für dieses Land ist damit die für die Vorjahre charakteristische Phase unterproportionaler Zuwächse zu Ende gegangen. Außer Großbritannien weisen auch Kanada (7,2 %) und Frankreich (5,9 %) ein erheblich überdurchschnittliches Wachstum auf. Für die übrigen G7- Staaten ergeben sich demgegenüber unterproportionale Erhöhungen (Japan: 3,9 %, USA: 3,5 %, Deutschland: 3,0 % und Italien: 2,7 %). Diese unterschiedlichen Steigerungsraten reichten jedoch nicht aus, die sich hinsichtlich der absoluten Höhe der FuE-Ausgaben ergebenden Plazierungen der einzelnen G7-Staaten gegenüber den Vorjahren zu verändern. Mit 166 Mrd $ wiesen die USA auch 1993 die höchsten nominalen Bruttoinlandsausgaben für FuE auf. Auf diese entfällt damit knapp die Hälfte der in den G7-Staaten insgesamt eingesetzten FuE-Mittel. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Japan und Deutschland, wobei die FuE- Ausgaben Japans (1993: 74 Mrd $) etwa halb so hoch sind wie die der USA und doppelt so hoch wie diejenigen Deutschlands. Der Abstand Deutschlands (37 Mrd $) zum Viertplazierten (Frankreich) ist demgegenüber erheblich geringer. Mit 26 Mrd $ wendete dieses Land 1993 rd. 30 % weniger für FuE auf als Deutschland. Die FuE-Ausgaben von Großbritannien (Platz 5) beliefen sich 1993 auf knapp 22 Mrd $, es folgen Italien mit 13 Mrd $ und Kanada mit gut 8 Mrd $ (vgl. Tabelle II/25). Eine Betrachtung der absoluten Höhe der Bruttoinlandsausgaben für FuE und ihrer Veränderung reicht jedoch für einen Vergleich der Forschungsanstrengungen einzelner Länder nicht aus. Zum einen spiegeln die absoluten Beträge (auch) die erheblichen Größenunterschiede der betrachteten Volkswirtschaften wider, zum anderen liegen den einzelnen Veränderungsraten auch unterschiedliche Preisentwicklungen zugrunde. Diese beiden Einschränkungen gelten nicht, wenn statt der absoluten Höhe die sich für die einzelnen Länder ergebenden Anteile der Bruttoinlandsausgaben für FuE am Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrachtet werden. Inzwischen stellen diese die gebräuchlichste Kennzahl zur Messung und zum Vergleich nationaler Forschungsleistungen dar. Da die sich seit Anfang dieses Jahrzehnts verschärfende Wachstumsabschwächung bei den FuE-Ausgaben in aller Regel ausgeprägter als diejenige des BIP war, ging mit dem Beginn der neunziger Jahre für die hier betrachteten Länder die Periode kontinuierlich steigender FuE- Anteile am BIP zu Ende. Mit Ausnahme Großbritanniens lag der Wert dieser Kennzahl bei allen hier betrachteten Staaten 1993 unter demjenigen von 1991. Im Vergleich zu den übrigen G7-Staaten setzte diese rückläufige Tendenz bei Deutschland -- unter anderem bedingt durch die mit der Vereinigung einhergehenden besonders hohen BIP- Steigerungen -- bereits etwas früher ein. 1989 lag der FuE-Anteil am BIP noch bei 2,87 %, bis 1991 sank er auf 2,61 % und lag 1994 bei geschätzten 2,33 %. Eine vergleichbare relative Abnahme ergibt sich nur noch für die USA. Dort wurden 1991 noch 2,84 % des BIP für FuE aufgewendet, 1994 waren es 2,54 %. Als einzigem G7-Staat war es Japan - - 1991 -- gelungen, die 3 %-Marke zu überschreiten. Inzwischen liegt dieser Anteil auch in Japan wieder darunter (1993: 2,94 %). Die relativ höheren Steigerungen der FuE-Ausgaben in Frankreich im Vergleich zu Deutschland bei gleichzeitig niedrigerem BIP-Wachstum führten dazu, daß diese beiden Länder ihre Positionen inzwischen getauscht haben: Mit einem Anteil von 2,45 % in 1993 und 2,38 % in 1994 weist Frankreich seit 1993 einen höheren Wert als Deutschland (1993: 2,43 %; 1994: 2,33 %) auf und belegt hinter Japan und USA den bisher von Deutschland eingenommenen dritten Platz (vgl. Tabelle II/25) 16). Eine weitere statistische Kennzahl, die zum Vergleich der nationalen Forschungsanstrengungen herangezogen wird, stellen die je Einwohner eines Landes aufgewendeten FuE-Mittel dar. Mit 645 $ (1993) weisen weiterhin die USA die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für FuE auf. Ähnlich der Entwicklung der absoluten Beträge zeigt auch dieser Indikator, daß der Abstand zum nächstplazierten -- seit 1990 nicht mehr Deutschland sondern Japan -- gegenüber den achtziger Jahre geschrumpft ist. 1981 lagen die je Einwohner verausgabten FuE-Mittel des Zweitplazierten mit 259 $ (Deutschland) noch 20 % unter denjenigen der USA; mit 597 $ (Japan) betrug dieser Abstand 1993 nur noch 8 %. Ein besonders großer ,,Aufholprozeß" im Verlauf der achtziger Jahre kann -- bezogen auf diesen Indikator -- neben Japan auch Italien und Frankreich attestiert werden: 1981 betrugen die FuE-Ausgaben je Einwohner in Frankreich 205 $. Damit lag dieses Land Anfang der achtziger Jahre an fünfter Stelle; 1993 nahm es -- allerdings nur knapp vor Deutschland und mit deutlichem Abstand zu Japan und den USA -- mit 458 $ die dritte Position unter den G7-Staaten ein 17). Durch die Verdreifachung der Pro-Kopf-Ausgaben seit 1981 ist es darüber hinaus Italien gelungen, den 1981 bestehenden Abstand von fast 50 % zu Kanada auf 20 % zu verringern. Die Betrachtung der Zeitreihe für Deutschland zeigt auch hier, daß sie deutlich durch die Vereinigung beeinflußt wurde. Der Erhöhung der Bevölkerung stand kein vergleichbar hohes Wachstum der FuE-Ausgaben insgesamt gegenüber, was zu einem Rückgang von rd. 10 % in 1991 (444 $) gegenüber 1989 (488 $) führte. Betrachtet man nur den Zeitraum von 1991 an, so ist es auch bezogen auf diesen Indikator Großbritannien, das mit 10 % das höchste Pro-Kopf-Wachstum seiner FuE-Ausgaben aufweist, während sich für Frankreich (5 %), Italien (4 %) und Japan (3 %) geringfügigere Steigerungsraten und für die USA, Deutschland und Kanada keine nennenswerten Veränderungen feststellen lassen (vgl. Tabelle II/26). Eines der wichtigsten Charakteristika eines Forschungssystems stellt die Finanzierungsstruktur der Forschungsausgaben dar. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang insbesondere ein Vergleich der Länder hinsichtlich des vom Wirtschaftssektor finanzierten Anteils an den Bruttoinlandsausgaben für FuE. Entsprechende Daten liegen seitens der OECD für die hier betrachteten Länder derzeit bis 1993 vor. Seit Anfang der achtziger Jahre weisen Japan und Deutschland unverändert die höchsten Finanzierungsanteile für die Wirtschaft auf. In Deutschland ergeben sich seit 1989 diesbezüglich rückläufige Anteile. Dies liegt auch daran, daß die im Anschluß an die Vereinigung durchgeführte Umstrukturierung der öffentlichen FuE-Einrichtungen bzw. der Hochschulen wesentlich schneller voran kam als die der Wirtschaft, was zu einer ausgeprägten Veränderung der Finanzierungsanteile in 1991 gegenüber 1989 zugunsten der staatlich finanzierten FuE-Ausgaben führte. Für Japan ist nach kontinuierlich steigenden Wirtschaftsanteilen von 62,3 % in 1981 auf 72,7 % in 1991 seither eine (recht stark) rückläufige Tendenz zu verzeichnen. 1993 finanzierte die Wirtschaft Japans noch einen Anteil von 68,2 % der nationalen FuE- Ausgaben. Für alle anderen hier betrachteten Länder, deren diesbezügliche Werte traditionell sehr viel niedriger liegen, sind demgegenüber Steigerungen zu verzeichnen. Bezogen auf den Zeitraum von 1991 bis 1993 war der Zuwachs in Frankreich am deutlichsten. Für 1993 ergab sich für dieses Land mit 46,2 % ein um fast vier Prozentpunkte höherer Finanzierungsanteil der Wirtschaft als 1991 (42,5 %). Trotz dieser beträchtlichen Steigerung bleibt Frankreich neben Kanada das einzige Land innerhalb der G7-Staaten, in dem deutlich weniger als die Hälfte der insgesamt dort durchgeführten FuE von der Wirtschaft finanziert wird. Die Entwicklung der auf die öffentlichen Mittel entfallenden Anteile ergibt sich im wesentlichen ,,spiegelbildlich" hierzu. Für die USA und Deutschland läßt sich bezüglich der ,,Sonstigen" -- darin sind das Ausland sowie inländische Organisationen ohne Erwerbszweck zusammengefaßt -- ein seit vielen Jahren unveränderter Wert von rd. 2 % feststellen. Alle übrigen G7-Staaten -- mit Ausnahme Kanadas -- weisen für diese Finanzierungsquelle eine steigende Tendenz auf. Großbritannien, Japan und Kanada erreichen inzwischen zweistellige Werte. Mit Ausnahme Japans lassen sich die inzwischen relativ hohen Werte und Steigerungsraten in erster Linie auf das Ausland zurückführen. In Großbritannien, das 1993 hinsichtlich des Finanzierungsanteils der ,,Sonstigen" mit 15,6 % den höchsten Wert über alle G7-Staaten aufweist, beträgt der darin enthaltene Anteil des Auslands knapp 12 Prozentpunkte. Auch resultiert die für dieses Land zu beobachtende Steigerung um 2,6 Prozentpunkte seit 1989 zum größten Teil aus einer Erhöhung des vom Ausland finanzierten Anteils. Das gleiche gilt für Kanada. In dem für dieses Land genannten Prozentsatz von 14,5 (1993) ist das Ausland mit 10 Prozentpunkten enthalten (vgl. Tabelle II/27). Die Angaben zu den finanziellen FuE-Ressourcen eines Staates werden ergänzt durch Daten über das in FuE tätige Personal (vgl. Tabelle II/28). Zu den gebräuchlichsten Kennzahlen im Rahmen internationaler Vergleiche gehört hier die Relation aus Forschungspersonal und Erwerbspersonen. Für die USA sind solche Daten allerdings nicht verfügbar. Deutschland nahm bezüglich dieses Indikators in den achtziger Jahren durchweg die Spitzenstellung ein. Aufgrund der seit 1990 zu beobachtenden Rückgänge gegenüber kontinuierlichen Erhöhungen Japans kam es 1991 an der Spitze zum Wechsel; seitdem weist Japan den höchsten Wert auf (14,3 FuE-Beschäftigte je 1 000 Erwerbspersonen in 1993). Frankreich und Deutschland liegen mit 12,5 bzw. 12,3 FuE- Beschäftigte je 1 000 Erwerbspersonen in etwa gleichauf an zweiter bzw. dritter Stelle, wobei Frankreich das einzige Land neben Japan ist, in dem es in den letzten Jahren zu Erhöhungen kam. Für Großbritannien, Italien und Kanada ergeben sich konstante Werte. Unterschiede zwischen den G7-Staaten lassen sich bezüglich des ebenfalls ermittelten Forscheranteils feststellen. Traditionell ist es Japan, das mit großem Abstand den höchsten Wert aufweist (9,7 FuE-Beschäftigte je 1 000 Erwerbspersonen in 1993), der zudem seit 1989 noch um fast 10 % gestiegen ist. Allerdings ist hinsichtlich der Personaldaten für Japan ein methodischer Vorbehalt anzubringen: Anders als in den übrigen Ländern werden dort keine Vollzeitäquivalente, sondern Personenzahlen (,,Köpfe") erhoben, wodurch die Angaben Japans gegenüber denjenigen der anderen hier betrachteten Länder deutlich überzeichnet sein dürften. Während sich alle bisher betrachteten Indikatoren auf die Bruttoinlandsausgaben für FuE bezogen, sind in der Tabelle II/29 die Anteile der insgesamt vom Staat finanzierten FuE-Ausgaben, die auch die für FuE im Ausland aufgewendeten Mittel umfassen, am Bruttoinlandsprodukt dargestellt. Den höchsten Wert weist -- seit Ende der achtziger Jahre unverändert -- Frankreich auf (1,27 % in 1993). Die USA nehmen mit 1,12 % vor Deutschland (0,99 %) Platz zwei ein. Der mit Abstand niedrigste Anteil entfällt auf Japan (0,49 %). Betrachtet man die Entwicklung dieser Anteile seit 1991, ergibt sich ein uneinheitliches Bild: In Deutschland sank der Anteil kontinuierlich (1,03 % in 1991; 0,96 % in 1994). Rückläufige Werte weisen auch Frankreich, Großbritannien und die USA auf. Anders sieht es bei Italien und Japan aus: sie erhöhten ihren jeweiligen Anteil seit 1991 deutlich. Betrachtet man nur die Anteile der FuE-Ausgaben für zivile FuE am Bruttoinlandsprodukt, so steht Deutschland mit 0,91 % auch 1993 an erster Stelle. Die nächstgrößten Werte weisen -- auch dies über die Jahre unverändert -- Frankreich (0,84 %) und Italien (0,74 %) auf. Starke Unterschiede lassen sich hinsichtlich des Anteils der zivilen Forschung an den gesamten staatlichen Forschungsausgaben feststellen: Während auf diese in Deutschland, Japan, Italien und Kanada jeweils mehr als 90 % der Gesamtausgaben entfallen, ergibt sich für Frankreich ein Wert von rd. 66 %, für Großbritannien von etwa 57 % und für die USA von nur wenig mehr als 40 %. Wie eingangs erwähnt, werden im Rahmen von Erhebungen der Europäischen Union regelmäßig die öffentlich finanzierten Ausgaben für FuE (Haushaltssoll) -- gegliedert nach Forschungszielen -- ermittelt; z. Z. stehen Daten zum endgültigen Haushaltssoll bis 1993 und zum vorläufigen Haushaltssoll 1994 zur Verfügung (vgl. Tabelle VII/26). 1993 veranschlagten die EU-Staaten insgesamt FuE-Ausgaben in Höhe von 53,2 Mrd Ecu (1993: 1 Ecu = 1,94 DM), das sind 1,6 % weniger als sich für 1992 (54,1 Mrd Ecu) ergibt. Während in den achtziger Jahren durchgehend Frankreich die höchsten öffentlich finanzierten FuE- Ausgaben innerhalb der EU aufwies, ergeben sich -- in jeweiligen Preisen gemessen -- seit 1991 für Deutschland höhere Ausgaben: 1993 betrugen die von Bund und Ländern veranschlagten FuE-Ausgaben 16,1 Mrd Ecu, 1992 waren es 15,4 Mrd Ecu, dies entspricht einer Steigerung um knapp 5 %. Das entsprechende Haushaltssoll für Frankreich belief sich 1992 auf 13,2 Mrd Ecu und stieg um knapp 3 % auf 13,6 Mrd Ecu. Die dritthöchsten Beträge entfielen auf Großbritannien (1992: 6,8 Mrd Ecu; 1993: 6,9 Mrd Ecu). Damit bestritten diese drei Länder 1994 zusammen fast 70 % der von allen EU-Mitgliedstaaten für FuE vorgesehenen Ausgaben. Die sich insgesamt ergebende leichte Abnahme der für FuE veranschlagten Haushaltsmittel resultiert aus einem entsprechenden Rückgang um 23 % in Italien, um rd. 17 % bzw. 16 % in Finnland bzw. Schweden und um 12 % in Spanien (vgl. Tabelle VII/27). Die höchsten FuE-Ausgaben je Einwohner wiesen 1993 Frankreich (237 Ecu) und Schweden (236 Ecu) auf. Mit deutlichem Abstand folgen Deutschland (199 Ecu), Finnland (155 Ecu) und die Niederlande (144 Ecu), wobei die in den Niederlanden für FuE pro Kopf veranschlagten Mittel mit dem Durchschnitt über alle EU-Mitgliedsländer übereinstimmen. Die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate der öffentlich finanzierten FuE-Ausgaben über alle EU-Mitgliedsländer betrug, bezogen auf den Zeitraum von 1985 bis 1993, 4,8 %. Deutschland lag mit 6,9 % darüber, für Frankreich ergab sich ein geringfügig unterdurchschnittlicher Wert von 4,0 %. Als einziges der hier betrachteten 15 Mitgliedstaaten weist Großbritannien 1993 einen niedrigeren nominalen Betrag auf als 1985. Wie ein Vergleich mit der Veränderungsrate für zivile FuE -- hier ergibt sich für dieses Land ein Wert von 1,3 % -- zeigt, resultiert dies in erster Linie daraus, daß weniger Mittel für die Verteidigungsforschung aufgewendet wurden. Sehr hohe Zuwachsraten bei den FuE-Ausgaben insgesamt ergeben sich für die südeuropäischen Länder Portugal (22,8 %) und Spanien (12,3 %). Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit den jährlichen Steigerungen des BIP: Für den Zeitraum von 1985 bis 1993 ergibt sich ein Durchschnittswert über alle 15 EU-Länder von 6,3 %. Damit sind die öffentlich finanzierten FuE-Ausgaben schwächer gestiegen als das BIP. Die ,,FuE-Intensität" hat also nachgelassen. Abweichend davon weist Österreich ein fast doppelt so hohes Wachstum seiner FuE- Ausgaben gegenüber seinem BIP auf. Besonders ausgeprägte negative Abweichungen sind für Schweden, Großbritannien und insbesondere Griechenland zu beobachten. In Deutschland stimmen BIP- und FuE- Ausgaben-Wachstum mit jeweils knapp 7 % überein (vgl. Tabelle VII/27). Einen Überblick über die Gewichte der einzelnen sozioökonomischen Forschungsziele an den gesamten öffentlich finanzierten FuE-Ausgaben der Mitgliedstaaten und der EU insgesamt sowie ihre Veränderungen zwischen 1985 und 1994 gibt Tabelle II/31. Im Mittelpunkt steht hier traditionell der auf nichtzivile Forschung entfallende Anteil. Im Durchschnitt über alle EU-Staaten ergibt sich diesbezüglich 1994 ein Wert von rd. 20 %. 1985 betrug er noch knapp 26 %. Mit Anteilen von 32,4 bzw. 44,5 % sind es die hohen für Verteidigungsforschung veranschlagten Beträge in Frankreich bzw. insbesondere in Großbritannien, die zu dem relativ hohen Durchschnittsanteil führen. In Schweden entfallen rd. 20 % der öffentlichen Gesamtausgaben für FuE auf Verteidigungsforschung, die Anteile für alle anderen Länder liegen weit darunter (Spanien 11,3 %, Deutschland: 8,4 %, Italien: 8,9 %). In Tabelle II/32 sind die öffentlich finanzierten FuE-Ausgaben der EU- Mitgliedsländer nach Forschungszielgruppen zusammengefaßt. Neben dem auch hier -- bezogen auf das Europa der 12 -- sichtbar werdenden Rückgang des auf Verteidigung entfallenden Anteils, ist hier zum einen die Erhöhung des Anteils für die Allgemeinen Hochschulmittel von 21,2 % in 1985 auf 28,5 % in 1994, zum anderen die fast genau gegenläufige Entwicklung des ,,Technischen Bereichs" (28,9 % in 1985; 22,5 % in 1994) von Bedeutung. 11. Patent- und Lizenzbilanz der Bundesrepublik Deutschland Die unter dem Begriff ,,Technologische Zahlungsbilanz" zusammengefaßten Indikatoren grenzüberschreitender Einnahmen und Ausgaben für Patente und Lizenzen, Forschungs- und Entwicklungaufträge oder Ingenieurleistungen erfordern hinsichtlich der Interpretation besondere Sorgfalt und Kennerschaft. Angesichts der wachsenden Vielfalt von Wegen und Formen des Austausches technischen Wissens können sie allein kein vollständiges Bild des internationalen Technologietransfers geben, sie sind daher auch keine ausreichende Grundlage für ein Urteil über den technologischen Leistungsstand eines Landes oder einer Region. Nicht erfaßt im Rahmen der Technologischen Zahlungsbilanz, jedoch von großer Bedeutung für den grenzüberschreitenden Austausch technischen Wissens, sind vor allem der Außenhandel mit technologisch hochwertigen Industrieprodukten, der Verkauf industrieller Anlagen sowie die Errichtung von Produktions- und Vertriebsstätten außerhalb der Grenzen des Heimatlandes eines Unternehmens (Direktinvestitionen). Durch den Kauf von Betrieben in neuen Technologiefeldern und in darin führenden Forschungsregionen können Unternehmen neues technisches Wissen erwerben 18). Eine weitere Form des Technologietransfers ist die über den Austausch von wissenschaftlichem Personal. Wenn diese Transaktionen auch nicht unmittelbar Gegenstand der Technologischen Zahlungsbilanz sind, so wird die Höhe der hierfür relevanten Einnahmen und Ausgaben doch teilweise von ihnen beeinflußt. Über die Entwicklung des Patent- und Lizenzverkehrs der Bundesrepublik Deutschland mit dem Ausland sowie den sonstigen Austausch von technischem Wissen durch Dienstleistungen berichtet die Deutsche Bundesbank in regelmäßigen Abständen 19); die Ergebnisse basieren auf Meldungen gemäß Außenwirtschaftsverordnung. Auf internationaler Ebene werden Daten zu diesen Indikatoren von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bereitgestellt. Angesichts der vielfältigen Nutzung dieser Daten einerseits und der Probleme ihrer sachgerechten Interpretation andererseits wurde vor einigen Jahren im Rahmen der Arbeit der OECD ein Handbuch mit Empfehlungen über Richtlinien zur Sammlung und Interpretation von Statistiken zur Technologischen Zahlungsbilanz erarbeitet und publiziert. Es orientiert sich am Frascati-Handbuch, das allgemeine Richtlinien für statistische Übersichten in Forschung und experimenteller Entwicklung enthält (vgl. Teil VII, Kap. 1). Die längerfristige Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben für Patente, Erfindungen und Verfahren (vgl. Tabelle II/33) weist seit Beginn der siebziger Jahre ,,traditionell ein Defizit für die Bundesrepublik Deutschland aus. Der negative Saldo dieser Bilanz, der am Ende der achtziger Jahre auf rund zwei Milliarden DM angestiegen war, erreichte 1991 einen Wert von -- 2,8 Mrd DM. Seitdem ist er leicht rückläufig und liegt 1994, dem derzeit letztverfügbaren Wert, bei -- 2,2 Mrd DM. Während die diesem Saldo zugrundeliegenden Einnahmen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind, ist bei den Ausgaben seit 1992 erstmals ein Rückgang zu verzeichnen. Der negative Saldo ist jedoch kein Hinweis auf eine ,,technologische Lücke`` Deutschlands gegenüber dem Ausland. Ein Charakteristikum des deutschen Patent- und Lizenzverkehrs ist zudem, daß grenzüberschreitende Zahlungen überwiegend zwischen verbundenen Unternehmen stattfinden (vgl. Tabelle II/33). 1993 entfielen 59 % der Einnahmen auf Unternehmen mit Beteiligungen im Ausland und 78 % der Ausgaben auf Unternehmen, die im Inland von ausländischen Konzernen abhängig sind; 1994 betrugen die entsprechenden Anteile 63 % bzw. 74 %. In ihrer Berichterstattung zur Entwicklung des Patent- und Lizenzverkehrs weist die Bundesbank auf die strukturellen und institutionellen Besonderheiten dieses Indikators hin. Die Tatsache, daß der größte Teil der Zahlungen zwischen verbundenen Unternehmen abgewickelt wird, deutet darauf hin, daß die Unternehmen bestrebt sind, das technische Wissen im Konzernverbund zu halten, um Konkurrenz für die eigenen Produkte und den damit verbundenen Verlust von Marktanteilen zu verhindern. Betrachtet man nur die Unternehmen mit Beteiligungen im Ausland, so ergibt sich -- wie in den Jahren zuvor -- 1994 ein Einnahmenüberschuß (+ 1 000 Mio DM), er ist gegenüber 1993 (+ 808 Mio DM) deutlich angestiegen und hat etwa wieder das Niveau der Vorjahre erreicht. Der Negativsaldo der Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung ist - - wie in den beiden Jahren davor -- zurückgegangen und liegt nun bei rd. -- 2,9 Mrd DM. Für die negative Patent- und Lizenzbilanz der Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung können sehr unterschiedliche Faktoren ausschlaggebend sein, neben technologischen sind insbesondere ökonomische und steuerliche von besonderer Bedeutung. Das Recht, ein Patent oder technisches Verfahren zu nutzen, wird in den meisten Fällen als Herstellungs- oder Vertriebslizenz vergeben. Die entsprechenden Zahlungen fließen i. d. R. von den Tochterfirmen an ihre Muttergesellschaften. Daher weisen die inländischen Firmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung hohe Ausgabenüberschüsse aus, während die inländischen Unternehmen mit Tochterfirmen im Ausland stets hohe Einnahmenüberschüsse zu verzeichnen haben. Angesichts der Zunahme deutscher Direktinvestitionen im Ausland -- sie übersteigen die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland bei weitem -- mag es zunächst überraschen, daß auch weiterhin die Einnahmen deutscher Konzerne aus dem Patent- und Lizenzverkehr mit ausländischen Tochterfirmen hinter den entsprechenden Zahlungen inländischer Tochterfirmen an ihre ausländischen Muttergesellschaften zurückblieben (sie erreichen nur knapp 50 %). Die Deutsche Bundesbank führt dies auf das vergleichsweise geringe Alter des deutschen Unternehmensvermögens im Ausland und den höheren Anteil besonders technologieintensiver Direktinvestitionen des Auslands in Deutschland zurück. Sie gibt zu bedenken, daß es im Hinblick auf die unterschiedlich hohe Steuer- und Abgabenlast in den einzelnen Ländern insbesondere zwischen verbundenen Unternehmen zu Verschiebungen zwischen Patent- und Lizenzzahlungen einerseits sowie Gewinnausschüttungen andererseits kommen kann 20). Die Zahlungsbilanz hat nur finanzielle Transaktionen zum Gegenstand, daher treten Fälle, in denen die Einräumung von Lizenzen durch Sachleistungen entgolten wird, in der Lizenzbilanz nicht in Erscheinung. Wie die Zahlungen im Patent- und Lizenzverkehr unterliegen auch die Zahlungen von Kostenbeiträgen zur Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben unterschiedlichen Einflußfaktoren. Bei den grenzüberschreitenden Einnahmen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die sich insbesondere auf die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren einschließlich wissenschaftlicher Beratung beziehen, verzeichnete Deutschland lange Jahre Überschüsse, 1991 waren es + 912 Mio DM. In den Jahren 1992 und 1993 wies dieser Indikator erstmals einen negativen Saldo auf (1993: -- 148 Mio DM). 1994 wurde wieder ein deutlicher Überschuß erreicht (+ 295 Mio DM; vgl. Tabelle VII/24). Hinter dieser Entwicklung verbargen sich zunächst einerseits stagnierende Einnahmen, andererseits deutlich steigende Ausgaben. 1994 ergaben sich zunehmende Einnahmen (knapp + 4 %) und ein recht deutlicher Rückgang der Ausgaben ( -- 6,0 %). Auffällig ist, daß das Verarbeitende Gewerbe insgesamt auch 1994 einen negativen Saldo aufweist. Ausschlaggebend ist hier -- wie in der Vergangenheit -- der negative Saldo bei der Chemischen Industrie und -- seit 1993 -- der Elektrotechnischen Industrie und Datenverarbeitung. Zur positiven Entwicklung tragen somit nur die sonstigen Wirtschaftszweige -- darunter Handel und Dienstleistungen -- bei. Die Betrachtung der wichtigsten Partnerländer bei den grenzüberschreitenden Transaktionen zeigt den Einfluß des wachsenden negativen Saldos bei der Zusammenarbeit mit außereuropäischen Industrieländern (insb. den USA), und den des -- nach vormals deutlichen Rückgängen -- wieder zunehmenden positiven Saldos bei der Kooperation im Bereich der EU (einschl. im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprogrammen; vgl. Tabelle VII/24). Aus der Wirtschaftsgliederung des Patent- und Lizenzverkehrs mit dem Ausland geht hervor, daß die Elektrotechnische Industrie (einschl. Datenverarbeitung), die Chemische Industrie sowie die Metallerzeugenden und metallverarbeitenden Industrien nach wie vor die wichtigsten Lizenzgeber und -nehmer sind. Auf diese drei Wirtschaftsbereiche zusammen entfielen 1994 gut 80 % der Einnahmen und knapp 67 % der Ausgaben. Für sich gesehen entwickelten sie sich jedoch sehr unterschiedlich; dies gilt auch für die übrigen Wirtschaftszweige wie z.B. Handel und Dienstleistungen (vgl. Tabelle VII/22). Bei den Einnahmen hat die Chemische Industrie 1994 -- wie auch 1993 -- den größten Anteil (gut 44 %), bei den Ausgaben ist ihr Anteil gegenüber 1993 (19,4 %) geringfügig gewachsen (19,7 %). Insgesamt stehen 1994 Einnahmen der Chemischen Industrie in Höhe von 1 211 Mio DM Ausgaben von 978 Mio DM gegenüber. Bei der Elektrotechnischen Industrie hat sich der -- unverändert negative -- Saldo 1994 gegenüber 1993 nahezu nicht verändert. Ihr Anteil an den Einnahmen und Ausgaben insgesamt nahm zu (auf 22,6 % bzw. 41,2 %) und lag bei den Einnahmen deutlich über, bei den Ausgaben unter dem Wert von 1992 (21,4 % bzw. 47,7 %). Der negative Saldo beträgt 1994 gut -- 1,4 Mrd DM. Der Saldo der Metallerzeugenden und metallverarbeitenden Industrien, der in den Vorjahren leicht angestiegen war, ist 1994 wieder zurückgegangen, er liegt 1994 bei -- 81 Mio DM, 1993 betrug er + 166 Mio DM. Die Partnerländer der Bundesrepublik Deutschland im Patent- und Lizenzverkehr sind fast ausschließlich Industrieländer. Der Anteil dieser Länder an den Einnahmen betrug 1994 82,2 %, bezogen auf die Ausgaben lag er bei 98,7 % (vgl. Tabelle VII/23). Während sich diese Anteile im Zeitverlauf nur wenig veränderten, stieg der Anteil der EU- Länder an den auf die Industrieländer entfallenden Einnahmen weiter an, und zwar auf 47,7 % (1993 betrug er 42,1 %); der entsprechende Anteil an den Ausgaben ging mit 19,7 % leicht zurück (1993 lag er bei 20,6 %). Bei den Ausgaben konzentrierten sich auch 1994 die Zahlungen auf die Länder USA (60,6 %), die Schweiz (13,8 %) und, mit Abstand, die Niederlande (5,9 %), Frankreich (4,6 %) und Japan (3,7 %). Die USA, die Niederlande und die Schweiz sind -- gemessen am Buchwert ihres Unternehmensvermögens -- zugleich die bedeutendsten Direktinvestoren in Deutschland 21). Die Einnahmen sind -- vergleichbar den deutschen Direktinvestitionen im Ausland -- breiter gestreut. Gut die Hälfte (56,1 %) der Einnahmen insgesamt kamen 1994 aus den USA (24,7 %), Japan (12,0 %), Frankreich (7,2 %), Italien (6,2 %) und Großbritannien (6,0 %). Während sich die Anteile der EU-Länder insgesamt erhöhten, blieb der Japans stabil; der der USA ging zurück. Die Anteile der Reformländer (darunter China) schwächten sich im Verlauf der Jahre seit 1990 ab (1994: 2,8 %), die der Entwicklungs- und OPEC-Länder haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Die USA sind nach wie vor das wichtigste Partnerland der Bundesrepublik Deutschland beim Patent- und Lizenzverkehr; das traditionelle deutsche Defizit zugunsten dieses Landes bewegt sich seit 1991 etwas oberhalb von -- 2 Mrd DM. 1994 im Vergleich zu 1993 leicht steigend ist dagegen das Defizit mit der Schweiz, deutlich rückläufig in diesem Zeitraum das mit den Niederlanden. Gegenüber den meisten Industrieländern, insbesondere Japan, aber auch den anderen Ländergruppen, besteht nach wie vor ein Einnahmenüberschuß. Bei den Ergebnissen zum Patent- und Lizenzverkehr im internationalen Vergleich ist zu berücksichtigen, daß die nationalen Daten aus statistisch-methodischen Gründen nicht immer unmittelbar vergleichbar sind. So werden hier im Gegensatz zu der rein nationalen Darstellung auch Urheberrechte einbezogen (vgl. Tabelle VII/28). Die vorliegenden Daten für 1991 bis 1993 weisen unter den EU-Ländern nur bei Großbritannien und Schweden Überschüsse auf. Stark ausgeprägt ist weiterhin der positive Saldo der USA (1993: + 15,6 Mrd $), negativ der Japans (-- 3,3 Mrd $). Deutlich höher als bei den EU-Partnern liegt das Defizit der Bundesrepublik Deutschland (1993: -- 2,4 Mrd $). Unter den Industrieländern gehört die Bundesrepublik Deutschland zu den wichtigsten Lizenznehmern, größere Ausgaben hat in dieser Bilanz nur Japan. Bei den Lizenzgebern liegt Deutschland hinter den USA, Japan, Großbritannien und Italien an fünfter Stelle. In den meisten Staaten sind die Defizite, wie auch bei Deutschland, zurückgegangen; in Finnland und Belgien weiteten sie sich geringfügig aus. Die komplexen Zusammenhänge zwischen den Zahlungen im Patent- und Lizenzverkehr einerseits und den wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen (Unternehmensfusionen, Joint venture, etc.) andererseits, weisen auf die Schwierigkeiten bei der Interpretation dieser Daten hin. Die Aussage, ob eine positive oder negative Lizenzbilanz volkswirtschaftlich besser ist, kann nicht gemacht werden. Einer- seits spricht eine positive Bilanz für die technologische Stärke einer Branche in Deutschland und das hohe Engagement der Unternehmen im Ausland (Direktinvestitionen), andererseits zeigen die Lizenzausgaben an, daß technisches Wissen aus dem Ausland erfolgreich in Deutschland eingesetzt wird. Eine eindeutige Bewertung des Saldos der Lizenzzahlungen als Indikator für die technologische Leistungsfähigkeit ist aber nicht möglich 22). Gesamtpersonal der von Bund und Ländern gemeinsam bzw. vom Bund getragenen wissenschaftlichen Einrichtungen Regionale Verteilung In einer Sondererhebung wurde die regionale Verteilung des Gesamtpersonals (Stellen, Annex- und Drittmittelpersonal) aller von Bund und Ländern nach Artikel 91 b GG gemeinsam geförderten Forschungseinrichtungen: Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), der Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), Großforschungs- (GFE) und Blaue Liste-Einrichtungen (BLE) sowie der wissenschaftlichen Einrichtungen des Bundes mit Forschungsaufgaben erfragt. Der Berichtskreis umfaßt mithin den überwiegenden Teil des außeruniversitären Sektors. Es fehlen die Landeseinrichtungen mit Forschungsaufgaben sowie die privaten, weder überwiegend von der Wirtschaft noch vom Staat finanzierten Forschungseinrichtungen, die jedoch einen vergleichsweise kleinen Anteil am Personal des außeruniversitären Sektors stellen. Auf die Ermittlung der auf Forschungstätigkeiten entfallenden Anteile wurde verzichtet; bis auf wenige Ausnahmen wurden daher alle Einrichtungen zu 100 % erfaßt. Dies führt dazu, daß insbesondere die Daten zu den Bundeseinrichtungen mit FuE-Aufgaben, denen neben FuE auch andere Tätigkeiten obliegen, deutlich über andernorts ermittelten Angaben zum FuE-Personal liegen. Die sich auf dieser Grundlage ergebende Verteilung des Gesamtpersonals auf die einzelnen Bundesländer ist in der Tabelle II/S dargestellt. Nach dieser Sondererhebung betrug 1994 die gesamte personelle Kapazität der von Bund und Ländern gemeinsam bzw. vom Bund getragenen wissenschaftlichen Einrichtungen im Inland knapp 75 000 Vollzeitäquivalente. Auf der Grundlage des Stellensolls und der von den Einrichtungen vorgenommenen Schätzungen zum Annex- und Drittmittelpersonal ergibt sich für 1995 mit 77 500 ein um rd. 2 700 Personen höherer Personalbestand. Fast ein Fünftel des gesamten Personals der hier betrachteten Einrichtungen (1994 Ist) läßt sich Berlin zuordnen, mit rd. 5 000 (1994) bzw. 5 500 (1995) Personen entfällt rd. ein Drittel davon auf Berlin-Ost. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen weisen in etwa gleichhohe Anteile von jeweils 15 % auf, gefolgt von Bayern und Niedersachsen, deren jeweiliger Anteil am Gesamtpersonal des außeruniversitären Sektors bei rd. 10 % liegt. In den neuen Ländern einschl. Berlin-Ost waren insgesamt rd. 14 800 Personen in den vom Bund bzw. von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Institutionen tätig. Damit stimmt der auf diese Länder entfallende Anteil von 20 % recht genau mit demjenigen von Berlin insgesamt überein (zur regionalen Verteilung der Bevölkerung, der Erwerbstätigen und des Bruttoinlandsprodukts siehe Teil VII). Den folgenden Analysen liegt die Liste forschungsintensiver Güter des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe zugrunde, die auf einer Zweiteilung der FuE-intensiven Waren in Spitzentechnik und höherwertige Technik beruht. Der Bereich Spitzentechnik umfaßt Produktgruppen, bei denen im Durchschnitt ein FuE-Anteil von über 8,5 % des Umsatzes zu beobachten ist. Der Bereich höherwertige Technik umfaßt Produktgruppen mit einem FuE-Anteil am Umsatz von zwischen 3,5 % und 8,5 %. Strukturen der technologischen Leistungsfähigkeit können über Spezialisierungsmaße deutlich gemacht werden. Spezialisierung im Außenhandel meint, daß das Verhältnis von Exporten zu Importen positiver ist als im Industriedurchschnitt. Eine hohe Patentspezialisierung zeigt, daß der Anteil eines Landes an weltmarktrelevanten Patenten auf einem Technologiefeld höher ist als der durchschnittliche Anteil eines Landes an allen weltmarktrelevanten Patenten. 1) ,,Frascati Manual 1993 -- Proposed Standard Practice for Surveys of Research and Experimental Development", Paris (OECD) 1994 (vgl. Teil VII, Kap. 1). 2) Nettoausgaben. 3) Im Unterschied zum bisherigen Konzept (Bundesbericht Forschung 1993) wird das Ausland nicht mehr in die Betrachtung einbezogen. Zu den FuE- Ausgaben, die vom Sektor Ausland zur Finanzierung von FuE in Deutschland bereitgestellt werden vgl. Tabelle VII/3; 1995 waren es geschätzte 1,4 Mrd DM. 4) Ein weiteres Beispiel für den Unterschied beider Aggregate findet man bei den Daten zu den Mitteln des Staates an die Wirtschaft, hier sind die beim Staat erhobenen Daten in der Regel höher als die bei der Wirtschaft erfragten. Die unterschiedlichen Erhebungsanlagen und die teilweise erforderlichen Schätzungen, zeitliche Faktoren etc. spielen hierfür eine Rolle, aber auch methodische, wie etwa die Beurteilung der Abgrenzung von FuE und anderen Aktivitäten. Zusätzlich maßgebend ist, daß indirekte Forschungsförderung (z. B. die Mittel des Bundes aus der Maßnahme Forschungspersonal-Zuwachsförderung etc.) gemäß internationalen Richtlinien (Frascati-Handbuch) nicht zu den Mitteln des Staates, sondern denen der Wirtschaft zu rechnen sind; vgl. Teil VII, Kap. 1). 5) In diesem Zusammenhang ist die Höhe der in den Erhebungen der Wirtschaft nicht nachgewiesenen Mittel des Staates von Bedeutung (vgl. Tabelle VII/3 und Kap 1 in Teil VII). 6) Betrachtet man die Entwicklung über den Zeitraum von 1981 bis 1994, so sind die FuE-Ausgaben des Bundes um rd. 56 % gestiegen, dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate von 3,5 %. 7) Im Rahmen der Zusammenlegung der Bundesministerien für Bildung und Wissenschaft sowie Forschung und Technologie wurde die FuE- Leistungsplansystematik des Bundes um Förderschwerpunkte erweitert. Unter dem Förderschwerpunkt A 6 sind die ,,Überwiegend hochschulbezogenen Sonderprogramme" zusammengefaßt, die bisher in verschiedenen anderen Förderschwerpunkten enthalten waren. Der Bereich ,,Bildungsforschung" wurde in ,,Berufsbildungsforschung" und ,,Übrige Bildungsforschung" unterteilt. In den vorliegenden, den Bereichen Wissenschaft, Forschung und Entwicklung gewidmeten Darstellungen sind nach wie vor nicht enthalten die Ausgaben nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) und die übrigen nicht FuE- oder wissenschaftsrelevanten Bildungsausgaben. 8) Daten für die Jahre 1993 und 1994 konnten noch nicht bereitgestellt werden. 9) Daten zu den finanziellen und personellen Ressourcen für Forschung und Entwicklung (FuE) im Wirtschaftssektor werden regelmäßig von der SV-Wissenschaftsstatistik GmbH (SV-WiStat) erhoben und ausgewertet. Zur Zeit liegen endgültige Ist-Daten bis zum Jahr 1993 vor. Für 1994 wurden -- wie für die geraden Jahre vorher -- Schätzdaten auf der Basis einer Kurzbefragung ermittelt. Ferner sind im Rahmen der Kurzbefragung für 1994 erfragte Plandaten zu den finanziellen FuE-Ressourcen für 1995 vorhanden (vgl. Tabellen II/14 und II/15 sowie die wirtschaftsbezogenen Tabellen im Teil VII). 10) In den ,,FuE-Gesamtaufwendungen" sind die internen und externen FuE-Aufwendungen zusammengefaßt. Bei der Interpretation dieser Statistik ist zu beachten, daß in diesem Aggregat Doppelzählungen enthalten sind, da externe FuE-Aufwendungen gleichzeitig auch interne FuE-Aufwendungen sein können -- nämlich immer dann, wenn FuE von einer Einheit des Wirtschaftssektors finanziert und von einer anderen Einheit dieses Sektors durchgeführt wird. 11) Neben dieser Entwicklung, die besonderes Augenmerk verdient, stützt der deutliche Rückgang der FuE-Aufwendungen bei der chemischen Industrie die Hypothese, daß hier Aufbau und Erwerb von Forschungskapazitäten im Ausland und die Durchführung biotechnologischer Forschung im Ausland ihren statistischen Niederschlag finden. 12) Aufschlußreich ist neben der branchenspezifischen Betrachtung auch die regionale Verteilung der FuE-Ressourcen der Wirtschaft. Die auf Baden-Württemberg und Bayern entfallenden internen FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors beliefen sich 1993 auf 25,5 Mrd DM, mithin knapp die Hälfte des gesamten FuE-Budgets der Wirtschaft. 80 % dieser Mittel lassen sich dabei den WZ 24 und 25 zuordnen, das sind zwei Drittel dessen, was insgesamt in diesen WZ zur Durchführung von FuE aufgewendet wird. Der nächsthöchste Gesamtbetrag ergibt sich mit knapp 9 Mrd DM -- in etwa die Summe, die in Baden-Württemberg und Bayern allein auf den WZ 25 entfällt -- für Nordrhein-Westfalen (NRW). Damit weist NRW um rd. 1 Mrd DM höhere FuE-Aufwendungen auf als die Region bestehend aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Mit jeweils über 3 Mrd DM besonders stark vertreten ist in diesen beiden Regionen der WZ 20. Nordrhein-Westfalen ist darüber hinaus das Bundesland, für das Einrichtungen der IfG die größte Rolle spielen: ungefähr 50 % der internen FuE-Aufwendungen der IfG insgesamt lassen sich allein diesem Bundesland zuordnen. 13) Für die Anteile der externen FuE-Aufwendungen, die auf die alten bzw. die neuen Länder entfallen, liegen unmittelbar keine Angaben vor, da die Regionalisierung der FuE-Daten nach dem Sitz der FuE-Stätten in den Ländern nur für die Daten nach der Durchführung von FuE (interne FuE-Aufwendungen, FuE-Personal) vorgenommen wird. Werden die Anteilswerte der internen FuE-Aufwendungen der alten bzw. der neuen Länder an den internen FuE-Aufwendungen 1993 für Deutschland insgesamt auf die externen FuE-Aufwendungen übertragen, so ergeben sich die hier genannten Relationen. 14) Frankreich: 52 %, Großbritannien: 59 %, Italien: 44 %, Kanada: 47 %, für die USA liegen entsprechende Daten nicht vor (vgl. Kap. 10). 15) Die bei der regionalen Betrachtung der FuE-Aufwendungen festgestellte ,,Dominanz" der Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern (50 %) zeigt sich bezogen auf das FuE-Personal mit 47 % etwas weniger stark ausgeprägt. Der höchste Anteil entfällt dabei mit über 66 000 Personen auf den WZ 24, dem damit deutlich mehr FuE-Personal zugeordnet werden kann als insgesamt auf das diesbezüglich drittplazierte Nordrhein-Westfalen (48 431) entfällt. Wie bereits bei den internen FuE-Aufwendungen konstatiert, liegt der relative Schwerpunkt der FuE- Kapazität dieses letztgenannten Bundeslandes im WZ 20. Nur in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zusammen wird in diesem WZ mit 22 405 Personen mehr FuE-Personal beschäftigt als in Nordrhein-Westfalen (14 309). 16) Außerhalb der G7-Staaten gehören Schweden (1993: 3,26 %) und die Schweiz (1992: 2,68 %) zu den Ländern mit Spitzenwerten bei dieser Kennzahl (vgl. Tabelle VII/25). 17) Auch hier nehmen Schweden und die Schweiz mit 549 $ und 618 $ unter den OECD-Staaten Spitzenwerte ein. 18) Vgl. Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, Materialband, im Auftrag des BMBF, Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Bonn 1996, S. 14. 19) Monatsberichte der Deutschen Bundesbank (zuletzt im April 1992), Statistische Beihefte zu den Monatsberichten (monatlich) sowie Sonderveröffentlichungen (Technologische Dienstleistungen in der Zahlungsbilanzstatistik, Mai 1994). 20) Vgl. Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, April 1992. 21) Vgl. Statistisches Jahrbuch 1995, S. 697. 22) Vgl. Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands, Materialband, im Auftrag des BMBF, Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Bonn 1996, S. 17f. Teil III Schwerpunkte der Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundes Inhalt Seite Einführung 135 Forschungsförderung und Ressortforschung 136 1. Trägerorganisationen; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme 137 Grundfinanzierung der Max-Planck-Gesellschaft 138 Grundfinanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft 139 Grundfinanzierung der Fraunhofer Gesellschaft 139 Aus- und Neubau von Hochschulen 140 Überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme 141 Hochschulsonderprogramm I (HSP I) 141 Hochschulsonderprogramm II (HSP II) und Hochschulerneuerungsprogramm (HEP); u. a. Frauenforschung 141 Sonderprogramme der DFG 143 2. Großgeräte der Grundlagenforschung 145 3. Meeresforschung und Meerestechnik, Polarforschung 148 Meeresforschung 149 Programm Meeresforschung der Bundesregierung 149 Förderung von Einrichtungen zur Meeresforschung 150 Meerestechnik 151 Forschungskonzept Meerestechnik 1994--1998 152 Polarforschung 153 Antarktis/Arktis 153 4. Weltraumforschung und Weltraumtechnik 154 Entscheidungen der ESA-Ministerkonferenz in Toulouse (1995) 155 Zielsetzungen und Leitlinien der deutschen Raumfahrtpolitik 156 Aktivitäten im nationalen Rahmen und in internationaler Zusammenarbeit 156 5. Energieforschung und Energietechnologie 158 Kohle und andere fossile Energieträger 160 Eneuerbare Energien und rationelle Energieverwendung 161 Erneuerbare Energiequellen und neue Sekundärenergieträger 161 Energie aus nachwachsenden Rohstoffen 162 Rationelle Energieverwendung und Einsparung fossiler Energien bei der Energienutzung 162 Nukleare Energieforschung (ohne Beseitigung kerntechnischer Anlagen) 163 Reaktorsicherheit 164 Endlagerung 164 Strahlenschutzforschung 165 Seite Beseitigung kerntechnischer Anlagen; Risikobeteiligung 166 Kernfusionsforschung 166 6. Umweltforschung; Klimaforschung 167 Ökologische Forschung 171 Ökosystemforschung 171 Urban-industrielle Landschaften 171 Waldlandschaften 172 Agrarlandschaften 173 Fluß- und Seenlandschaften 173 Ökotoxikologie 174 Biotop- und Artenschutz 174 Umweltbelastung und Gesundheit 175 Handlungsmöglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften 175 Umwelttechnologien 175 Produktionsintegrierter Umweltschutz (PIUS) 176 Sicherheitsforschung und Sicherheitstechnik 176 Abfallvermeidung und -verwertung, Entsorgung 177 Altlastensanierung 177 Wasserforschung und -technologie 178 Klima- und Atmosphärenforschung 180 Forschung zu globalen Umweltveränderungen 180 Atmosphärenforschung 180 Klimaforschung, Klimawirkungsforschung 182 7. Forschung und Entwicklung im Dienste der Gesundheit 183 Schwerpunkte im Programm ,,Gesundheitsforschung 2000" 186 Forschung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) 189 Forschungsaktivitäten des BMI, des BMFSFJ 191 8. Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen 191 Forschungs- und Entwicklungsprogramm ,,Arbeit und Technik" 192 Mittelfristige Handlungsfelder 193 Arbeit und Technik in kleineren und mittleren Unternehmen und im Handwerk 194 Arbeit und Technik in den neuen Ländern 194 9. Informationstechnik (einschließlich Fertigungstechnik) 195 Überblick 198 Informatik 198 Informationstechnik und Gesellschaft 200 Basistechnologien der Informationstechnik 201 Anwendung der Mikrosystemtechnik (einschl. Mikroelektronik, Mikroperipherik) 205 Fertigungstechnik 206 10. Biotechnologie 208 Überblick 210 Strukturelle und thematische Schwerpunkte 210 Rechtliche Fragen 213 Seite 11. Materialforschung; physikalische und chemische Technologien 215 Materialforschung: Werkstoffe für Zukunftstechnologien 217 Bilanz des Programms ,,Materialforschung" 217 Das neue Programm für die Materialforschung 217 Umweltschutz und Materialforschung 217 Flankierende Maßnahmen: Demonstrationszentren 218 Physikalische und chemische Technologien 218 Physikalische Technologien 219 Chemische Technologien 220 Laserforschung und Lasertechnik 220 Ressortforschung des BMWi 222 12. Luftfahrtforschung und Hyperschalltechnologie 222 13. Forschung und Technologie für bodengebundenen Transport und Verkehr (einschließlich Verkehrssicherheit) 225 Faktoren für Wirtschaftswachstum und Lebensqualität 226 Bahnen für den Fernverkehr -- Rad/Schiene-Technik 226 Geschwindigkeit von morgen: Magnetschwebebahntechnik 227 Attraktiver und leistungsfähiger: Der Öffentliche Nahverkehr 227 Umweltfreundlicher und effizienter: Kraftfahrzeuge und Straßenverkehr 228 Kooperation und Vernetzung: Güterverkehr und Transportketten 228 14. Geowissenschaften und Rohstoffsicherung 230 Geowissenschaften (insbesondere Tiefbohrungen) 231 Geowissenschaftliche Grundlagenforschung 231 Erdbeben- und Vulkanismusforschung 232 Geothermie/Geodäsie 232 Rohstoffsicherung 232 15. Raumordnung und Städtebau; Bauforschung 233 Raumordnung, Städtebau, Wohnungswesen 234 Experimenteller Wohnungs- und Städtebau 235 Bauforschung und -technik, Forschung und Technologie für den Denkmalschutz, Straßenbauforschung 235 16. Forschung und Entwicklung im Ernährungsbereich 238 17. Forschung und Entwicklung in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei 239 18. Bildungsforschung 241 Allgemeine Aufgaben der Bildungsforschung des Bundes 242 Einrichtungen der Bildungsforschung 242 Hochschulen 242 Berufliche Bildung 243 Übergreifende Themen 244 19. Innovation und verbesserte Rahmenbedingungen 246 Indirekte Förderung des FuE-Personals in der Wirtschaft 248 FuE-Personal-Zuwachsförderung (BMBF) 248 Personalförderung Ost (BMWi) 249 Seite Verbesserung des Technologie- und Wissenstransfers 249 Förderung der Forschungskooperation in der mittelständischen Wirtschaft (BMBF) 249 AFO: Auftragsforschung und -entwicklung/Ost (BMBF) 249 AWO: Auftragsforschung und -entwicklung West-Ost (BMBF) 250 ,,Patentstelle für die Deutsche Forschung der Fraunhofer Gesellschaft" (BMBF) 250 Vorhaben zur Verbesserung des Technologietransfers (BMWi) 250 Beteiligung am Innovationsrisiko von Technologieunternehmen 251 Modellversuch Beteiligungskapitel für junge und kleine Technologieunternehmen (BJTU) 251 Programm ,,Beteiligungskapital für kleine Technologieunternehmen" (BTU) 251 Förderung von technologieorientierten Unternehmensgründungen in den neuen Ländern (BMBF) 251 Förderung von Technologie- und Gründerzentren in den neuen Ländern (BMBF) 251 Übrige indirekte Fördermaßnahmen (ohne indirekt-spezifische) 252 Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung durch das BMWi 252 Förderung der Produkterneuerung im Beitrittsgebiet 252 Programm zur Produkterneuerung in den neuen Ländern (BMBF) 252 ERP-Innovationsprogramm 252 Rationalisierung und wissenschaftlich-technische Ressortdienstleistungen 253 Übrige Fördermaßnahmen (BMWi) 253 Innovationsförderung in den neuen Ländern durch das BMWi 253 Förderung von Projekten bei wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen in den neuen Ländern -- marktvorbereitende Industrieforschung (BMWi) 254 20. Fachinformation 254 Staatlich geförderte Infrastruktur 255 Steigerung der Nutzung von Fachinformationen 256 Neues Konzept 258 21. Geisteswissenschaften; Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 258 Geisteswissenschaften 259 Sozialwissenschaften; u. a. Förderung im Bereich BMFSFJ, BMA, BMJ, BMWi 261 22. Übrige, nicht anderen Bereichen zugeordnete Aktivitäten 266 Technikfolgenabschätzung (TA) 267 Entwicklungspolitische Forschung (BMZ) 268 Übrige Aktivitäten; u. a. Internationale Zusammenarbeit, Hochschulförderung 268 Zivil- und Katastrophenschutzforschung 270 23. Wehrforschung und -technik 271 Schwerpunkte der Forschungs- und Entwicklungsförderung des Bundes In diesem Teil des Forschungsberichts wird dargestellt, wie die Ziele der Forschungs- und Technologiepolitik der Bundesregierung in den einzelnen Bereichen von Forschung und Entwicklung ausgestaltet werden. Insbesondere wird über die Ausrichtung der Forschungsprogrammatik, wichtige Ergebnisse und deren Umsetzung sowie über die Einbindung in die internationalen Forschungsaktivitäten berichtet und ein Ausblick auf künftige Forschungsgebiete gegeben. Die Darstellung schließt an den Bundesbericht Forschung 1993 an. Die FuE-Aktivitäten des Bundes sind nach thematisch abgegrenzten Förderbereichen und -schwerpunkten anhand der FuE- Leistungsplansystematik des Bundes gegliedert, unabhängig davon, welches der Bundesressorts die Aktivitäten finanziert und ob es sich dabei um institutionelle oder Projektförderung bzw. um internationale Beiträge handelt. Gliederung nach thematischen Förderbereichen Die Struktur ist aus der Graphik ersichtlich, die für die einzelnen Förderbereiche die FuE-Ausgaben des Bundes (Soll 1995) wiedergibt. Die Entwicklung der FuE-Ausgaben im Zeitraum von 1992 bis 1996 ist für die einzelnen Förderbereiche im jeweiligen Kapitel graphisch dargestellt. Einige Förderbereiche sind nicht themenspezifisch, sondern haben einen übergreifenden Charakter: Im Förderbereich A ist die Grundfinanzierung für MPG, FhG sowie DFG erfaßt. Diese Organisationen entscheiden autonom über den Einsatz der Mittel für die verschiedenen Forschungsfelder. Auch die Ausgaben für den Aus- und Neubau von Hochschulen kommen grundsätzlich allen Disziplinen der Hochschulforschung zugute. Im Bereich B ist die Förderung von Großgeräten der Grundlagenforschung zusammengefaßt, an deren Nutzung viele Forschungs- Förderbereiche A, B und X sind thematisch übergreifend felder, von Elementarteilchenphysik über Materialforschung bis zu Biologie und Medizin partizipieren. Schließlich weist auch die Wehrforschung und -technik (X) eine Besonderheit auf. Sie umschließt -- unter wehrtechnischen Aspekten betriebene -- FuE verschiedener Felder: von Informatik, Materialforschung über Luft- und Raumfahrtforschung bis Medizin und Psychologie, sowie die Ausgaben für die Entwicklung und Erprobung von Wehrtechnik. Die Darstellung in den einzelnen Förderbereichen macht in der Zusammenschau die Umsetzung übergreifender forschungspolitischer Ziele der Bundesregierung deutlich: Forschung -- neues Wissen, neue Technik, neue Produkte Die FuE-Förderung z. B. in der Informationstechnik als einem der ausgewiesenen Schwerpunkte des BMBF orientiert sich am Wandel zur Informationsgesellschaft und überschreitet inzwischen bei den jährlichen Ausgaben die Milliardengrenze. Auf dem Gebiet der Biotechnologie hat die BMBF-Förderung im zurückliegenden Zeitraum zur Schaffung einer leistungsfähigen Infrastruktur für exzellente Forschung beigetragen, z. B. in Gestalt der Genzentren. Künftig rückt die wirtschaftliche Anwendung der Biotechnologie noch stärker in den Vordergrund. In der Gesundheitsforschung sollen klinische Forschergruppen medizinische Grundlagenforschung mit Fragestellungen der klinischen Forschung verbinden. In der Umweltforschung, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert, soll z. B. der Umweltschutz in Produktionsprozesse und Produkte integriert werden. Die Weltraumforschung wird mit Themen der Erdbeobachtung zunehmend unmittelbar anwendungsbezogen; der europäische Beitrag zur internationalen Raumstation hat reale Konturen erhalten. In der Meeres- , Polar-, Klima- und geowissenschaftlichen Forschung leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag in weltumspannenden Forschungsprogrammen. Kennzeichnend für viele Förderbereiche sind Verbundprojekte, in denen sowohl universitäre als auch außeruniversitäre Einrichtungen mit industriellen Forschungsstätten gemeinsam und aufgabenteilig arbeiten. Damit wird ein intensiver Wissenstransfer und eine rasche Marktwirksamkeit von neuen Erkenntnissen erreicht. Koordinierung der FuE-Aktivitäten der Bundesministerien In einer Reihe von Förderbereichen haben neben dem BMBF andere Ressorts z.T. erhebliche Anteile an den Forschungsaktivitäten. Diese sog. Ressortforschung (siehe Textkasten) ist in erster Linie auf die Erfüllung der Ressortaufgaben gerichtet. Sie kann auch zum allgemeinen Erkenntnisgewinn beitragen, wie z. B. bei Vorhaben des BMG zur Erforschung von Krankheitsursachen. Die FuE-Aktivitäten der verschiedenen Ressorts haben naturgemäß Berührungspunkte. Im Interesse einer effizienten Forschung und der Vermeidung von Doppelforschung ist daher eine Abstimmung zwischen den beteiligten Ressorts erforderlich. Dem trägt das Koordinierungskonzept der Bundesregierung Rechnung. Grundanliegen ist die thematische Abstimmung der Forschungsinhalte, die bis zur Gestaltung gemeinsamer Programme mehrerer Ressorts (Regierungsprogramme) führt. Derartige Programme bestehen z. B. auf den Gebieten Gesundheitsforschung, Arbeit und Technik, Luftfahrtforschung. Ein gemeinsames Umweltforschungsprogramm unter Beteiligung mehrerer Ressorts wird derzeit ausgearbeitet; für weitere (z. B. Bauen und Wohnen, Fachinformation) sind entsprechende Vorarbeiten im Gange. Darüber hinaus erfolgt eine kontinuierliche Abstimmung auf verschiedenen Arbeitsebenen, wofür z.T. feste Arbeitsgremien vereinbart wurden (z. B. interministerielle Koordinierungsgremien für Gesundheitsforschung bzw. Luftfahrtforschung). Andererseits besteht ein bewährtes Instrumentarium zur interministeriellen Koordinierung durch Information. Dieses reicht von der aggregierten Darstellung der Forschungsaktivitäten und dafür eingesetzter Ressourcen eines Ministeriums bis hin zur Abstimmung einzelner Vorhaben unmittelbar vor der Entscheidung zur Durchführung (,,Frühkoordinierung"). Der Interministerielle Ausschuß für Wissenschaft und Forschung, in dem die Forschungsbeauftragten der Ressorts vertreten sind, begleitet die Koordinierungsaktivitäten der Ressorts. 1. Trägerorganisationen; Hochschulbau und überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme (Förderbereich A) Gute Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung Wissenschaft und Forschung gedeihen nur in einem attraktiven Umfeld, das auch dem internationalen Vergleich standhält. Dazu gehören die materielle Ausstattung der Hochschulen und anderer Forschungseinrichtungen ebenso wie gute Ausbildungsbedingungen für den akademischen Nachwuchs. Die Forschungsorganisationen werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert -- fächerübergreifend und vorwiegend institutionell; dies gilt auch für die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau. Damit wird das für eine Kultur- und Industrienation unentbehrliche breite Spektrum der wissenschaftlichen Arbeit gesichert. Der Bund fördert gemeinsam mit den Ländern die beiden großen Forschungsorganisationen Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und Fraunhofer- Gesellschaft (FhG). An dieser Grundfinanzierung ist der Bund bei der MPG mit 50 %, bei der FhG mit 90 % beteiligt. Während die MPG freie Grundlagenforschung auf neuen, für die Zukunft wichtigen Gebieten durchführt, die an den Universitäten noch nicht etabliert sind, konzentriert sich die FhG auf die angewandte Forschung, insbesondere die Umsetzung der Ergebnisse der Grundlagenforschung. Auch die Förderorganisation Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird gemeinsam von Bund und Ländern finanziert. Sie fördert als Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft einzelne Wissenschaftler sowie Wissenschaftlergruppen aller Fächer durch verschiedene Programme. Der jeweilige Bundesanteil liegt bei 50% und darüber. Die DFG fördert vor allem die Hochschulforschung. Sie trägt neben MPG und FhG wesentlich zur Stärkung und Integration der Forschung in den neuen Ländern wie auch zur internationalen Zusammenarbeit bei. Den Aus- und Neubau von Hochschulen einschließlich der Hochschulkliniken nehmen Bund und Länder gleichfalls als Gemeinschaftsaufgabe wahr. Hier geht es grundsätzlich darum, die Hochschulen als Bestandteil des gesamten Bildungs- und Forschungssystems an die nationalen und internationalen Anforderungen anzupassen. Dazu gehört, daß in diesem Bereich unter Berücksichtigung der außeruniversitären Forschungseinrichtungen auch Forschungsschwerpunkte an den Hochschulen gefördert werden. Gemeinsame Finanzierung der Forschungs- und Förderorganisationen sowie Hochschulbau durch Bund und Länder Darüber hinaus fördert der Bund mit zeitlich befristeten und zusammen mit den Ländern vereinbarten Sonderprogrammen die Hochschulen in Bereichen, die aufgrund ihrer besonderen Bedeutung oder Belastung rascher und überproportionaler Förderung bedürfen. Diese Sonderprogramme dienen sowohl der Lehre als auch der Forschung (siehe Textkasten). In den Jahren 1991 bis 1996 lag dabei ein besonderer Akzent auf der Umstrukturierung von Hochschule und Forschung in den neuen Ländern. Grundfinanzierung der Max-Planck-Gesellschaft Die Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. (MPG) ist eine Selbstverwaltungsorganisation. Sie betreibt freie Grundlagenforschung insbesondere auf neuen, für die Zukunft wichtigen Forschungsgebieten, die an den Universitäten noch nicht etabliert sind. Mit ihren Forschungsthemen ergänzt die MPG die an den Universitäten betriebene Forschung. Die MPG (vgl. Teil VI, Kap. 2.1) unterhält z.Z. rd. 100 Institute, Laboratorien, Forschungsstellen und Arbeitsgruppen. Ein besonderes Anliegen der MPG ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: An Max-Planck-Instituten (MPI) arbeiten mehr als 30 Nachwuchsgruppen; 1994 waren rd. 2 750 inländische sowie 1 420 ausländische Doktoranden und Postdoktoranden in der MPG beschäftigt. Die Schwerpunkte der Forschung in den MPI liegen im physikalischen und chemischen, im biologischen und medizinischen Bereich und in der Rechtsvergleichung. Dem dynamischen Charakter der Wissenschaften trägt die MPG Rechnung durch thematische Erneuerung mittels Berufungen, Gründungen und Schließungen. Seit 1972 hat die MPG rd. 70 Abteilungen und Einrichtungen gegründet (davon 27 seit 1992) und etwa 50 geschlossen (davon 12 in den letzten 3 Jahren). Hinzu kommen die 27 befristeten Arbeitsgruppen, die 1992 an Universitäten der neuen Länder eingerichtet wurden und die 7 geisteswissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte, die die MPG durch ihre Tochter Förderungsgesellschaft Wissenschaftliche Neuvorhaben auf Empfehlung des Wissenschaftsrates bis Ende 1995 betreut hat (vgl. Teil VI, Kap. 2.1). Mit den 27 Arbeitsgruppen verwirklichte die MPG ein Konzept zur Stärkung der Hochschulforschung in den neuen Ländern: Die Arbeitsgruppen wurden an Universitäten errichtet und werden 5 Jahre lang von der MPG betreut. Anschließend sollen sie in die gastgebenden Universitäten integriert werden. Ihrer eigentlichen Aufgabe, Grundlagenforschung in eigenen Instituten zu betreiben, kommt die MPG in den neuen Ländern in derzeit 12 Instituten nach: -- dem MPI für Mikrostrukturphysik in Halle (1992), -- dem MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung mit den Teilstandorten Teltow, Berlin-Adlershof und Freiberg (1992), die später in Golm bei Potsdam zusammengeführt werden, -- dem MPI für Physik komplexer Systeme in Dresden (1993), -- dem MPI für Erforschung von Wirtschaftssystemen in Jena (1993), -- dem MPI für Infektionsbiologie in Berlin-Ost (1993), -- dem MPI für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm (1994), -- dem MPI für Wissenschaftsgeschichte in Berlin-Ost (1994), -- dem MPI für neuropsychologische Forschung in Leipzig (1995), -- dem MPI für chemische Physik fester Stoffe in Dresden (1995), -- dem MPI für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig (1995), -- dem MPI für demographische Forschung in Rostock (1995) und -- dem MPI für Gravitationsphysik in Potsdam (1995), das später ebenfalls nach Golm kommt. In der Gründungsphase befinden sich weitere 3 Einrichtungen: das Teilinstitut des Garchinger MPI für Plasmaphysik, das in Greifswald entsteht, sowie die 1995 vom Senat der MPG beschlossenen MPI für chemische Physik fester Stoffe in Dresden und für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig. Die Wissenschaftler an den Instituten der MPG sind bei ihrer Forschungsarbeit in entscheidendem Maße auf die Zusammenarbeit mit ihren ausländischen Kollegen angewiesen. Dafür standen 1994 Mittel in Höhe von 25 Mio DM zur Verfügung, die zum größten Teil zur Unterstützung von Forschungsaufenthalten ausländischer Wissenschaftler an MPI verwendet wurden. Insgesamt waren 1994 an Einrichtungen der MPG 2200 ausländische Stipendiaten und Gastwissenschaftler tätig, von denen 637 (rd. 30%) aus Ländern Mittel- und Osteuropas kamen (309 allein aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, die damit noch vor den USA mit 256 Gästen und vor der Volksrepublik China mit 141 Gästen rangieren). Die projektbezogene Zusammenarbeit der MPI mit ausländischen Forschungseinrichtungen hat sich nach der Errichtung von Instituten und Arbeitsgruppen in den neuen Ländern verstärkt. 1994 wurden rd. 1 800 Projekte unterschiedlicher Themenstellung gemeinsam mit Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen in 53 Ländern durchgeführt. Dabei wurden mehr als 1 400 Projekte aus Mitteln der MPG, über 200 Projekte aus Mitteln der EU und der Rest aus sonstigen Drittmitteln finanziert. Gemeinsam mit den anderen großen deutschen Wissenschaftsorganisationen bemüht sich die MPG um die Einbindung der Wissenschaftler in die Vorbereitung und Durchführung von EU-Programmen sowie eine Repräsentation der Wissenschaft auf europäischer Ebene. Hier geht es vor allem darum, die European Science Foundation organisatorisch und politisch so umzustrukturieren, daß sie auch auf wissenschaftspolitischem Gebiet als anerkannte Vertreterin der europäischen Wissenschaft auftreten kann. Die MPG engagiert sich weiter für die Delegation von bisher allein bei der Europäischen Kommission angesiedelten Aufgaben im Bereich der Forschungsförderung an europäische, multilaterale, bilaterale und nationale Einrichtungen. Ein erstes Beispiel für die Delegation von Aufgaben ist AMICA (Advanced Molecular Initiative in Community Agriculture). Seit 1994 arbeiten in diesem dezentralen Verbund für die europäische Pflanzenforschung 117 Laboratorien aus 11 Mitgliedstaaten der EU zusammen an dem internationalen Projekt ,,Plant Molecular Genetics for an Environmentally Compatible Agriculture", für das die EU 24 Mio ECU zur Verfügung stellt. Ein Konsortium aus dem John Innes Centre, Norwich/UK, und dem MPI für Züchtungsforschung, Köln, hat gemeinsam mit einem Science Board, der mit hervorragenden Wissenschaftlern aus fast allen europäischen Ländern besetzt ist, die dezentrale wissenschaftliche Koordinierung und Verwaltung dieses Pilotprojekts übernommen. Der Haushalt 1995 der MPG (ohne das als Großforschungseinrichtung geförderte MPI für Plasmaphysik) beläuft sich auf 1 564 Mio DM einschließlich 65 Mio DM Projektmittel. An institutioneller Förderung bringen Bund (BMBF) und Länder 1404 Mio DM im Verhältnis 50 : 50 auf. Grundfinanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert als Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft vor allem die Hochschulforschung in all ihren Disziplinen: von den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften über Biowissenschaften einschließlich der Medizin bis hin zu den Natur- und den Ingenieurwissenschaften. Die DFG (vgl. auch Teil VI, Kap. 1.1) fördert Einzelvorhaben (insbesondere Normalverfahren) und Gemeinschaftsprojekte (Forschergruppen, Schwerpunktprogramme, Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs). Sie fördert weiterhin Forschungsinfrastruktur (z. B. das Forschungsschiff ,,Meteor") und das wissenschaftliche Bibliothekswesen einschließlich der Entwicklung neuer Informationsstrukturen an den Hochschulen. Sie wirkt wesentlich mit, die Bereitstellung und Erneuerung der in den Hochschulen benötigten wissenschaftlichen Großgeräte (HBFG) zu koordinieren. Die DFG vertritt die deutsche Wissenschaft in den großen internationalen wissenschaftlichen Organisationen und pflegt bilaterale wissenschaftliche Beziehungen mit einer Vielzahl von Staaten. Durch die Koordinierungsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi) fördert die DFG die verstärkte Inanspruchnahme der EU-Förderungsstrukturen. Schwerpunktprogramme unter Beteiligung europäischer Partner sollen grenzüberschreitende Forschungskooperationen festigen. Die DFG trägt wesentlich zur Stärkung und Integration der Forschung in den neuen Ländern bei. Während zunächst vor allem Vorhaben im Normal- und Schwerpunktverfahren gefördert wurden, wird inzwischen auch eine wachsende Zahl von Forschungskooperationen an Hochschulen, oft unter Beteiligung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, finanziert. Dazu zählen insbesondere Graduiertenkollegs (siehe unten, Textkasten), Sonderforschungsbereiche und seit 1994 Innovationskollegs, die ausschließlich zum Ausbau der Forschungsstruktur an den Hochschulen der neuen Länder bestimmt sind (vgl. Kap. 22). Darüber hinaus hat sich die DFG bereit erklärt, im Rahmen ihrer Verfahren Anträge der in enger Verbindung mit Universitäten gegründeten ,,Geisteswissenschaftlichen Zentren" (vgl. Kap. 21) sowie Projekte der ,,lebenswissenschaftlichen Forschungsinstitute" in den neuen Ländern zu fördern. Aus der Grundfinanzierung (1995 -- Bund 936 Mio DM) wird die Förderung nach dem Normal- und Schwerpunktverfahren sowie der Sonderforschungsbereiche getragen. Einschließlich der Mittel für die weiteren Programme standen der DFG im Jahre 1995 insgesamt 1927 Mio DM zur Verfügung; 1147 Mio DM davon aus Bundesmitteln. Grundfinanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (FhG) ist Trägerorganisation von Einrichtungen für angewandte Forschung. Insbesondere mit der Durchführung von Vertragsforschungsvorhaben für Wirtschaft und staatliche Stellen, aber auch mit dem Angebot an Informations- und Serviceleistungen tragen die Forschungseinrichtungen der FhG dazu bei, Ergebnisse der Grundlagenforschung in die Praxis umzusetzen. Die FhG umfaßt 47 Einrichtungen für angewandte Forschung (ohne Außenstellen) und 2 Dienstleistungseinrichtungen (vgl. auch Teil VI, Kap. 2.2) in 14 Bundesländern. Die institutionelle Förderung durch Bund und Länder ermöglicht der FhG die Bearbeitung selbstgewählter Forschungsthemen zur Sicherung ihres wissenschaftlichen Potentials und die Entwicklung neuer Technologien bzw. deren ständige Beobachtung. Sie bietet Unternehmen der Wirtschaft und staatlichen Stellen ihre Leistung in folgenden 8 Bereichen an: -- Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik, -- Informations- und Kommunikationstechnik, -- Produktionstechnik, Fertigungstechnologie, -- Werkstofftechnik, Bauteilverhalten, -- Sensorsysteme, Prüftechnik, -- Verfahrenstechnik, -- Energie- und Bautechnik, Umwelt- und Gesundheitsforschung, -- technisch-ökonomische Studien, Informationsvermittlung. Da die FhG regelmäßig Nachwuchswissenschaftler gewinnen muß und ihr keine nennenswerten Ressourcen für die Grundlagenforschung zur Verfügung stehen, ist die FhG auf die enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen angewiesen. Dafür sind gemeinsame Berufungen auf Lehrstühle oder Honorarprofessuren und in die Leitung von Fraunhofer-Instituten wesentlich. Bei der Vertragsforschung arbeitet die FhG nach einem Modell der leistungsabhängigen Grundfinanzierung. Entsprechend der Bund-Länder- Vereinbarung über die gemeinsame Förderung der FhG (1977) bedeutet dies, daß die öffentliche Finanzierung vom Umfang der Gesamterlöse der FhG aus FuE abhängig gemacht werden soll. Der Wirtschaftsplan 1995 der FhG sieht Gesamtausgaben von 1261 Mio DM vor, davon entfallen auf den von Bund (BMBF) und Ländern geförderten Bereich 1177 Mio DM. Davon sollen 658 Mio DM durch eigene Einnahmen, der Rest durch die Grundfinanzierung des Bundes (90 %) und der Länder (10%) sowie Sonderfinanzierungen gedeckt werden. Aus- und Neubau von Hochschulen Der Aus- und Neubau von Hochschulen einschließlich Hochschulkliniken als Stätten von Lehre und Forschung und Einrichtungen zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses wird als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern durchgeführt (Artikel 91a GG). An Hochschulbauvorhaben, die in den gemeinsamen Rahmenplan aufgenommen wurden (Grunderwerb, Baukosten, Ersteinrichtungen einschließlich Großgeräte), beteiligt sich der Bund mit 50% der Kosten. Die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau ist seit ihrem Inkrafttreten 1971 kontinuierlich fortentwickelt worden; inzwischen wurden 25 Rahmenpläne vom Planungsausschuß für den Hochschulbau verabschiedet. Dabei sind immer wieder regionen- und länderübergreifende sowie thematische Planungsanstöße für den Hochschulbereich gegeben worden. Zu nennen sind hier der verstärkte Ausbau der Fachhochschulen sowie die Einbeziehung der neuen Länder in das HBFG im Jahr 1991. Für den Ausbau der Hochschulen in den neuen Ländern sind in der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau 1991 bis 1994 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Mrd DM vom Bund mitfinanziert worden. Damit konnten Investitionen ohne Verzögerungen fortgeführt, dringende Bau- und Sanierungsmaßnahmen begonnen und Hochschuleinrichtungen schnell mit wissenschaftlichen Großgeräten, Computern und Büchergrundbeständen ausgestattet werden. Da die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau eine laufende gesetzliche Aufgabe ist, stehen auch für die kommenden Jahre entsprechende Mittel nach Maßgabe der Haushaltspläne zur Verfügung. In die gemeinsame Förderung sind die Anschaffung und der Ersatz von wissenschaftlichen Großgeräten für die Lehre und Forschung an Hochschulkliniken wie z. B. Beschleuniger, Vektorrechner, Kernspintomographen einbezogen. Ein Teil der Hochschulbaumittel wurde für die Ausstattung der Hochschulen mit modernen Informations- und Kommunikationstechniken, die Mitfinanzierung von Hochschulnetzen und Höchstleistungsrechnern, die Ausstattung mit Computern über das Computer-Investitions-Programm (CIP) und den Arbeitsplatz für Wissenschaftler (WAP) eingesetzt. Der Bundesanteil an den Ausgaben für Großgeräte einschließlich CIP und WAP betrug 1994 235 Mio DM. Vom Gesamtansatz der Mittel des Bundes für den Aus- und Neubau von Hochschulen werden -- entsprechend dem durchschnittlichen FuE-Anteil der Hochschulen -- 30% in die FuE-Ausgaben des Bundes einbezogen. Überwiegend hochschulbezogene Sonderprogramme Universitäten und Fachhochschulen werden außerordentlich stark beansprucht. Deshalb haben Bund und Länder über das Hochschulsonderprogramm I (HSP I) die Ausbildungskapazitäten wesentlich erweitert. Es wird ergänzt vom Hochschulsonderprogramm II (HSP II), das insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs fördert. In den neuen Ländern trägt das Hochschulerneuerungsprogramm (HEP) dazu bei, die Qualität von Forschung und Lehre zu verbessern. Der gezielten Unterstützung junger Akademiker dienen auch die verschiedenen Sonderprogramme der DFG, die ebenfalls von Bund und Ländern finanziert werden. Hochschulsonderprogramm I (HSP I) Das Programm zur Sicherung der Leistungsfähigkeit und zum Offenhalten der Hochschulen in besonders belasteten Fachrichtungen (HSP I), das 1989 vom Bund und den alten Ländern vereinbart wurde, ist nach siebenjähriger Laufzeit 1995 erfolgreich abgeschlossen worden. Bund und Länder hatten gemeinsam den Hochschulen jährlich 150 Mio DM zur Verfügung gestellt, um die Ausbildungskapazitäten in besonders belasteten Studiengängen zu erweitern und so neue Zulassungsbeschränkungen zu verhindern und bereits bestehende zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder aufzuheben. Mit den Mitteln wurden in den Universitäten und Fachhochschulen (FH) je etwa 1 600 zusätzliche Stellen geschaffen, die z.T. auch zur Einrichtung neuer praxisorientierter Studiengänge gedient und zur Strukturverbesserung im Hochschulbereich beigetragen haben. Insbesondere in den FH wurde die Personalausstattung wesentlich verstärkt. Auf diesem Wege wurden rd. 16 900 zusätzliche Plätze für Studienanfänger geschaffen, davon mehr als 9 000 in den FH (insbesondere für die Fächer Wirtschaft, Elektrotechnik und Maschinenbau). An den Universitäten wurden Betriebswirtschaftslehre sowie Informatik und benachbarte Studiengänge ausgebaut. Die Personalverstärkung ist anteilig auch der Forschung an den Universitäten und insbesondere den FH zugute gekommen. Hochschulsonderprogramm II (HSP II) und Hochschulerneuerungsprogramm (HEP) Ergänzend zum HSP I wurde vom Bund und den alten Ländern 1990 das Programm zur Sicherung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen und Forschung, insbesondere zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, vereinbart (HSP II). Die Laufzeit dieses Programms beträgt 10 Jahre. Von 1991 an stellen Bund und Länder dafür zusätzlich 4 Mrd DM bereit (der Bund trägt 2,4 Mrd DM, die Länder 1,6 Mrd DM der Ausgaben). Darüber hinaus haben Bund und Länder am 11. Juli 1991 eine Vereinbarung über ein Erneuerungsprogramm für Hochschule und Forschung in den neuen Ländern (HEP) geschlossen, das für den Zeitraum 1991 bis 1996 insgesamt 2,4 Mrd DM [im Verhältnis 75% (Bund) zu 25% (neue Länder)] bereitstellt. Ziel des Programms ist es, die Qualität von Forschung und Ausbildung in den neuen Ländern schnell zu verbessern. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehören insbesondere Soforthilfen zur personellen Erneuerung im Hochschulbereich, Eingliederung von Wissenschaftlern aus den Akademien in die Hochschulen (WIP) oder die von Bund und Länder gemeinsam geförderten Einrichtungen (Wissenschaftlerintegration) sowie die Sicherung der Infrastruktur. Zu den im HSP II und HEP weitgehend gemeinsam verfolgten Zielen gehören insbesondere: Nachwuchsförderung Differenzierte Instrumente fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs auf allen Qualifikationsebenen. Dazu gehören: Habilitationsförderung, Promotionsförderung, Aufbau von Graduiertenkollegs (siehe Textkasten bei DFG) sowie weitere Maßnahmen (wie die Schaffung von Qualifikationsstellen, Postdoktorandenförderung, das modifizierte Heisenberg-Programm sowie die Förderung der Mobilität und des wissenschaftlichen Austauschs). Zu den wichtigsten Maßnahmen im einzelnen: Der DFG wurden zur Habilitationsförderung für die Jahre 1991 bis 1993 aus Mitteln des HSP II bzw. HEP insgesamt 148 bzw. 11,2 Mio DM zugewiesen. Ausgegeben wurden 41,2 bzw. 2,9 Mio DM, davon rd. 30 % für Frauen. (Die Diskrepanz zwischen Programmsumme, Zuweisung und Ausgaben ist derzeit Gegenstand der Beratungen zur Revision des HSP II). Für Promotionsfördermaßnahmen der Begabtenförderungswerke und über Auslandsstipendien des DAAD wurden aus Mitteln des HSP II und des HEP in den Jahren 1991 bis 1993 32,2 Mio DM bereitgestellt. Etwa 35% dieser Mittel entfielen auf die Förderung von Doktorandinnen. Darüber hinaus waren für Promotionsfördermaßnahmen über Beschäftigungsverhältnisse in außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus Mitteln des HSP II im selben Zeitraum 82,9 Mio DM vorgesehen. Etwa 27% dieser Mittel wurden für die Förderung von Doktorandinnen aufgewendet. Mit diesen Mitteln wurden im genannten Zeitraum insgesamt 2611 Förderfälle (2 300 aus dem HSP II, 311 aus dem HEP) finanziert, von denen 821 (31%) auf Frauen entfielen (728 aus dem HSP II, 93 aus dem HEP). Rechnet man für das Anfertigen einer Dissertation 3 Jahre, so kann man davon ausgehen, daß bisher rd. 870 Promotionen gefördert wurden, davon rd. 270 von Frauen. Frauenforschung und Förderung von Frauen in der Wissenschaft Frauenforschung gibt Anstöße zu innovativen Entwicklungen in einer Vielzahl von Wissenschaftsbereichen. Anknüpfend an die wissenschaftlichen Erkenntnisse jahrzehntelanger Frauenforschung in den USA stellt sie frauenspezifische Fragestellungen in den Mittelpunkt fachspezifischer Forschungsaktivitäten. Zur Begrifflichkeit siehe Textkasten. Die Institutionalisierung der Frauenforschung ist seit Beginn der neunziger Jahre deutlich vorangebracht worden: Bisher wurden an den Hochschulen 68 Frauenforschungsprofessuren in insgesamt 18 Wissenschaftsdisziplinen eingerichtet. Zugleich wurden an einzelnen Hochschulen besondere, fächerübergreifende Zentren zur Frauenforschung gebildet. Dieser Auf- und Ausbau der Frauenforschung wurde im wesentlichen mit Fördermitteln aus dem HSP II vorangebracht. Um die Frauenanteile in Forschung und Lehre maßgeblich zu steigern, wurden im HSP II/HEP besondere Schwerpunkte zur Frauenförderung gesetzt. Hierfür sind im HSP II 700 Mio DM ausgewiesen. Im Rahmen der personenbezogenen Fördermaßnahmen sollen die Frauenanteile bei Promotionen, Habilitationen und Professuren über die verschiedenen Qualifikationen dynamisch angehoben werden. Damit Frauen wissenschaftliche Arbeit und Erziehungsaufgaben besser vereinbaren können, sind die Stipendien zeitlich flexibel gestaltet und mit Kinderbetreuungszuschlägen (300 bis 500 DM) ausgestattet. Förderung der Fachhochschulen Die Maßnahmen von HSP I und HSP II haben maßgeblich zur Verstetigung der Personalentwicklung und zur Verbesserung der Infrastruktur der Fachhochschulen beigetragen. Der Stellenbestand an Fachhochschulen hat sich zwischen 1989 und 1993 von 16 996 auf 21 440 erhöht, d. h. um rd. 4 400 Stellen. Davon wurden 2 785 Stellen aus den beiden Hochschulsonderprogrammen finanziert (HSP I 1550, HSP II 1235). Hinzu kommen Stellen aus den Landesüberlastprogrammen bzw. andere nicht dauerhaft zugewiesene Stellen (1993: 270 Stellen). Für den Aufbau der Fachhochschulen in den neuen Ländern hält das HEP Mittel zur Finanzierung von Gründungsrektoraten und Gründungsprofessuren insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften, den Fächern des Sozialwesens sowie in ingenieurwissenschaftlichen Fächern bereit. Grundlage für die Vergabe der Mittel waren die ,,Empfehlungen zur Errichtung von Fachhochschulen in den neuen Ländern`` des Wissenschaftsrats vom 5. Juli 1991, deren Ziele wesentlich mit Hilfe des HEP erreicht werden konnten. Für Gründungsprofessuren und Gründungsrektorate sind im HEP etwa 190 Förderfälle veranschlagt, wovon bis Ende 1993 179 Förderfälle finanziert wurden. Außerhalb von HEP werden durch die Maßnahme Förderung von angewandter Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen außerdem die Voraussetzungen für ein stärkeres Engagement in Forschung und Entwicklung verbessert (vgl. Kap. 22). Verstärkung der europäischen Dimension Das HSP II soll -- mit insgesamt rd. 600 Mio DM -- den Hochschulen auch helfen, sich auf die Anforderungen der europäischen Eingung einzustellen. Dabei geht es vor allem um -- verstärkte europaweite Kooperation der Hochschulen, -- höhere Mobilität der Studierenden und Lehrenden und -- den Fachsprachenerwerb in europäischen Sprachen. Diesen Zielen dienen folgende Maßnahmen: -- Einrichtung und Ausbau von akademischen Auslandsämtern und EU- Büros, -- Verbesserung der Fremdsprachenausbildung durch Erweiterung der Sprachkursangebote und Ausbau von Sprachzentren, -- Einrichtung neuer bzw. Verbesserung der Ausstattung bereits vorhandener europabezogener Studiengänge. Bisher wurden den Hochschulen für o. g. Ziele 290 unbefristete Stellen zur Verfügung gestellt. Insbesondere die Fachhochschulen konnten ihre Auslandsaktivitäten, vor allem durch europabezogene Studienangebote, wesentlich erweitern. Besondere Fördermaßnahmen des HEP aufgrund der Aufbau- und Übergangssituation in den neuen Ländern Die auf die Aufbau- und Übergangssituation in den neuen Ländern zugeschnittenen Maßnahmen des HEP haben den raschen Umbau bzw. die Umstrukturierung von Lehre und Forschung mit zahlreichen Maßnahmen unterstützt. Im einzelnen: -- 1993 wurden an den Universitäten insgesamt 194 Gründungsprofessuren vor allem in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie in einigen Fächern der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften gefördert. Die Maßnahme hat sich bewährt. -- Zur gleichen Zeit wurden an den Fachhochschulen 179 Gründungsrektorate und Gründungsprofessuren gefördert, insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften, den Fächern des Sozialwesens sowie in ingenieurwissenschaftlichen Fächern. -- Während einer der Integration dienenden Übergangszeit in den Jahren 1992 und 1993 konnten durch das Wissenschaftler-Integrations- Programm (WIP) die Personal- und Sachkosten für 1920 ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften -- Einzelforscher und Arbeitsgruppen -- finanziert werden. Nach Abschluß der Integrationsphase wird die Förderung von 1994 bis 1996 mit den Ländern zugewiesenen Fallpauschalen fortgesetzt, die den Integrationsprozeß von 1 528 Geförderten unterstützen. Insgesamt sind im HEP für das WIP bis Ende 1996 Mittel in Höhe von 600 Mio DM vorgesehen. -- Als Qualifizierungsmaßnahmen wurden besonders in den o.g. Fächern Ergänzungsstudiengänge eingerichtet sowie u. a. die Teilnahme an Kongressen und Forschungsaufenthalten unterstützt. Damit Studierende solcher Studiengänge, die insbesondere nach den entsprechenden Empfehlungen des Wissenschaftsrates nicht fortgeführt werden, ihre Ausbildung abschließen können, wurden Mittel in begrenztem Umfang bereitgestellt. -- Die Maßnahmen zur Förderung des Fernstudiums in den neuen Ländern sind erfolgreich verlaufen und haben maßgeblich dazu beigetragen, die Nachfrage nach Zusatz- und Nachqualifizierungsmaßnahmen zu befriedigen. Auch die Entwicklung der Fernstudieninfrastruktur und neuer Fernstudienangebote im Zusammenhang mit der Einrichtung des Förderschwerpunkts ,,Fernstudium`` der BLK hat durch die Fördermaßnahmen des HEP wesentliche Impulse erhalten. -- Die Investitionen in kleine Baumaßnahmen waren überaus erfolgreich und stießen wegen der schnell sichtbaren Umsetzung auf eine positive Resonanz. Damit hat sich der flexible und rasche Einsatz der Mittel als sehr wirksam erwiesen. Die im Rahmen des HEP geplanten Gästehäuser und internationalen Begegnungszentren können nur die dringendste Nachfrage der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen befriedigen. -- Das Investitionssonderprogramm (ISP) für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen hat dazu beigetragen, die Geräteausstattung und den baulichen Zustand der außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu verbessern. -- Im Rahmen des Gemeinschaftswerks ,,Aufschwung Ost`` wurden in den Jahren 1991 und 1992 auch Sofortmaßnahmen zur Sanierung von Studentenwohnraum durchgeführt. Ferner fördern der Bund und die neuen Länder außerhalb des HEP auf der Grundlage einer Vereinbarung nach Artikel 104 a GG Maßnahmen zum Erhalt und zur Modernisierung von Studentenwohnheimen sowie zur Schaffung neuen Studentenwohnraums. Sonderprogramme der DFG Zu den im Rahmen dieses Förderschwerpunktes erfaßten Sonderprogrammen gehören auch die folgenden von der DFG betreuten Förderprogramme, die auf der Grundlage der Rahmenvereinbarung Forschungsförderung durchgeführt werden. Für diese Programme erhält die DFG jeweils eine gemeinsame Sonderfinanzierung von Bund und Ländern. Die Finanzierungsschlüssel sind unterschiedlich (vgl. Teil VI, Kap. 1.1). Förderung des hochqualifizierten promovierten wissenschaftlichen Nachwuchses Im Rahmen des Postdoktorandenprogramms werden Mittel für Stipendien bereitgestellt, die vorrangig für promovierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmt sind. Diese sollen für eine begrenzte Zeit in der Grundlagenforschung arbeiten und sich dadurch für eine künftige Tätigkeit weiterqualifizieren können. 1996 werden hierfür vom Bund insgesamt 13,5 Mio DM veranschlagt. Förderung ausgewählter Forscherinnen, Forscher und Forschergruppen Die Spitzenforschung wird mit dem Ziel gefördert, die besonderen Leistungen von Forscherinnen, Forschern und Forschergruppen beispielhaft herauszustellen, ihre Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern und ihnen Forschungsfreiräume zu schaffen. Sie sollen ferner von administrativer Arbeit entlastet und für die Zusammenarbeit mit weiteren, vor allem jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gewonnen werden. Im Bundeshaushalt 1996 sind für dieses Programm 20,3 Mio DM ausgewiesen. Förderung des hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchses Über das Heisenberg-Programm werden jährlich an bis zu 150 besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftler mit Habilitation oder einer vergleichbaren Qualifikation in einem zentralen Auswahlverfahren auf 5 Jahre befristete Stipendien vergeben. Der Grundbetrag entspricht einem mittleren Nettoeinkommen in Anlehnung an die Besoldungsgruppe C 2. Hinzu kommen ein Sachkostenzuschlag sowie zweckgebundene Beiträge zur sozialen Sicherung. Das Programm läuft 1996 aus. 2. Großgeräte der Grundlagenforschung (Förderbereich B) Spitzenergebnisse in der Grundlagenforschung Für die Elementarteilchenphysik ist es ein großer Durchbruch: Mit Hilfe aufwendiger Versuche an Großgeräten ist es ihr gelungen, das sog. Standardmodell aus der theoretischen Physik experimentell zu untermauern. Europäische und auch deutsche Laboratorien haben zu diesem Erfolg einen entscheidenden Beitrag geleistet. Nicht zuletzt aufgrund solcher Ergebnisse genießt die deutsche Grundlagenforschung auf internationaler Ebene ein hohes Ansehen. Seit Beginn der 80er Jahre ist insbesondere der Bestand an Großgeräten erheblich erweitert bzw. erneuert worden. Die Wissenschaft verfügt heute über eine hervorragende experimentelle Ausgangssituation für die Erforschung der kondensierten Materie und für die Spitzenforschung in der Kern- und Teilchenphysik sowie in der Astronomie und Astrophysik. Das BMBF konzentriert die Förderung der Großgeräteforschung auf Schwerpunktthemen. Im Mittelpunkt stehen Großbeschleuniger, Neutronen- und Synchrotronquellen sowie Observatorien und Teleskope. Das größte Forschungsinstrument Deutschlands ist die weltweit einzige Elektron-Proton-Speicherringanlage HERA bei der Großforschungseinrichtung DESY in Hamburg, die seit Ende 1992 für Experimente der Elementarteilchenphysik zur Verfügung steht (siehe Textkasten). Weiterhin in Betrieb genommen wurden in den vergangenen Jahren die Europäische Synchrotronstrahlungsquelle (ESRF) in Grenoble und das Cooler Synchrontron (COSY) in Jülich. Auch der ILL-Reaktor und der Reaktor FRJ-2 der KFA Jülich konnten nach Modernisierung bzw. Reparatur die Arbeit wieder aufnehmen. Der Bau der neuen Berliner Synchrotronstrahlenquelle in Adlershof (BESSY II) und der Bau des Very Large Telescope (VLT) in Chile gehen zügig voran. Bei CERN wurde 1994 der Grundsatzbeschluß zum Bau des Large Hadron Colliders (LHC) gefaßt. Bau, Betrieb und Nutzung derartiger großer Forschungsgeräte erfordern zunehmend eine internationale Arbeitsteilung. Die deutsche Großgerätepolitik der letzten Jahre hat wichtige Beiträge dazu geleistet, daß in Europa weltweit führende Arbeitsbedingungen für die Erforschung von Aufbau und Struktur der Materie bestehen. Deutschland als rohstoffarmes Land kann nur mit Hilfe wissenschaftlicher und technisch-industrieller Spitzenleistungen den Lebensstandard sichern. Die Anstrengungen in der Grundlagenforschung sind daher eine Investition in die Zukunft. Forschung an und mit Großgeräten Auf einigen Gebieten können die Naturwissenschaften Erkenntnisfortschritte nur noch durch besonders aufwendige Techniken erzielen. Dies gilt zwar auch für theoretische Fragestellungen, besonders aber für experimentelle Aufgaben, wie z.B. -- in der Kern- und Teilchenphysik, die sich mit der atomaren und subatomaren Struktur der Materie befaßt (Forschungsinstrumente: Teilchenbeschleuniger), -- bei der Untersuchung der Strukturen und der Dynamik kondensierter Materie (Forschungsinstrumente: Neutronen- und Synchrotronstrahlungsquellen), -- in der erdgebundenen Astronomie und Astrophysik (Forschungsinstrumente: Teleskope, Radioteleskope, Neutrinodetektoren). Der Aufwand für Bau und Betrieb der dafür notwendigen Großgeräte erreicht inzwischen eine Größenordnung, die weder von Hochschulen noch von regionalen Forschungseinrichtungen bewältigt werden kann. Nur nationale und in wachsendem Maße europäische bzw. internationale Großforschungseinrichtungen sind in der Lage, diese Leistungen zu erbringen. Sowohl aus ökonomischen als auch aus wissenschaftlichen Gründen ist es sinnvoll, diese Großgeräte möglichst vielen interessierten Wissenschaftlern zur Verfügung zu stellen. Der Zugang zu diesen Anlagen -- insbesondere die Einteilung und Vergabe der verfügbaren Meßzeit -- erfolgt ausschließlich nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Im Rahmen eines abgestimmten und kohärenten Förderungskonzeptes fördert die Bundesregierung die experimentellen Naturwissenschaften nicht nur beim Bau und beim Betrieb, sondern auch bei der Nutzung großer Geräte. Dadurch bietet sie gerade der Hochschulforschung gute Chancen für eine anspruchsvolle Grundlagenforschung. Bislang hat die Bundesregierung hierfür -- praktisch als alleiniger Drittmittelgeber -- erhebliche Mittel für Hochschulinstitute und andere Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt und damit für die Forschung -- insbesondere auch für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses -- wichtige Beiträge geleistet. Die Bundesregierung erwartet allerdings von den Bundesländern, daß auch sie sich -- entsprechend ihrer grundsätzlichen Zuständigkeit für die Hochschulforschung -- in stärkerem Maße als bisher engagieren. Die Bundesregierung wendet sich verstärkt einzelnen Schwerpunktthemen zu und konzentriert sich auf universitäts- und länderübergreifende Vorhaben, durch die neue Forschungsmöglichkeiten an Großgeräten erschlossen werden. Die so entstehenden Kooperationen von Forschern an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen werden in Zukunft zunehmend im Sinne einer Anschubfinanzierung nur für eine begrenzte Zeit gefördert. Die Aufteilung der Zuständigkeit bei der Förderung solcher Vorhaben erfolgt in Abstimmung mit der DFG. Institutionell fördert das BMBF Arbeiten der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung vor allem in den Bereichen: -- Elementarteilchenphysik, -- Kern- und Mittelenergiephysik, -- nukleare Festkörperforschung, -- Forschung mit Neutronen- und Synchrotronstrahlung, -- Astrophysik sowie bei -- ausgewählten Fragen der Mathematik. Gefördert werden diese Forschungen in folgenden Einrichtungen (vgl. Großforschungseinrichtungen bzw. Einrichtungen der Blauen Liste, Teil VI, Kap. 3 und 4): -- Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, -- Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt, -- Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin, -- Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik (KIS) in Freiburg, -- Institut für Spektrochemie und angewandte Spektroskopie (ISAS) in Dortmund, -- Forschungszentrum Rossendorf (FZR), -- Astrophysikalisches Institut Potsdam (AIP) sowie -- Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS) in Berlin. Auch das Forschungszentrum Jülich (KFA) und das Forschungszentrum Karlsruhe (FZK) arbeiten teilweise auf diesen Gebieten. Weiterhin beteiligt sich die Max-Planck-Gesellschaft (MPG, vgl. Teil VI, Kap. 2.1), die von Bund und Ländern gemeinsam finanziert wird, in wissenschaftlicher Eigenständigkeit an der Großgeräteforschung auf diesen Gebieten. Weitere Großgeräte, die in anderem fachlichen Zusammenhang (nicht Förderbereich B) gefördert werden, sind in den jeweiligen Kapiteln beschrieben: Extraterrestische Grundlagenforschung (vgl. Kap. 4), Fusionsforschung und Plasmaphysik (vgl. Kap. 5), Deutsches Kontinentales Tiefbohrprogramm (vgl. Kap. 14) und Forschungsschiffe (vgl. Kap. 3). Großbeschleuniger In der Elementarteilchenphysik haben die Forschungen der letzten Jahre die Grundlagen für ein vertieftes Verständnis der kleinsten Materiebausteine geschaffen. Erstmals zeichnet sich damit die Möglichkeit ab, die verschiedenen Kräfte der Natur einheitlich zu beschreiben. Die Ergebnisse aller bisherigen Experimente bestätigen weitgehend das sog. Standardmodell, das theoretisch bereits alle Grundbausteine der Materie und ihre wesentlichen Wechselwirkungen beschreibt. Die Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre haben überwältigendes Beweismaterial für die Vermutung erbracht, daß Leptonen (wie Elektronen, Neutrinos, Myonen) und Quarks tatsächlich die elementaren Bausteine der Materie sind. Die guten apparativen Voraussetzungen in den Beschleunigerlaboratorien von CERN und DESY lassen erwarten, daß die Reihe fundamentaler Entdeckungen sich auch in Zukunft fortsetzen wird. Der Elektron- Positron-Speicherring LEP von CERN wurde 1989 in Betrieb genommen. Sowohl hier als auch an HERA (Experimente seit 1992) sind seither eine Fülle wichtiger Ergebnisse erzielt worden, die teils das Standardmodell bestätigen und präzisieren, teils auch überraschende neue Erkenntnisse vermitteln. So wird bei HERA in zwei großen Kollisionsexperimenten die Struktur des Protons mit einer räumlichen Auflösung untersucht, die um mehr als zwei Größenordnungen besser ist als bisher möglich. Es wurden dabei Streuprozesse beobachtet, deren Natur z.Z. noch unbekannt ist und die darauf hinweisen, daß das Proton eine erstaunlich komplexe innere Struktur besitzt. Hierdurch wird eine neue Sichtweise des Aufbaus der Materie eröffnet. Zwei weitere HERA-Experimente, sog. Strahl-Target-Experimente, sollen mit den Elektronen- und Protonenstrahlen den Ursprung des Eigendrehimpulses des Protons aufklären sowie eine der zentralen Fragen der modernen Teilchenphysik lösen helfen: Was ist die Ursache der Verletzung der Symmetrieprinzipien, die möglicherweise für das Ungleichgewicht von Materie und Antimaterie im Universum verantwortlich ist? Einen noch tieferen Einblick in die Welt der Elementarteilchen wird im nächsten Jahrtausend der Welt größter und energiereichster Ringbeschleuniger erlauben, der Large Hadron Collider (LHC), dessen Einbau in den LEP-Tunnel beim CERN 1994 beschlossen wurde. Dadurch wird die führende Stellung Europas auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik weiter ausgebaut. Mittlere Beschleuniger Nukleonen und Atomkerne haben eine komplizierte Struktur, die nicht einzig und allein durch einige Großexperimente aufzuklären ist. Vielmehr müssen die verschiedenen Aspekte des nuklearen Vielteilchensystems mit unterschiedlichen experimentellen Methoden untersucht werden. Daher gibt es neben den großen Beschleunigern auch eine Reihe von Anlagen mittlerer Größe. Die entsprechende Forschung stützt sich hauptsächlich auf: -- den Universellen Linearbeschleuniger UNILAC, das Schwerionensynchrotron SIS und den Speicherring ESR bei der GSI in Darmstadt, -- das Cooler-Synchrotron (COSY) beim Forschungszentrum Jülich, -- verschiedene Beschleuniger beim CERN (z. B. ISOLDE, SPS). ,,Mikroskopie" mit Neutronen- und Synchrotronstrahlung Die Erforschung der kondensierten Materie -- also der festen Körper, Flüssigkeiten und dichten Gase -- berührt grundlegende Fragen des atomaren und molekularen Aufbaus der Materie. Ein vertieftes Verständnis der Eigenschaften von Festkörpern ist die Grundlage für die Material- und Werkstofforschung. Mikroskopische Untersuchungsmethoden erlauben es, die Eigenschaften der Stoffe in kleinste Dimensionen zurückzuführen. Beispielsweise können aus der Beugung von Röntgen- und Neutronenstrahlen die Anordnung der Atome und ihre Bewegungsmöglichkeiten ermittelt werden. Auf diese Weise konnte -- schon kurz nach deren Entdeckung -- die geometrische Struktur der neuen Hochtemperatur-Supraleiter mit Hilfe von Neutronenstrahlen geklärt werden. Für die Erforschung der kondensierten Materie ist es charakteristisch, daß eine Vielzahl von einander ergänzenden experimentellen Methoden eingesetzt werden muß, um ein möglichst vollständiges Bild zu erreichen. Dieser Methodenvielfalt steht eine Vielzahl von Einsatzfeldern in Biologie, Chemie, Physik, Materialwissenschaften, Medizin u. a. gegenüber. Methoden und Fragestellungen führen so verschiedene Bereiche wie beispielsweise Kernphysik, Festkörperforschung, Materialwissenschaften und in zunehmendem Maße auch Polymerforschung und Molekularbiologie zusammen. Deshalb besteht bei Forschergruppen ein hoher und weiter steigender Bedarf für einen Zugang zu geeigneten Experimentiermöglichkeiten -- vor allem an Großgeräten. Aus diesem Grund stellen Neutronen- und Synchrotronstrahlungsquellen geradezu auch eine Voraussetzung für die Fortentwicklung des Industriestandortes Deutschland dar. Der interdisziplinären Forschung stehen -- neben partiell genutzten Quellen im Ausland -- derzeit vor allem folgende Großgeräte zur Verfügung: -- Als Neutronenquellen der Höchstflußreaktor HFR des ILL (vgl. Teil V, Kap. 1.3.8) in Grenoble, die Forschungsreaktoren FRJ-2 in Jülich, FRG-1 beim GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, FRM I in München und der BER II im HMI in Berlin. -- Als Quellen für Synchrotronstrahlung vor allem die Speicherringe BESSY I (Berliner Elektronen-Speicherring für Synchrotronstrahlung) in Berlin und DORIS (Speicherringanlage bei DESY) in Hamburg und die Europäische Synchrotronstrahlungsquelle (ESFR) in Grenoble, die 1993 in Betrieb gegangen ist. -- Mit der seit 1994 im Bau befindlichen neuen Synchrotronstrahlungsquelle BESSY II in Berlin-Adlershof und dem geplanten Neubau des Münchner Forschungsreaktors FRM II in Garching werden die der Festkörperforschung zur Verfügung stehenden Geräte wirkungsvoll ergänzt. Astronomie/Astrophysik Im Rahmen der Europäischen Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre (ESO, vgl. Teil V, Kap. 1.3.5) arbeiten auf den Feldern Astronomie und Astrophysik zahlreiche Institute der Hochschulen und der MPG aus Deutschland mit sieben anderen europäischen Staaten zusammen. Die ESO betreibt 13 Teleskope, zu denen 1988 ein 3,5- m-Teleskop neuer Technologie (NTT) hinzukam. Im Dezember 1987 hat der Rat der ESO den Bau eines Riesenteleskops (Very Large Telescope, VLT) beschlossen, das auf dem Berg Paranal im Norden Chiles errichtet wird. Diese Anlage stellt neue Anforderungen an den Teleskopbau und wird der europäischen Astronomie weltweit eine Spitzenstellung bringen. Fertiggestellt wird es bis 1998. Die europäische Astronomie wird damit den technologischen und wissenschaftlichen Vorsprung der USA weitgehend aufholen können. Daneben betreiben das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik und die Max-Planck-Institute für Astronomie und Radioastronomie -- in enger Zusammenarbeit mit Partnern in den jeweiligen Ländern -- Observatorien in Spanien, Frankreich, USA sowie auf den Kanarischen Inseln. Durch Weltraumprojekte wird die bodengebundene Astronomie erheblich ergänzt. Satellitenteleskope erforschen die Spektralbereiche, die von der Erde aus nicht zugänglich sind (Infrarot-, Ultraviolett-, Röntgen- und Gammabereich). Zum anderen bietet die Raumfahrt die Möglichkeit, Körper in unserem Sonnensystem direkt aufzusuchen und in-situ-Messungen durchzuführen (vgl. Kap. 4). 3. Meeresforschung und Meerestechnik; Polarforschung (Förderbereich C) Neue Kenntnisse über das Klimageschehen Etwa 70% der Oberfläche unseres Globus sind von Meeren bedeckt. Die Erforschung ihrer Ökosysteme und der Wechselwirkungen zwischen Ozeanen und Atmosphäre ist daher für zahlreiche Wissensgebiete von grundlegender Bedeutung. Eine zentrale Rolle spielen die Ozeane etwa für das weltweite Klimageschehen. Hier liefert auch die Polarforschung wichtige Erkenntnisse. Die Bundesregierung hat 1993 ein neues Programm Meeresforschung aufgelegt. Darin stehen drei Themenfelder im Mittelpunkt: das Meer als Klimafaktor, das Meer als Ökosystem und das Meer als Ressourcenquelle. Im Hinblick auf einen möglichen Klimawandel sollen z. B. Wasserstandsänderungen und deren Einfluß auf den Küstenbereich untersucht und langfristig vorhergesagt werden können. Dafür sind die bisherigen, mithilfe numerischer Simulationsmodelle gewonnenen Erkenntnisse noch zu unpräzise. Für die weltweite Beobachtung der klimarelevanten Vorgänge und Prozesse im Meer wird deshalb ein internationales ozeanisches Beobachtungsprogramm GOOS (Global Ocean Observing System) vorbereitet. Deutsche Meereswissenschaftler beteiligen sich überdies an allen wichtigen internationalen Meeresforschungsprogrammen, so auch an denen des Weltklimaprogramms (WCRP) und des Internationalen Geosphären- Biosphärenprogramms (IGBP) sowie am Ocean Drilling Programme (ODP). Besonderen Stellenwert haben hier das World Ocean Circulation Experiment (WOCE) und die Joint Global Ocean Flux Study (JGOFS). Regionale Schwerpunkte der deutschen marinen Umweltforschung sind die Nord- und Ostsee. Der 1994 geschaffene Forschungsverbund KUSTOS (Küstennahe Stoff- und Energieflüsse -- der Übergang Land-Meer in der südlichen Nordsee) beschäftigt sich mit Austauschprozessen zwischen den Wattgebieten und der offenen Nordsee. Den Umweltbedingungen in der Ostsee gilt seit der deutschen Vereinigung ein verstärktes Interesse. Das 1994 veröffentlichte Ostseeforschungskonzept des BMBF ordnet die bisherigen Aktivitäten und legt die Forschungsschwerpunkte Umweltbedingungen in der Ostsee mit den Anrainerstaaten erforschen für die nächsten Jahre fest. Dieses Konzept soll zugleich die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und dabei besonders mit den skandinavischen und baltischen Ländern stärken. Neben der Förderung einzelner Projekte trägt die Bundesregierung maßgeblich zur Grundfinanzierung wissenschaftlicher Einrichtungen bei. Zu den wichtigsten Instituten der Meeresforschung zählen in Deutschland die Institute der Blauen Liste, die Biologische Anstalt Helgoland, die Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg und das Alfred- Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), das vom Bund und den Ländern Bremen und Brandenburg gemeinsam gefördert wird. Das AWI forscht vorwiegend in den Polargebieten und liefert Beiträge zum System Ozean-Atmosphäre-Kryosphäre und zur Meeresökologie. Die Polarforschung liefert u. a. wertvolle Einsichten in vergangene Klimazustände und Veränderungen. Die beträchtlichen Fortschritte in der wissenschaftlichen Erforschung dieser Regionen wurden von zwei Entwicklungen begünstigt. So haben sich zum einen die technischen Voraussetzungen deutlich verbessert. Zum anderen haben sich die politischen Rahmenbedingungen positiv entwickelt. Dadurch fallen in der Arktis gravierende Einschränkungen für die Forschung weg. In der Antarktis profitiert die Wissenschaft vom Antarktisvertrag, den die Bundesrepublik Deutschland seit 1979 erfolgreich mitgestaltet. Dementsprechend hat die Bundesregierung ihre Fördermaßnahmen für den Bereich Polarforschung deutlich ausgebaut. Politische Rahmenbedingungen für die Polarforschung verbessert Die Meerestechnik bildet den dritten Schwerpunkt im gesamten Förderbereich. Im neuen Forschungskonzept 1994 bis 1998 hat das BMBF die vielfältigen Empfehlungen staatlicher und industrieller Organisationen wie des europäischen ,,Maritime Industries Forum" und des ,,Deutschen Maritimen Industrieforums" berücksichtigt. Mit dem neuen Konzept reagiert die Bundesregierung auch auf die Neuordnung der maritimen Industrie in den neuen Ländern und auf das wachsende Verkehrsaufkommen im Europäischen Wirtschaftsraum. Meeresforschung Obwohl die Erforschung des Meeres eine lange Tradition in Deutschland hat, weist unser Wissen über diesen Lebensraum noch erhebliche Lücken auf. Doch die große Bedeutung der Ozeane für das globale Klimageschehen sowie die Belastungen der Küstenzonen durch anthropogene Einflüsse schaffen einen erheblichen Handlungsbedarf. Programm Meeresforschung der Bundesregierung Das 1993 verabschiedete Programm konzentriert sich auf Arbeiten, die sich mit der Bedeutung der Meere für das Erdklima beschäftigen, sowie auf Untersuchungen zum Ökosystem Meer und zur Ressourcenquelle Meer. Deren Ergebnisse schaffen auch Voraussetzungen für politische Entscheidungen zu den damit verbundenen Problemfeldern. Darüber hinaus beteiligt sich die Bundesregierung am internationalen ozeanischen Beobachtungsprogramm GOOS (Global Ocean Observing System), das sich derzeit noch in der Planungsphase befindet. Die Meeresumweltforschung und -überwachung liefert durch Beobachtungen und Modellsimulationen Informationen über den Zustand des Meeres und seine Veränderung. Dabei spielen die unterschiedlichsten Prozesse -- von der Vermischung über die Anlagerung an Schwebeteilchen bis zur Sedimentation, Resuspension und der chemischen und biologischen Umwandlung -- eine Rolle. Das BMBF fördert zu diesen Themen zahlreiche Projekte in Nord- und Ostsee. Für die Ostsee ist das Ostseeforschungskonzept von zentraler Bedeutung, das die Prioritäten für die nächsten Jahre definiert. Im Mittelpunkt stehen Untersuchungen über die Umweltsituation in der Region. Projekte wie GOAP (Greifswalder Bodden und Oderästuar Austauschprozesse) oder TRUMP (Transport- und Umsatzprozesse in der Pommerschen Bucht) sollen z. B. die Belastbarkeit der Küstenräume untersuchen und klären, wo das Material bleibt, das über die Oder in die Ostsee gelangt. Das Forschungsverbundvorhaben (BMBF, BMU, Niedersachsen, SchleswigHolstein) ,,Ökosystemforschung Wattenmeer" soll ein besseres Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Natur und Mensch ermöglichen, auf dessen Grundlage sich Schutzplanungs- und Überwachungsaufgaben leichter bewältigen lassen. Um Ressourcen zu bündeln, setzt die Bundesregierung auch bei der Meeresforschung gezielt auf internationale Kooperation und fördert die deutsche Beteiligung an wichtigen internationalen Grundlagenforschungsprogrammen. Expeditionen mit dem Forschungsschiff ,,Sonne" haben meist meeresgeowissenschaftliche Zielsetzungen, die u. a. von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR, vgl. Teil VI, Kap. 5.4.3) durchgeführt und aus dem Förderbereich Geowissenschaften und Rohstoffsicherung (vgl. Kap. 14) finanziert werden. Die BGR koordiniert auch den deutschen Beitrag zum ,,Ocean Drilling Programme" (ODP). Thematische Schwerpunkte sind vor allem die Entstehung und Entwicklung der ozeanischen Kruste, Fragen der Tektonik und des Vulkanismus an den Kontinentalrändern einschließlich der Entstehung von Erdbeben, paläoklimatologische Untersuchungen sowie Fragen des Umweltschutzes in der Tiefsee. So hat im Jahre 1994 die Expedition der ,,Sonne" in den Aleutengraben Aufschlüsse über den Aufbau von Subduktionszonen und die Entstehung von Erdbeben erbracht. Wichtige paläoklimatologische Untersuchungen zur Monsun-Variabilität konnten gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern im Südchinesischen Meer durchgeführt werden. Für die Tiefseeforschung hat das BMBF -- auch im Zusammenhang mit den ,,Grand Challenges`` des European Committee on Ocean and Polar Sciences (ECOPS) -- einen neuen Grundlagenschwerpunkt konzipiert. Hier soll der noch weithin unbekannte Lebensraum Tiefsee, dessen Bedeutung z. B. für das globale Klimageschehen lange Zeit unterschätzt wurde, erforscht werden. Forschungsarbeiten zur nachhaltigen Nutzung der lebenden Meeresressourcen werden durch die dem BML zugehörige Bundesforschungsanstalt für Fischerei durchgeführt. Die anwendungsnahen Ergebnisse stellen einen deutschen Beitrag zur Bewirtschaftung des gemeinsamen EU-Meeres sowie weiterer international genutzter atlantischer Fischereiressourcen dar. Gleichzeitig werden aus den langjährigen Datenreihen Informationen über natürliche und antropogene Veränderungen der marinen Ökosysteme abgeleitet. Gemessen werden ebenfalls die Verbreitung und der Verbleib von Schadstoffen in Meeresorganismen. Die Arbeiten sind eingebunden in den Rahmen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und anderer internationaler Übereinkommen (z. B. CCAMLR: Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Ressources, IWC: International Whaling Commission, NAFO: Northwest Atlantic Fisheries Organisation, NEAFC: North East Atlantic Fisheries Committee, IBSFC: International Baltic Seas Fisheries Commission, OSPAR: Oslo and Paris Commission und HELCOM: Helsinki Commission). Darüber hinaus beteiligt sich die Bundesrepublik Deutschland auch an dem EUREKA-Projekt EUROMAR, das auf deutscher Seite vor allem durch das BMBF gefördert wird. In Zusammenarbeit zwischen Meereswissenschaftlern und der Industrie werden Instrumente und Verfahren zur Überwachung der ökologischen Situation in den europäischen Randmeeren entwickelt. Ein besonders gelungenes Beispiel ist das automatische und ereignisgesteuerte Meeresüberwachungssystem ,,MERMAID``, das z.Z. in einem Kleinmeßnetz auf seine Funktionalität und Eignung im Dauerbetrieb erprobt wird. Im Rahmen von MERMAID werden auch neuartige, automatische Nährstoffanalysatoren eingesetzt. Diese Analysatoren können auch in der Ozeanographie, Limnologie und der Abwasserüberwachung genutzt werden. Die Kooperation bei der Erforschung der Weltmeere geht weit über Europa hinaus. Gemeinsame Projekte werden beispielsweise mit Forschungsinstitutionen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Japan, Kanada, Australien, Taiwan und weiteren, in der European Science Foundation vertretenen Ländern durchgeführt. So soll das seit 1984 bestehende internationale Tiefseebohrprogramm ODP die Dynamik der Umweltveränderungen, der Fluidzirkulation und beispielsweise der Entwicklung von Bakterien, aber auch die Dynamik des Erdinneren durch Bohraufschlüsse erkunden. Das BMBF fördert diese Projekte zusammen mit der DFG sowie weiterführende Programme deutscher Forschungsanstalten, die mit dem ODP eng verknüpft sind. Forscher aus den neuen Ländern sind mittlerweile in das Programm integriert. Förderung von Einrichtungen zur Meeresforschung Die Förderung der Meeresforschung durch die Bundesregierung erfolgt nahezu zur Hälfte durch Grundfinanzierung von Forschungseinrichtungen, die entsprechend ihrer fachlichen Ausrichtung zur Durchführung des Meeresforschungsprogramms beitragen. Die vom BMBF allein getragene Biologische Anstalt Helgoland (BAH, vgl. Teil VI, Kap. 5.14.1) betreibt Forschung insbesondere zu Meeresbiologie, -ökologie und -umweltschutz. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), an dessen Finanzierung sich die Länder Bremen und Brandenburg beteiligen, (vgl. Teil VI, Kap. 3.2.1) forscht überwiegend in den Polargebieten (Polarforschung s. u.) und liefert Beiträge zum System Ozean- Atmosphäre-Kryosphäre und zur Meeresökologie. Weiterhin fördert das BMBF die drei Einrichtungen der Meeresforschung aus der Blauen Liste (vgl. Teil VI, Kap. 4, Nr. 20, 45, 80). Anteil an der Meeresforschung hat auch die Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg (Geschäftsbereich des BML, vgl. Teil VI, Kap. 5.5.4) mit Beiträgen zur Fischereibiologie, -ökologie, -technik und - hydrographie. Darüber hinaus berühren Einrichtungen aus dem Geschäftsbereich des BMV, deren Forschung primär auf andere Ziele ausgerichtet ist, mit einzelnen Beiträgen die Meeresforschung. Dies betrifft die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), den Deutschen Wetterdienst (DWD) und das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH), die beispielsweise zu den Themen Sicherheit der Schiffahrt, Meteorologie sowie Meeresumwelt- und Küstenschutz arbeiten (vgl. Teil VI, Kap. 5.10.2 -- 5.10.5). Um die Effektivität von Meeresforschungseinrichtungen zu erhöhen, führt das BMBF zusammen mit den norddeutschen Küstenländern eine fachübergreifende Programmplanung durch. Solche Aufgaben nehmen u. a. die BAH und das AWI wahr. Folgende Institute bündeln darüber hinaus die Forschungspotentiale in ihren jeweiligen Spezialgebieten: -- das ,,Zentrum für Flachmeer-, Küsten- und Meeresumweltforschung (Terramare e. V.)" in Wilhelmshaven, -- das Zentrum für marine Geowissenschaften (GEOMAR) in Kiel in den Bereichen Paläo-Ozeanographie, Vulkanologie, Petrologie, Geologie und Geophysik, -- das ,,Zentrum für Meeres- und Klimaforschung (ZMK)" als Dachorganisation verschiedener Universitätsinstitute im Großraum Hamburg sowie -- das ,,Zentrum für marine Tropenökologie (ZMT)" an der Universität Bremen, das auch Wissenschaftler der Tropenländer ausbildet. Die beiden letztgenannten Zentren fördern zudem auch den Infrastrukturausbau und die interdisziplinäre Zusammenarbeit im universitären Umfeld. Für Expeditionen stehen Forschungsschiffe zur Verfügung, die dem neuesten technischen Stand entsprechen. So nutzen deutsche Einrichtungen das FS ,,Meteor``, das FS ,,Polarstern`` sowie das FS ,,Sonne``, das je nach Bedarf gechartert wird. Außerdem können die Forschungseinrichtungen des Bundes und der Länder für Fahrten in den Rand- und Küstenmeeren auf weitere Forschungsschiffe zurückgreifen. Damit wird sichergestellt, daß Deutschland die regionalen Forschungsaufgaben in Nord- und Ostsee entsprechend den internationalen Meeresschutz-Übereinkommen erfüllen kann. Darüber hinaus werden die küstennahen Gebiete überwacht, die zu den wichtigsten Erholungs- und Naturschutzgebieten Deutschlands gehören (Naturpark Schleswig- Holsteinisches und Niedersächsisches Wattenmeer, Boddengebiete). Die institutionelle Förderung wird durch die Projektförderung der Bundesregierung ergänzt. Einzelne FuE-Vorhaben auf dem Gebiet des Meeresumweltschutzes werden auch vom BMV und vom BMU gefördert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert die marinen Sonderforschungsbereiche ,,Der Südatlantik im Spätquartär: Rekonstruktion von Stoffhaushalt und Stromsystem``, ,,Sedimentation im europäischen Nordmeer, Abbildung und Geschichte der ozeanischen Zirkulation`` sowie ,,Klimarelevante Prozesse im System Ozean- Atmosphäre`` und ,,Wechselwirkungen zwischen biotischen und abiotischen Prozessen in der Tide-Elbe``. Neue Länder Das Institut für Ostseeforschung an der Universität Rostock in Warnemünde (IOW) wird als Institut der Blauen Liste gemeinsam vom Bund und vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Das Institut analysiert auf der Basis experimenteller und theoretischer Untersuchungen den Ist- Zustand der Ostsee, um daraus entsprechende Modelle z. B. zur Schadstoffausbreitung oder zur Dynamik des Wasseraustauschs zu entwickeln. Darauf aufbauend sollen Prognosen zur künftigen Entwicklung der Ostsee erarbeitet werden, die natürliche und menschliche Einflüsse miteinbeziehen. Neben diesen grundlagenbezogenen Forschungsaufgaben hat das IOW -- im Auftrag des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie nach dem Seeaufgabengesetz -- durch das Ostsee-Monitoring Überwachungsaufgaben übernommen, zu denen sich Deutschland im Rahmen des ,,Helsinki-Abkommens zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee`` verpflichtet hat. Für die Arbeiten der Forschung und Überwachung in der Ostsee stehen die Forschungsschiffe ,,Alexander von Humboldt`` und ,,Prof. Albrecht Penck`` zur Verfügung. 1992 wurde in Rostock das Institut für Ostseefischerei als Teil der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg eingerichtet. Es gliedert sich in die Bereiche Bestandskunde, Fischereibiologie, Ökosystemforschung und Aquakultur im Meer und Binnenland. Die Forschungsarbeiten in der Ostsee einschließlich der Bodden und Küstengewässer konzentrieren sich auf die wirtschaftlich nutzbaren Fischereiressourcen wie z. B. Dorsch, Hering und Sprotte. Meerestechnik Meerestechnik umfaßt die technischen Mittel zur Nutzung des Meeres und seiner Ressourcen. Die Fördermaßnahmen des BMBF tragen dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der maritimen Industrie zu stärken, die Verkehrssituation in Deutschland und Europa zu verbessern und die Umweltbelastungen durch Schiffstransporte zu reduzieren. Arbeiten zum Küstenschutz sollen es ermöglichen, den Lebensraum der Menschen an den Küsten langfristig zu bewahren und seine Nutzung ökonomischer und ökologischer zu gestalten. In den Bereich Meerestechnik fallen außerdem Forschungsaufgaben für die Seeschiffahrt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr. Forschungskonzept Meerestechnik 1994 --1998 Dieses Konzept des BMBF hat die Schwerpunkte -- Forschung und Entwicklung in der Schiffstechnik, -- Grundlagenforschung beim Küsteningenieurwesen. Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich Schiffstechnik Die Projekte sind in der Regel als Verbundvorhaben zwischen Industrie, Schiffbau-Versuchsanstalten, Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen angelegt. Da die Werften in der Regel über keine oder nur geringe Forschungskapazitäten verfügen, besteht ihre Aufgabe als Bedarfsträger darin, die Zielsetzungen ihrer Branche zu definieren und die Forschungsarbeiten zu koordinieren. Unternehmen und Forschungseinrichtungen in den neuen Ländern haben erheblichen Anteil an der Durchführung der Forschungsvorhaben. Im Förderbereich Schiffstechnik konzentrieren sich Forschung und Entwicklung auf die folgenden Schwerpunkte: -- CIM-Techniken zu optimieren. Beispielsweise wurden in der Vergangenheit Roboter für das Schweißen von Schiffssektionen entwickelt. Rationalisierungseffekte werden von 1996 an auch von CAD- gesteuerten Maschinen zum Biegen von Schiffbauprofilen erwartet. Die geförderten Vorhaben sollen weitere Fortschritte erbringen: p Moderne informationstechnische Verfahren und Werkzeuge mindern den Aufwand für Entwurf, Konstruktion und Fertigung von Schiffen. p Innovative Trenn- und Fügeverfahren erhöhen die Präzision bei der Fertigung. Beispiele sind das Plasmaschmelzschneiden und das Laserstrahlschweißen zur Herstellung bzw. Verbindung von Schiffbauteilen. p Eine stärkere Zusammenarbeit in der Entwicklung und Fertigung von Serienschiffen verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Werften. Wichtige Instrumente sind dabei eine Integration der Informationsnetze und eine Standardisierung und Modularisierung in der Produktion. -- Verbesserung des Produkts: Die Wirtschaftlichkeit soll ebenso erhöht werden wie die Sicherheit und die Umweltverträglichkeit. Dazu dienen u. a. folgende Projekte: p In dem Vorhaben ,,Numerische Schiffshydrodynamik" sollen optimale Schiffsformen entwickelt werden. Dabei werden die verschiedenen Parameter -- wie z. B. die Umströmung des Schiffes oder das Zusammenwirken von Schiff und Propeller -- rechnerisch erfaßt und damit langfristig aufwendige Modellversuche überflüssig gemacht. p Forschungsarbeiten zum Thema ,,Zukünftige Dimensionierung und Gestaltung der Schiffskonstruktion" sollen die Zuverlässigkeit von Schiffskonstruktionen erhöhen. p Für den Schiffsantrieb sollen moderne Verfahren den Schadstoffausstoß schwerölbetriebener Dieselmotoren langfristig um bis zu 50% reduzieren. p Im Bereich Schiffsbetriebstechnik wurden intelligente Automations-, Überwachungs- und Diagnosesysteme etabliert, um die Sicherheit zu erhöhen. Entwicklung und Erprobung der elektronischen Seekarte wurden 1995 erfolgreich abgeschlossen. Laufende Vorhaben konzentrieren sich auf rechnergestützte Verfahren zur Kollisionsverhütung und der wissensbasierten Schiffsführung. -- Entwicklung systemorientierter neuer Produkte/Erarbeitung von Perspektiven für den Schiffsverkehr in Europa: Künftig soll der Verkehrsträger Schiff stärker in Transportketten eingebunden werden. An diesem Forschungsschwerpunkt ist auch das BMV beteiligt. Dies sind die einzelnen Vorhaben: p Um einen Teil des Verkehrsaufkommens von der Straße auf das Wasser zu verlagern, wird das Potential der Küsten- und Binnenschiffahrt untersucht. Zudem wird erforscht, wie Unterbrechungen beim Transport See-Binnenwasserstraße vermieden werden können. p Um die Entwurfsgrundlagen für schnelle und unkonventionelle Schiffe systematisch zu erarbeiten, werden Widerstand, Propulsion, Manövrier- und Seegangsverhalten untersucht. Die Forschungsarbeiten laufen bis 1996. p Um Alternativen zu herkömmlichen Personentransporten zu entwickeln, werden bis 1997 Demonstrationsmuster für Bodeneffektfahrzeuge mit besonders hoher Reisegeschwindigkeit konzipiert. p Um die Effektivität der Binnenschiffahrt insbesondere in den neuen Ländern zu verbessern, werden bis 1996 innovative Schiffstypen und Schiffsvortriebsanlagen für den Einsatz auf extremem Flachwasser entwickelt. Küsteningenieurwesen Hier wird Grundlagenforschung entsprechend der Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder ,,Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" nach Artikel 91 a GG gefördert. Naturbedingungen im Küstenbereich und Wechselwirkungen Meer/Küstenbauwerk sollen wissenschaftlich erfaßt und möglichst genau prognostiziert werden. An den Vorhaben sind Dienststellen der Küstenländer und Universitäten beteiligt. Die Prioritäten bei den Forschungsarbeiten werden mit dem Kuratorium fürKüsteningenieurwesen (KFKI) abgestimmt. Regionale Untersuchungen werden teilweise in Zusammenarbeit mit den Niederlanden ausgeführt. Polarforschung Die Erforschung der Polargebiete ist besonders für die Klimaforschung von Interesse. Aus den Eisschilden Grönlands und der Antarktis sowie den Meeressedimenten beider Polarregionen lassen sich Daten über Klimazustände gewinnen, die mehrere 100 000 oder sogar Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückreichen. Mit Hilfe von Sedimentproben wird zudem die Entwicklung von Lebensgemeinschaften analysiert, um mehr über frühere und unter Umständen auch zukünftige Folgen von Klimaänderungen zu erfahren. Antarktis An der Polarforschung hat die Bundesrepublik Deutschland durch die Mitgestaltung des Antarktisvertrags seit 1979 und durch den stetigen Ausbau ihrer Forschungsaktivitäten erheblichen Anteil. Von besonderer Bedeutung sind die Gründung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) 1980, die Einrichtung einer Überwinterungsstation und die Indienststellung des Forschungseisbrechers ,,Polarstern`` 1982. Im März 1992 wurde in Potsdam eine Forschungsstelle des AWI geschaffen, die personell und thematisch an die Polarforschung der ehemaligen DDR anknüpft. Mit der Einrichtung des Schwerpunktprogramms ,,Antarktisforschung`` im Jahre 1981 ermöglicht die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vor allem Wissenschaftlern der Hochschulen die Beteiligung an der Antarktisforschung. Das Schwerpunktprogramm wird von 1996 an als ,,Koordiniertes DFG-Programm Antarktisforschung`` fortgeführt. Träger der Antarktisforschung sind ferner das BMWi mit der ihm nachgeordneten BGR sowie das BMV und BML, Hochschulinstitute und Institute der Max- Planck-Gesellschaft. Das AWI hat als zentrale Einrichtung für Polarforschung die Aufgabe, eigene Forschungsprojekte durchzuführen, die deutschen Beiträge zur Polarforschung zu koordinieren und die Bereitstellung der Logistik für Forschungsarbeiten in den Polarregionen zu sichern (vgl. Teil VI, Kap. 3.2.1). Auf internationaler Ebene erfolgt die Koordinierung durch das Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR), dessen nationales Sekretariat das AWI führt. Z.Z. werden deutsche Forschungsarbeiten zu folgenden Hauptthemen in der Antarktis geleistet: -- Struktur, Dynamik und Funktion antarktischer Ökosysteme, -- thermische und dynamische Wechselwirkungen im gekoppelten System Atmosphäre-Ozean-Kryosphäre und deren Auswirkungen auf das Erdklima, -- Massenhaushalt und Dynamik von Land- und Schelfeis, -- Analyse von Spurenstoffen in der Atmosphäre, der Hydrosphäre und der Biosphäre der Antarktis, -- Bestimmung vergangener Klimazustände anhand von Eis- und Sedimentkernen, -- Struktur der Erdkruste und des Erdmantels im Bereich des antarktischen Kontinents. Zur Durchführung dieses Programms stehen neben der ganzjährig nutzbaren Station ,,Neumayer`` folgende Einrichtungen zur Verfügung: die ,,Georg- Forster-Station``, die ,,Filchner-Sommer-Station``, das ,,Dallmann- Laboratorium`` auf der King George Insel, die Gondwana-Sommer-Station der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und die Empfangsanlage für den ERS-1/2-Satelliten an der chilenischen Station O'Higgins, das FS ,,Polarstern``, die mit Skifahrwerken ausgerüsteten Forschungsflugzeuge ,,Polar 2`` und ,,Polar 4`` und eine Anzahl gut ausgerüsteter Raupenfahrzeuge für Landexpeditionen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) führt seit 1978 regelmäßig geowissenschaftliche Forschungsprogramme zur Untersuchung der Struktur von Erdkruste und -mantel im Bereich des antarktischen Kontinents durch. Mit einer Expedition in das Dronning Maud Land (GEOMAUD, 1995/96) werden die Arbeiten der ehemaligen DDR- Antarktisforschung auf dem antarktischen Schild fortgesetzt. Arktis Das zunehmende Interesse an der Erforschung des Arktischen Ozeans und der angrenzenden Polargebiete führt auch zu steigender Projektförderung durch das BMBF. Das unter deutscher Beteiligung durchgeführte Greenland Ice Core Project (GRIP) hat Aufschlüsse über die Geschichte der Klimaentwicklung und die Zusammensetzung der Atmosphäre auf der Nordhalbkugel während der vergangenen 200 000 bis 250 000 Jahre gegeben. Anhand des Eiskerns wurde deutlich, daß sich der Übergang von der letzten Eiszeit vor etwa 11 000 Jahren auf der Nordhalbkugel innerhalb weniger Jahrzehnte vollzog. Die natürlichen Beschränkungen für eine systematische Erforschung des Arktischen Ozeans sollen in Zukunft durch gemeinsame Expeditionen mehrerer Eisbrecher überwunden werden. Die wachsende Bereitschaft der Anrainerstaaten, die Schelfzonen für Forschungsarbeiten zu öffnen, läßt auch dort bessere Arbeitsmöglichkeiten erwarten. Zur Förderung der Arktisforschung wurde 1990 das International Arctic Science Committee (IASC) gegründet, dem auch Deutschland angehört. Durch die politische Öffnung Osteuropas konnte die internationale Polarforschung im Laufe der letzten Jahre verstärkt mit russischen Instituten auf dem Gebiet der Arktisforschung kooperieren. Insbesondere die Laptev-See wird im Rahmen deutsch-russischer Gemeinschaftsexpeditionen intensiv untersucht. Die wissenschaftliche Bedeutung dieses Meeresgebietes -- der ,,Eisfabrik`` der Arktis -- liegt in seiner Rolle als Indikator für Klimaveränderungen. Untersuchungen zur Rekonstruktion der Umweltentwicklung Mittelsibiriens im Spätquartär wurden unter Federführung der Forschungsstelle Potsdam des AWI im Jahr 1994 begonnen. Diese Arbeiten könnten für den Treibhauseffekt von großer Bedeutung werden, da im Eis der riesigen Permafrostgebiete Sibiriens große Mengen an Kohlenstoffverbindungen gespeichert sind. Der deutschen Arktisforschung steht seit 1990 die ganzjährig besetzte Koldewey-Station in Ny lesund auf Spitzbergen zur Verfügung. Dort werden regelmäßig meteorologische Messungen vorgenommen sowie die vertikale Verteilung der Ozon- und Aerosolkonzentration registriert. Der Ausbau der Anlage für luftchemische Messungen und biologische Programme ist abgeschlossen. Für die BGR stehen auch in der Arktis plattentektonische Fragestellungen, hier z.T. verknüpft mit Fragen zur Rohstoffsicherung, im Vordergrund. Im Rahmen von CASE 1 und 2 (Correlation of Alpine Structural Events, 1992 bzw. 1994) wurde der zeitliche und tektonische Ablauf der Trennung Spitzbergens von Grönland untersucht. Während der geplanten Expedition CASE 3 (Circum Arctic Structural Events) wird der Einfluß mittelozeanischer Spreizungszonen auf kontinentale Kruste erforscht. 4. Weltraumforschung und Weltraumtechnik (Förderbereich D) Neue Akzente in der deutschen und internationalen Raumfahrt Die deutsche Raumfahrtpolitik hat in den vergangenen Jahren ihre Ziele und Inhalte kontinuierlich weiterentwickelt und dabei auch in der internationalen Zusammenarbeit mit der verstärkten Einbeziehung Rußlands und Japans neue Akzente gesetzt. Vor allem in Europa haben sich jetzt die Rahmenbedingungen geklärt, denn die Europäische Weltraumorganisation ESA (European Space Agency) hat nach langen und intensiven Beratungen auf Ministerebene grund- legende Entscheidungen getroffen. Im Oktober 1995 hat die ESA-Ministerkonferenz in Toulouse -- nicht zuletzt getragen von der deutsch-französischen Solidarität -- zukunftsweisende Entscheidungen getroffen. So beschlossen die Minister, daß Europa sich an der geplanten Internationalen Raumstation beteiligen wird. Dabei wird der Einsatz des Labormoduls COF (Columbus Orbital Facility) und von ARIANE 5/ATV (Automated Transfer Vehicle) Basis des europäischen Engagements sein. Die Frage der Verteilung der gemeinsamen Betriebskosten, die bereits auf der Ministerkonferenz in Granada (1992) diskutiert wurde, konnte inzwischen in Verhandlungen mit der amerikanischen Seite gelöst werden. Danach wird Europa seinen Beitrag in Form von Sachleistungen erbringen, d. h. insbesondere über Versorgungsflüge zur Station mit ARIANE 5 und ATV. Auf der Toulouser Konferenz betonten die Minister zugleich, daß Europa über einen eigenständigen Zugang zum Weltraum verfügen muß. Für die Durchführung des Projekts ARIANE 5 beschlossen sie zudem drei Ergänzungsprogramme (ARIANE 5 Weiterentwicklung, ARIANE 5 Infrastruktur und ARTA/ARIANE 5). Eigenständiger europäischer Weltraumzugang mit ARIANE Die Bundesregierung hat nach den Zielvorgaben des Kabinett-Ausschusses Raumfahrt vom 27. Juni 1990 auch im nationalen Programm neue Akzente gesetzt. Hier wurden große Anstrengungen unternommen, die wissenschaftlichen und industriellen Kapazitäten in den neuen Ländern zu integrieren, die Kooperation mit Rußland und Japan zu intensivieren und -- ergänzend zum ESA-Programm -- die Kapazitäten im Bereich der Erdbeobachtung auszubauen. Die wesentlichen inhaltlichen Zielsetzungen der Weltraumforschung gelten auch weiterhin. Grundsätzlich geht es darum, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Erde und das All zu gewinnen. Weiter sollen Anreize für den technologischen Fortschritt geschaffen und die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gestärkt werden. In der praktischen Umsetzung soll die Weltraumforschung beispielsweise dazu beitragen, durch satellitengestützte Erdbeobachtung Umweltfragen zu lösen oder die öffentliche und kommerzielle Infrastruktur etwa im Bereich Telekommunikation zu verbessern. Die deutsche Forschung hat in den vergangenen Jahren international beachtete Spitzenergebnisse vorgelegt. Im Bereich der erdorientierten Forschung wurde im April 1995 der zweite europäische Erderkundungssatellit ERS-2 (baugleich mit ERS 1, Start Juli 1991) gestartet und erfolgreich in Betrieb genommen. Beide Satelliten wurden unter Federführung der deutschen Industrie entwickelt und gebaut. ERS ist ein allwettertaugliches System, das mit seinen aktiven Mikrowelleninstrumenten alle Messungen auch tageslichtunabhängig ausführen kann. Mit Hilfe des Ozonmeßgeräts GOME erlaubt ERS-2 zusätzlich eine präzise globale Messung der Ozonkonzentration in der Stratosphäre. Im Bereich der extraterrestrischen Forschung ist die bis heute laufende Erfassung von Röntgen- und EUV-Strahlungsquellen im Weltall durch den deutschen Röntgen-Satelliten ROSAT das herausragende Ereignis. Daneben sind besonders die Shuttle-Missionen mit der wiederverwendbaren Plattform ASTRO-SPAS hervorzuheben, die 1993 das Astronomieteleskop ORFEUS und 1994 das Atmosphärenmeßinstrument CRISTA zum Einsatz brachten. Auch die erfolgreiche Beteiligung am Gamma-Ray- Observatory (GRO) der NASA untermauert den hohen Stellenwert der deutschen Forschung auf diesem Gebiet. Satelliten für Umweltforschung und Nachrichtentechnik, ,,Satelliten-Astronomie" Entscheidungen der ESA-Ministerkonferenz in Toulouse (1995) Mit den Toulouser Beschlüssen zur Beteiligung an der Internationalen Raumstation mit dem Labormodul COF und den Versorgungsflügen mit der Trägerrakete ARIANE 5/ATV bekundeten die Minister die Entschlossenheit Europas, Partner bei diesem bislang bedeutendsten Gemeinschaftsvorhaben auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie zu sein. Die beschlossenen Ergänzungsprogramme zur ARIANE 5 sollen ihre künftige Wettbewerbsposition stärken. Darüber hinaus nahmen die Teilnehmer den Programmvorschlag Horizon 2000 Plus, der das erfolgreiche ESA- Wissenschaftsprogramm fortentwickelt, als Grundlage für die weiteren Planungen an. Da die ESA-Mitgliedstaaten den Vorschlag inhaltlich grundsätzlich positiv bewerteten, wird derzeit mit seiner Umsetzung begonnen. Die Minister billigten gleichfalls Leitlinien für die Vorbereitung der künftigen Tätigkeiten und Programme und unterstrichen insbesondere die Bedeutung der im Bereich der Telekommunikation und der Erdbeobachtung noch zu fassenden Beschlüsse. Auch finanzielle Festlegungen wurden in Toulouse getroffen. Bis zum Jahre 2000 hat die ESA-Ratstagung insgesamt ca. 10,6 Mrd DM für europäische Raumfahrtaktivitäten bewilligt. Deutschland wird hiervon ca. 3,1 Mrd DM tragen. Die Mittel für die ESA-Pflichtprogramme wollen die Minister für den Zeitraum von 1996 bis 2000 konstant halten. Einigung wurde weiter über die Neuordnung des ESA-Finanzsystems erzielt. Ab 1. Januar 1997 wird der ECU die bisherige Rechnungseinheit der ESA, die ,,accounting unit`` (AU), als Zahlungsmittel ersetzen. Bis zum Jahr 2000 sollen Verträge und Beiträge stufenweise auf ECU-Basis umgestellt und neue Verträge auf derselben Grundlage abgeschlossen werden. Diese Entscheidungen verleihen der Organisation eine solide Grundlage für die Durchführung ihrer Programme und Tätigkeiten. Die Ausrichtung der Raumfahrtaktivitäten der ESA, wie in Rom (1985) und Den Haag (1987) angedacht, wird damit in wesentlichen Elementen zur Durchführung kommen. Mit den konstruktiven Entscheidungen von Toulouse sind die europäischen Weltraumaktivitäten nunmehr mit Perspektive und Zukunftsorientierungen ausgestattet. Zielsetzungen und Leitlinien der deutschen Raumfahrtpolitik Am 27. Juni 1990 hat der Kabinett-Ausschuß Raumfahrt Zielvorgaben für das Weltraumprogramm der Bundesregierung beschlossen. Sie bilden die Grundlage der deutschen Weltraumpolitik. Danach wird insbesondere angestrebt: -- eine starke Beteiligung an der europäischen Zusammenarbeit im Rahmen der ESA, -- die weitere bi- und multilaterale Zusammenarbeit vor allem mit Frankreich und anderen ESA-Mitgliedstaaten, den USA, Japan, inzwischen auch mit den Staaten der GUS, -- die Mitwirkung in den europäischen bzw. internationalen Betreiber- und Dienstleistungsorganisationen, -- ein mit der ESA-Programmatik korrespondierendes nationales Programm, das vor allem die technisch-wirtschaftliche Eigenständigkeit und Partnerschaftsfähigkeit Deutschlands auf wichtigen, nutzungsbezogenen Zukunftsfeldern fördert und die Integration der neuen Länder in den Bereichen Industrie und Wissenschaft voranbringt. Als wesentliche fachliche Ziele gelten weiterhin: -- die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Erde und das All, -- die Bereitstellung von Daten und Informationen vor allem zur Lösung von Umweltfragen durch satellitengestützte Erdbeobachtung, -- die Verbesserung öffentlicher und kommerzieller Infrastruktur sowie entsprechender Dienstleistungen mit Hilfe weltraumgestützter Telekommunikation, Ortung und Navigation, -- der Anreiz zu technologischen Fortschritten und die Steigerung der Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, -- die Verwirklichung des sicheren und wirtschaftlichen Zugangs zum Weltraum und seiner Nutzung, -- die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik und die Erweiterung der Möglichkeiten der Entwicklungshilfe, -- ggf. auch die Erarbeitung von Beiträgen zur Verifikation von Rüstungskontrollabkommen, zum Krisenmanagement und für die Umweltüberwachung. Aktivitäten im nationalen Rahmen und in internationaler Zusammenarbeit Deutsche Raumfahrtaktivitäten werden in den seltensten Fällen auf rein nationaler Ebene durchgeführt. Nahezu jedes Projekt besitzt mindestens einen internationalen Partner. Die Förderung für nationale und multinationale Vorhaben -- einschließlich der deutschen Beteiligung am europäischen Gemeinschaftsprogramm der ESA -- erstreckt sich vor allem auf folgende Schwerpunkte: -- Erdorientierte Forschung über Zustand, Entwicklung und Ressourcen der Landgebiete, der Atmosphäre, der Ozeane und der eisbedeckten Gebiete der Erde; Datenerfassungstechnologien für Nachweis- und Überwachungsmethoden zur Umweltkontrolle, -- extraterrestrische Forschung auf den Gebieten Astronomie/Astrophysik, Physik der höheren Atmosphäre und Magnetosphären- und Plasmaphysik sowie Physik der Planeten, Kometen, Monde und des interplanetaren Raums, -- Gebiete der Metallurgie/Verbundwerkstoffe sowie Kristallzüchtung, elektronische Halbleiter, kritische Phänomene und Dispersionen, Fluidphysik, Gravitations- und Strahlungsbiologie sowie Humanphysiologie, -- Entwicklung von Technologien zur satellitengestützten Kommunikation und Navigation sowie Vorbereitung neuer Nutzungsmöglichkeiten durch einen kombinierten Einsatz beider Technologiefelder (Telematik) zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Förderung der Konsortialfähigkeit der deutschen Industrie im internationalen Rahmen, -- Voruntersuchungen und Vorentwicklungen für orbitale und terrestrische Infrastrukturen, insbesondere Raumtransportsysteme, Orbitalsysteme und deren Nutzung sowie Boden- und Betriebseinrichtungen, -- Vorbereitung zur europäischen Beteiligung an der Internationalen Raumstation durch orbitale Infrastrukturelemente (COF), logistische Raumtransportsysteme (ATV) und durch Vorentwicklungen von Technologien für bemannte Raumtransportsysteme (Crew Rescue Vehicle, CRV). Im Bereich der erdorientierten Forschung wird das erfolgreiche ERS- Programm (vgl. Überblick) weitergeführt. Hier werden gegenwärtig eine polare Plattform und die Nutzlast für eine Umweltforschungsmission (ENVISAT-1) entwickelt. Der Start soll im Zeitraum 1998/99 erfolgen. Für diese Mission wird auch ein deutsch-niederländisches Atmosphärenforschungsinstrument (SCIAMACHY) bereitgestellt. Im Frühjahr und Herbst 1994 gab es zwei sehr erfolgreiche Missionen mit dem Radarlaboratorium im SPACE SHUTTLE. Das Radar im X-Band wurde gemeinsam von Deutschland und Italien entwikkelt und zusammen mit dem C- und L-Band-Radar (SIR-C) von NASA-JPL eingesetzt. Diese beiden Experimente leisteten bedeutende Beiträge zu wissenschaftlichen und anwendungsorientierten Fragestellungen in der Geologie, Landwirtschaft, Hydrologie, Ökologie, Ozeanographie und anderen geowissenschaftlichen Disziplinen. Für die extraterrestrische Forschung wurden in den vergangenen Jahren z. B. die Satelliten GIOTTO, HIPPARCOS, das HUBBLE-Teleskop und ULYSSES als ESA-Projekte gestartet und erfolgreich in Betrieb genommen. Das herausragende Ereignis und eine internationale Spitzenleistung war der Start des deutschen Röntgen-Satelliten ROSAT im Juni 1990, der seine Aufgabe, die Erfassung von Röntgen- und EUV- (Extreme-Ultra-Violett) Strahlungsquellen im Weltall, bis heute erfolgreich erfüllt. Auch die Shuttle-Missionen mit der Plattform ASTRO-SPAS fanden internationale Anerkennung. Mit dem 1989 gestarteten deutschamerikanischen Forschungsprojekt GALILEO zum Planeten Jupiter ist ein herausragender Fortschritt erzielt worden: Eine mit deutschem Antrieb ausgestattete Sonde ist am 7. Dezember 1995 in die Jupiteratmosphäre eingetaucht und hat eine Fülle von Daten ermittelt, die z.T. die bisherigen wissenschaftlichen Vorstellungen über den Jupiter korrigieren. Überwiegend technische Wissenschaften bestimmten die 22 Experimente, mit denen Deutschland an der amerikanischen SPACELAB-Mission IML-2 (International Microgravity Laboratory) im Juli 1994 beteiligt war. Während dieser 14tägigen Weltraummission wurden u. a. zwei weltweit einzigartige deutsche Experimentanlagen erfolgreich eingesetzt: die elektromagnetische Positionier- und Heizvorrichtung TEMPUS und das Niedergeschwindigkeit-Zentrifugenmikroskop NIZEMI. Diese Anlagen wurden von deutschen und amerikanischen Wissenschaftlern gemeinsam genutzt. Auch an den MIR-Missionen der ESA waren und sind deutsche Wissenschaftler mit medizinischen und materialwissenschaftlichen Experimenten maßgeblich beteiligt. Am 26. April 1991 wurde, damals noch mit der UdSSR, der Vertrag zur Weltraummission MARS '94 unterzeichnet, die 1996 starten wird. Die Bundesrepublik Deutschland wird mit 13 Experimenten beteiligt sein. Diese und weitere Vorhaben wurden in das Abkommen zur wissenschaftlich- technischen Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und der Russischen Akademie der Wissenschaft überführt, wobei besonders Projekte aus den neuen Ländern Berücksichtigung fanden. Darüber hinaus wurde am 1. März 1993 eine Vereinbarung zwischen der russischen Raumfahrtagentur RKA und der DARA über die Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums für friedliche Zwecke abgeschlossen. Diese Vereinbarung regelt Bereiche, Formen, Modalitäten und Grundsätze der Finanzierung sowie rechtliche Randbedingungen der bilateralen Raumfahrtkooperation. Die Zusammenarbeit mit Japan wurde im Rahmen von Projektvereinbarungen mit verschiedenen japanischen Einrichtungen weiter intensiviert. Zwischen den Raumfahrtagenturen DARA und NASDA fand 1994 das 2. Agenturtreffen statt, aus dem heraus sich eine konkrete Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Automation und Robotik für den japanischen Testsatelliten ETS VII entwickelte. Mit NEDO, einer Unterorganisation des MITI, wird derzeit ein Abkommen über die Untersuchung neuer Verbrennungstechnologien vorbereitet. Das Projekt EXPRESS zur Rückkehrtechnologie, das Rußland und Australien miteinbezogen hatte, wurde 1995 zusammen mit MITI und ISAS durchgeführt. Aufgrund eines Versagens des Trägersystems konnte das Flug- und Versuchsprogramm nur teilweise abgearbeitet werden. Die Kapsel selbst wurde Anfang 1996 aufgefunden. Die Bedürfnisse von Entwicklungsländern werden bei der Mitarbeit Deutschlands im Weltraumausschuß der Vereinten Nationen und durch die Vergabe zahlreicher Stipendien sowie die Ausrichtung oder Unterstützung von Seminaren und Workshops berücksichtigt. Die neuen Länder Die Bundesregierung legt großen Wert auf die verstärkte Integration geeigneter Forschungs- und Industriekapazitäten der neuen Länder in die zukunftsträchtigen Programme der internationalen Raumfahrt. Dank der langjährigen Zusammenarbeit mit der damaligen UdSSR verfügen die neuen Länder über gut ausgebildete Wissenschaftler und über leistungsfähige Kapazitäten. Beispielsweise lieferte die ehemalige DDR anspruchsvolle, experimentelle Vorrichtungen für die vergleichsweise häufigen Weltraumflüge. Über die Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) stellt die Bundesregierung sicher, daß jährlich mindestens 53 Mio DM an Projektmitteln aus dem nationalen Raumfahrthaushalt in den neuen Ländern ausgegeben werden. Daneben werden im Rahmen der Grundfinanzierung der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) für deren Forschungszentrum in Berlin-Adlershof und für die Außenstelle Neustrelitz Mittel bereitgestellt. Insgesamt sind im Weltraumprogramm pro Jahr über 90 Mio DM für die neuen Länder vorgesehen. Innerhalb der ESA schafft die DARA die Voraussetzungen für die spezielle Förderung und Einbindung von Unternehmen und Instituten in den neuen Ländern bei der Bearbeitung neuer raumfahrtrelevanter Technologiefelder, insbesondere im Rahmen des General Support Technology Programme (GSTP). Damit die Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen in den neuen Ländern weiterhin eigenständig Innovationen entwickeln, ihr spezifisches Profil verbessern und ihre Fähigkeiten unter den Bedingungen des internationalen Wettbewerbs beweisen können, wird darüber hinaus seit 1995 ein spezifisches Leitprojekt für die neuen Länder vorbereitet. Es handelt sich um ein Kleinsatellitenprojekt namens CHAMP (CHAllenging Microsatellite Payload for Geophysical Research and Application), das federführend vom Geoforschungszentrum in Potsdam verwirklicht wird. Dieses Leitprojekt der neuen Länder -- in einer finanziellen Größenordnung von 50 Mio DM -- befindet sich gegenwärtig in der Definitionsphase. Es soll im Jahre 2000 wesentliche Erkenntnisse zur Schwerefeldmodellierung, zur Bestimmung der zeitlichen Änderung des Erdmagnetfeldes und Beiträge zur operationellen Wettervorhersage sowie zur Klimaforschung liefern. DARA Die bundeseigene Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) GmbH ist die zentrale Einrichtung des Raumfahrtmanagements in Deutschland. Bei der Gründung der DARA im Jahre 1989 konnte die Bundesregierung auf die positiven Erfahrungen zurückgreifen, die andere Länder mit vergleichbaren Institutionen gemacht haben. Nach dem Gesetz zur Übertragung von Verwaltungsaufgaben auf dem Gebiet der Raumfahrt (RAÜG) hat die DARA die Aufgabe, die deutsche Raumfahrtplanung zu erstellen, die deutschen Raumfahrtprogramme durchzuführen und die deutschen Raumfahrtinteressen auf internationaler Ebene, insbesondere gegenüber der ESA, wahrzunehmen. Finanzierung Die Aufwendungen für die Raumfahrt können nur in gemeinsamer europäischer Anstrengung aufgebracht und im Rahmen internationaler Zusammenarbeit genutzt werden. Der Beitrag zum Programm der ESA stellt mit etwa 75% den größten finanziellen Anteil am deutschen Weltraumprogramm dar. Darüber hinaus wird auch bei 80% der nationalen Forschungsaktivitäten mit internationalen Partnern zusammengearbeitet. Die Fördermittel (seit 1994 ca. 1,6 Mrd DM pro Jahr) werden aus dem Haushalt des BMBF bereitgestellt. Auch andere Bundesministerien, z. B. BMV, BMVg sind im Rahmen ihrer Ressortaufgaben an anwendungsbezogenen Weltraumprojekten beteiligt. Dabei ermöglicht das RAÜG, daß die zugehörigen Managementaufgaben und Mittel der DARA übertragen werden. 5. Energieforschung und Energietechnologie (Förderbereich E) Für eine umweltgerechte, dauerhafte Energieversorgung Die gesicherte Versorgung mit preisgünstiger und umweltgerecht erzeugter Energie gehört zu den elementaren Voraussetzungen für eine dauerhaft funktionierende Volkswirtschaft. Bereitstellung und Nutzung von Energie können allerdings Umweltprobleme verursachen. Sowohl die ökonomische als auch die ökologische Bedeutung des Energiesektors stehen daher im Mittelpunkt der Forschungsförderung durch die Bundesregierung. Mit dem 1996 beginnenden 4. Energieforschungsprogramm will die Bundesregierung die technologischen Grundlagen für eine nachhaltige Senkung der energiebedingten Umwelt- und Klimabelastungen schaffen. Damit verbunden sind vielfältige Forschungsaktivitäten zur Entwicklung neuer, hochinnovativer Produkte und Verfahren. Auf diese Weise dient das Programm nicht zuletzt auch der Sicherung des Technologiestandortes Deutschland. Eine Reihe von Projekten wird in internationaler Kooperation durchgeführt. Die Forschungsschwerpunkte des Programms liegen in folgenden Bereichen: -- Reduzierung des Energiebedarfs. Dies kann durch effizientere Energieumwandlung, rationelle Energieverwendung und eine verbesserte Nutzung von Sekundär-Energien geschehen. -- Erschließung langfristig nutzbarer Energiequellen ohne CO2-Emission. Hier geht es um die Förderung erneuerbarer Energien, die weitere Nutzung der Kernenergie (Reaktorsicherheit, Strahlenschutz, Endlagerung der Abfälle und Kraftwerksrückbau) sowie die Fortentwicklung der Kernfusion. 4. Energieforschungs- programm: Umwelt schonen, gleichzeitig Technologie-Standort fördern -- Bearbeitung übergreifender Themen wie Systemanalyse, Informationsverbreitung, Abbau von Innovationshemmnissen. Brennstoff Kohle: Entwicklungspotentiale aufspüren Nach dem Willen der Bundesregierung wird die Kohle auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland leisten. Derzeit werden fast 30 % des Primärenergieverbrauchs und 56 % der Stromerzeugung durch Kohle gedeckt. Die Forschungsförderung richtet sich vor allem darauf, Voraussetzungen zu schaffen, damit die fossilen Energieträger Kohle, Gas und Öl umweltfreundlich und wirtschaftlich genutzt werden können. Durch neue Kraftwerks- und Verbrennungstechnologien kann der Wirkungsgrad der Energieumwandlung wesentlich verbessert werden. Im gleichen Maße werden die CO2- Emissionen vermindert und Brennstoff eingespart. Für die nächsten 15 bis 20 Jahre wird angestrebt, die Wirkungsgrade von Kombi-, Gas- und Dampfkraftwerken auf 55% (derzeitige Kraftwerke im Durchschnitt rd. 36 %) zu erhöhen. Bisher Erreichtes ermöglicht bereits heute die umweltfreundliche und leistungssteigernde Nachrüstung bestehender Kraftwerke und den Neubau bei Wirkungsgraden von ca. 42 %. Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken erhöhen Wichtige Erkenntnisse haben in diesem Zusammenhang die Verbundprojekte ,,Hochtemperatur-Gasturbine`` und ,,TECFLAM`` geliefert. Andere Forschungsarbeiten verbesserten speziell für kleine Kraftwerke die atmosphärische zirkulierende Wirbelschichtfeuerung -- mit einer Technik, die sich mittlerweile international am Markt durchgesetzt hat. Regenerative Energie: Neue Techniken erschließen Erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Sonnenstrahlung, Wind, Biomasse, Erd- und Umgebungswärme schonen knappe Ressourcen und entlasten Luft, Wasser, Boden und Klima. Theoretisch sind ihre energetischen Potentiale beträchtlich. Ihre Ausschöpfung unter wirtschaftlichen Bedingungen ist bisher allerdings nur zu einem kleinen Teil möglich und erfordert viel Zeit. Regenerative Energiequellen und Abfallverbrennung tragen bislang in Deutschland nur zu rd. 2,5 % des Primärenergiebedarfs bei. Das BMBF will dies mit einer umfangreichen Forschungsförderung ändern (siehe Textkasten). 1996 sind für erneuerbare Energien und rationelle Energieverwendung knapp 339 Mio DM vorgesehen. Heizen und Produzieren mit weniger Energie Die Raumwärme in Haushalten wird zu über 80% durch fossile Energieträger erzeugt. Dies aber setzt klimaschädliches CO2-frei. Wirksame Gegenmaßnahmen sind z. B. energiesparende Heiztechniken, verbesserter Wärmeschutz, dabei auch die energiegerechte Sanierung industriell errichteter Wohnbauten in den neuen Ländern sowie solaroptimiertes Bauen. Ein Ansatzpunkt für die Substitution CO2- emittierender Energien zur Bereitstellung von Raumwärme ist auch die Nutzung von Sonnenenergie und Biomasse. Entsprechende Techniken, Produkte und Verfahren werden vom BMBF im Rahmen des Programms ,,Solarthermie 2000`` und vom BML bei dem Programm ,,Zuschüsse zur Förderung nachwachsender Rohstoffe" gefördert. Dazu gehören u. a. Projekte zum Langzeitverhalten thermischer Solaranlagen und zur solaren Nahwärme. Für den Einsatz im produzierenden Gewerbe fördert das BMBF unter dem Gesichtspunkt des Energiesparens und der rationellen Energienutzung u. a. branchenübergreifende Prozesse (Unit Operation) wie die verstärkte Kreislaufführung von Materialien bzw. den Einsatz von Katalysatoren und verschiedenen Trock- nungstechniken. Unterstützt werden dabei viele Querschnittstechniken, z. B. in den Bereichen Drucklufterzeugung, Kompression, Pumptechnik und Klimatisierung. Bundesregierung setzt weiter auf sichere Kernenergie Die Bundesregierung hält die Nutzung der Kernenergie unter Einhaltung der hohen deutschen Sicherheitsstandards für verantwortbar. Zur Stützung und zum weiteren Ausbau dieser Standards fördert die Bundesregierung Forschungsmaßnahmen im Bereich der Sicherheit von Reaktoren und der Endlagerung sowie des Strahlenschutzes. Kernenergie ist für den Industriestandort Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Energie- und Umweltpolitik, zumal sie allein in der Bundesrepublik Deutschland zur Vermeidung von jährlich bis zu. 150 Mio Tonnen CO2 beiträgt. Seit vielen Jahren stammen rd. 30% des in Deutschland produzierten Stroms aus Kernkraftwerken. Dem entspricht rd. 10 % des Primärenergieverbrauchs. Kernenergie: notwendig und verantwortbar Voraussetzung für eine verantwortungsbewußte Nutzung der Kernenergie ist die sichere Endlagerung nuklearer Abfälle. Sie ist damit auch Gegenstand der Forschungsförderung durch das BMBF. Ende 1995 endete das Forschungsprojekt ,,Direkte Endlagerung``, das deren technische Machbarkeit nachwies. In Zusammenarbeit mit EURATOM und IAEO wurden zudem Instrumente und Verfahren zur Überwachung von Spaltmaterial entwickelt -- so etwa spezielle Siegelsysteme zur Einschließung der radioaktiven Substanzen. Der Sicherheit dienen ferner die Maßnahmen auf dem Gebiet des Strahlenschutzes. Im Rahmen verschiedener FuE-Projekte wurden u. a. -- die natürliche und zivilisatorisch bedingte Strahlungsexposition analysiert, -- die Radon-Konzentration in Wohnhäusern erforscht, -- Gesundheitsrisiken der Strahlung beim Uranbergbau untersucht, -- Meßtechnik, Dosimetersysteme und Unfallvorsorge verbessert. Kohle und andere fossile Energieträger Kohle, d. h. Stein- und Braunkohle, ist der einzige Energieträger, von dem in Deutschland größere Vorkommen lagern. Sie trägt hierzulande mit etwa einem Drittel zum Primärenergieverbrauch bei. Zie